Kaderschmiede RB Leipzig 2015 – Update 1

In der Wintertransferzeit sind die letzten Tage angebrochen. Noch bis zum kommenden Montag (02.02.2015, 18 Uhr) haben alle Vereine die Chance, ihre Kader im Sinne des Wettbewerbs und Geldausgebens auf Magathsche Dimensionen aufzublähen.

Bei RB geht es quantitativ bisher recht moderat zu. Drei Neuzugänge hatten man eigentlich bisher präsentiert. Dank der Quaschner-Geschichte eines von der FIFA verhinderten Wechsels kamen aber bisher nur zwei bei RB Leipzig an. Beide (Damari und Forsberg) kamen für den Sturm und kosteten handgeschätzte 9 Millionen Euro. Was darauf verweist, dass man in der sportlichen Führung von RB Leipzig sehr wohl auf einen Aufstieg in dieser Saison setzt (zumal man eher fertige Stürmer holte und nicht welche, die sich erst noch auf Zweitligatopniveau entwickeln müssen). Eine solche Summe nimmt man nicht in die Hand, um Platz 7 zu sichern.

Die 9 Millionen erhöhen die finanziell sowieso schon mehr als bundesligareife Transferbilanz von RB Leipzig in dieser Saison. Rechnet man die weiterverliehenen Bruno und Sabitzer mit, dann hat man bisher schon mehr als 20 Millionen Euro an reinen Ablösesummen in neue Spieler investiert. Was mehr als die Hälfte sämtlicher Transferausgaben der zweiten Liga darstellt. Die Einnahmen belaufen sich handgeschätzt irgendwo ziemlich genau bei Null.

Dass die Transferaktivitäten mit dieser Bilanz beendet sind, ist nach dem Quaschner-Nichtwechsel noch nicht beschlossen. Man sucht nun wieder einen Stürmer oder einen zusätzliche Offensivkraft, um für das gewünschte 4-3-3 breiter aufgestellt zu sein. Obwohl man auch trotz Boyd-Ausfalls über fünf Topstürmer und die Möglichkeit bei Bedarf auf ein 4-3-1-2 zurückzustellen verfügt. Im Gespräch ist aktuell Felipe Pires, der in der Hinrunde 20 Spiele beim FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga machte. Eher ein sehr offensiver Mittelfeldspieler bis hängender Stürmer mit viel Torgefahr. Vom Typ her aber nicht der zentrale Stoßstürmer, der Quaschner gewesen wäre.

Nehmen würde man auch noch gern einen Verteidiger. Dass man diesbezüglich aber in den verbleibenden Tagen tatsächlich noch mal die Möglichkeit kriegt, einen Spieler zu finden, der dem Anspruch genügt sofort weiterzuhelfen, ist unwahrscheinlich. Dass man sich zuletzt mit dem eher als Notlösung anzusehenden Matthew Miazga beschäftigte, zeigt dass man diesbezüglich keinen Köcher voller Pfeile hat.

Tor: Fabio Coltorti (34), Benjamin Bellot (24), Thomas Dähne (21)

Klare, absolut zweitligataugliche Verhältnisse im Tor. Zumindest bis zum Sommer. Falls man dann in die Bundesliga aufgesteigt, wird der Verein sicherlich nach einer großen Lösung für das Tor suchen, die auch locker Konkurrenz für Coltorti wäre. Falls man nicht aufsteigt, könnte man diese Frage auch noch verschieben, da man als Zweitligist nicht so richtig gute Argumente für einen relativ jungen Topmann hat. Mit Fabio Coltorti hat man auf jeden Fall erstmal eine sehr gute Nummer 1 und mit Benjamin Bellot eine Nummer 2, die bewiesen hat, dass sie zweite Liga kann.

