Duell der Gegensätze

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig gegen den 1. FC Union Berlin (01.03.2015, 13.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Achim Beierlorzer und Tim Sebastian.]

Nein, es geht hier unter dem Titel „Duell der Gegensätze“ nicht um das, was in Berliner Tageszeitungen, Programmheften und Flyern zum Kulturkampf aufgeblasen wird und hierzulande ganz gern aufgegriffen wird, um ein wenig gegenzutösen und es in die bundesweite Presse schafft. Nein, unter dem Titel geht es hier tatsächlich überraschenderweise um sportliches.

Wobei der Gegensatz sich ganz anders lagert, als man das noch vor ein paar Monaten erwarten konnte. Nach dem fünften Spieltag, also vor dem Hinspiel zwischen Union und RB an der Alten Försterei standen die Hauptstädter mit drei Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz und RB mit 11 Punkten auf Platz 2. 17 Spiele später bilden beide mit 30 Punkten das Tabellenmittelfeld, das jenseits von Gut und Böse aufspielen kann.

Die Stimmung rund um beide Vereine könnte trotz identischer Bilanz aber nicht unterschiedlicher sein. Was natürlich einerseits an völlig unerschiedlichen Saisonzielen liegt und eben daran, wo beide Vereine herkommen.

Dass die Stimmung bei Union inzwischen ziemlich gut ist und man zufrieden mit dem Stand der Dinge sein kann, liegt im Wesentlichen daran, dass man eine sportlich schwierige Situation zu Saisonbeginn durchschritt und positiv auflöste. Entscheidender Baustein dafür vielleicht der 10.Spieltag, in den man mit sieben Punkten als Vorletzter ging und mit Sandhausen einen direkten Abstiegskandidaten zu Gast hatte. 0:1 lag man zur Pause hinten und vermutlich hatten einige auf der Pressetribüne die Düwel-Abgesänge schon vorformuliert, doch eine furiose zweite Halbzeit und ein verdienter 3:1 Sieg sicherten nicht nur dem Trainer den Job, sondern waren auch stilbildend für viele, wenn auch beileibe nicht alle Spiele seitdem.

Zwischen Spieltag 10 und 22 holte Union in 13 Partien insgesamt 23 Punkte bei 22:19 Toren. RB Leipzig kam in derselben Zeit auf gerade mal 14 Punkte bei 9:9 Toren. Während man in Berlin viele erfolgreiche Torfeste feierte (reichlich drei Treffer pro Partie), mühte man sich bei RB Leipzig durch die Saison. Wenn man noch die 4:1-Tore aus dem Spiel gegen St. Pauli abzieht, bleiben für die anderen 12 Partien noch 5:8 Tore (ungefähr eins pro Partie).

Für die letzten 13 Partien würde Union Berlin Platz hinter Karlsruhe (26), Ingolstadt (25) und Braunschweig (24) punktgleich mit Darmstadt und Nürnberg Platz 5 belegen, also mitten im Aufstiegsrennen sein. RB Leipzig würde in dieser Bilanz Rang 11 belegen und eher ängstlich gen Abstiegsränge blicken müssen.

Zweimal blieb Union in dieser Zeit ohne eigenes Tor, worin sich auch die Qualität ausdrückt, dass man jederzeit in der Lage ist, Ballbesitz auch in ein Tor umzuwandeln. Zumal da beileibe nicht nur Kontertore dabei waren. RB Leipzig blieb in dieser Zeit in acht von 13 Spielen torlos und zeigte das genaue Gegenteil, dass man nämlich im Spiel mit dem Ball kaum gefährlich vor das gegnerische Tor kommt. Ein Dilemma, das ja auch schon im Hinspiel zu sehen war, als man mit 58% Ballbesitz kaum eine Chance verbuchte (auch wenn man angsichts von irgendwas zwischen einem und drei nicht gegebenen Elfmetern etwas Pech hatte).

Auf der anderen Seite steht Unions Defensive nicht gerade für die ganz große Stabilität, obwohl man spieltaktisch nach allerlei Anfangsproblemen eigentlich inzwischen deutlich dazugelernt hat und durchaus auch sehr kompakt und defensiv sicher spielen kann. Aber irgendwas fängt man sich trotzdem immer, sodass man bisher in 22 Spielen nur zweimal zu null spielte (RB Leipzig schaffte das gleich neunmal). Witzigerweise beide Male gegen Karlsruhe.

