Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie 2.Liga 2014/2015 – Teil II

Weiter geht es mit der Hinrundenaufarbeitung. Diesmal mit Teil II der Betrachtungen zu den einzelnen Spielern des RB-Kaders der Hinrunde. Nach den Torhütern und Verteidigern sind heute die Mittelfeldspieler und die Stürmer dran. Geordnet ist die Übersicht nach Positionen (Mittelfeld, Sturm) und innerhalb der Positionen nach Einsatzzeit.

Mittelfeld

Rani Khedira (20 Jahre, 20 Spiele, 1745 Minuten): Durchaus überraschend, wie schnell Neuzugang Rani Khedira im Sommer in die Mannschaft fand und seitdem uneingeschränkter Stammspieler ist. Eine Partie verpasste er wegen einer Gelbsperre, ansonsten stand er immer in der Startelf. Ist als Sechser der Staubsauger im Team und spielt diese Rolle sehr gut, unaufgeregt und sehr zweikampfstark. Ausbaufähig bleibt beim zentralen Mittelfeldspieler das Offensivspiel. Bemüht sich darum, Einfluss zu nehmen auf die Torgefahr des Teams und versucht auch immer mal wieder mit in die Spitze und in Lücken zu stoßen. Da fehlt es dem erst 20jährigen aber noch an Qualität. Trotzdem, angesichts seines Alters ist seine Entwicklung zum Zweitligastammspieler durchaus beeindruckend. Eine Einladung zur U21-Nationalmannschaft im November (wo er verletzungsbedingt nicht eingesetzt werden konnte) war verdienter Lohn für sein Auftreten.

Vom Neuzugang zum Taktgeber im Mittelfeld - Rani Khedira in kürzester Zeit von 0 auf 100 | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Diego Demme (23 Jahre, 21 Spiele, 1708 Minuten): Der absolute Dauerläufer im Team. Absolvierte in der zweiten Liga ’nur‘ 1512 von 1710 möglichen Spielminuten und liegt trotzdem in der Laufstatistik der Liga auf Platz 7. Hochgerechnet auf 90 Minuten lief Demme 12,4 km, was auch in der Bundesliga ein absoluter Topwert wäre. Die Arbeitsbiene stand als einziger RB-Spieler in allen 21 Pflichtspielen auf dem Platz, spielte aber nicht immer durch oder saß auch mal auf der Bank. Woran auch körperliche Probleme nicht unschuldig waren. Diego Demme ist der Mittelfeldspieler mit den meisten Ballkontakten bei RB Leipzig und entsprechend eine sehr spielprägende Persönlichkeit. Problem bei Demme ist wie bei Khedira, dass ihm die direkte Torgefahr trotz etwas offensiverer Position auf der Acht fast völlig abgeht. Zwei Torvorbereitungen und kein Tor in 21 Pflichtspielen ist etwas arg wenig für den Riesenaufwand, den Diego Demme in jedem Spiel im Dienste der Mannschaft betreibt.

Dominik Kaiser (26 Jahre, 19 Spiele, 1618 Minuten): Startete mit leichten körperlichen Problemen in die Saison, kam dann aber wieder ganz gut in Form und ist aktuell bester Vorlagengeber im Team und zweitbester Scorer. Auch wenn seine Daten im Vergleich zur überragenden Drittligasaison ein bisschen an Klasse eingebüßt haben. Kaiser bekommt durchaus zu spüren, dass in der zweiten Liga auf anderem Niveau verteidigt wird und man insbesondere auf der Zehn kaum mal die Zeit bekommt, einen Ball anzunehmen und sich danach umgucken zu können. Trotzdem konnte er beispielsweise den Spielen gegen Karlsruhe und Aue (Pokal) seinen Stempel aufdrücken und zeigt auch ansonsten viel Einsatz für die Mannschaft. Spielte oft auf der Zehn mit entsprechenden Aufgaben als erste Pressingstation, wird künftig aber wohl vermehrt auf die Acht rutschen, wenn sich das 4-3-3- als präferiertes Spielsystem durchsetzt. Könnte ihm unter Umständen sogar entgegenkommen, wenn er das Spiel wieder stärker vor sich hat als auf der Zehn. Und könnte der Mannschaft zugute kommen, wenn auf der Acht ein Mittelfeldspieler mit größerer Torgefahr agiert.