Außenverteidiger: Anthony Jung (23), Georg Teigl (23), Sebastian Heidinger (29), Lukas Klostermann (18), Mikko Sumusalo (24)

Es darf als kleine Überraschung durchgehen, dass RB Leipzg auf der Außenverteidigerposition noch nicht mal den Versuch unternahm, einen neuen Spieler zu holen. Mag auf den ersten Blick überraschen, dass das als Überraschung durchgeht, angesichts von fünf Spielern für die Position. Aber Mikko Sumusalo (Probetraining bei Sturm Graz) soll eigentlich in der Winterpause noch gehen und selbst wenn er bleibt, plant man wohl nicht wirklich mit ihm, Lukas Klostermann war bisher vor allem als Innenverteidiger im Einsatz und Sebastian Heidinger ist von der Form größerer Teile der vergangenen Saison ein ganzes Stück entfernt (zusätzlich läuft der Vertrag aus). Man hat im Kern zwei bisher unumschränkt für die Zweitligaspitze taugliche Außenverteidiger und dahinter nicht viel in petto und auch nicht viel entwicklungsfähiges Potenzial. Falls auf der Außenverteidigerposition ausfalltechnisch was passiert, könnte man relativ schnell an die Grenzen kommen.

Innenverteidiger: Marvin Compper (29), Tim Sebastian (31), Niklas Hoheneder (28), Fabian Franke (25)

Mannschaftsteil, der weiterhin ein bisschen Umbruch auf die Zukunft vertragen könnte. Aber in diesem Winter scheint es da keine Blutauffrischung mehr zu geben. Bei Fabian Franke ist weiter völlig unklar, wann und ob er in dieser Saison überhaupt noch mal zum Einsatz kommt. Bleiben drei Innenverteidiger, die alle leistungstechnisch auf Augenhöhe sein dürften, für zwei Plätze. Plus Lukas Klostermann, der bei Nichtverpflichtung eines weiteren Innenverteidigers natürlich die Nummer 4 auf der Position wäre. Ein alles in allem für die zweite Liga ordentlich aufgestellter Mannschaftsteil, dem möglicherweise perspektivisch das Quentchen Topklasse und Talent fehlt, das für Konstanz und Weiterentwicklung notwendig ist.

Mittelfeld: Dominik Kaiser (26), Joshua Kimmich (19), Rani Khedira (21), Diego Demme (23), Zsolt Kalmár (19), Stefan Hierländer (23), Henrik Ernst (28), John-Patrick Strauß (19)

Wenn man die Umstellung auf nur noch drei Mittelfeldspieler bedenkt, ein absolutes Schlaraffenland dieser Mannschaftsteil. Mit Kaiser, Kimmich, Khedira und Demme hat man vier Spieler, von denen man kaum einen draußen lassen würde wollen. Kalmár meldet dahinter auch Ansprüche an und untermauerte sie zuletzt in Testspielen auch mit Leistungen. Und Hierländer und Kämpfer Ernst sollte man auch nicht vergessen, während Strauß nur die ergänzende Rolle bleibt. Alterstechnisch bietet das Mittelfeld zusätzlich noch einiges Potenzial für Leistungssprünge, sodass man ohne größere Sorgen in die Pflichtspiele gehen kann. Einzig, dass Khedira als großer Mittelfeldspieler für die Sechs bisher praktisch konkurrenzlos war (zumindest wenn die Körpergröße wichtig ist und man nicht auf eine kleine Variante mit Demme umstellen will) und unklar ist ob Ernst dort zu einem richtigen Konkurrenten werden kann, könnte ein kleines Sorgenfältchen hinterlassen.

Sturm: Yussuf Poulsen (20), Omer Damari (25), Emil Forsberg (23), Ante Rebic (21), Daniel Frahn (27), Terrence Boyd (23)

