Schwieriges Wintertransferfenster?

Neulich irgendwo die These gelesen (im rasenden Informationsfluss ist sowohl Quelle als auch Thesenformulierer verloren gegangen), dass Wintertransfers im Gegensatz zu Sommertransfers normalerweise nicht so gut einschlagen würden, weil der Markt meistens keine guten Transfers hergebe und man oft eher aus der Not heraus einkaufe.

Klingt erst mal plausibel, ließ meinerseits aber gleich im Hinterkopf die Transfers bei RB Leipzig durchrattern und sie daraufhin abklopfen, ob sie gute oder eher nicht so gute Wintertransfers gewesen sein mögen. Nimmt man mal das formale Kriterium Einsatzzeit als Maßstab und teilt die Transfers in jene, die in ihrer Zeit bei RB Leipzig mehr als 50% der Einsatzzeit bestritten, sich also durchsetzen konnten und jene, die weniger Einsatzzeit bekamen, sich also nicht in der Stammelf durchsetzten, dann waren 42% aller Wintertransfers (fünf von zwölf) gelungene.

Diego Demme und Georg Teigl stehen dort aus der Transferperiode von vor einem Jahr auf der positiven Habenseite. Niklas Hoheneder und auch ein Roman Wallner sind bereits drei Jahre her und Thiago Rockenbach sogar schon vier. Die letzten drei wurden also in der Vor-Rangnick-Zeit geholt.

Vergleicht man die Transferquote mit der Sommerquote, dann nehmen sich die Zahlen praktisch nichts (hochgezogene Jugendspieler werden nicht mitgerechnet, da es sich dabei meist um ein Sommerphänomen handelt und im Winter selten im eigenen Nachwuchs gewildert wird). 41% der Zugänge (24 von 58) bestritten mehr als 50% der möglichen Einsatzzeit seitdem sie nach Leipzig wechselten.

Nimmt man die etwas speziellen Transferperioden 2014/2015 (nach einem halben Jahr noch nicht zu beurteilen, wer sich noch durchsetzen wird und wer nicht) und 2009/2010 (Neukaderzusammenstellung mit erfahrenen Spielern, die automatisch gesetzt waren, weil es keine vorherige Mannschaft gab, die mit den neuen Spielern konkurriert hätte) bleiben immer noch 37% erfolgreiche Neuzugänge (14 von 38).

Nimmt man das alles zusammen, dann kann man für RB Leipzig zumindest nicht behaupten, dass die Wintertransfers schlechter laufen würden als die Sommertransfers. Wobei der hiesige RasenBallsport aber natürlich auch nicht vor dem Problem steht, im Winter besonders arg auf das Geld schauen zu müssen. Sprich, man agiert nicht aus der Not der meisten Vereine heraus, auf einem Markt ohne ablösefreie, weil im Normalfall unter Vertrag stehende Spieler möglichst Spieler zu verpflichten, ohne Ablöse zu bezahlen. Das macht es einfacher, gezielt Spieler nach eigenen Bedürfnissen zu verpflichten. Wie zum Beispiel einen Diego Demme vor einem Jahr, den man für gutes Geld vom damaligen Zweitligisten SC Paderborn weglotste.

Nimmt man mal nur die Rangnick-Zeit, dann wurden seit 2012 (wenn man wieder die noch nicht beurteilbare Transferperiode aus dem letzten Sommer weglässt) 19 Spieler geholt, von denen insgesamt sieben Spieler so einschlugen, dass sie sich zu Stammkräften im Team entwickelten. Im Winter hat man aktuell eine Bilanz zwei aus sechs. Einerseits die Volltreffer Demme und Teigl, andererseits mit Palacios Martinez, Sumusalo, Fandrich und Morys auch Spieler, die allesamt schon wieder (per Leihe) weg sind bzw. noch gehen sollen (Sumusalo). Eine zwiespältige Bilanz wenn man bedenkt, dass der Duktus bei den Verpflichtungen meist ist, nur Spieler zu holen, die man auch im Sommer darauf holen würde, die also eine gewisse Perspektive nach oben hin haben sollen.