Joshua Kimmich (19 Jahre, 14 Spiele, 1106 Minuten): Der vierte im Bunde der in der Hinrunde unverzichtbaren Mittelfeldspieler. Wirkte aufgrund vieler Probleme mit seinem Körper in nur zwei Dritteln der Pflichtspiele mit und war selbst da physisch nicht immer bei 100%. Was dazu beitrug, dass Kimmich der Saison bisher nicht so stark seinen Stempel aufdrücken konnte, wie es sein Leistungsvermögen vielleicht hergeben würde. Trotzdem war er mit Abstand der passsicherste Mittelfeldspieler im Team und zeigte in einigen Spielen seine Fähigkeiten am Ball und in der Spielkontrolle und -übersicht. Joshua Kimmich ist in vielerlei Hinsicht von Technik über Spielverständnis bis hin zu seiner Mentalität ein überragendes Talent. Seine offensiven Qualitäten sind aber weiterhin bei allen Bemühungen unterdurchschnittlich ausgeprägt. Gerade mal zwei Torbeteiligungen in Form von Vorlagen verzeichnete Kimmich. Vor allem seine Torschüsse sind nicht wirklich von überragender Gefährlichkeit. Will er als Mittelfeldspieler bei seinem zukünftigen Verein FC Bayern ab Sommer auf Dauer ein Wörtchen mitreden, muss er diesbezüglich sicherlich zulegen. Abgesehen davon wünscht man Kimmich, dass er für den Rest der Saison von körperlichen Problemen und Wehwehchen verschont bleibt und er noch einmal einen weiteren Entwicklungsschritt machen und so zur prägenden Figur bei RB Leipzig werden kann.

Clemens Fandrich (23 Jahre, 10 Spiele, 385 Minuten): Einer der eher Enttäuschten der Hinrunde. 10 Einsätze, davon vier von Beginn an. Im Schnitt gerade mal knapp 40 Minuten pro Spiel. Das zeigt deutlich, dass Fandrich bei aller Verletzungsprobleme der Stammmittelfeldspieler keine Chance hat, auf längere Zeit an die Startelf heranzuschnuppern. Zeigte zu selten seine durchaus vorhandenen Qualitäten in Sachen Technik und Offensivspiel. Leistete sich am vierten Spieltag in Frankfurt mit Unterstützung des Schiedsrichters einen blöden Platzverweis, der ihn für lange Zeit aus dem Team schmiss. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das Highlight seiner Hinrunde, den 2:1-Siegtreffer in der ersten Pokalrunde gegen Bundesligist Paderborn in der 109. Minute schon erlebt. Es war das erste und bis heute einzige Tor in 21 RB-Pflichtspielen aus dem Spiel heraus, das nicht von einem Stürmer erzielt wurde. Vor ein paar Tagen wurde Fandrich nach Aue verliehen, was für seine weitere Entwicklung und für die Spielpraxis sicherlich vernünftig ist. Dass er sich in zwei Jahren bei RB Leipzig nie wirklich auf längere Sicht durchsetzen konnte, macht allerdings wenig Mut, dass Fandrich nach seiner Leihe noch mal bei RB Fuß fassen kann.

Stefan Hierländer (23 Jahre, 11 Spiele, 362 Minuten): Stefan Hierländer kam im Sommer aus Salzburg und hatte sich die Sache sicherlich auch anders vorgestellt, als in Leipzig maximal zum Ergänzungsspieler zu werden, der vor allem dann ins Spiel kommt, wenn jemand gefragt ist, der aus dem Mittelfeld Geschwindigkeit mitbringt. Also vornehmlich bei eigenen Führungen. Drei Spiele absolvierte Hierländer von Beginn an, in denen er teilweise andeuten konnte, dass er Topzweitliganiveau verkörpern kann. Insgesamt war es aber in Sachen Präsenz, Zweikampfführung und auch Torgefahr (keine Torbeteiligung) zu wenig, um dauerhaft an die Startelf heranzukommen. Stefan Hierländer muss sicherlich in naher Zukunft einen Leistungssprung vollziehen, sonst wird er in der Mittelfeldhierarchie trotz des Abgangs von Clemens Fandrich noch weiter zurückrutschen.