Der Mannschaftsteil, der in der Winterpause am radikalsten umgebaut wurde und vielleicht noch weiter umgebaut wird. Mit Damari und Forsberg kamen für 9 Millionen zwei Spieler, die den Sturm zu einem der besten Angriffsreihen der zweiten Liga machen. Nominell zumindest. Die beiden Verpflichtungen sollen von ihrer Qualität her sofort weiterhelfen und nicht erst perspektivisch ins Team wachsen. Das Alter der Beteiligten spricht trotzdem dafür, dass man entwicklungstechnisch noch nicht am Ende ist. Poulsen, Damari, Forsberg und auch Rebic sind allesamt Spieler, die auch in den Nationalmannschaften ihrer Länder ein Thema oder wie Damari sogar feste Stützen sind. Das allein spricht schon für die Riesenqualität. Dahinter steht dann mit Daniel Frahn noch einer, den sich wohl so ziemlich alle Zweitligisten als Backup-Stürmer wünschen würden. Viel, viel Klasse also, die gleichzeitig auch Druck bedeutet, weil man natürlich viel stärker noch als in der Hinrunde erwartet, dass das jeweils auflaufende Trio für viele Tore gut ist. Wenn Rebic und Damari vollständig fit sind, dürfte es ein enormes Hauen und Stechen um die drei Sturmpositionen geben. Kommt noch ein weiterer Stoßstürmer als Ersatz für den wohl bis Saisonende ausfallenden Boyd dazu, wird es sogar noch enger. Poulsen scheint dabei gesetzt. Alles andere muss man abwarten, wie es sich vom Spielsystem und von der Spielerform her entwickelt.

Die Besetzung der Mannschaftsteile vom Mittelfeld vorwärts scheint enorm gut und selbst dann ausreichend zu sein, wenn man keine weitere Offensivkraft mehr verpflichtet. Spannend wird nicht nur die Frage, welche Spieler sich im Konkurrenzkampf dauerhaft behaupten können und wer im Vergleich zur Vorrunde noch mal einen Leistungssprung macht, sondern auch die Frage, ob aus dem Mittelfeld mehr Torgefahr entstehen wird als bisher in der zweiten Liga. Dürfte ein entscheidender Faktor für die Aufstiegschancen sein.

Entscheidend auch, dass das Defensivverhalten weiter so gut ist wie zuletzt. Das ist natürlich zuerst eine Sache des gesamten Teams, der Genauigkeit im Pressing und auch der Balance zwischen Offensive und Defensive, die sich im neuen 4-3-3 neu einstellen muss. Es ist aber auch eine Frage der individuellen Leistungsfähigkeit in der Viererabwehrkette und ob diese auf Dauer höchsten Zweitligaansprüchen genügt. Dass der Umbau bzw. der langsame Einbau von Perspektivspielern weiterhin offenbar (keine weiteren Transfers vorausgesetzt) nicht stattfindet, lässt befürchten, dass man hier langsam an die sportlichen Grenzen gelangt. Andererseits ist eine eingespielte Verteidigungskette (und im Moment kommen im Kern ja eigentlich nur Jung, Teigl, Hoheneder, Sebastian und Compper als Stammbesetzung für die vier Posten in Frage) kurzfristig sicherlich auch kein Nachteil.

Aktuell stehen im Kader von RB Leipzig 26 Spieler. Von denen mit Boyd und Franke zwei Spieler noch lange und vielleicht über die ganze Saison ausfallen. Rechnet man noch die drei Torhüter raus, dann kommt man auf 21 Feldspieler, von denen John-Patrick Strauß wie schon in der Hinrunde vor allem in der U19 spielen und mit den Profis nur mittrainieren dürfte und Mikko Sumusalo eventuell noch verliehen bzw. für die Spieltage nur selten zur Alternative werden wird. Das ist letztlich eine für das Training und den 16-Feldspieler-Kader am Spieltag relativ perfekte Größe. Wobei ein, zwei weitere Neuzugänge sicherlich auch nicht dazu führen würden, dass man auf dem Trainingsplatz nicht mehr treten kann. Zumal wenn man bedenkt, dass Blessuren und Verletzungen auch in den verbleibenden Spielen ein Thema bleiben werden.

Fazit: Egal was die verbleibenden Transferfenstertage noch bringen, RB Leipzig ist auch jetzt schon in Tor, Mittelfeld und Sturm hinsichtlich des vereinsseitig erhofften Aufstiegskampfs sehr gut gerüstet. Im Verteidigungsverbund passt es grundsätzlich auch, allerdings ist da die Bank nicht sonderlich tief. Wenn man dort Verletzungsprobleme bekommt, kann das auch ganz schnell zum Verpassen der sportlichen Ziele führen. Mal ganz davon abgesehen, dass man in der Verteidigung eher zu wenige Perspektivspieler im Kader hat. Aber ja, es ist mit dem Kader von RB Leipzig wie so oft in den letzten Jahren. Alles was man bejammert, ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

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