Testspiel: RB Leipzig vs. VfR Aalen 1:1

Das letzte Testspiel vor dem Start in die Punktspiele endete zwischen RB Leipzig und dem VfR Aalen mit 1:1. Es ist das dritte Unentschieden zwischen beiden Teams im dritten Aufeinandertreffen in dieser Saison. Im Unterschied zu den beiden Zweitligaspielen fielen diesmal aber immerhin zwei Tore.

Es war für die RasenBallsportler ein prima Test. Nicht weil alles funktionierte, sondern weil man zum ersten Mal in der Winterpause auf einen Gegner traf, der die in den verbleibenden 15 Ligaspielen meist wartende Aufgabe sehr gut simulierte und damit gleichzeitig auch aufzeigte, dass es im Auftreten von RB Leipzig weiterhin ein paar sportliche Baustellen gibt.

Denn gerade die Aalener Defensivarbeit war typisch für die meisten Zweitligateams. Gut organisiert, meist tiefstehend, aber auch immer wieder herausrückend und früh anlaufend und dazu in den Zweikämpfen mindestens auf Augenhöhe. Gerade die Geschwindigkeit der Flügelspieler Poulsen und Forsberg bzw. ab der zweiten Halbzeit auch Reyna nahm man meist sehr gut aus dem Spiel. Und die Bälle die über die Flügel durchkamen, klärte man zentral relativ mühelos.

Weswegen RB Leipzig oft dazu gezwungen war, es über die Ballzirkulation im Mittelfeld zu versuchen. Was in Ansätzen nicht falsch aussah, auch weil man bereits erkennen konnte, dass der Dreiersturm in Strafraumnähe durch Einrücken eines äußeren Stürmers auch immer wieder Anspielstationen für Kombinationen herstellen kann. Aber in letzter Konsequenz blieb es in Hälfte 1 bei einer guten Optik, denn im Strafraum passierte vergleichsweise wenig.

Zur guten Optik trug dabei auch bei, dass man den Gegner mit frühem Pressing komplett dominierte und Aalen den Ball fast nie geordnet aus der eigenen Hälfte herausbrachte. Wenn sie mal in Ballbesitz kamen, dann waren sie eigentlich fast immer sofort zugestellt und der Ball schnell wieder weg.

Trotz dieser besonders in der ersten halben Stunde extremen, optischen Dominanz schoss Aalen das erste Tor. Nach einem Konter spazierte Andreas Ludwig durch eine Riesenlücke in der RB-Verteidigungskette und vollendete zum zu diesem Zeitpunkt sehr überraschenden 1:0.

In der zweiten Halbzeit verlor RB Leipzig ein wenig den Faden, blieb spielerisch vieles Stückwerk, sodass es noch schwieriger wurde, Torgefahr entstehen zu lassen. Aalen machte das weiter geschickt, verteidigte gut und suchte den Konter zum 2:0. Oft kam man nicht durch, aber mindestens einmal noch wurde es vor Coltorti enorm brenzlig.

Nicht ganz zufällig, dass RB Leipzig nicht wegen einer großen Schlussoffensive, sondern wegen individueller Qualität doch noch zum Ausgleich kam. Yordy Reyna, gerade erst aus Österreich nach Leipzig gewechselter Stürmer, schlenzte nach knapp 80 Minuten den Ball gefühlvoll ins rechte Eck, nachdem ihm die Kugel vorher links im Strafraum vor die Füße gefallen war.

Ein Test ist nur ein Test, das sollte man dabei nicht vergessen, aber insgesamt war der Auftritt der RasenBallsportler ein kleiner Dämpfer für die allgemeine Erwartungshaltung. Zu wenig intensiv das Auftreten, zu wenig effektiv das Passspiel, zu gering die Torgefahr, zu sehr verfiel man immer wieder mal in die alte Masche statt des Spielaufbaus den langen Ball zu wählen, der die Aalener Defensive vor wenig Probleme stellen konnte.

Deutlich sichtbar wurde auch, dass es in der Abstimmung im 4-3-3 wohl noch einige Zeit braucht. Emil Forsberg machte links zwar viel Betrieb und auch ein Yordy Reyna fügte sich gut ein (auch wenn er manchmal nach Offensivaktionen zu schnell abschaltete und sich dann taktisch noch nicht gut orientierte; da er fast noch gar nicht mit dem Team trainierte aber auch kein Wunder), aber die Verknüpfung der Stürmer untereinander und des Sturms mit dem Mittelfeld zu einem torgefährlichen Ganzen ist noch lange nicht abgeschlossen. Kann auch angesichts der Neuzugänge und des neuen Dreiersturms noch lange nicht abgeschlossen sein.

