Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie 2.Liga 2014/2015 – Teil I

Weiter geht es mit den Rückblicken auf die Zweitligahinrunde. Traditionell dabei auch der subjektiv-qualitative Blick auf alle Spieler und ihre Leistungen. Auch teilweise unter Berücksichtigung ihrer möglichen Zukunftsperspektiven. Geordnet ist das ganze wie immer nach Positionen (Tor, Verteidigung, Mittelfeld, Sturm) und innerhalb dieser Positionen nach Einsatzzeit. Los geht es heute mit den Keepern und den Verteidigern. In den nächsten Tagen geht es dann mit Mittelfeldspielern und den Angreifern weiter.

Tor

Benjamin Bellot (24 Jahre, 11 Spiele, 1020 Minuten): Vor einem reichlichen Jahr noch die Nummer 3 im Tor von RB Leipzig. Dann verletzte sich zuerst Fabio Coltorti und anschließend Erik Domaschke und die Zeit von Benjamin Bellot als klare Nummer 2 kam. Nachdem sich Fabio Coltorti im Sommer erneut verletzte, war Benjamin Bellot als Stammkeeper für 11 Spiele gesetzt. 11 Spiele, in denen Benjamin Bellot zeigte, dass er ein guter Zweitligakeeper ist. Viermal spielte er in dieser Zeit zu Null. Neun Gegentore in den 11 Spielen sind insgesamt eine sehr gute Quote. Herausragende Qualitäten hat Bellot weiterhin mit dem Fuß. Was ihn zu einer sehr guten Anspielstation für die Innenverteidiger rund um den eigenen Strafraum macht und ihn perfekt zur Spielphilosophie passen lässt. Trotzdem hat Bellot in Sachen kompromisslosem Herauslaufen und Strafraumbeherrschung noch einige Probleme. Wobei sich dies und sein Agieren bei Flanken inzwischen dank Spielpraxis auch um einiges verbessert hat. Und auf der Linie hatte Benjamin Bellot sowieso schon immer seine Qualitäten. Seine Leistungen will die Vereinsführung mit einer Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus belohnen. Wäre ein schönes Signal und würde bedeuten, dass Urgestein Benjamin Bellot eventuell mit RB Leipzig von der fünften in die erste Liga mitmarschiert.

Mal eben von der fünften bis in die zweite Liga geflogen - RB-Urgestein Benjamin Bellot | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Fabio Coltorti (34 Jahre, 10 Spiele, 930 Minuten): Hat ein schwieriges 2014 hinter sich. Sein erster Einsatz war verletzungsbedingt erst Mitte April, sodass er in der dritten Liga nur noch vier Spiele hielt. Zur neuen Saison verletzte er sich erneut und musste weitere 11 Spiele zuschauen. Man merkte es Fabio Coltorti durchaus an als er Ende Oktober wieder als Nummer 1 zurück ins RB-Tor kehrte, dass er in diesem Jahr erst vier Pflichtspiele bestritten hatte. Kam aber schnell wieder in Form und war insbesondere gegen Ende der Saison der gewohnt starke Rückhalt und auch bei Gegenwind absoluter Fels in der Brandung. Gerade in Fürth und in Aalen war er entscheidend dafür verantwortlich, dass hinten die Null stand, weil er sich in jeden Ball, in jedes Getümmel und in jeden Angreifer warf. Fünfmal spielte er in seinen 10 Pflichtspielen zu Null. Insgesamt musste er nur fünmal hinter sich greifen. Starke Vorstellung des 34jährigen, dem man in der Sommerpause nach seiner Verletzung fast eine neue Nummer 1 vor die Nase gesetzt hätte. Wenn RB in die Bundesliga aufsteigt, dürfte dieses Thema für Coltorti erneut vor der Tür stehen.

Thomas Dähne (20 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Klare Nummer 3. Bisher komplett ohne Chancen auf Einsatzzeit jenseits von Freundschaftsspielen. Inwieweit die Situation für den 21jährigen, ehemaligen U20-Nationalkeeper befriedigend ist, muss er selber wissen und wird auch davon abhängen, was er sich von dem vorerst auf ein Jahr befristeten Vertragsverhältnis mit RB Leipzig vorgestellt hat. Seine Leistungen sind für den Außenstehenden jedenfalls aktuell bei null Pflichtspielminuten nicht bewertbar.