Zsolt Kalmár (19 Jahre, 10 Spiele, 187 Minuten): Kam bis auf seinen Startelfeinsatz in Sandhausen nur zu ein paar Kurzeinsätzen, in denen sich der 19jährige als technisch versierter, schneller Spieler mit (bisher erfolglosem) Zug zum Tor präsentierte. Kalmár fehlt manchmal noch etwas das Maß zwischen Ballbesitz und passenden Abspielen nach gut gelösten Eins-gegen-Eins-Situationen und das Gefühl für manche Laufwege, mit denen er sich wieder als Anspielstation präsentieren könnte. Für die Zukunft könnte er aber zu einem spielstarken, zentralen Mittelfeldspieler heranwachsen. Das könnte aber durchaus noch ein paar Monate oder auch ein, zwei Jahre dauern. Dass die Hinrunde für ihn nicht ganz einfach werden würde, konnte man jedenfalls ahnen, nachdem Kalmár im Sommer für Ungarn bei der U19-EM spielte, deswegen erst spät zu RB Leipzig kam und im Saisonverlauf auch zur Nationalmannschaft eingeladen wurde und deshalb immer wieder mal abwesend war. Jetzt eine komplette Wintervorbereitung mit der Mannschaft spielen zu können, wird Kalmár sicherlich gut tun.

Henrik Ernst (28 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Nach seinem Kreuzbandriss im Februar 2014 ohne Einsatzminute in der Hinrunde. Ist jetzt wieder voll belastbar und kann die Vorbereitung auf die Rückrunde komplett mitmachen. Wird schwer für Henrik Ernst, der in erster Linie Konkurrent für Rani Khedira auf der Sechs wäre, aber auch Innenverteidiger spielen kann, aber abschreiben sollte man den 28jährigen auch nicht, wenn man daran denkt, dass er sich schon in der dritten Liga einen Stammplatz erkämpfte, mit dem keiner gerechnet hatte. Guter Typ, mannschaftsdienlicher Spieler, passt gut in den RB-Kader. Richtung erster Liga wird es für Ernst, dessen Vertrag in diesem Jahr ausläuft, aber sicher eng.

John-Patrick Strauß (18 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Kam vor allem bei der A-Jugend zum Einsatz, nachdem Strauß noch in der Vorbereitung sehr nah am Zweitligakernteam dran war und seine fußballerischen Qualitäten unter Beweis stellte. Ist ein sehr flexibler Spieler, der bei RB Leipzig in den Testspielen bis auf Torhüter und zentralem Stürmer praktisch schon überall gespielt hat. Kann physisch sicherlich noch zulegen, hat aber sicher auch noch zwei, drei Jahre, um den Durchbruch Richtung Männerteam zu schaffen.

Sturm

Yussuf Poulsen (20 Jahre, 17 Spiele, 1511 Minuten): Wenn Yussuf Poulsen letzte Saison schon gut war, dann war er diese Saison herausragend. Zumindest an guten Tagen, denn zwischenzeitlich wirkte Poulsen auch mal überspielt oder überfordert von der Aufgabe, die Offensive fast im Alleingang zu tragen und gleichzeitig noch Nationalspieler und somit auch in seiner Heimat so etwas wie ein Star zu werden. Vielleicht erklärt dies auch ein bisschen, warum Yussuf Poulsen in manchen Situationen über die Saison begann, nach Ballverlusten nicht mehr sofort mit zurückzulaufen, sondern stehenzubleiben, sein Haar zu richten und dann weiterzumachen oder sich beim Schiedsrichter über dessen Entscheidungen zu beschweren. Wobei es Yussuf Poulsen mit seiner physischen Art Fußball zu spielen, bei den Unparteiischen tatsächlich nicht leicht hat und vieles zurückgepfiffen bekommt, was man vielleicht auch laufen lassen könnte. Dass Poulsen die meisten Foulspiele aller RB-Spieler begangen hat, ist jedenfalls auch mit darauf zurückzuführen. Abgesehen von genannten kleineren Allüren und Überspieltheiten ist Yussuf Poulsen weiter ein bodenständiger Typ und phänomenaler Fußballer. Vom schnellen Geradeaussprinter, der er vor eineinhalb Jahren war, hat er sich zu einem echten Torjäger entwickelt, der die nötige Geschwindigkeit und Körperlichkeit mitbringt, um sich auch im Alleingang gegen Zweitligaverteidigungen durchzusetzen. Mit acht Toren ist Yussuf Poulsen mit Abstand der treffsicherste Akteur im RB-Trikot und wurde zu Recht als drittbester Stürmer der Liga in der Kickerrrangliste in die „Herausragend“-Rubrik aufgenommen (nur steht er zu Unrecht hinter dem Zweitplatzierten Dominik Stroh-Engel, aber das ist dann wohl Ansichtssache..). Über kurz oder lang gehört Poulsen auf jeden Fall in die erste Liga. Bleibt zu hoffen, dass er den Weg mit RB Leipzig geht und nicht irgendwann die Abkürzung über einen Wechsel nimmt.

