Zwischenbilanz: RB Leipzig in der Saison 2014/2015

Letztlich wartet eine spannende Zweitligapremierensaison auf RB Leipzig. Eine Spielzeit, bei der man wohl erst zur Winterpause ernsthaft sagen kann, was bis zum Ende erreichbar ist. Angesichts der aktuellen Kadersituation und der großen Konkurrenz in der Liga ist RB Leipzig sicherlich nicht Teil des ganz engen Favoritenkreises. Trotzdem hat man im Idealfall einer guten Entwicklung des eigenen Kaders und einer ausgeglichenen Liga die Chance ganz oben mitzuspielen. Realistisch ist allerdings als Ziel ein Platz in der vorderen Tabellenhälfte. Und selbst um die wird es ein enormes Hauen und Stechen geben. (RB Leipzig vor der Hinrunde in der 2.Bundesliga 2014/2015)

Wenn man die Prognosen von vor der Saison nimmt, dann hat RB Leipzig bis zur Winterpause sicherlich eine ordentliche Saison gespielt. Wenn man denn bei der Beurteilung ausschließlich vom aktuellen Tabellenplatz 7 und der noch vorhandenen Tuchfühlung auf die Plätze 2 und 3 ausgeht.

Trotz der Zahlen haben die bisherigen 19 Zweitligaspiele insgesamt aber doch einige Probleme gezeigt, die das Fazit nicht ganz so positiv ausfallen lassen. Denn in einer ausgeglichenen Liga ist es nicht zuvorderst der Stärke der RB-Auftritte zuzuschreiben, dass man weiterhin gut im Rennen liegt, sondern vor allem auch den Schwächephasen fast aller Konkurrenten mit Ausnahme von Spitzenreiter Ingolstadt.

Bei RB Leipzig bleibt vor allem als problematisch festzuhalten, dass von den Neuzugängen bis auf Compper und Khedira auch aufgrund von Verletzungen keiner dauerhaft in die Mannschaft kam und so eine wichtige Blutauffrischung nach zwei Aufstiegen hintereinander fehlte und dass die Offensivbemühungen im Laufe der Saison doch erstaunlich überschaubare Dimensionen annahm. Acht Spiele ohne eigenen Torerfolg, sechs der letzten zehn Zweitligaspiele ohne Treffer. Abgesehen von den drei Toren im ersten Auswärtsspiel in München nur vier Treffer in acht Partien auf fremden Plätzen. Die offene Wunde im Spielsystem von RB Leipzig liegt relativ deutlich auf der Hand.

Die Spiele

RB Leipzig begann die Saison mit dem Schwung, den Aufsteiger oft in Form von Euphorie gegenüber einer neuen Liga mitbringen. Im ersten Block mit vier Ligaspielen und einem DFB-Pokalauftritt bis zur ersten Länderspielpause Anfang September holte man zum Auftakt unglücklich nur einen Punkt gegen Aalen (0:0). Anschließend stand der vielleicht spektakulärste Auftritt der Hinrunde mit dem überlegenen 3:0 beim TSV 1860 München auf dem Programm, mit dem man bundesweit für Aufsehen sorgte. Ein völlig verdienter Sieg gegen Aue und eine glücklicher Punkt in Frankfurt, wo man lange nur zu Zehnt spielte und Ante Rebic seinen legendären 20-Minuten-Auftritt hatte (legendär, weil er nach 66 Minuten eingewechselt und nach 87 Minuten wenig erfreut wieder ausgewechselt wurde), ließ RB Leipzig mit null Gegentoren auf Platz 3 verweilen.

Nimmt man noch den hart erkämpften 2:1-Sieg nach Verlängerung in der ersten Pokalrunde gegen Paderborn dazu, als man in einem Spiel auf Augenhöhe den Sieg kurz vor Ende der 120 Minuten noch erzwang, dann starteten die RasenBallsportler von den Ergebnissen und vom Auftreten her fast perfekt in die neue Saison und Liga. Weil man die Gegner mit viel Intensität und enormer Laufbereitschaft erfolgreich bearbeitete.

