GmbH-Klappe auf Fliegenjagd

Mitgliederversammlungen als Kernelement des deutschen Fußballs sind ein zweischneidiges Schwert, wenn es darum geht, Personalentscheidungen in leicht emotionalisierbarer Atmosphäre irgendwann in der Saison zwischen zwei Pflichtspielen mit ihren tagesaktuellen Stimmungslagen zu teffen.

In Kaiserslautern zeigte sich dies zuletzt wieder mal. Einerseits als seitens der Vereinsführung durch Verbalangriffe auf Medienvertreter, die falsch über den Club berichtet haben sollen, und entsprechend durch emotionale Aktivierung der Mitgliedschaft die Stimmung im Veranstaltungszelt im eigenen Sinne hochgeputscht wurde. Andererseits als alle Aufsichtsratskandidaten ihre Meinung zu RB Leipzig preisgeben sollten. Etwas was letztlich auch wenig Aufschluss gibt über die Eignung eines Kandidaten für das Kontrollgremium eines Profifußballclubs, also im Kerngeschäft eines Unternehmens, sondern letztlich nur einen populistischen Drive in die Wahl bringt.

Den Gegenpol zu dieser leicht zu emotionalisierenden Personaldebatte bildet RB Leipzig. Es wäre wohl akutell kein zweiter Verein im deutschen Profifußball denkbar, der es schafft, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Ausgliederung von Profiteam und Nachwuchsmannschaften bis zu U16 zu beschließen und über diesen Beschluss auf keinem der offiziellen Vereinskanäle auch nur ein Sterbenswörtchen zu verlieren und sei es in rein nüchtern-informativer Kurzform oder phrasenhafter (irgendwas mit professionell und zukunftsfähig hier einsetzen) Art. Und nein, das geht nicht wirklich als Achievement durch.

Vielleicht mochte man bei RB Leipzig aber auch einfach nur die besondere Pointe statt der Ergebnisse der Ausgliederungsmitgliederversammlung auf der hauseigenen Homepage lieber die DFB-Aktion „Ohne Ehrenamt läuft nix!“ mit einem eigenen Beitrag zu promoten. Ändert aber nichts daran, dass die Kommunikationshoheit über das Thema mal wieder bei Leuten liegt, die an der Versammlung nicht mal teilgenommen haben.

Fakt ist, wenn man den übereinstimmenden Berichten glauben kann, dass am gestrigen 02.12.2014 14 stimmberechtigte Mitglieder von RB Leipzig einstimmig für eine Ausgliederung in eine GmbH votiert haben, während 40 nicht stimmberechtigte, aber mit Rede- und auch Antragsrecht ausgestattete Fördermitglieder sich das Treiben interessiert anschauten und zu der Veranstaltung ein paar Fragen beisteuerten. Unter anderem die nicht beantwortete und auf spätere Mitgliederversammlungen verschobene Frage nach der Öffnung des e.V. für weitere Mitglieder.

Die LVZ berichtet zudem, dass RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter auch der neuen GmbH vorstehen soll und dabei Frank Zimmermann, den Finanzverantwortlichen bei RB zur Seite gestellt bekommt. Eine vergleichsweise übliche Lösung, dass die führenden Vereinsgesichter auch die Geschicke der GmbH als Geschäftsführer lenken.

Bleibt die offene und auch auf der Mitgliederversammlung nicht beantwortete Frage nach den Gründen für die Ausgliederung, die von Vereinsverantwortlichen zwischen den Zeilen mit Verweis darauf, dass es andere auch so machen und mit dem Begriff der Professionalisierung beantwortet wurde. Mag alles sein, erklärt aber nicht wirklich, warum man die Geschichte unbedingt unter dem Zeitdruck einer außerordentlichen Mitgliederversammlung und rückwirkend zum 01.07.2014 durchführen musste (zumal da die Vereinssatzung vor zwei Jahren erst dahingehend geändert wurde, dass man das Kalenderjahr und nicht mehr die Spielzeit zum Geschäftsjahr machte). Ginge es nur um eine weitere Professionalisierung, dann hätte es offenbar auch völlig ausgereicht, den Schritt in Ruhe für die Zukunft zu planen.

Das sind letztlich alles Indizien dafür, dass hinter der Ausgliederung doch auch Druck von außen steckt. Und wenn dem so ist, dann kommen dafür eigentlich nur staatliche Behörden oder die DFL in Frage. Ohne noch mal im Detail durchzudeklinieren, was hier an dieser Stelle vor ein paar Tagen schon als mögliche Hintergründe der Ausgliederung analysiert wurde und immer noch stimmig ist, ginge es bei der einen Frage um die Gemeinnützigkeit und bei der anderen um die Mitgliedereinbeziehung.

Das Problem in Bezug auf die Gemeinnnützigkeit des e.V. besteht darin, dass RB Leipzig bis auf Profifußball tatsächlich wenig Inhalt hat. Und genau das wird mit seiner wirtschaftlichen Orientierung (die man bereits an mehr als 10 Millionen Euro Transferausgaben im Sommer erkennt) beim Gang zum Finanzamt zum Problem. In Bezug auf die Gemeinnützigkeit, die Voraussetzung für die Teilnahme am Spielbetrieb ist, aber auch in Bezug auf den Status als e.V. selbst, als der man beim Amtsgericht eingetragen ist (vergleiche genauer im Link im letzten Absatz).