Trotz aller Probleme weiter der überragende Stürmer bei RB Leipzig - Yussuf Poulsen ist auch n der zweiten Liga überragend | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Daniel Frahn (27 Jahre, 19 Spiele, 1166 Minuten): So viel wie in den letzten Monaten nicht nur positiv über den Kapitän geredet wurde, staunt man fast, wenn man feststellt, dass er in immerhin 19 Spielen auf dem Platz stand und letztlich auch der zweitbeste Torschütze im Team wurde (drei Tore). Überhaupt war Daniel Frahn auch in der Zweitligavorrunde ein Vorbild in Sachen Einsatz (wenn er es denn nicht gerade wie bei seiner Grätsche gegen Rzatkowski im Spiel gegen St. Pauli übertrieb). Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang auch kein Zufall, dass RB Leipzig immer dann ganz gut aussah, wenn der Kapitän mit auf dem Feld stand. Daniel Frahn mühte sich also nach bestem Wissen und Gewissen, nahm auch seine Umwandlung in einen Bankspieler im Saisonverlauf klaglos hin und versuchte dem Team weiter zu helfen. Nur dass ihm letzteres im Vergleich zu den Vorjahren nur sehr selten gelang und man den Eindruck gewann, dass Frahn von der Physis und von seinen spielerischen Qualitäten her, nur schwerlich mit der Zweitligaspitze mithalten kann. Was dazu führte, dass er sich gegen die Innenverteidiger (vor allem in Luftduellen) nicht durchsetzen konnte und seine Versuche, sich aus der Sturmmitte lösend ins Spiel einzubringen, abgesehen von der Partie gegen St. Pauli nicht sehr erfolgsversprechend aussahen. Dass man Frahn mit Damari und Quaschner zwei neue, zentrale Stürmer vor die Nase setzt, kann ihm nicht so richtig gefallen. Dass der Verein ihn schon frühzeitig in die Pläne einweihte und ihm die Chance gab, sich zu überlegen, wie er weiterverfahren möchte, war letztlich nur fair. Dass es für Frahn trotzdem schwer ist zu entscheiden, ob er noch mindestens ein halbes Jahr in Leipzig bleibt (Vertrag läuft bis 2016) oder lieber zu einem Verein (vermutlich in die dritte Liga) wechselt, der ihn dringend braucht und Einsatzzeiten gibt, ist klar. Aus hiesiger Sicht wär es natürlich wünschenswert, wenn der Kapitän, der als Typ und Bindeglied innerhalb der Mannschaft und zum Trainerteam enorm wertvoll ist, noch ein halbes RB-Jahr dranhängt, auch wenn er in dieser Zeit wohl nicht mehr so viel Einsatzzeit kriegen wird.

Matthias Morys (27 Jahre, 14 Spiele, 702 Minuten): Viel wurde im Umfeld von RB Leipzig in den letzten Monaten über Matthias Morys geschimpft. Manchmal zu Recht, manchmal wurde es aber zum völlig übertriebenen Selbstzweck. Fakt ist, dass Matthias Morys bisher der effektivste Vorlagengeber im ganzen Team war und insbesondere zu Beginn der Hinrunde ein paar gute Spiele machte. Dass er von der zweiten Liga trozdem ein wenig überfordert wirkte, spiegelt sich in der schlechtesten Zweikampf- und Passquote im Team (29% gewonnene Duelle, 38% angekommene Pässe) wider. Im Vergleich mit allen Zweitligaspielern (nur Spieler mit mindestens 20% Einsatzzeit) war er mit diesen Werten der zweitschlechteste Zweikämpfer und gar der schlechteste Passgeber. Man muss angesichts dieser Werte und auch dem Augenschein nach nachlassenden Leistungen kein ganz großer Experte sein, um zu ahnen, dass es auf diesem Niveau schwer wird, dauerhaft bei RB Leipzig zu spielen. Weswegen der Wechsel von Matthias Morys per Leihe zu seinem alten Verein Sonnenhof Großaspach in die dritte Liga für alle Beteiligten Sinn macht.