Auch der nächste Block mit fünf Spielen bis zur nächsten Länderspielpause geht vom Auftreten und von den Ergebnissen her noch als gut bis sehr gut durch. Mitte September gewann man sehr überzeugend mit 3:1 gegen Braunschweig, zahlte dann allerdings beim 1:2 bei Union Berlin Lehrgeld, als man mit überdurchschnittlich viel Ballbesitz nichts anfangen konnte und gegen defensive Gastgeber kaum zum Zug kam, bei Nichtelfmeterentscheidungen Pech hatte und sich am Ende auch noch auskontern ließ.

Eines der besten Spiele der bisherigen Saison - RB Leipzig besiegt Eintracht Braunschweig mit 3:1| GEPA Pictures - Roger Petzsche

Es folgte ein wieder sehr überzeugendes 3:1 im Heimspiel gegen Karslruhe, als Kaiser und Poulsen mit grandiosem Umschaltspiel den Gast fast im Alleingang besiegten. Das folgende 2:2 in Düsseldorf war lange Zeit eine sehr souveräne Vorstellung von RB Leipzig mit dem zum Stürmer gemachten Rechtsverteidiger Georg Teigl, der gleich mal zwei Tore besteuerte. Das 1:1 gegen Heidenheim im nächsten Heimspiel war dann eine leichte Enttäuschung, weil man sich nicht für ein gutes Spiel belohnte und bis auf einen direkten Freistoßtreffer von Kaiser keine der vielen Torchancen nutzen konnte. Platz 4 nach neun Spielen konnte sich trotzdem sehen lassen, auch wenn Platz 2 gewunken hätte.

Offenkundiger wurden die Probleme von RB Leipzig im folgenden Block an Spielen, in denen man in der Liga in vier Spielen nur zwei Tore und vier Punkte verbuchen konnte und deswegen auch auf Platz 7 abrutschte. Den Auftakt machte dabei das offensiv enorm enttäuschende 0:1 bei meist harmlosen Nürnbergern, die trotzdem aus wenig den letztlich nicht unverdienten Siegtreffer machten. Anschließend schossen die RasenBallsportler gegen schwache Bochumer zwei Tore und gewannen deshalb ziemlich ungefährdet.

Zwischendurch hatte RB Leipzig in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Aue gerade so das Ausscheiden abwenden können. Aue hatte lange 1:0 geführt und es verpasst, den vorentscheidenden zweiten Treffer zu erzielen, sodass Yussuf Poulsen in der Nachspielzeit eine Ecke per Kopf versenken konnte. In einer unglaublichen Szene, in der der Stürmer die umstehenden Verteidiger mal locker wie ein Basketballer um 50 Zentimeter überspringt und für den vielleicht emotionalsten Fantorjubel in der Hinrunde sorgt. In der Nachspielzeit überrollt RB den Gegner dann mit der konditionellen Überlegenheit. In einem Spiel, das stilbildend für den Rest der Saison werden sollte. Denn auch wenn in der Folge nicht immer viel zusammenlief, kämpferisch konnte man den RasenBallsportlern keinen Vorwurf machen, sodass sie trotz deutlicher spielerischer Mängel noch den einen oder anderen zusätzlichen Punkt mitnehmen konnten.

Wie zum Beispiel im folgenden Heimspiel gegen Kaiserslautern, in dem man lange Zeit gegen enorm ballsichere Gäste unterlegen war und hinterher lief, am Ende aber ein 0:0 mitnahm und in der Schlussviertelstunde fast noch (glückliche) drei Punkte eingesammelt hätte. Kein Glück hatte man dagegen in Darmstadt, wo man nach schwacher, teilweise fast ängstlicher Spielweise mit einer 0:1-Niederlage vom Platz ging.