Blöd dabei, dass der Königstransfer des Winters Omer Damari sich ausgerechnet zu Beginn des Trainingslagers verletzte und seitdem ausfällt. Blöd auch die Quaschner-Geschichte, die dazu führte, dass man jetzt mit Yordy Reyna einen Stürmer hat, der auch noch nicht integriert ist und kein Trainingslager mitmachen konnte. Blöd auch, dass Ante Rebic sich weiterhin Verletzungsauszeiten nimmt (laut BILD aktuell Rückenprobleme). Es wird wohl in der Sturmbesetzung in den nächsten Wochen nicht wirklich Ruhe einkehren und immer mal wieder Veränderungen geben. Auch nicht wirklich günstig, um zu einem guten Zusammenspiel zu kommen.

Interessant an der Formation gegen Aalen, dass Klostermann (in der Vorbereitung die meisten Testspielminuten aller RB-Spieler) 90 Minuten an der Seite von Tim Sebastian spielen durfte und so wohl als Kandidat gesetzt sein dürfte, um den gelbgesperrten Marvin Compper in Aue am kommenden Freitag zu ersetzen. Klostermann ist weiterhin ein talentierter junger Mann, der aber wie schon in dem einen oder anderen Testspiel nicht in allen Zweikampfsituationen und im Stellungsspiel ganz sicher wirkt. Spielpraxis könnte diesen Eindruck natürlich kurz- bis mittelfristig auch verändern.

Dass Niklas Hoheneder aber offenbar aus der Rolle als dritter Verteidiger hinter Compper und Sebastian rausgerutscht ist, überrascht dann doch ein wenig. Offenbar sieht man ihn körperlich weiterhin nicht bei 100%. Verstärkt wird das Misstrauensvotum gegen Hoheneder noch dadurch, dass RB Leipzig (so die gestrige Gerüchteküche von LVZ und BILD) sich wohl Rodnei aus Salzburg holt. Ein 29jähriger Verteidiger, der in den letzten Jahren meist verletzt war und nicht nur wegen seines Vertrags nur bis zum Sommer nicht mehr als Perspektivspieler durchgeht, als fünften Innenverteidiger zu holen, geht jedenfalls relativ direkt gegen Hoheneder und Klostermann, die bisher die Nummer 3 und 4 in der Abwehrzentrale waren.

Auf der Sechs gab Alexander Zorniger in der ersten Halbzeit Diego Demme den Vorzug vor Rani Khedira. Vermutlich bisher ein offenes Duell in der Vorbereitung. Hintergrund ist, dass es nur noch drei Mittelfeldpositionen gibt und Kimmich und Kaiser in normaler Verfassung auf den Achterpositionen wohl gesetzt sind. Sodass Demme und Khedira um den letzten Platz im Mittelfeld konkurrieren. Gegen Aalen konnte sich der wesentlich stabilere und weniger fehleranfällige Khedira hier ein paar Pluspunkte organisieren.

Spannend auch noch die Frage nach der Besetzung des Dreiersturms. Gegen Aalen durfte Daniel Frahn starten (auch weil Rebic nicht dabei war), präsentierte sich motiviert und konnte auch immer mal mit Poulsen rotierend durchaus gefallen. Das letzte Quentchen an Dynamik und Durchsetzungsfähigkeit scheint ihm aber weiterhin eher zu fehlen, sodass es durchaus denkbar scheint, dass Neuzugang Reyna in Aue schon in die Startelf rückt und Poulsen den zentralen Stürmer gibt, auch wenn er offenbar noch Zeit brauchen könnte, um sich auf dieser Position zurechtzufinden. Gut an einem Dreiersturm Forsberg-Poulsen-Reyna (aber auch mit Frahn) ist auf jeden Fall die Möglichkeit, dass jeder Stürmer immer mal wieder vom Flügel in die Mitte und auf den anderen Flügel durchrotieren kann und so auch ein Stückweit Flexibilität im Offensivspiel steckt.

Ansonsten lääst sich kadertechnisch bei RB Leipzig aus dem Testspiel erwartbares herausinterpretieren (dass Heidinger, wenn man die Spielzeiten als Maßstab nimmt, offenbar nah an Teigl dran sein soll, überrascht vielleicht noch ein wenig). Sieben Positionen scheinen vor dem Spiel in Aue fest vergeben (Coltorti, Sebastian, Jung, Kimmich, Kaiser, Poulsen, Forsberg), auf drei Positionen scheint es eine klare Tendenz zu geben (Teigl, Khedira, Klostermann) und nur die letzte Position im Sturm scheint noch völlig offen.