Verteidigung

Anthony Jung (23 Jahre, 20 Spiele, 1826 Minuten): Vielleicht der Gewinner der Zweitligavorrunde im Team von RB Leipzig. Vom etwas schlampigen Talent, das er im letzten Jahr noch gelegentlich war, hat er sich zum unumstrittenen Stammspieler auf der Linksverteidigerposition entwickelt, der von den insgesamt 1950 Pflichtspielminuten nur deswegen 124 verpasste, weil er in Aalen früh in der zweiten Hälfte vom Platz gestellt wurde und die nächste Partie aussetzen musste. Viele Ballkontakte, passable Passquote, gute Zweikampfquote. Der 23jährige beackert seine Seite auf hohem Niveau, steht defensiv meist sicher und sucht vermehrt auch nach Wegen, seine durchaus vorhandene Dynamik und Technik auch in Offensivaktionen einzubringen. Da ist weiterhin sicherlich Luft nach oben, aber der Weg ist der richtige. Trotz guter Leistungen profitiert Anthony Jung auch ein wenig davon, dass es für ihn kaum richtige, sprich gelernte Linksverteidigerkonkurrenz im Kader gibt. Falls das in mittlerer Zukunft mal anders wird, muss man auch erst mal sehen, wie Jung dann damit zurechtkommen wird.

Als Linksverteidiger die Konstanz in Person - Anthony Jung mit seinem endgültigen Durchbruch bei RB Leipzig | GEPA Pictures/Citypress24

Georg Teigl (23 Jahre, 20 Spiele, 1702 Minuten): Auch der zweite Außenverteidiger im Team hat noch mal einen bemerkenswerten Sprung gemacht und ist aus der Mannschaft kaum noch wegzudenken. Im defensiven Zweikampf weiterhin mit kleineren Problemen und offensiv angesichts seiner Schnelligkeit und seines Talents auch noch mit Luft, hat er sich im vergangenen Jahr trotzdem zu einem recht kompletten Rechtsverteidiger entwickelt, der den einen oder anderen Fehler im Stellungsspiel mit Geschwindigkeit wettmacht und in der Zweitligavorrunde diverse gefährliche Situationen über eben seine Sprintqualitäten klären konnte. Wenn man den Georg Teigl, der vor einem knappen Jahr fast völlig verloren gegen Burghausen sein erstes Spiel bei RB Leipzg und als Rechtsverteidiger machte, mit dem heutigen Georg Teigl vergleicht, dann liegen da fast schon Universen dazwischen. Nicht zu Unrecht sehen viele Beobachter Georg Teigl inzwischen auf einem sehr guten Weg in die österreichische Nationalmannschaft. Vorteil für Teigl auch, dass er als gelernter Offensivspieler auch immer mal offensiv aushelfen kann. Wie in Düsseldorf, wo er als Stürmer agierte und sich mit zwei Treffern für diese Aufstellung bedankte.

Tim Sebastian (30 Jahre, 18 Einsätze, 1533 Minuten): Mit dem 30jährigen Routinier hatten vielleicht nicht allzuviele als Zweitligastammspieler gerechnet. Schon zum Ende der Drittligasaison hatte er sich in der Innenverteidigung festgespielt und bestätigte dies auch in der neuen Saison. Auch wenn ihm entgegenkam, dass mit Franke und Hoheneder zwei direkte Konkurrenten mit Verletzungen zu kämpfen hatten und Willers den Club verließ. Aber davon abgesehen war Sebastian auch so leistungstechnisch eine Konstante im RB-Spiel. Zweikampfstark und passsicher. Viel mehr braucht man von einem Innenverteidiger fast nicht. Und zudem verstand es Sebastian durchaus auch oft, Zweikämpfe durch gutes Stellungsspiel zu vermeiden, wodurch auch seine Foulquote gering blieb. Tim Sebastian war sicherlich alles in allem nicht fehlerlos. Aber erstens kann das wohl kaum ein Innenverteidiger von sich behaupten, schon gar nicht in der zweiten Liga und zweitens spielte Sebastian trotz dieser kleineren Fehler eine insgesamt gute bis sehr gute Runde. Der Kicker machte ihn deshalb im Rahmen der halbjährlichen Ranglisten in der „Herausragend“-Kategorie zum siebtbesten Innenverteidiger der Liga. Durchaus gerechtfertigt.