Die letzten sechs Spiele bis zur Winterpause waren insgesamt auch sehr durchwachsen, wenn man vom 4:1 gegen den FC St. Pauli absieht. Ein Spiel, in dem die Gäste wie ein Abstiegskandidat auftraten und Daniel Frahn Glück hatte, dass er nach brutaler Grätsche gegen Rzatkowski nur Gelb und nicht Rot sieht. Es folgte ein eher unappetitliches 0:0 in Sandhausen auf miesem Platz, ein Ergebnis mit dem vor allem die Gastgeber hadern mussten.

Anschließend lieferte RB Leipzig dem Spitzenreiter Ingolstadt in einem wahren Zweikampfmassaker zumindest in den zweiten 45 Minuten einen großen Kampf, verlor aber wegen Harmlosigkeit vor dem Tor trotzdem mit 0:1. Auf noch schlechterem Acker als jenem in Sandhausen. Den zweiten Auswärtssieg der Saison holten sich die RasenBallsportler dann beim 1:0 in Fürth. Ein Spiel, das fußballerisch arm war und entsprechend durch eine verwandelte Ecke glücklich an RB ging.

Glücklich auch das 0:0 in Aalen bei misslichem Regenwetter und schwierigem Untergrund. Vor allem nach dem Platzverweis für Anthony Jung früh in der zweiten Hälfte war nur noch Schadensbegrenzung möglich. Den gewonnenen Punkt von Aalen konnte man im letzten Spiel vor der Winterpause auf frisch verlegtem Rasen gegen 1860 München nicht vergolden, weil Toptorjäger Rubin Okotie kurz vor Spielende den verdienten 1:1-Ausgleich für die Gäste erzielte.

Taktisches

Taktisch gesehen blieb man sich bei RB Leipzig im Saisonverlauf weitgehend treu und setzte auf ein 4-3-1-2. Variationen ergaben sich lediglich aus der indivduellen Besetzung der Positionen und leichten Verschiebungen in Bezug auf das Ausfüllen der Positionen bspw. beim Besetzen der Zehn und derenz spezielle Rolle im jeweiligen Spiel.

Ein Dreisturmsystem mit zwei Außenstürmern war dagegen in den Startformationen nicht zu finden. Auch weil die Probleme im Sturm aufgrund von Verletzungen und zeitweise indisponierten Spielern recht deutlich waren. Insgesamt fehlte es hier vielleicht ein wenig an Flexibilität, um die Gegner auch dauerhaft vor Herausforderungen zu stellen, wie man es bspw. in Düsseldorf durch die Aufstellung von Teigl als Stürmer geschafft hatte.

Problematisches und Unproblematisches

Dieses fehlende Überraschungsmoment machte sich immer deutlicher bemerkbar, je länger die Saison dauerte. Die Gegner konnten sich immer mehr auf die Spielweise von RB Leipzig einstellen und vermieden teilweise entgegen der sonstigen Spielphilosophie den Ballbesitz und überbrückten das Mittelfeld schnell und hoch, um dem gefürchteten Pressing der Leipziger und daraus folgenden schnellen Umkehrspielattacken zu entgehen.

Über einen Plan B, um die Gegner auch mal zu zerspielen, verfügten die RasenBallsportler in diesen Fällen trotz zwischenzeitlicher Arbeit an der Verbesserung des Spiels mit dem Ball kaum. Und die Variante über lange, hohe Bälle auf die Stürmer, die dann die Kugel für die nachrückenden Mittelfeldspieler sichern sollte, zerschellte entweder an der nicht ausreichenden Physis der Stürmer (Frahn, Morys) oder an einem immer besser bewachten Poulsen.

Nimmt man das alles zusammen, erklären sich auch die offensiven Probleme von RB Leipzig. Man schaffte es einfach nicht, auf die veränderten Anforderungen seitens der Gegner zu reagieren und sich darauf einzustellen. Erschwerend kam dabei noch die fehlende Unterstützung für die Stürmer hinzu. Denn in 19 Zweitligaspielen trafen bisher aus dem Spiel heraus nur Stürmer oder Spieler, die als Stürmer aufgestellt waren (Teigl). Kein Mittelfeldspieler und auch kein Außenverteidger und erst recht kein Innenverteidiger (von denen erwartet man es aber wohl auch nicht) konnte bisher in einer Ligapartie einen Treffer aus dem Spiel heraus erzielen. Einzig Clemens Fandrich erzielte im DFB-Pokal in der Verlängerung gegen Paderborn einen Nichtsturm-Treffer aus dem Spiel heraus. Das ist natürlich zu wenig.