Wobei die Tendenz besser wird, denn auch wenn Union in den letzten acht Spielen nur einmal ohne Gegentor blieb, kassierte man in derselben Zeit auch nur einmal mehr als ein Gegentor. Zusammengenommen mit der guten Offensivbilanz heißt das dann eben auch, dass ein Tor zu verkraften ist.

Diese ganzen Zahlen führen auch dazu, dass Union zwar das Team der zweiten Liga ist, das am häufigsten in Rückstand geriet, nämlich in 16 von 22 Spielen, aber nur die Hälfte dieser Spiele verlor (nur Ingolstadt, Bochum und Kaiserslautern mit besserer Quote als 50%) und sogar noch fünf davon gewann. Knapp ein Drittel aller Partien, bei denen Union in Rückstand lag, hat man also noch gewonnen (zudem gehen knapp ein Drittel aller gedrehten Zweitligaspiele auf das Konto von Union). Das ist in der zweiten Bundesliga mit Abstand der Topwert und wird in den obersten drei Spielklassen nur von den Bayern getoppt, die zwei von drei Spielen mit Rückstand noch in einen Sieg verwandelten.

Dass man so viele Spiele gedreht hat, zeugt durchaus auch von einem besonderen Mannschaftsgeist, der ja an der Alten Försterei immer gern beschworen wird. Nach dem Abgang von Torsten Mattuschka im letzten Sommer und der kurzen Unruhe rund um den Verein hat es Norbert Düwel in Zusammenarbeit mit Verein und Umfeld geschafft, sein Team nicht nur umzubauen und deutlich zu verjüngen, sondern auch ganz eng zusammenzuschweißen, sodass man sich auch von engen Spielen und Rückständen nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Auch durch die kürzlich bekannt gewordenen Krebserkrankung von Mittelfeldmann Benjamin Köhler, auf die der Verein mit einer Vertragsverlängerung reagierte, wurde der enge Zusammenhalt im Team deutlich bzw. der Zusammenhalt im Umgang mit dieser Nachricht noch mal gestärkt.

Gegen eine solche Mannschaft anzuspielen ist immer schwer, zumal wenn RB Leipzig aktuell wie der sportliche Gegensatz zu Union wirkt. Defensiv nach der Winterpause enorm anfällig, offensiv überschaubar gefährlich und dazu nach den Wechseln des Winters gerade offensiv eine Ansammlung von individueller Klasse, der das mannschaftliche Zusammenspiel (noch) fast völlig abgeht. Bis tief in die Hinrunde stand das RB Leipzig der letzten zweieinhalb Jahre in Eigen- und Fremdwahrnehmung immer für Teamgeist und für eine einfache Integration von Neuzugängen, in der Winterpause scheint diesbezüglich irgendetwas zerbrochen zu sein, was erst wieder neu zusammenwachsen muss.

Nimmt man all die Fakten und aktuellen Teamzustände zusammen, dann kommt man fast zu der Annahme, dass Union Berlin als in den letzten Wochen enorm gefestigtes und aus der Krise der ersten Hälfte der Hinrunde gestärkt hervorgegangenes Team zumindest zum aktuellen Zeitpunkt als Favorit in ein Duell gegen RB Leipzig geht. Das mag natürlich mit Verweis auf die völlig unterschiedlichen Möglichkeiten der Clubs und die unterschiedlichen Kaderpotenziale zurückgewiesen werden, aber wenn sich ein Team in den letzten Wochen de facto als Aufstiegskandidat präsentiert hat, dann war das in jedem Fall sehr viel eher Union als RB.

Wie Union in Leipzig auftritt, ist zu diesem Zeitpunkt etwas ungewiss. Was einerseits an der Rückkehr von Stürmer Sebastian Polter liegt, wegen dem das System sich wieder hin zu einem 4-4-2 schieben könnte, aber auch daran, dass Norbert Düwel als Trainer durchaus gern in Abhängigkeit vom Gegner und von den Eindrücken von seinem Team im Training Änderungen vornimmt.

Gesetzt im Tor ist der Ex-Frankfurter, -Hannoveraner und -Hoffenheimer Daniel Haas, der zwischenzeitlich und vor allem nach Patzern im ersten Teil der Saison von Mohamed Amsif ersetzt wurde, aber dann doch wieder als Stammkraft zurückkehrte, einen soliden Part spielt und manchmal sogar wie ein Libero in den Spielaufbau eingebunden wird.