Marvin Compper (29 Jahre, 17 Spiele, 1388 Minuten): Kam erst nach Saisonbeginn zum Team, weil man die absehbare Dauerverletzung von Fabian Franke auffangen wollte. Wurde ziemlich direkt ins kalte Wasser geworfen, weil sich Niklas Hoheneder beim Spiel gegen Aue Ende August schwer verletzte. Dafür, dass Compper fast keine Anpassungszeit hatte, machte er seine Sache ganz gut, auch wenn ihm das hohe Verteidigen manchmal sichtbar schwer fiel und es immer wieder Situationen gab, in denen er sich intuitiv zurückfallen lassen wollte, anstatt den Schritt nach vorn zu machen. Compper spielte eine solide Zweitligahinrunde, die bei einigen Fehlern im Stellungs- oder im Aufbauspiel durchaus noch ausbaufähig ist. Gerade auch im Vergleich mit seinen Innenverteidigerkonkurrenten. Die schlechteste Zweikampfquote der drei meist eingesetzten Innenverteidiger verweist durchaus auf Problemlagen.

Sebastian Heidinger (28 Jahre, 12 Spiele, 780 Minuten): Die positive Überraschung der Drittligasaison in der zweiten Liga mit einigen Anpassungsproblemen. Nur knapp 46% Zweikampfquote sind für einen Außenverteidiger, der gelegentlich auch mal auf der Acht aushalf, letztlich wohl zu wenig. Hinter den Zahlen versteckt sich auch, dass Heidinger hinter seinen Gegenspielern oft zurückstecken musste und sich vor allem auch offensiv nicht mehr so gut durchsetzen konnte. Keine Torbeteiligung gegenüber vier Toren und zwei Vorlagen in der vergangenen Saison liegen zwar im Trend der Mannschaft, sind aber trotzdem zu wenig. Auch wenn Heidinger hinter den Leistungen der vergangenen Saison zurückbleibt, präsentiert er sich aber trotzdem als Teamplayer und als jemand, der sich in den Spielzeiten, die er bekommt, voll hineinwirft. Ob das für eine Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags ausreicht, muss man aktuell leise anzweifeln.

Niklas Hoheneder (28 Jahre, 9 Spiele, 760 Minuten): Glück und Unglück liegen manchmal so nah beieinander. Niklas Hoheneder wäre vermutlich der beste RB-Innenverteidiger der Hinrunde gewesen, so stark wie er in die Saison startete. Doch dann kam dieser Horrorsturz am dritten Spieltag gegen Aue und die lange Verletzung. Pech für ihn und gleichzeitig auch Glück, denn bei seinem ungebremsten Sturz auf den Kopf hätte viel mehr passieren können als eine dreimonatige Zwangspause und langwierige Muskelstörungen. Nach seiner Verletzung kam Niklas Hoheneder dann Ende November in fast alter Form zurück, erzielte in Fürth sogar ein hochwichtiges und hochemotionales Siegtor. Hoheneder war in seinen letztlich 9 Pflichtspielen der Hinrunde der zweikampfstärkste und passicherste RB-Feldspieler. Das allein sagt etwas über die unanzweifelbaren Qualitäten des 28jährigen Österreichers aus. Wenn er für die Rückrunde vollständig fit zurückkehrt, wird es für die anderen schwer, an ihm vorbeizukommen.

Lukas Klostermann (18 Jahre, 2 Spiele, 123 Minuten): Was für ein Einstand für den 18jährigen Defensivmann. In seinem ersten Spiel für RB Leipzig im DFB-Pokalspiel gegen Aue Ende Oktober schoss er nach 20 Minuten das Führungstor. Allerdings für die Gäste. Dass er das Spiel trotzdem über 120 Minuten zu Ende brachte, nötigt bei aller über die gesamten Spielzeit anzumerkenden Nervosität Respekt ab. Respekt für den Spieler und den Trainer, der ihn in diesem wichtigen Spiel durchspielen ließ. Insgesamt kam Klostermann in der Vorrunde nur auf 123 Minuten. Was für seine Zukunft bei RB Leipzig nichts heißt. Klostermann ist ein prima Fußballer und schnell, muss aber in Sachen Stellungsspiel und Zweikampfführung auch noch einiges lernen. Die Zeit zum lernen wird er wohl kriegen.