Von 21 erfolgreichen Verpflichtungen seit 2010 stehen sieben nicht mehr im Kader von RB Leipzig. Stefan Kutschke kam 2010 und folgte 2013 dem Lockruf der Bundesliga. Tom Geißler kam auch 2010 und wurde zwei Jahre später von Peter Pacult abgesägt, sodass die nachfolgenden Rangnick und Zorniger den Wechsel nach Jena nicht mehr verhindern konnten.

Thiago Rockenbach kam im Winter 2010/2011 und hielt es drei Jahre bei RB aus, bevor er aus dem Spielsystem nach unten herauswuchs. Roman Wallner wurde trotz reichlich Einsatzzeit bei RB Leipzig nicht glücklich, sodass er bereits nach einem halben Jahr zurück nach Österreich ging.

Bastian Schulz kam 2011 und entwickelte sich unter Alexander Zorniger zu einem teamtragenden Spieler, ging aber im Winter 2013/2014 zur zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg, weil er sich langsam aus dem pressingintensiven Stil herausgespielt hatte. Pascal Borel schied bereits nach einem Jahr, weil er wie Geißler von Pacult abgesägt worden war. Und Christian Müller, der ebenfalls 2011 kam, verletzte sich vor einem Jahr so schwer, dass er seitdem in der Reha ist und sein Vertrag im vergangenen Sommer auslief.

Für den kommenden Sommer sind weitere Abgänge bisher erfolgreicher Spieler zu erwarten. Der von Joshua Kimmich über den VfB Stuttgart zu den Bayern ist schon sicher. Aus dem 2010er Jahrgang wird es für Daniel Frahn und Fabian Franke langsam eng. Und aus dem 2011er Jahrgang für Niklas Hoheneder und Sebastian Heidinger. Mit jeweils fünf bzw. vier Jahren im Verein sind sie langsam so etwas wie RB-Urgesteine.

Nicht ganz unerwartet, dass von den Spielern, die sich bisher nicht in die Stammelf bei RB Leipzig spielen konnten, nach zwei Aufstiegen in Folge kaum noch jemand im Kader steht (ausgenommen mal wieder die 2014er-Sommerzugänge). Henrik Ernst ist hier die absolute Ausnahme und auch er hätte wohl mehr als 50% der möglichen Einsatzzeit bestritten, wenn ihn nicht ein Kreuzbandriss seit einem Jahr aus dem Verkehr ziehen würde. Auch Mikko Sumusalo gehört noch in die Kategorie. Da er aktuell ein Probetraining bei Sturm Graz absolviert und zumindest leihweise gehen kann, passt er aber andererseits nicht wirklich.

Interessant, dass bis auf Stefan Kutschke und künftig Joshua Kimmich keiner der vielen Abgänge von RB Leipzig, egal ob jung oder alt, die Karriereleiter hinaufgefallen ist. Roman Wallner als Ergänzungsspieler bei einem österreichischen Erstligisten, das ist schon das höchste der Gefühle. Ansonsten geht es fast ausschließlich um deutsche Vereine dritte Liga abwärts. Der schon bekannte Hinweis, dass bei RB Leipzig vielleicht doch nicht immer bis runter zur 18 die herausragenden Topspieler ihrer jeweiligen Klasse im Kader standen.

Nimmt man mal nur die bei RB nicht so erfolgreichen Spieler, die den Verein schon verlassen haben, dann verweilte jeder dieser 33 Spieler im Schnitt eineinhalb Jahre in Leipzig. Das ist nicht extrem wenig, aber es zeigt auch schon, dass RB Leipzig über die Jahre dann doch ein ganz schöner Durchlauferhitzer ist, der relativ schnell jene wieder ausspuckt, die nicht die notwendige Entwicklung hin zu einer tragenden Vereinsrolle machen. Was im professionellen Fußball aber auch nicht wirklich ein abseitiges Phänomen ist.