Terrence Boyd (23 Jahre, 8 Spiele, 413 Minuten): Vielleicht der größte Pechvogel im Team. Verletzte sich zu Saisonbeginn im letzten Testspiel vor dem Zweitligastart am Kreuzband und brauchte fast drei Monate, um wieder auf den Platz zurückzukehren. Bei seinem achten Pflichtspieleinsatz, eineinhalb Monate später riss er sich dann das Kreuzband richtig und muss nun bis zum Ende der Saison zuschauen. Zwischendurch schoss er in seinen 413 Einsatzminuten durchaus ordentliche drei Tore und präsentierte sich als zweikampfstarker Stürmer, der dem Team mit seiner Physis gut tut und noch mal eine neue Komponente zufügen kann. Dass er erst wieder in der neuen Saison eingreifen kann, ist für den Stürmer Pech. Schon jetzt hat der Verein zwei neue, zentrale Stürmer geholt und würde wohl auch im Sommer nicht vor Verstärkungen zurückschrecken. Zumal falls RB Leipzig doch noch den Aufstieg schafft. Man wird schauen müssen, wie stark Terrence Boyd von seiner Verletzung zurückkommt und ob er dann mit seiner physischen Art zu spielen, noch so wichtig ist, wie er es in der Hinrunde der zweiten Liga zwischenzeitlich war.

Ante Rebic (21 Jahre, 4 Spiele, 174 Minuten): Schon jetzt ein Spieler, von dem man später mal egal wie es weitergeht mit einem ‚Weißt du noch, damals der Ante?‘ reden wird. Kam offenbar mit dem Gefühl nach Leipzig, dass Einsatzzeiten ein Selbstläufer seien und traf dann auf einen Trainer, der tatsächlich wollte, dass er erst mal richtig fit werde und auch gegen den Ball mitarbeitet, bevor er ihn mitspielen lässt. Das war irgendwie nicht nach Antes Rebic Geschmack und kulminierte in seinen legendären 20 Minuten Einsatz beim FSV Frankfurt, als er zwar erst Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, aber kurz vor Schluss trotzdem runter musste. In der Schlussphase der Hinrunde schien Rebic besser in Leipzig und in der Mannschaft angekommen zu sein. Pech, dass er sich ausgerechnet dann im Spiel in Fürth einen Muskelbündelriss zuzog und erneut ausfiel (und immer noch ausfällt). Rebic hat absolut herausragende, individuelle Qualitäten, die er nicht immer zielführend und mannschaftsdienlich einsetzt. Trotzdem ist er mit seinen Fähigkeiten im Eins gegen Eins ein Toptalent, das aber auch den Kopf und den Körper braucht, um auch auf dem Platz top zu sein. Wenn er in der Rückrunde fit und willig ist, kann er noch ein ganz wichtiger Offensivbaustein werden.

Federico Palacios Martinez (19 Jahre, 3 Spiele, 100 Minuten): Feiner Techniker, der im Pokalspiel gegen Aue durch permanentes offensives Anrennen nicht unerheblich dazu beitrug, dass das Spiel letztlich doch noch eine Wende zugunsten von RB nahm. Insgesamt kommt von dem 19jährigen gerade physisch aber zu wenig, was ihn im Zweikampf etwas anfällig macht. Dazu kommt das Problem, dass man nicht so richtig weiß, auf welcher Position man Palacios Martinez einsetzen sollte. Als Stürmer hat er sich etwas aus dem Team gespielt, weil es dafür körperlich bisher nicht reichte. Als Achter kann man sich ihn im Normalfall nicht vorstellen, weil es dafür gegen den Ball wohl nicht reicht. Bliebe noch die Zehn, auf der sich die beiden Probleme der anderen Positionen mischen dürften. Palacios Martinez braucht Spielpraxis, möglichst dritte Liga aufwärts, um im Männerbereich anzukommen. Da er diese Spielpraxis bei RB Leipzig in dieser Saison nach Lage der Dinge nicht kriegen wird, wäre wohl eine Leihe sinnvoll. Im Sommer wollte der junge Offensivmann nicht verliehen werden. Mal sehen, was im Winter noch so geht.