Durch die Abkopplung des wirtschaftlichen Betriebs in eine GmbH hat man sich dieser Probleme entledigt. Der e.V. widmet sich der „Förderung des Nachwuchsfußballs im Jungen- und Mädchenbereich im Raum Leipzig und Umgebung“ und die GmbH kümmert sich um die großen Ziele des finanziell gepimpten Profifußballs. Finanzamt und Amtsgericht dürften mit dieser Konstruktion zufrieden sein. Und bei der DFL beantragt künftig eben die GmbH, der vom Verein das Antragsrecht eingeräumt wird, die Lizenz für die Profiliga. (Wie das für die aktuelle Saison geregelt wird, wenn die Ausgliederung rückwirkend vorgenommen wird, bleibt erstmal unklar.)

Das Problem der Mitgliedereinbeziehung hätte nur indirekt mit der GmbH zu tun. Hier könnte die Ausgliederung und eine entsprechend abgesicherte Abkoppelung der GmbH vom e.V.-Mitgliederalltag die Voraussetzung bilden, dass man bei RB Leipzig künftig über Satzungsänderungen einen erleichterten Zugang zum Verein ermöglicht und somit Streitereien mit der DFL aus dem Wege geht, die bis Mitte Januar 2015 ein Konzept zur Mitgliederbeteiligung sehen wollen und deren Geschäftsführer Andreas Rettig zuletzt via Deutschlandfunk verkündet hatte, dass es bei RB Leipzig künftig eine Satzungsänderung geben werde, mit denen den Forderungen seitens der DFL Genüge getan wäre.

Letztlich schlägt RB Leipzig mit dem Weg vielleicht auch nur verschiedene Fliegen mit einer Klappe, weil eine Fliege (das Finanzamt zum Beispiel) zu einem lästigen Problem wurde. Fakt ist, dass die Ausgliederung ein paar Probleme beseitigt, die aus dem Pressen eines geldgeberseitig so erwünschten Champions-League-Prospects in eine e.V.-Hülle ohne e.V.-Leben erwachsen sind. Von daher macht der Schritt, der zudem aus Fördermitgliedern künftig vielleicht auch Entscheider über die Belange des nachwuchsfördernden e.V. machen könnte, auf ziemlich vielen Ebenen Sinn. Im Gegensatz zur Philosophie der Nichtkommunikation, die mit sinnfrei durchaus sachlich beschrieben ist.

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11 Gedanken zu „GmbH-Klappe auf Fliegenjagd“

  1. Die Info wer die Geschäftsführung (Wolter/Zimmermann) übernimmt resultierte auch aus einer Frage seitens der Fördermitglieder, offiziell hätte man nicht einmal das verkündet.

    Es war aber gestern auch eindeutig das man ungern überhaupt über das Thema spricht (aus welchen Gründen auch immer, denn am Ende ist da nichts nachteiliges dabei). Wahrscheinlich hätte man die Mitgliederversammlung auch lieber nur für die 14 Leute gemacht, aber laut Satzung kann man dies ja nicht mehr tun

  2. Danke für diese spannende Analyse der Geschehnisse. Endlich mal ein RB-selbstkritischer Bericht (außerhalb des sportlichen) hier im Rotebrauseblog. Bitte weiter so!

  3. Welch ein Sinneswandel, lieber „rotebrauseblogger“, der vermutlich nicht so zu erkennen gewesen wäre, wenn Du nach dieser etwas irgendwie komisch vorkommenden „Mitgliederversammlung“ ohne verbreiteter Medienduldung davon als „Zeitzeuge“ hättest berichten können, eigentlich schade!

    Was ist das Fazit aus dieser „Geheimhaltungsausgliederung“? Eigentlich nur Undurchsichtiges! Zwei Leute besetzen die jeweils zwei gleichen Posten (als GF sowie als Finanzverantwortlicher) im alten Verein und in der neuen GmbH, deren Bedingungen zur Mitgliederaufnahme vorerst im Verborgenem bleiben! Somit wird es auch noch keine Angaben über die neue Mitgliederanzahl geben. Fest steht, dass der zu einem „Ausbildungsverein“ degradierte Club als einzigster Gesellschafter der gegründeten GmbH mit dem vermutlich gleichen (Vor-)Namen, „RasenballSport“, gilt.