Die Innenverteidigung Puncec/ Leistner geht als sehr robust und zweikampfstark durch, ist aber auch nicht als komplett fehlerfrei bekannt. Leistner ist von den beiden derjenige, den es auch gern mal in die Offensive zieht. Rechtsverteidiger Christopher Trimmel ist ebenfalls ein sehr agiler, unangenehmer Gegenspieler mit größeren defensiven Qualitäten. Und links hinten spielt mit Fabian Schönheim einer, der an seinen guten Tagen nicht nur defensiv sehr robust agiert, sondern auch offensiv in seine 1,91m Körpergröße eine erstaunliche Dynamik kriegt, die enorm schwer zu verteidigen ist. Wie zuletzt auch Heidenheim leidvoll erfahren musste.

Im zentralen Mittelfeld, das wohl aus zwei Sechsern bestehen wird (wenn Düwel nicht wieder die Mauertaktik mit drei Sechsern aus dem Hinspiel auspackt), um gerade den wahrscheinlich drei Stürmern bei RB Leipzig die Luft und die Räume zu nehmen, ist Kapitän Damir Kreilach ein zentraler Baustein, der auch in der Offensive seine Qualitäten hat (5 Tore, 2 Torvorlagen). Daneben sollte Michael Parensen auflaufen, der im Hinspiel noch verletzt fehlte und zuletzt das Bindeglied zwischen Innenverteidigern und Offensive im Spielaufbau war.

Im Sturm sollte Sebastian Polter auflaufen, der letzte Woche gelbgesperrt fehlte, aber mit acht Toren, davon zwei im Hinspiel gegen RB Leipzig, bester Torschütze im Team ist (und zudem auch schon mit Wolfsburg II in Leipzig traf, aber davon sprechen wir an der Stelle lieber nicht..). Neben oder vermutlich eher hinter ihm könnte dann Sören Brandy auflaufen, ein unangenehmer, nickliger Stürmer, der in dieser Saison bei sechs Torbeteiligungen noch ein bisschen Luft nach oben hat.

Bleiben noch zwei Außenpositionen zu besetzten. Steven Skrzybski, der mit seinen 22 Jahren fast schon als ewiges Talent durchging, hat sich da zuletzt offenbar festgespielt. Auf der rechten Seite dürfte es sich zwischen Christopher Quiring (24) und Martin Kobylanski (20) entscheiden. Wobei ersterer im Fall einer guten Form wohl meist im Vorteil wäre.

Die Wandlung des 1.FC Union in dieser Saison ist durchaus erstaunlich. Ältere Spieler wie Glinker, Mattuschka, Pfertzel bzw. im Winter Özbek, Nemec und Dausch weggeschickt. Dafür gerade im Offensivbereich einige junge Spieler geholt oder aus dem Nachwuchs herangeführt. Das war sicherlich in vielerlei Hinsicht ein Risiko, wie man am Anfang der Saison ja auch gesehen hat.

Aber man hat die Situation gemeistert, ist daraus gestärkt hervorgegangen, weil die Spieler Vertrauen und Entwicklung gespürt haben und ist jetzt ein Team, das über ein sehr gutes taktisches Repertoire und eine gewisse Flexibilität verfügt, wegen des Alters Zukunft hat und in allen Mannschaftsteilen von der Innenverteidigung bis zum Sturm Spieler im Einsatz hat, die sich etwas trauen und auch für Offensivgefahr sorgen können, selbst wenn man dafür mal einen Fehler macht.

Die Aufgabe gegen den 1.FC Union Berlin wird für RB Leipzig auch wegen der weit über 4.000 Gästefans (auch in den an den Gästeblock angrenzenden Bereichen dürften einige Berliner sitzen), egal wann die denn nun genau anreisen oder im Stadion ankommen oder dort singen oder nicht singen, eine ordentlich schwere.

Man wird sich gegen eine Mannschaft wehren müssen, die physisch im Vorteil ist und sehr robust auftreten wird. Angesichts der Tatsache, dass RB Leipzig das zweikampfschwächste Team der ganzen Liga ist, liegt darin wohl auch ein Schlüssel für das Spiel. Schafft man es, auch körperlich zumindest dagegenzuhalten, dann könnte das Pendel für die Gastgeber ausschlagen. Denn im individuellen Bereich hat RB dann gerade in der Offensive die Waffen, die eine gesunde Zweikampfführung veredeln können.