Denis Thomalla (22 Jahre, 3 Spiele, 99 Minuten): Denis Thomalla spielte eine prima Vorbereitung im Sommer und landete deswegen in der ersten Zweitligastartelf von RB Leipzig und bekam in den ersten drei Spielen jeweils Einsatzzeit. Da sich in diesen Spielen aber abzeichnete, dass es schwer werden würde für Thomalla, im Sturm dauerhaft Einsatzzeiten zu bekommen, verlieh man in nach Ried. Wenn man geahnt hätte, dass Rebic und Boyd über weite Teile der Saison ausfallen würden, wäre man diesen Schritt vielleicht nicht gegangen. Fraglich, ob der technisch sehr gute, aber nicht so recht durchsetzungsstark wirkende Thomalla noch mal im RB-Trikot zu sehen sein wird. Mit vier Toren und vier Vorlagen hat er als Stammstürmer in Ried eine ganz gute Quote und sicherlich auch jenseits von RB eine ganz vernünftige Zukunft als Fußballer.

Smail Prevljak (19 Jahre, 1 Spiel, 22 Minuten): Durfte im ersten Saisonspiel gegen Aalen reichlich 20 Minuten mitwirken, nachdem er in der Vorbereitung recht regelmäßig getroffen hatte. Konnte in dem Spiel aber seine Chance nicht nutzen und wurde zum FC Liefering in die zweite österreichische Spielklasse verliehen, wo er in sieben Einsätzen an sieben Toren beteiligt war (5 Tore, 2 Vorbereitungen). Prevljak ist eher ein zentraler Stürmer, dessen Stärken im Torabschluss bestehen. Ob er auf der Basis dieser Qualitäten eine Entwicklung hin zu einem sehr guten Profi hinbekommt, bleibt erst mal offen.

Fazit

Wenn man sich die Mittelfeldspieler und Stürmer anguckt, weiß man eigentlich auch relativ schnell, warum RB Leipzig in der Hinrunde größere Probleme hatte, sich offensiv durchzusetzen. Da ist zum einen das Mittelfeld, aus dem (bis auf Kaiser) viel zu wenig Torgefahr kommt. Und da ist zum anderen der Sturm, der durch Verletzungen (Boyd, Rebic) und ausbleibende Entwicklungssprünge (Frahn, Morys) gebeutelt wurde. Sodass letztlich im Angriff mit Yussuf Poulsen dauerhaft nur ein uneingeschränkt zweitligatauglicher Stürmer zur Verfügung stand. Wenn er denn nicht verletzt bzw. ermüdet ausfiel.

Letztlich ist da auch viel Jammern auf hohem Niveau dabei, wenn man als Aufsteiger in der Tabelle Platz 7 belegt, aber andererseits zeigt sich dann eben doch, dass man eine perfekte Runde nur spielen kann, wenn auch alle Rädchen ineinandergreifen. Und das taten sie in der Hinrunde vor allem im Offensivbereich nur sehr selten. Und wenn sie es mal taten, dann war eines der Rädchen schell wieder kaputt.

Wenn man sich den ganzen Kader anschaut, dann haben es mit Khedira und Compper nur zwei Neuzugänge geschafft, sich dauerhaft ins Team zu integieren. Auch diese Tatsache spricht dafür, dass mehr als Platz 7 als Zwischenstand letztlich nicht drin war.

Positiv überraschen konnten in der Hinrunde sicherlich vor allem Tim Sebastian, Anthony Jung, Yussuf Poulsen und mit Abstrichen auch Rani Khedira und Benjamin Bellot. Eher enttäuschend war die Entwicklung von Stefan Hierländer, Daniel Frahn, Matthias Morys und mit deutlichen Abstrichen Sebastian Heidinger (der sich letzte Saison einfach ein enorm hohes Ausgangsniveau gesetzt hatte).

Letztlich warten auf vielen Positionen Spieler noch auf ihren nächsten Entwicklungsschritt mit dem sie sich auf Zweitligaspitzenniveau hieven können. Auch das ist aber nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass manch einer wie ein Dominik Kaiser vor eineinhalb Jahren noch Regionalliga oder wie Joshua Kimmich A-Jugend spielte. Man darf sicherlich erwarten, dass der eine oder andere Spieler in der Rückrunde noch einmal anders und besser auftreten kann als in der Hinrunde. Anders war es in der dritten Liga in der vergangenen Saison nach dem Aufstieg ja auch nicht.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche, Sven Sonntag

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