Testspiel: RB Leipzig vs. Berliner AK 2:0

Drittes Testspiel der Wintervorbereitung für RB Leipzig. Wie unter der Woche, als es gegen den Goslarer SC ging, wieder gegen einen Regionalligisten. Diesmal gegen den alten Bekannten aus früheren Regionalligajahren, den Berliner AK. Am Ende stand ein 2:0 auf der Anzeigetafel, die es nur gedanklich gab, weil man kurzfristig vom normalen Platz auf dem Trainingsgelände wegen der Witterung auf einen der hinteren Plätze ausgewichen war. Ein Ergebnis, das vor allem die Vorteile von RB Leipzig bei der Verwertung von Chancen ausdrückte.

Zum ersten Mal standen alle drei bisherigen Neuzugänge der Wintertransferperiode im Team. Die beiden Stürmer mit Millionenablösen Damari und Forsberg von Beginn an. Nils Quaschner durfte in der zweiten Hälfte reinschnuppern, spielte aber nur für knapp 25 Minuten, da er nach seinem Muskelbündelriss langsam aufgebaut wird.

Wenn man die Besetzung der ersten Halbzeit nimmt, dann fehlten höchstens Kimmich oder Demme, um dies ein Team sein zu lassen, dass so auch in knapp drei Wochen in Aue zum Punktspielstart auf dem Platz stehen könnte. Ansonsten war es die absolute A-Elf-Lösung und mit dem Sturm Poulsen-Damari-Forsberg auch die neue Variante, die die Offensivprobleme von RB Leipzig beheben soll.

Nimmt man die erste Halbzeit im Test gegen den Berliner AK als Maßstab (was natürlich Quatsch ist), als die drei Stürmer zusammen spielen durften, dann sind die Offensivprobleme dieselben geblieben, denn nach den 45 Minuten stand ein 0:0 und der gelobte Dreiersturm blieb ohne Treffer. Sieht man es etwas nüchterner, dann konnte man zumindest sehen, dass man sich aktuell noch etwas schwer tut, die drei Stürmer im neuen 4-3-3-System überhaupt zielführend ins Spiel zu bringen. Sprich, der Weg des Balles über das Mittelfeld in die Spitze ist noch ziemlich holprig.

Wobei die Ansätze des Zusammenspiels zwischen Anthony Jung und Emil Forsberg links (oft auch unter Zuhilfenahme von Kalmár) schon ganz gut und dynamisch aussahen. Yussuf Poulsen wurde auf der anderen Seite überwiegend aus dem Spiel genommen, während Omer Damari in der Mitte meist die Anspiele fehlten, um zum Torabschluss zu kommen. Da hatte man in der zweiten Halbzeit, als Frahn im Sturmzentrum spielte, stärker den Eindruck, dass man den zentralen Stürmer auch immer wieder mit tiefen Bällen suchen würde.

Insgesamt sollte es aber nicht verwundern, dass die Offensivabläufe weiterhin etwas holprig wirken. Zwei der drei Stürmer vorn sind erst ganz frisch bei der Mannschaft und das 4-3-3 hat man zwar in der ersten Hälfte der letzten Drittligasaison viel gespielt, aber auch da noch mit allerlei Offensivpersonal, das so jetzt nicht mehr auf dem Platz steht bzw. keine große Rolle mehr spielen soll.

Die größten Probleme könnte das 4-3-3 allerdings nicht bezüglich der Anpassungsprobleme sondern für die Defensivabläufe bereithalten bzw. für die Balance zwischen Offensive und Defensive. Es wird letztlich viel davon abhängen, wie viel Defensivarbeit die Außenspieler (Forsberg und Poulsen) zum Beispiel verrichten. Gegen den Berliner AK (bei dem Paul Grischok, der 2011 mal auf Pacults RB-Wunschliste gestanden haben soll, links offensiv eine gute Partie machte) stand man jedenfalls des öfteren wie schon gegen den Goslarer SC gerade auch auf den Außenbahnen enorm offen (auch weil fehlender Zugriff in der Zentrale gegen den Ball nicht den Pass nach außen verhindern konnte) und verdankte es in einigen Situationen vor allem der Berliner Abschlussschwäche, dass man kein Tor kassierte.