Begünstigt wurden die Offensivprobleme auch durch relativ permanent erzwungene Umbauten in den Offenisvbesetzungen. Joshua Kimmich, Diego Demme oder Dominik Kaiser. Die drei Korsettstangen im Mittelfeld nahmen sich verletzungsbedingt längere oder kürzere Auszeiten und waren selbst bei ihren Einsätzen nicht immer auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen Schaffenskraft. Aufgrund der Ausfälle musste im Mittelfeld vor allem immer wieder umgebaut werden, rutschte ein Kaiser immer mal wieder von der Zehn auf die Acht und zurück auf die Zehn, sodass nie so richtige Kaderruhe einzog. Wobei erschwerend hinzukam, dass Alternativen wie Fandrich oder Hierländer die Ausfälle kaum auffangen konnten.

Dazu kamen die permanenten Besetzungssorgen im Sturm. Terrence Boyd und Ante Rebic waren fast durchgehend verletzt und kamen nur kurz und zwischenzeitlich zum Einsatz. Yussuf Poulsen litt ein wenig unter der durch seine Nationalmannschaftskarriere und der großen Verantwortungslast im Verein deutlich gestiegenen Belastung und musste entsprechend auch immer mal aussetzen, war aber trotzdem deutlich der beste Torschütze. Und Daniel Frahn und Matthias Morys versuchten bei ihren Einsätzen alles, konnten aber den entscheidenden Schritt von Drittliga- zu Zweitliganiveau (noch) nicht machen.

Insgesamt war es im Sturm ein munteres Wechseln und Suchen nach der Optimalvariante. Das Duo Boyd-Poulsen hätte es werden können, wenn sich der US-Amerikaner nicht nach wenigen Einsätzen gleich das Kreuzband gerissen hätte. Auch das Duo Rebic-Poulsen hätte Charme gehabt, aber der Kroate zog sich bei seinem ersten Startelfeinsatz gleich einen Muskelbündelriss zu. Alles in allem gab es auch im Sturm zu wenig Konstanz als dass man hätte zu einem Zustand finden können, in dem die Abläufe funktionieren.

Angesichts der Kaderimprovisationen und der offensiven bzw. spielerischen Probleme und angesichts der Tatsache, dass nur zwei Neuzugänge mit Marvin Compper und Rani Khedira dauerhaft zur Mannschaft gehörten, hat RB Leipzig das Beste aus der Hinrunde gemacht. Was nicht zuletzt Folge des hohen Laufauwands und der permanenten Zweikampfbereitschaft war. Man hat sich in einigen Spielen trotz beschränkter Möglichkeiten Punkte geholt, mit denen man an diesen Tagen nicht unbedingt rechnen musste (z.B. Auswärtsspiele in Fürth oder Aalen). Man hat aber wiederum an anderen Tagen Punkte liegen gelassen, die man nicht unbedingt hätte liegen lassen müssen (z.B. Heimspiele gegen Aalen oder Heidenheim).

Alles in allem ist das Leistungsvermögen der aktuellen RasenBallsportler mit Platz 7 wohl ziemlich gut eingeschätzt. Für einen Aufsteiger, bei dem einige vor anderthalb Jahren noch Regionalliga spielten, sicherlich nicht ganz schlecht angesichts einer Vorrunde, die vor allem in der zweiten Hälfte absolut kein Selbstläufer war. Nimmt man noch das Überwintern im DFB-Pokal und den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale dazu, dann kann man sicherlich absolut zufrieden sein mit dem, was man sich erarbeitet hat, auch wenn nicht immer alles hübsch anzusehen war.