Fazit: Es war ein sehr guter Test für RB Leipzig vor dem Pflichtspielstart, weil man gegen einen defensivstarken, konterorientierten Zweitligisten tatsächlich sehen konnte, wie weit man in der Wintervorbereitung bisher schon gekommen ist. Nimmt man größere Teile der ersten Halbzeit zum Maßstab, dann ist man schon sehr weit gekommen. Insgesamt steckt aber (auch spielerisch) noch viel vom schlechteren Teil der Hinrunde im Team und ist die Veränderung hin zum 4-3-3 noch lange nicht abgeschlossen (und erst recht nicht die Integration der Neuen). Reichlich 5.000 Zuschauer dürften deshalb nach dem Spiel gegen Aalen eher mit einiger Ungewissheit den Heimweg angetreten haben in Bezug auf die Frage, was man für die kommenden Wochen erwarten kann. Es bleibt also spannend, wie sich RB Leipzig in ein paar Tagen im Erzgebirge präsentieren wird.

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Tore: 0:1 Ludwig (38.), 1:1 Reyna (79.)

Aufstellung 1.Halbzeit: Coltorti – Teigl, Sebastian, Klostermann, Jung – Kimmich, Khedira, Kaiser – Poulsen, Frahn, Forsberg

Aufstellung 2.Halbzeit: Coltorti – Heidinger, Sebastian, Klostermann, Jung – Kimmich (62. Hierländer), Demme, Kaiser (80. Kalmár) – Reyna, Poulsen, Forsberg

Nicht dabei: Boyd, Damari, Franke, Rebic (alle verletzt), Bellot, Hoheneder, Compper (alle auf der Bank), Strauß, Ernst, Dähne

Zuschauer: 5.132 (in der Leipziger Red Bull Arena)

Links: RBL-Bericht, VfR-Bericht

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Restliche Wintertestspiele

Testspieltorschützen

  • Frahn, Forsberg: je 2
  • Morys, Palacios Martinez, Siebeck, Demme, Kalmár, Poulsen, Reyna: je 1

Testspielminuten

  • Klostermann: 381
  • Poulsen: 380
  • Jung: 360
  • Forsberg: 315
  • Frahn: 315
  • Kaiser: 304
  • Kalmár: 291
  • Khedira: 288
  • Kimmich: 286
  • Teigl: 270
  • Heidinger: 270
  • Coltorti: 270
  • Hierländer: 254
  • Hoheneder: 250
  • Compper: 225
  • Demme: 225
  • Sebastian: 180
  • Bellot: 135
  • Dähne: 135
  • Sumusalo: 135
  • Strauß: 135
  • Palacios Martinez: 135
  • Ernst: 72
  • Reyna: 45
  • Rebic: 45
  • Damari: 45
  • Nattermann: 45
  • Morys: 45
  • Miazga: 34
  • Sorge: 20
  • Franke: 0
  • Boyd: 0

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. VfR Aalen 1:1“

  1. „Ein Test ist nur ein Test, das sollte man dabei nicht vergessen, aber insgesamt war der Auftritt der RasenBallsportler ein kleiner Dämpfer für die allgemeine Erwartungshaltung.“

    Also ich muss gestehen, dass ich mich nach den Wintertransfers mittlerweile mit einer Saison im grauen Mittelfeld abgefunden habe. Das Spiel mit dem Ball ist eine zentrale Baustelle des Teams. Trotzdem wurde kein Mittelfeldspieler mit geeigneten Qualitäten verpflichtet. Okay, der Markt gibt sicher nicht so viel her. Aber mit dem aktuellen Kader ist der Aufstieg leider mehr als Utopie. Forsberg, Reyna und co. können uns mit Einzelaktionen sicher den einen oder anderen Punkt bescheren, aber ehe die Integration abgeschlossen ist und ehe sich unser Kader individuell nochmal auf eine andere Ebene verbessert hat, ist die Saison sicher vorbei. Damit bin ich als Fan auch völlig einverstanden. Ich frage mich jedoch von außen, wie die hohen Ansprüche des Vereins mit den Wintertransfers in Einklang zu bringen sind.

  2. Kaiser und Kimmich werden uns die größten Sorgen bereiten wenn sie weiter so spielen wie gestern.
    Von Kimmich kam meiner Meinung nach nicht viel (behindert ihn vielleicht der Wechsel zu Bayern?) auch Kaiser versteckte sich eher, als dass er es wusste das Spiel zu leiten.
    Mit Kalmar haben wir zumindest eine technische starke Alternative, aber dann?…

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