Auffällig in der Partie die Rolle von Zsolt Kalmár, der immer weiter nach hinten zu rutschen scheint in der Formation und als Achter inzwischen vor allem auch Aufgaben des Spielaufbaus übernimmt, sprich anstelle von Rani Khedira stellenweise die Rolle des Ballübernehmers von der Innenverteidigung übernimmt. Von dieser tiefen Position aus startet er immer wieder mit viel Geschwindigkeit in Richtung Sturm und sucht Abschluss oder letzten Pass. Gerade bei letzterem traf Kalmár gegen den BAK aber immer wieder mal die falsche Entscheidung, sodass einige verheißungsvolle Situationen verpufften. Es bleibt bei dem jungen Ungarn dabei, dass er alle Anlagen für einen Topspieler mitbringt, er aber bei verschiedenen Sachen immer mal wieder (noch) die falsche Entscheidung (Laufwege, Passrichtung, Passzeitpunkt) trifft.

Auffällig auch noch, dass die Tore in den Testspielen weiterhin von Spielern geschossen werden, die diesbezüglich vielleicht nicht (mehr) die zentrale Rolle spiel(t)en. Bisher waren es Spieler, die inzwischen den Verein verließen oder ihn eventuell noch im Winter verlassen werden. Diesmal war es mit Alexander Siebeck ein U23-Spieler, der mehr oder weniger nur den Kader auffüllte bzw. kaum ernsthafte Chancen Richtung Profiteam hat, aber seine Sache links im Sturm ganz gut machte (interessanterweise hatte Siebeck den letzten von zwei Pflichtspieleinsätzen im RB-Profiteam Ende Mai 2013 beim Berliner AK). Und das zweite Tor erzielte mit Diego Demme einer, der das Toreschießen absolut nicht in seinen Fußballergenen hat und seinen ersten Treffer im RB-Trikot erzielte. Dass ein Mittelfeldspieler trifft, kann aber nur im Sinne der Enwicklung der mannschaftlichen Offensivstärke sein.

Fazit: Das letzte von drei Spielen in Leipzig bevor es ins Trainingslager nach Katar geht, hat RB Leipzig gegen den gut verteidigenden und gelegentlich auch gut konternden Berliner AK völlig verdient gewonnen, auch wenn man eher Glück hatte, dass auch defensiv die Null stand, denn die Gäste hatten ihrerseits auch locker vier, fünf sehr gute Torgelegenheiten, die allesamt hätten in einem Treffer münden können. Trotzdem steht das Fundament bei RB Leipzig, auf dem man in den nächsten knapp drei Wochen ein schlagkräfiges Zweitligateam bauen und an der Einbindung des Dreiersturms und an der Balance zwischen Offensive und Defensive arbeiten kann.

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Tore: 1:0 Siebeck (68.), 2:0 Demme (80.)

Aufstellung 1.Halbzeit: Coltorti – Teigl, Hoheneder, Compper, Jung – Kaiser, Khedira, Kalmár – Poulsen, Damari, Forsberg

Aufstellung 2.Halbzeit: Dähne – Heidinger, Hoheneder (71. Sorge), Klostermann, Sumsualo – Kimmich, Demme, Hierländer – Palacios Martinez, Frahn, Quaschner (68. Siebeck)

Nicht dabei: Rebic, Sebastian, Boyd, Franke (alle noch verletzt), Bellot, Ernst, Strauß

Zuschauer:  800 (am Cottaweg)

Links: RBL-Bericht, BAK-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht

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Bisherige Testspiele

Bisherige Testspieltorschützen

  • Frahn, Morys, Palacios Martinez, Siebeck, Demme: je 1

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Ein Gedanke zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Berliner AK 2:0“

  1. guter Bericht. Alle Infos gut und knapp zusammengefasst. Bin gespannt was die Mannschaft in der 2. Saisonhälfte zustande bringt 🙂

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