Viel wird auch davon abhängen, wie der neue Prozess der Teamwerdung voranschreitet. In Braunschweig waren die Phasen, in denen RB Leipzig defensiv fast komplett zusammenbrach, ziemlich erschreckend. Da braucht es sicherlich verbesserte Mannschaftsabläufe bzw. Rückgriffe auf die Abläufe der Spiele vor der Winterpause, um den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten.

Und offensiv wird die Frage sein, ob da mit Forsberg, Rebic oder Damari und wahrscheinlich Reyna wieder nur drei Individualkünstler auf dem Platz stehen oder ob diese langsam zusammen mit den Mittelfeldspielern zu einem zusammenspielenden Verbund zusammenwachsen. Die letzten zwei Wochen seit Beierlorzers Amtsantritt lag viel Fokus auf den Abläufen im Spiel mit dem Ball rund um den Strafraum und auf Abschlüssen. Mal sehen, was davon bei den Offensivkräften hängengeblieben ist. In Braunschweig war es nicht allzu viel. Gegen Berlin bräuchte man das Zusammenspiel, um die durchaus vorhandenen Räume zwischen den Ketten zu bespielen. Nur mit Einzelaktionen wird man da schlechte Karten haben.

Yussuf Poulsen wird beim Bespielen der Räume am Sonntag wegen seiner gelb-roten Karte letzte Woche definitiv fehlen. Auch Rani Khedira wird wegen Verletzung nicht antreten können. Sodass im Sturm und im Mittelfeld Umstellungen zu erwarten sind. Forsberg dürfte im Sturm weiter gesetzt sein. Auch Ante Rebic hat sich nach seiner Einwechslung in Braunschweig für einen Startelfeinsatz empfohlen. Omer Damari blieb bei seiner Premiere in der Startelf schwach und könnte dem agileren Yordy Reyna weichen müssen.

Im Mittelfeld sollte Dominik Kaiser nach seinem guten Auftritt in Braunschweig gesetzt sein. Genauso wie der ballsichere Kimmich, der in Braunschweig in der ersten Halbzeit an allerlei Ecken fehlte. Bliebe (wenn es beim 4-3-3 bleibt) noch eine freie Position, um die sich Demme, Kalmár und Hierländer streiten. Letztere beide ging in Braunschweig als Sechser und Achter etwas unter und dürften deswegen eher hinten anstehen.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Coltorti – Teigl, Sebastian, Compper, Jung – Kimmich, Demme, Kaiser – Rebic, Damari (Reyna), Forsberg
  • 1.FC Union Berlin: Haas – Trimmel, Puncec, Leistner, Schönheim – Skrzybski, Parensen, Kreilach, Quiring (Kobylanski) – Brandy, Polter

Union ist sicherlich keine Übermannschaft der zweiten Liga, aber man macht in der Hauptstadt sportlich aktuell einiges richtig. Vor allem im Offensivspiel ist man sehr überzeugt von sich und versucht immer wieder mit viel Aggressivität, Wege zum Tor zu finden und hat sich im Saisonverlauf auch die entsprechenden mannschaftlichen Qualitäten zugelegt. Dazu eine gute Zweikampfhärte im Spiel gegen den Ball und fertig ist ein Team, das unheimlich schwer zu bespielen, geschweige denn zu besiegen ist.

Fazit: Wenn man die Situation vor 17 Spielen im Hinterkopf hat, darf man durchaus überrascht sein, dass Union Berlin aktuell in vielerlei Hinsicht sportlich besser aufgestellt ist als RB Leipzig. Wenn der Prozess der Mannschaftswerdung bei RB Leipzig gute Fortschritte gemacht hat, wird man gegen Union gut aussehen. Wenn wie zuletzt eher Einzelkämpfer unterwegs sind, wird man gegen zweikampfstarke Unioner, die dazu durch das Kulturkampf-Gebrabbel besonders motiviert sein dürften, ziemlich große Probleme kriegen.

[Wer das Spiel von RB Leipzig gegen den 1. FC Union Berlin nicht vor Ort verfolgen kann und am 01.03.2015, ab 13.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live natürlich bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. 1. FC Union Berlin

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Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel von RB Leipzig gegen den 1. FC Union Berlin. Mit Achim Beierlorzer und Tim Sebastian.