Nun ja, die unten stehende Liste ist ein nicht unspannender Rundumblick über die externen Neuzugänge der letzten Jahre mit ein paar Namen, die vermutlich schon wieder in Vergessenheit geraten sind. Eine Liste auch, aus der sich nach und nach über die Jahre das heutige Team herausschälte. Für die aktuelle Wintertransferperiode kann man anhand der Statistik annehmen, dass mindestens einer der bisher drei Neuzgänge seinen Weg bei RB Leipzig machen wird. Die Statistik darf aber natürlich auch gern nach oben hin übertroffen werden..

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Anhang – externe Wechsel bei RB Leipzig: als erfolgreich gelten Wechsel, nach denen die jeweiligen Spieler bis heute oder zu ihrem Ausscheiden aus dem Verein mindestens die Hälfte aller Pflichtspielminuten bestritten haben; Spieler in Klammern sind Zugänge aus dem eigenen Nachwuchs, die in obiger Statistik nicht beachtet werden; hinter den Spielern ist bei Abgängen in Klammern verzeichnet, wann sie den Club verließen und wo sie heute spielen.

2014/2015 – Winter (der Vollständigkeit halber)

  • Emil Forsberg
  • Omer Damari
  • Nils Quaschner

2014/2015 – Sommer – erfolgreiche Wechsel

  • Marvin Compper
  • Rani Khedira

2014/2015 – Sommer – (noch) nicht erfolgreiche Wechsel

  • Terrence Boyd
  • Zsolt Kalmár
  • Ante Rebic
  • Thomas Dähne
  • Stefan Hierländer
  • Lukas Klostermann
  • (Patrick Strauß)

2013/2014 – Winter – erfolgreiche Wechsel

  • Diego Demme
  • Georg Teigl

2013/2014 – Winter – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Federico Palacios Martinez (bis Winter 2014/2015 – verliehen nach Erfurt)
  • Mikko Sumusalo

2013/2014 – Sommer – erfolgreiche Wechsel

  • Yussuf Poulsen
  • Joshua Kimmich (bis Sommer 2015/2016 – FC Bayern München)
  • Anthony Jung

2013/2014 – Sommer – nicht erfolgreiche Wechsel

  • André Luge (bis Sommer 2014/2015 – verliehen zum FSV Zwickau)
  • Denis Thomalla (bis Sommer 2014/2015 – verliehen zum SV Ried)
  • Christos Papdimitriou (bis Winter 2013/2014 – FC International Leipzig)
  • Tobias Willers (bis Sommer 2014/2015 – VfL Osnabrück)

2012/2013 – Winter – erfolgreiche Wechsel

  • keine

2012/2013 – Winter – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Clemens Fandrich (bis Winter 2014/2015 – verliehen zum FC Erzgebirge Aue)
  • Matthias Morys (bis Winter 2014/2015 – verliehen zur SG Sonnenhof Großaspach)

2012/2013 – Sommer – erfolgreiche Wechsel

  • Dominik Kaiser
  • Fabio Coltorti

2012/2013 – Sommer – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Jeremy Karikari (bis Mai 2013 – SV Elversberg)
  • Juri Judt (bis Winter 2013/2014 – Rot-Weiß Erfurt)
  • Patrick Koronkiewicz (bis Sommer 2013/2014 – Viktoria Köln)
  • Erik Domaschke (bis Sommer 2014/2015 – vereinssuchend)
  • (Tom Nattermann)
  • (Matthias Hamrol)

2011/2012 – Winter – erfolgreiche Wechsel

  • Niklas Hoheneder
  • Roman Wallner (bis Sommer 2012/2013 – SV Grödig)

2011/2012 – Winter – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Tomasz Wisio (bis Sommer 2012/2013 – St. Pölten)

2011/2012 – Sommer – erfolgreiche Wechsel

  • Bastian Schulz (bis Winter 2013/2014 – VfL Wolfsburg II)
  • Sebastian Heidinger
  • Pascal Borel (bis Sommer 2012/2013 – Karriereende/ Nachwuchscoach VfB Stuttgart)
  • Christian Müller (bis Sommer 2014/2015 – Reha)