Sonstso

Wenn man über die bisherige Zweitligasaison nachdenkt, dann muss man natürlich an den öffentlichen Diskurs rund um RB Leipzig denken. Der sowohl in seiner Pro- als auch in seiner Kontraausprägung nicht immer sonderlich niveauvoll war und zumindest in seiner Intensität überraschte. Dass sich jene, die sich selbst gern als „aktive Fanszene“ oder Ultras bezeichnen, die Auswärtsspiele bei RB Leipzig meist boykottierten (kein Thema war dies für Aue und St. Pauli) oder bei den Heimspielen Protestaktionen von Mülltüten über rote Karten bis zu zumindest rechtschreibtechnisch zweifelhaften Bannern choreographierten, befeuerte den Diskurs noch. Meist leider ohne ihn abgesehen von Bescheidwissen und Aburteilen aus der Ferne inhaltlich aufzuwerten. Eine offene Debatte über das Wie von Profifußball ist jenseits von Bekenntnissen in diesem Land weiterhin kaum möglich und wird auch von den Verbänden vornehmlich verhindert und nicht befördert.

Die wahrscheinlich größte Party der Hinrunde - Die Fans vor dem DFB-Pokalspiel gegen Erzgebirge Aue | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Dem Interesse am Leipziger RasenBallsport tut dies keinen Abbruch. Nicht nur dass der Verein zu den meistgegoogelten Vereinen im deutschen Profifußball gehört, auch das Zuschauerinteresse ist noch mal wesentlich größer geworden. Reichlich 26.000 Besucher begrüßte man im Schnitt in den ersten 10 Heimspielen (letzte Saison in der dritten Liga waren es im Schnitt mehr als 16.000). Hinter Nürnberg, Kaiserslautern und Düsseldorf, die alle die 30.000er-Marke knacken konnten, der viertbeste Besuch der Liga. Mit 38.700 Zuschauern war das Spiel gegen St. Pauli am besten besucht, während an einem Mittwoch Nachmittag um 17.30 Uhr gegen den Karlsruher SC nur 18.200 Zuschauer den Weg in die Red Bull Arena fanden.

Bei den Auswärtsspielen muss man aus RB-Sicht unterscheiden zwischen gut erreichbaren Highlightspielen und dem Rest der Partien bis hin tief in den Westen der Republik. Handgeschätzt 7.900 Gästefans konnte RB Leipzig in neun Auswärtsspielen begrüßen. (im Schnitt also knapp 900) Mit den Highlights in München, Berlin und Nürnberg, bei denen insgesamt etwa 5.400 Menschen den RasenBallsportlern die Daumen drückten. Und den eher überschaubar bereisten Spielen in Aalen, Frankfurt und Darmstadt, die sich insgesamt etwa 900 RB-Fans angucken wollten. In Erinnerung wird von den Auswärtsspielen auch bleiben, dass inzwischen Phänomene im RB-Block zunehmen, die wie in Nürnberg auch mal in Handgreiflichkeiten enden und zwielichtige Gruppen wie die „Abteilung Freizeitsport“ in den Block spülen können. Wird nicht unspannend, wie sich die Fanszene von RB Leipzig diesbezüglich künftig entwickelt.

In Erinnerung wird von der Hinrunde der zweiten Liga auch der Name Thomas Tuchel bleiben. Und das obwohl sich der Ex-Trainer des FSV Mainz nicht einmal zu RB Leipzig äußerte. Schon erstaunlich mit welcher Penetranz trotz aller deutlicher Rangnick-Dementis der Name immer wieder vor allem von Springer-Seite mit RB Leipzig in Verbindung gebracht wird. Und schon erstaunlich, dass man hierzulande fansseits auf diesen Zug immer wieder aufsprang und ein Haus, das Tuchel in der Umgebung von Leipzig erworben haben soll, als finaler Beweis für einen baldigen Wechsel auf dem Trainerstuhl von RB herhalten musste.