10.16

Weiter geht es im Ligatext. Drei Spiele wurden nach der Winterpause bisher gespielt. Ein Punkt und 1:4 Tore stehen auf dem RB-Konto. Eine ausbaufähige Bilanz, wobei es natürlich gegen Union auch nicht gerade einfach wird, den Negativlauf zu durchbrechen.

10.20

Yussuf Poulsen und Rani Khedira werden für das Union-Spiel definitiv ausfallen. Bei Omer Damari ist ein Einsatz noch fraglich. Auch nicht gerade die besten Voraussetzungen für das eh schon verunsicherte Team, wenn man wiedermal umbauen muss.

10.21

Bis zu 30.000 Zuschauer könnten es werden. Mindestens 5.000 Berliner werden es im Gästeblock und in angrenzenden Sektoren wohl sein. Also zumindest dann, wenn dann alle drin sind. Auch das könnte ein Faktor werden, wenn man an Spiele wie gegen Hansa Rostock Ende 2013 denkt.

10.24

Sportlich gesehen warten ein spannendes Duell mit einem Gegner, der in den letzten Wochen und Monaten zu einem Team gereift ist, das im Ligavergleich zu den besseren gehört. Das drückt sich zwar wegen des schlechten Starts in die Saison nicht unbedingt in der Tabelle aus, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Wenn man den aktuellen sportlichen Stand nimmt, ist Union definitiv das heißere Team als RB.

10.26

Die Frage wird sein, ob RB Leipzig das Defensivchaos aus dem Spiel in Braunschweig gegen konterstarke Gäste in den Griff bekommt. Und zudem steht die Frage, ob die Mannschaft im spielerischen Bereich in den wenigen Trainingseinheiten der Woche weiter zusammenwachsen konnte, um an die 20 guten Minuten gegen Frankfurt und 15 gute Minuten in Braunschweig anknüpfen und die positiven Ansätze über eine längere Spieldauer durchhalten zu können.

10.27

Gleich dann Achim Beierlorzer und Dauerbrenner Tim Sebastian in der Pressekonferenz. Vermutlich wieder mit viel von diesem letzte Woche genannten, alternativlosen Optimismus..

10.46

Tim Sebastian zu Union: “Erwarte sie als sehr kampf- und spielstarke Mannschaft. Haben viel Rückenwind nach schwachem Start. Sehr gefestigte Mannschaft. Sehr guter Sturm. Zweikampfstarke Defensive. Wir müssen aggressiver und aktiver in der Defensive spielen, um Chancen für Union zu verhindern.”

Freut sich darüber, dass sich sein Vertrag via Klausel um ein Jahr verlängert hat und er eine “vernünftige Saison” spielt.

Primärtugendendebatte: “Wir haben schon die Typen auf dem Platz. Bringt ja nichts, wenn jemand jemanden ummäht und man dann rot kriegt. Gibt Situationen, um ein Zeichen zu setzen und den Gegner zu beeindrucken. Das ist grundsätzlich da, wir müssen es nur auf den Platz bringen.”

“Wir sind ein bisschen im Findungsprozess, auch wegen der Neuzugänge, die in die Mannschaft integriert werden und das Spielsystem lernen müssen.” Wechsel in der Startelf sollten aber kein Problem sein, weil man ja im Training auch zusammenspiele.

Zu Daniel Frahn und dessen Fehlen: “Ist weiterhin ein motivierender Faktor. Seine Situation ist nicht in Stein gemeißelt. Frahni geht damit sehr professionell um und motiviert seine Kollegen weiter. Genau solche Typen brauchen wir auch. Wenn er gefordert ist, wird er auch wieder zu seiner Topleistung finden.”

“Brauche nicht die Kapitänsbinde, um das auf den Platz zu bringen, was ich möchte. Als Innenverteidiger muss man die Defensive organisieren und die Offensive antreiben. Dafür braucht es keine Binde. Ziehe mein Spiel auch so durch.” “Funktioniert noch nicht alles zu 100%, aber wir sind auf einem guten Weg.” Man brauche Typen, die voran gehen, aber nicht im negativen Ummähsinne, sondern im positiv spielerischen Sinne.