2011/2012 – Sommer – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Marcus Hoffmann (bis Sommer 2013/2014 – Alemannia Aachen)
  • Umut Kocin (bis Sommer 2013/2014 – vereinslos)
  • Pekka Lagerblom (bis Sommer 2012/2013 – FC Lahti)
  • Andreas Kerner (bis Winter 2012/2013 – vereinslos)
  • Henrik Ernst
  • Timo Röttger (bis Sommer 2014/2015 – Viktoria Köln)

2010/2011 – Winter – erfolgreiche Wechsel

  • Thiago Rockenbach (bis Winter 2013/2014 – Hertha BSC II)

2010/2011 – Winter – nicht erfolgreiche Wechsel

  • keine

2010/2011 – Sommer – erfolgreiche Wechsel

  • Daniel Frahn
  • Tim Sebastian
  • Stefan Kutschke (bis Sommer 2013/2014 – SC Paderborn)
  • Fabian Franke
  • Tom Geißler (bis Sommer 2012/2013 – Carl Zeiss Jena)

2010/2011 – Sommer – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Carsten Kammlott (bis Winter 2013/2014 – Rot-Weiß Erfurt)
  • Richard van den Bosch (bis Sommer 2011/2012 – vereinslos)
  • Matthias Buszkowiak (bis Sommer 2012/2013 – Askania Bernburg)
  • Shaban Ismaili (bis Winter 2011/2012 – SGV Freiberg)
  • Alexander Laas (bis Sommer 2012/2013 – Karriereende)
  • Steven Lewerenz (bis Sommer 2012/2013 – Würzburger Kickers)
  • Paul Schinke (bis Sommer 2013/2014 – RB Leipzig II)
  • Maximilan Watzka (bis Sommer 2012/2013 – Viktoria Berlin)
  • Benjamin Baier (bis Sommer 2011/2012 – Rot-Weiss Essen)
  • Christopher Gäng (bis Sommer 2011/2012 – SG Sonnenhof Großaspach)

2009/2010 – Winter – erfolgreiche Wechsel

  • keine

2009/2010 – Winter – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Timo Rost (bis Sommer 2012/2013 – Trainer FC Amberg)
  • Sebastian Albert (bis Sommer 2011/2012 – ZFC Meuselwitz)

2009/2010 – Sommer (nur externe Zugänge, keine Markranstädter, da die einfach nur übernommen wurden) – erfolgreiche Wechsel

  • Sven Neuhaus (bis Sommer 2011/2012 – Karriereende)
  • Lars Müller (bis Sommer 2011/2012 – Karriereende)
  • Thomas Kläsener (bis Sommer 2011/2012 – Karrierende)
  • Ingo Hertzsch (bis Sommer 2011/2012 – Karriereende/ Fanbeauftragter RB Leipzig)
  • Patrick Bick (bis Winter 2010/2011 – Karriereende)
  • Christian Reimann (bis Sommer 2010/2011 – Grün-Weiß Stadtroda)
  • Jochen Höfler (bis Sommer 2010/2011 – Hammer SpVg)
  • Nico Frommer (bis Sommer 2011/2012 – Karriereende)

2009/2010 – Sommer (nur externe Zugänge, keine Markranstädter, da die einfach nur übernommen wurden) – nicht erfolgreiche Wechsel

  • Daniel Rosin (bis Sommer 2012/2013 – Karriereende)
  • Christian Streit (bis Sommer 2010/2011 – 1.FC Zeitz)
  • Robert Scannewin (bis Sommer 2010/2011 – Heidenauer SV)
  • Nicolas Warz (bis Winter 2009/2010 – Rot-Weiß Erfurt II)
  • (Benjamin Bellot)

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Ein Gedanke zu „Schwieriges Wintertransferfenster?“

  1. Sehr schöner Beitrag, da steckt offenschtlich jede Menge Arbeit drin (da erblasst der Guido ja glatt)!
    Respekt wie immer dafür und vielen Dank, die Vorfreude auf die Rückrunde wird so nur noch größer…

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