    Wie von mir kürzlich bei einer ähnlichen Diskussion, warum der Club besonders außerhalb von Leipzig so unbeliebt ist, schon vermutet wurde, scheint das Netzwerk zwischen dem Leipziger Club und der DFL keine Lücken zu haben. Das bestätigte sich doch allein mit der Annahme von deren Chef, A.Rettig, im Vorfeld dieser „Geheimsitzung“, dass die Leipziger in naher Zukunft mit einer neuen Satzung antreten werden!
    Interessanterweise spricht dieser Mann außerdem offiziell von „Roten Bullen“, die es doch überhaupt nicht gibt

    Wie in der Praxis eine GmbH – Gründung auf fast ein halbes Jahr zurückdatiert werden kann, erschließt sich mir leider nicht, trotz eines längeren absolvierten Berufsweges. Auch der bevorstehende Eintrag in das Handelsregister könnte als Novum in die Geschichte eingehen, weil bereits die Mitglieds-Nr. existieren soll….

    Bleibt zum Schluss noch die schon lange im Raum schwebende Beantwortung der Frage, wie es möglich ist, gleichzeitig bei zwei völlig getrennt existierenden Vereinen, die wesentlich mehr als nur Kreisklassenniveau besitzen, von den jeweiligen Verbänden die Erlaubnis dafür zu erhalten? Scheinbar bestätigen Ausnahmen doch die Regel!

    Kopf hoch, beim nächsten Mal bist Du wieder dabei oder der sympathische „Schäferstündchen“ erhält erneut den Vorzug…..

    1. Hi HUKL,

      auf der Mitgliederversammlung wurde vermutlich nicht die Gründung einer GmbH beschlossen, sondern die Ausgliederung der Profis in eine GmbH. Das ist ein gewaltiger Unterschied. D.h. die entsprechende GmbH kann schon vor Monaten oder sogar Jahren gegründet worden sein. Rein juristisch kann die entsprechende GmbH sogar bereits ein anderes Geschäftsfeld abdecken. Es ist dann eben „nur“ eine buchhalterische Mammutaufgabe, weil eben alle Rechte und Verpflichtungen rückwirkend übergehen. Mal von lizenzrechtlichen Fragen abgesehen, könnte sogar eine jetzt erst gegründete GmbH jederzeit die Rechte und Pflichten übernehmen, sobald sie rechtsfähig ist und da der e.V. (erstmal) alleiniger Gesellschafter der GmbH sein wird, dürfte das eine relativ unproblematische Outsourcingaktion werden.

      Zur Postenbesetzung: Wenn man eine GmbH als Gesellschafter gründet, dann kann die Gesellschafterversammlung die Geschäftsführer ernennen. Wo das Problem liegt, dass Wolther möglicherweise GF vom e.V. und der GmbH ist kann ich dabei nicht erkennen. Sowohl Gesellschafter, als auch Mitarbeiter der Gesellschafter dürfen nach deutschen Gesetzen GF einer GmbH werden. Genau im Gegenteil. Es ist nicht unüblich, dass Tochterfirmen in Personalunion besetzt sind.

      Und zu deinem letzten Punkt, obwohl der schon mehrfach diskutiert wurde. Salzburg erhält seine Spielberechtigung für Österreich vom österr. Verband, Leipzig für Dtl. vom DfB/DFL. Zwei getrennte Geschichten. Deine Frage zielt auf die EL/CL ab und da wird sich ggf. die UEFA beschäftigen, wenn es soweit ist. Da bin ich übrigens auch gespannt.

  4. @HUKL: Mach, wie dir beliebt. Ich bin raus, das ist mir zu verworren, was du hier zusammenproklamierst.

  5. HUKL, ich finde Deine Ausführungen immer wieder sehr unterhaltsam.
    Ich glaube, hinter allen steckt Putin oder der nordkoreanische Revolutionsführer.

  6. In HUKLs Ausführungen steht immer der gleiche Krempel nur anders zusammengewürfelt. Wahrscheinlich ein Bot der mit Textbausteinen hantiert. Hat auf jeden Fall Comedy Charakter.

  7. An alle „Bewerter!

    Das soll meine letzte Meldung (lt. Seiteninhaber: Proklamierung!) für Euren Lieblingsclub meinerseits gewesen sein, der mir eigentlich gar nicht so unsympathisch ist, wenn nur diese erwähnten eigenartigen selbst aktivierten „Sonderregularien“, wie z.B. eben diese letzte Mitgliederversammlung, ausbleiben würden!

    Bei der letzten noch nicht beantworteten Frage vergaß ich natürlich hinzuzufügen, dass es sich um die Doppelfunktion des Sportdirektors, R.R., handelt, der vermutlich eine interne Sonderreglung mit den beteiligten Verbänden zu haben scheint. Um Nachsicht wird gebeten.

    Für Euch alles Gute, verbunden mit der Hoffnung, dass wenigstens Ihr immer wisst, wie RB Leipzig eigentlich ausgesprochen richtig heißt und nicht versehentlich auf dessen Website landet……

    1. Nicht doch, bleib uns erhalten. War nicht so gemeint. Ab und zu gehen mit uns Konsumenten die Bullen durch. Ich wünsche Dir ein ruhiges und besinnliches Weihnachstfest und ein gesundes Jahr 2015.

    2. Erstaunlich was diese Bots heutzutage zustande bringen! Sehr erstaunlich…..

      P.S.: Selbstverständlich steht die Abkürzung RB für Red Bull, also Red Bull Leipzig! Nuff said…

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