“Verunsicherung ist schwer zu messen. Ich sehe keine Verunsicherung, sondern eher dass ein Quentchen Selbstbewusstsein. Das kommt aber sicher.” Man arbeite daran, Offensivabläufe zu verbessern, variabler zu spielen und zu mehr Torabschlüssen zu kommen. Außenpositionen einbeziehen und so.

Teamgeist?: “Veränderungen in der Mannschaft sind normal. Haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir uns dann immer wieder als Mannschaft finden. Hat aber immer Zeit gebraucht.” Dass der Mannschaftsrat auf der Tribüne sitzt, sei da nicht so schlimm. Sie tragen trotzdem ihren Anteil am Gefüge. “Qualitativ sind wir sehr gut besetzt. Jetzt können sich auch Spieler zeigen, die sich vorher noch nicht so zeigen konnten.”

“Saison ist nicht katastrophal. Haben lange begeistert und sind zuletzt ein klein wenig aus dem Tritt gekommen. Will in den nächsten Spielen einen Schritt sehen. Uns fehlt das letzte Quentchen zum Beispiel beim tödlichen Pass.” Wünscht sich mehr Torchancen, Homogenität auf dem Platz, weigert sich aber ein Saisonziel festzulegen.

In Braunschweig in der ersten Halbzeit zu passiv gewesen, während Braunschweig aggressiv gewesen sei.

10.58

Achim Beierlorzer: „Braunschweig war mit viel Qualität unterwegs. Haben uns sehr beschäftigt. Vor allem vor der Pause. Wir sind im Gegensatz dazu zu sehr zurückgewichen. Schwierig da als Trainer zu reagieren.” Am Ende des Spiels habe sich das gedreht. Braunschweig sei passiv geworden, RB habe angegriffen. Man müsse unter Druck aktiver verteidigen und das Heft wieder in die Hand nehmen. Dass Braunschweig für RB das Spielsystem zu drei Sechsern umgestellt habe, sei Anerkennung. Das habe man sich in den letzten Monaten erarbeitet.

“Union hat viel Qualität, einen sehr guten Stürmer. Stehen kompakt in der Abwehr. Müssen das aggressiv angehen offensiv und aus Ballgewinnen schnell nach vorne kombinieren, so wie in Braunschweig in den letzten 20 Minuten.”

Daniel Frahn?: “Haben noch einige Stürmer dabei und auch Daniel ist ein vollwertiges Mitglied unserer Mannschaft.” Klar, dass es Diskussionen gibt, wenn Frahn auf der Tribüne sitzt, aber intern ist das gar kein Thema und Frahn ist voller Teil des Teams.

Begeisterung über die gestrigen, allgemeinen Trainingsleistungen..

Zentrale Figuren aktuell?: “Die, die mit Leistung vorangehen und zeigen, dass sie nicht verlieren wollen. Dominik Kaiser ist so einer. Die beiden Innenverteidiger auch. Führungsspieler müssen die anderen pushen.” Joshua Kimmich sei letzte Woche reingekommen und habe Zeichen gesetzt. “Sechserposition und Mittelfeld ist gefragt, die Mannschaft mitzureißen.”

Rani Khedira?: Wurde nicht zu früh belastet, sondern das Foul gegen ihn beim Frankfurt-Spiel war einfach zu doll. Fuß wurde ruhiggestellt, weil es doch mehr ist als man dachte. “Müssen leider Gottes auf ihn verzichten. Wird jetzt aufgebaut werden, sodass er möglichst schnell wieder zur Mannschaft gehört.”

“Jede Mannschaft hat das Ziel, variabel zu spielen. Am besten so, dass man sofort auf den Gegner reagiert. Nicht einfach die Variabilität. Haben die Spielphilosophie, schnell zum Torabschluss zu kommen. Das haben wir auch über lange Bälle versucht. Darauf haben sich viele Teams aber eingestellt. Da gilt es für uns Alternativen zu finden. Die müssen wir einspielen. Das erfordert einen Prozess. Spielen nicht unsere Philosophie einfach 1:1 weiter, wenn man sieht, das es nicht gut funktioniert. Wenn man sieht, dass lange Bälle nicht funktionieren, dann müsse man etwas ändern.” Wenn Omer Damari die langen, hohen Bälle nicht verarbeiten kann gegen kopfballstarke Innenverteidiger, dann liege der Fehler nicht bei Damari oder an seiner Qualität, sondern dann muss man Wege finden, ihn sinnig einzubinden.