Fakt ist, dass RB Leipzig weiter fest in Zorniger-Hand ist. Wer das nach zwei Aufstiegen in Folge wegen ein paar durchwachsener Spiele in Frage stellen will, hat vielleicht den Kontakt zur Realität dann doch ein wenig verloren. Es müsste in naher Zukunft sportlich schon recht viel passieren, dass RB Leipzig ohne Zorniger auskommen muss. Es sei denn, der Coach verliert selbst die Lust, sich im Business Profifußball weiterhin mit der absurden Schlagzeilen- und Copy-and-Paste-Politik deutscher Online- und Nicht-nur-Online-Medien herumzuschlagen. Zumindest lassen Äußerungen aus der jüngeren Vergangenheit vermuten, dass Zorniger an der teilweise nervenzehrenden Medienpraxis nicht die ganz große Freude hat.

Fazit

Wenn man Realist ist, dann hat RB Leipzig eine Vorrunde gespielt, die von den Punkten und vom Tabellenplatz her absolut im Rahmen des Erwarteten liegt. Vom spielerischen Auftreten her hätte man sich in manchen Partien sicherlich auf individueller und auf mannschaftlicher Ebene mehr erwarten dürfen, aber angesicht von diversen Kaderimprovisationen im Verlaufe der Saison ist es auch nicht verwunderlich, dass die allerletzte Klasse fehlte. Auch wenn sich natürlich nicht alles über Verletzungsprobleme und Ausfälle erklären lässt.

Wenn man sich nach der Vorrunde fragt, was für die Zeit nach der Winterpause für RB Leipzig noch drinliegt, dann geht man eigentlich angesichts des Tabellenplatzes und der ausgeglichenen Konkurrenz an der Spitze nicht als Aufstiegsfavorit in die nur noch 15 Restspiele der Saison. Da man aktuell aber auf dem Transfermarkt noch mal ordentlich ein paar Millionen in die Offensivabteilung des Teams investiert bzw. investieren will, wird man allerdings (zurecht) nicht umhinkommen, dass man die Favoritenrolle für das Feld hinter Spitzenreiter Ingolstadt zugeschoben bekommt. Das kommt zwar genaugenommen in der Entwicklung des Teams etwas früh, lässt sich aber nicht vermeiden, wenn man wie ein besserer Erstligist in die Mannschaft investiert. Wie man in der Rückrunde mit diesem impliziten Aufstiegsdruck umgeht, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich gilt weiterhin, dass es für die Entwicklung des Gesamtvereins vielleicht besser wäre, wenn man mindestens ein zweites Zweitligajahr einlegt, weil man dann Zeit hätte in Bezug auf die Strukturen von Verein, Fans und Mannschaft in einen Erstligaverein nachhaltig hineinzuwachsen und nicht fragil hineinzuexplodieren. Andererseits darf man natürlich unbedingt die Chance zum Aufstieg wahrnehmen, falls man sportlich in diese Situation kommen sollte.

Alles in allem durfte der geneigte Freund des einzig wahren RasenBallsports eine vielschichtige und interessante Zweitligahinrunde mit viel Gutem und manchem nicht ganz so Gutem erleben. Kadertechnisch weiß man jetzt jedenfalls, wo es Lücken und Nachholbedarf gibt, weil manche Spieler den Schritt in die zweite Liga sportlich doch nicht in dem Maße schafften, wie es nötig wäre.

Aus diesen Erkenntnissen und nachdem sich der Drittligakader in 21 Pflichtspielen beweisen konnte, zieht man vereinsseitig nun die Konsequenzen und wird den Kader weiter so umbauen, dass er tauglich wird für die Toppositionen in der zweiten Liga. Bisher war RB Leipzig in der Entwicklung und mit dem Kader noch kein Spitzenteam, für die Rückrunde versucht man offenbar die Mannschaft auf dieses Niveau zu bringen. Was bspw. für den Kapitän Daniel Frahn die schmerzhafte Wahrheit mit sich bringt, dass man ihm weitere Stürmer vor die Nase setzt.

