Herbstliche Gruselgeschichte

Viel auszustehen hat man als Anhänger von RB Leipzig bei den Heimspielen des Vereins nicht. 90 Ligaspiele haben die RasenBallsportler bisher in reichlich fünf Spielzeiten im jeweiligen heimischen Umfeld (also entweder in der Red Bull Arena, im Zentralstadion, in Markranstädt oder am Gontardweg) bestritten. In zwei von drei Fällen verließ man das Feld als Sieger. Nicht einmal jedes elfte Spiel ging verloren. Aktuell ist man sogar 14 Heimspiele in Folge ungeschlagen.

Nur einmal holte man sich in einem Heimspiel richtige Ergebnisbeulen ab und verlor beim 1:5 gegen Holstein Kiel mit mehr als einem Tor. Und das ausgerechnet bei der einzigen Niederlage, bei der RB Leipzig in Führung ging. Ansonsten stehen fünf 0:1-Niederlagen und zwei 1:2-Niederlagen zu Buche. Da waren durchaus auch depremierende Erlebnisse dabei (ich sage nur Meuselwitz), aber man ließ sich nie so wie gegen Kiel abschießen.

Interessant aber ein Phänomen, das RB Leipzig nun bereits seit 201o begleitet. Dass man Ende November bzw. Anfang Dezember zu Hause gegen ein Team mit größerem und lauten Gästeanhang einfach nicht gewinnen kann. Bzw. sogar Glück hatte, dass man bei zwei der Spiele noch ein Unentschieden mitnehmen konnte (auch wenn Tomas Oral die Sache mit dem Glück etwas anders bewerten würde). Ein 1:1 gegen Chemnitz 2010, das völlig chancenlose 0:1 gegen Halle 2011, ein 1:1 gegen Jena 2012 und das 1:2 gegen Rostock vor einem Jahr.

Stellt sich natürlich vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli, bei dem irgendwas zwischen 5.000 und 7.000 Gästefans erwartet werden, ob RB Leipzig den Bock mal umstoßen und gewinnen kann oder ob sich die Serie weiter fortsetzt und man sich eine kleine Tradition leistet, auf die alle, die RB Leipzig zugeneigt sind, dann wohl auch besser verzichten könnten.

Wobei die Chancen gegen den FC St. Pauli wiederum, rein aus der Perspektive der Serie gesehen, ganz gut stehen, denn die Norddeutschen sind im Gegensatz zu allen bisherigen Gegnern (mit Abstrichen trifft das auch auf Rostock letzte Saison zu) aktuell kein direkter Aufstiegskonkurrent. Und vor allem spielt St. Pauli im Gegensatz zu vor allem den letzten drei Kontrahenten (Halle, Jena und Rostock) keinen aggressiv-pressenden Grundstil, mit dem die RasenBallsportler nicht zurecht kamen.

Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass man sich in den letzten Jahren gerade von der Lautstärke der Gästekurven aus Rostock und auch aus Halle doch einigermaßen beeindrucken ließ und man letztlich konstatieren kann, dass dies einen nicht unwesentlichen Anteil am Ausgang der jeweiligen Spiele hatte. Und die interessante Frage im Raum steht, wie man wohl diesmal damit umgehen wird, wenn größere Teile des Stadions den Gegner unterstützen. Zumal dies in der aktuellen Saison mit Ausnahme der zwei Spiele gegen Aue (und dort war das Phänomen nicht so deutlich ausgeprägt) noch nicht vorkam.

Letztlich ist die Statistik bezüglich der Sieglosserie natürlich Quatsch, weil einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt in der Saison und dem Spielergebnis herzustellen, eher in den Bereich der Esoterik denn der Empirie fällt, aber es ist jedes Jahr aufs neue eine schöne Statistik, weil sie trotz ihrer geringen Aussagekraft über den sportlichen Output im nächsten Spiel doch irgendwie krass und aussagekräftig klingt.

Eine Art modernes RB-Schauermärchen, das man anfangen kann, seinen Kindern zu erzählen. Wo man sich anderswo bspw. die (empirisch meist wohl nicht gedeckte) Schauergeschichte erzählt, dass man immer als Aufbaugegner für Teams herhalten muss, bei denen es nicht sonderlich gut läuft, kann man sich in Leipzig vielleicht künftig erzählen (egal ob das dann noch empirisch stimmig ist), dass man in dieser dunklen Phase des Jahres Ende November/ Anfang Dezember einfach nicht gewinnen kann, wenn der Gegner laute Fans mitbringt. Geht doch nichts über Gruselgeschichten unter wärmenden November-Bettdecken..

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Heimspiele seit 2009/2010 (Bilanz mit Siegen – Unentschieden – Niederlagen)

  • 2009/2010: 14 Siege – 0 Unentschieden – 1 Niederlage – 0:1 gegen Budissa Bautzen (13.09.2009)
  • 2010/2011: 12-3-2 – 0:1 gegen den VfL Wolfsburg II (16.10.2010), 1:5 gegen Holstein Kiel (18.02.2011)
  • 2011/2012: 9-5-3 – 1:2 gegen den HSV II (13.08.2011), 0:1 gegen HFC (10.12.2011), 0:1 gegen Meuselwitz (11.04.2011)
  • 2012/2013: 10-5-0
  • 2013/2014: 13-4-2 – 1:2 gegen Hansa Rostock (23.11.2013), 0:1 gegen Wacker Burghausen (25.01.2014)
  • 2014/2015: 4-3-0

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2 Gedanken zu „Herbstliche Gruselgeschichte“

  1. zu beachten ist, dass die Mannschaftszusammensetzung verändert wurde. Deshalb sind solche Statitiken nichts weiter als Zeilen eines Bloggers, sorry.

  2. Matthias, ich erkenne Deine Taktik. Du willst dem zukünftigen Gegner damit signalisieren, wenn ihr richtig viele Fans mitbringt, sind die Chancen größer zu gewinnen, wie ohne Fans.
    Irgendwie logisch.
    Vielleicht geht Deine Taktik auf. Bei Aue hat es, trotz zahlreicher Gästefans, nicht geklappt.

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