11.12

Achim Beierlorzer hat in Braunschweig in den letzten 20 Minuten viele gute Chancen und Aktionen von RB gesehen. Man arbeite daran, an den offensiv guten Phasen von Frankfurt und Braunschweig anzuknüpfen. „Müssen das Glück herausfordern.“

Dass gestern im Training Rebic, Forsberg und Reyna zusammengespielt haben, hat für das Spiel gegen Union nicht viel zu bedeuten. Omer Damari kommt heute wieder zurück ins Training. “Wird sich zeigen, wer sich durchsetzt.” “Gestern ein absolutes Toptraining.”

Ausfälle haben direkt keinen Einfluss auf die Systemfrage. Man überlege unabhängig davon, dass man was am Spielsystem ändert und beispielsweise (wie zum Schluss in Braunschweig) mit drei Zehnern und zwei Stürmer agiert, statt mit zwei Zehnern und drei Stürmern.

Rest der Saison als Experimentierfeld?: Es gehe auch für den Rest der Saison vor allem um das “Optimum” an Erfolg. “Wollen jede Woche eine Topleistung abliefern. Kein Experimentierfeld.”

Eigenes Auftreten liege auch am Auftreten des Gegners. Gegen einen Gegner wie Frankfurt ist es schwer, Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen, weil die zu tief standen. Man brauche mehr Handlungsschnelligkeit im Strafraum. “Erfolg würde der Mannschaft gut tun, um das Selbstvertrauen auf 90% oder 100% zu bringen. Aktuell müssen wir viel arbeiten und das Glück erzwingen. Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Mit dem Erfolg kommt das Selbstvertrauen.”

Zum Verhalten von Poulsen auf dem Platz?: Man arbeite daran. “In den letzten zwei Spielen hat er sich nicht so viel zuschulden kommen lassen. Er wird permanent provoziert.” Gegner wissen, dass man Poulsen provozieren könne. Fragt sich, ob die gegnerischen Trainer das als Vorgabe mitgeben. Hadert mit Schiedsrichtern (bestrafen Poulsen zu schnell, seine Gegenspieler aber nicht), Gegnern und allem möglichen, aber nur ein bisschen mit Yussuf Poulsen. Wünscht sich von den Mannschaftskollegen einen stärkeren “Schutz” von Poulsen. “Es geht darum, ein Zeichen zu setzen.” “Müssen Dinge verändern, die wir beeinflussen können.” Nennt als Beispiel “Teamspirit”, den man zeigen müsse.

Keine Aussage, wer am Sonntag das Mittelfeld besetzt. Auch Hierländer und Kalmár wollen im Training zeigen, dass sie besser sind als in Braunschweig. Andere Spieler versuchen sich genauso in den Vordergrund zu spielen. “Dominik Kaiser wird definitiv auflaufen am Sonntag.” Gilt offenbar auch für Kimmich, den Beierlorzer für seinen Siegeswillen lobt.

11.16

Achim Beierlorzer: Dass Frank Aehlig in Braunschweig als rechte Hand von Rangnick mit auf der Bank saß, sei kein großes Thema, weil man mit Co-Trainer und Rangnick in der Halbzeit sowieso miteinander kommuniziere und überlege, was man besser machen könne.

Geheimtraining: Dass es zweimal in Folge Geheimtraining gebe, habe “keinen tieferen Hintergrund”. Zwei Tage vor dem Spiel sei laut Beierlorzer schon früher standardmäßig Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewesen. Den Tag vor dem Spiel noch dazuzunehmen, sei aus Trainersicht nur logisch, um noch letzte Dinge für das Spiel einzuüben. Gehe dabei aber nicht primär darum, Interessierte auszuschließen.

11.20

Das war es von hier. Für das Pokalspiel gegen Wolfsburg am kommenden Mittwoch gibt es noch 1.000 Restkarten. Vor allem sichtbehinderte. Fürs Union-Spiel gibt es dagegen noch mehr als reichlich Tickets. Sich davon eins zu besorgen, sollte sich doch lohnen angesichts des sportlich spannenden Duells und angesichts der Frage, in welche Richtung es sich bei RB Leipzig spielerisch und von der Mannschaftsorganisation her entwickelt. In diesem Sinne greift noch zu und macht einen Sonntagsausflug in die Red Bull Arena. Bis dahin wünsche ich einen schönen Start in das Wochenende.

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