Was von Spieltag 20 bleibt

Für Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht war die Sache schon vor seinem eigenen Spiel gegen Kaiserslautern klar: Ingolstadt sei Richtung Aufstieg bereits durch, verkündete er, nachdem die ihr Spiel gegen Fürth gewonnen hatten. Tatsächlich taten bis auf Kaiserslautern alle Teams dann etwas dafür, dass diese Aussage untermauert wird. Denn alle anderen sechs der vor dem Spieltag ersten acht Teams konnten ihre Spiele nicht gewinnen.

Acht Punkte Vorsprung auf Platz 2 für Ingolstadt und neun Punkte Vorsprung auf Platz 3. Bei nur noch 14 Spielen. Klar kann im Fußball immer alles passieren, aber im Normalfall verliert ein Spitzenreiter nicht 0,6 Punkte pro Spiel auf gleich zwei Teams der Tabelle, um dann am Ende noch Dritter oder schlechter zu werden. Zumal nicht, wenn sich die Teams auf den Plätzen 2 bis 10 auch weiter gegenseitig die Punkte klauen.

Kaiserslautern war schon vor der Winterpause spielerisch das vielleicht stärkste Team der Liga, brachte aber einige Partien nicht durch, die man eigentlich im Griff hatte. Falls man jetzt auch noch auswärts dominant auftritt und gewinnt, ist man Richtung Aufstieg allererster Anwärter hinter Ingolstadt.

Union im Spiel 1 nach der Krebs-Diagnose für Benjamin Köhler. Arschlochkrankheit. Die die Union-Familie noch mal stärker zusammenschweißt. Konnte man ja schon in Wolfsburg beim Unfalltod von Malanda sehen, dass ein Schicksalsschlag gegen einen aus dem eigenen Kreis das Kollektiv enger zusammenrücken lässt. Ganz im Gegenteil zu einem Selbstmord wie bei Robert Enke, wo man die Schuld daran auch im eigenen Mannschaftskreis sucht (‚Hätten wir das nicht verhindern können/ müssen?‘), kann man bei Schlägen wie dem gegen Köhler das Negative komplett außerhalb der eigenen Gruppe verorten und sich dagegen zusammenschließen. Ist ja nicht nur für den sportlichen Erfolg von Union, sondern auch für Benjamin Köhler selbst wertvoll.

Ante Budimir könnte zur Personifizierung des Abstiegskampfsunglücks werden. Anfang August letzten Jahres kam der kroatische Stürmer, der gewiss kein schlechter ist, wie man in vielen Ansätzen vor der Winterpause sehen konnte, für etwa eine Million Euro zum FC St. Pauli. Seitdem stehen in 16 Ligaspielen exakt null Tore zu Buche. Und im nicht unwichtigen Spiel in Sandhausen (am Ende 0:0) murmelt Budimir frei vor dem gegnerischen Tor einen Ball in einer tragischen Art am Kasten vorbei, dass man das fehlende Selbstvertrauen und die Last des Tabellenplatzes förmlich anfassen kann.

Ob die Realität des Tabellenplatzes schon ins Bewusstsein gesickert ist, kann man bei 1860 München immer nicht so genau erkennen. Gegen Heidenheim spielte man eine Halbzeit lang gut und aggressiv und übte auch im Spiel gegen den Ball Druck aus. Um dann in der zweiten Halbzeit in einen unfassbaren Lethargie-Modus zu verfallen, nach dem auch ein 1:5 noch möglich gewesen wäre. Unheimlich fragil diese Mannschaft, die beim kleinsten Gegenwind auseinanderzufallen droht. Dass sich daran über die Winterpause nichts geändert hat, macht sie tatsächlich zu einem Abstiegskandidaten. Genauso wie nur sechs Punke aus schon zehn Heimspielen.

Apropos Abstiegskandidaten: Von den vor dem 20.Spieltag sechs letztplatzierten Teams verlor nur 1860. Andererseits gewann mit Aue auch nur ein einziges.

Bliebe noch der Fan- und Mateschitz-Nazivergleich von Aue. Der allseits mit allergrößter Betroffenheit besprochen und abgelehnt wird. Man bekommt das Gefühl, dass niemals in einem Stadion etwas schlimmeres gezeigt worden sei, als in Aue. Fährt man es mal auf die Sachlage runter, dann war es eine historisch falsche, inhaltlich dümmliche und (mal abgesehen davon, ob strafrechtlich relevant) beleidigende Meinungsäußerung. Die darf man sehr gerne ätzend finden (hier ein paar Worte zum Begriff „Limonaden-Hitler“ in Bezug auf Mateschitz), aber letztlich bleibt es eben auch nur eine Meinungsäußerung. Und nachdem alle sinnigerweise (wenn auch vermutlich nicht alle aus den richtigen Gründen) festgestellt haben, dass sie doof ist (selbst wenn man es für Satire hält, ist die Meinungsäußerung doof), ist dann auch mal wieder gut. Denn alles weitere und wie sie sich ihren Verein vorstellen, müssen sie letztlich in Aue selber wissen. Wichtiger wäre sowieso, dass man ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass das Stürmen von Stadioninnenräumen durch Fans und die darin innewohnende Gewaltdrohung die sehr viel üblere Sache ist.

Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl nach der Winterpause, Punktzahl in den letzten sechs Spielen.

SubjektivGesamtn WPletzte 6
Kaiserslautern135313
Ingolstadt243316
Karlsruhe334111
Darmstadt434110
Braunschweig533010
Düsseldorf63217
Berlin727313
Heidenheim82835
Nürnberg927010
Leipzig102906
Frankfurt112439
Aue121735
Bochum132304
Aalen141818
St. Pauli151715
Sandhausen162116
Fürth172304
München181702

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