Tobias Willers (27 Jahre, 1 Spiel, 9 Minuten): Machte im DFB-Pokalspiel gegen Paderborn seine einzige Pflichtspielminuten in dieser Saison und saß in drei von vier Zweitligaspielen zu Beginn der Spielzeit auf der Bank. Nachdem Marvin Compper gekommen war, verließ Willers das Schiff auf den letzten Transferdrücker gen Osnabrück, weil er kaum noch Chancen auf Einsatzzeit sah. Schade um den Typen Willers, der dem Team sehr gut tat bzw. jedem Team gut tut, aber fußballerisch war für den Innenverteidiger Willers wohl bei RB sowieso das Ende der Talentfahnenstange erreicht.

Fabian Franke (25 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Pech mit einer nicht enden wollenden Dauerverletzung, die ihn in dieser Spielzeit noch kein Spiel haben absolvieren lassen. Nach dem Trainingslager in Katar geht es für ihn erst mal zusammen mit Terrence Boyd in die Reha. Wann er wieder mal richtig mit der Mannschaft trainieren kann, ist völlig unklar. Was mit dem in diesem Sommer auslaufenden Vertrag wird auch. Könnte angesichts der aktuellen Lage eng werden für den 25jährigen, enorm zweikampfstarken Innenverteidiger, der nunmehr seit 2010 zum Team gehört.

Mikko Sumusalo (24 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Noch ein Pechvogel, der sich immer dann, wenn er auch nur in die Nähe der Mannschaft rutscht, verletzte. Keine Spielminute in dieser Saison bisher. Ob noch eine dazukommt, ist selbst dann zweifelfhaft, wenn Sumusalo dauerhaft fit sein sollte. Zu weit war er bisher leistungsmäßig von der Mannschaft weg, wirkte in seinem Stellungsspiel und Selbstbewusstsein in den Testspielen manchmal ein wenig neben der Spur. Man kann sich sicher sein, dass Sumusalo mit dauerhafter Spielpraxis auch einen enormen Sprung machen könnte. Dauerhafte Spielpraxis wird er aber wohl bei RB Leipzig unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht kriegen.

Fazit

Das defensive Stammpersonal der Hinrunde hieß Bellot – Teigl, Sebastian, Compper, Jung. Benjamin Bellot profitierte dabei von der Verletzung der etatmäßigen Nummer 1 Fabio Coltorti, Tim Sebastian von seiner Geduld und immerwährenden Leistungsbereitschaft in den letzten Jahren. Interessant, dass beide Außenverteidiger einen großen Sprung machten, aber in Sachen direkter Torgefahr und ergo Torbeteiligungen kaum eine relevante Rolle spielten. Beide zusammen kamen auf insgesamt eine Torvorbereitung als Außenverteidiger (wenn man die zwei Tore, die Teigl als Stürmer erzielte, nicht mitrechnete). Das ist absolut ausbaufähig.

Abgesehen davon sprechen die nur 12 Gegentore in 19 Spielen (Bestwert der Liga) auch für die letzte Defensivkette. Selbst wenn im offensiv-aggressiven Pressing von RB Leipzig viel Abwehrarbeit schon von den vorderen  Ketten verrichtet wird. Die vier Spieler der Verteidigungskette funktionieren zusammen mit dem Keeper gut. Und das gilt eigentlich für so ziemlich alle denkbaren Besetzungen der Positionen.

Dass die Innenverteidiger im Schnitt an die 30 Jahre herangehen, ist für sich genommen natürlich unproblematisch, fällt aber angesichts der ansonstigen Teamphilosophie, eine junge Mannschaft mit entwicklungsfähigen Spieler zusammenzustellen, dann doch durchaus auf. Man scheint sich da seitens der sportlich Verantwortlichen schwer zu tun, den Umbruch einzuleiten. Bzw. dürfte es auch schwer sein, geegnete junge Kandidaten zu finden, denen man das hohe Verteidigen kurzfristig zutraut. Aber letztlich wird man da über kurz oder lang bei der Kaderplanung im Sinne der Zukunftssicherung ran müssen. Dass man mit André Ramalho von Red Bull Salzburg da einen Wunschkandidaten an Leverkusen verloren hat, dürfte in diesem Zusammenhang sehr schmerzen.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche, Citypress24

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