Ob dann aus all dem eine Mannschaft erwächst, die von ihrem fußballerischen Talent auch zu Herz und Erfolg kommt, muss man abwarten. Da spielen dann doch zu viele, nicht nur sportliche Faktoren eine Rolle. Wenn man gut in die Rückrunde startet, sollte für das Team jedenfalls viel möglich sein. Wenn denn die Hierarchien und die Harmonie im Team durch den Umbau des Kaders nicht entscheidend ins Wanken geraten bzw. die Neuzugänge gut ins Team integriert werden. Was angesichts des zunehmenden Sprachengewirrs durch internationale Neuzugänge immer mehr zur Herausforderung werden dürfte.

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Bisherige Bilanzen:

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Bilder: © GEPA pictures/ 1 x Sven Sonntag, 1 x Roger Petzsche

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5 Gedanken zu „Zwischenbilanz: RB Leipzig in der Saison 2014/2015“

  1. Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung der bisherigen Saison!
    Was sticht heraus?
    Demontage von Rebic in der 87. Minute in Frankfurt, warum?
    Kalmár war offiziell nie verletzt, war als aktueller ungarischer Nationalspieler zu schlecht für die 2. Liga bzw. der Coach konnte mit dem „Techniker“ und seiner selbstwussten Spielweise nichts anfangen, ich finde das mehr als schade!
    Herr Zorniger hat keinen Plan B und liebt die Medien nicht wirklich, stellt sich aber vor jedes Mikrofon…
    Ballbesitz ist eine statistische Größe, mehr nicht!
    Ein Aufstieg kommt nie zu früh, so schwach wird die 2. Liga 2015/16 nie und nimmer sein, auf ein Duell mit Kampl kann ich gern verzichten…
    Herr Rangnick investiert jetzt nicht für einen 7. Platz, wer das glaubt, der hat das „System RED BULL“ wirklich nicht verstanden, ich liebe es!
    Das Aue-Spiel wird richtungsweisend, bei evtl. auch nachfolgend fehlendem Erfolg wird Herr Tuchel bald ein ganz großes Thema hier in L.E., das finde ich normal, so läuft das Geschäft, gut so.

    1. Zu Rebic und Kalmar drückt es mir ebenso die Fragezeichen auf die Stirn.
      Ein Trainer sollte auch ein guter Psychologe sein und warum er Rebic so behandelt, kann ich nicht nachvollziehen. Auch im Fußball braucht man unterschiedliche Typen, wie im Leben eben. Hier sollte Zorniger an seiner Eitelkeit arbeiten. Dass Kalmar kein deutsch und kein englisch spricht, wußte man vorher. Selbst bei diesen Minieinsätzen wurde sein großes Talent sichtbar- Fußball sollte aber auch ohne Sprachkenntnisse funktionieren…Ich sehe das als Problem Zorniger, der wohl ein guter Trainer aber durchschnittlicher Psychologe ist.

  2. Zorniger den Psychologen abzusprechen, da widerspreche ich mal ganz entschieden. Was macht man mit einem enorm selbstbewussten Spieler, dessen Auftreten eher an Überheblichkeit erinnert? Der ab dem Zeitpunkt seiner Einwechslung komplett aus dem Mannschaftsgefüge ausbricht und völlig untypisch für sich selbst dribbelt weil er sich als Pseudo Star sieht, der selbst so nett war, sich von seinem Florenz ausleihen zu lassen obwohl klar war, dass die Florentina ihn abschieben wollte in Richtung Spielpraxis.

    Was macht ein guter Psychologe? Richtig, er zeigt ihm, dass er nicht nach seiner eigenen Pfeife tanzt und dass man ihn viel weniger brauch als er selber denkt dass man ihn braucht.

    Da bin ich voll auf Linie mit Zorni.

    1. Zornigers Linie ging voll auf Demotivation des Spielers. Wie soll das erst werden, wenn er in der 1. Liga irgendwann mit richtigen Stars zu tun hat. Die kann er auch nicht wie Lehrbuben behandeln.

  3. Denk ich schon, doch. Sind allermeist auch nur Lehrbuben, man sollte nciht vergessen, dass die wenigsten schon voll erwachsen sind

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