Champions Regionalleague

Wir haben als Kompromiss damals gemeinsam die Entscheidung, die Regionalliga von drei auf fünf Staffeln aufzustocken, mit Sinn und Verstand getroffen. (Peter Peters, Vizepräsident beim Ligaverband bzw. stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der DFL in Sportbild vom 05.11.2014)

Alles eine Frage der Definition von Sinn und Verstand mögen die besonders Witzigen unter uns an dieser Stelle einwerfen. Faktisch gesprochen bleibt es auch mit deutlichem Abstand zu den Entscheidungen der Regionalliga-Reform erstaunlich, dass man diesen „Sinn und Verstand“ zusprechen mag. Zumindest wenn man (dies sei nur für die Jüngeren unter uns repetiert) betrachtet, dass die Verbände in Form von DFB und DFL aus einer Reform, die von den Betroffenen ursprünglich angestoßen wurde, um die Durchlässigkeit nach oben in die dritte Liga zu erhöhen, eine Reform machten, die bezüglich dieses Ziels genau das Gegenteil erreichte.

Sei es drum, wir schreiben ja inzwischen das Jahr 2014 und nicht mehr das Jahr 2010, als man sich für die Lösung mit den fünf Regionalligastaffeln und einer Aufstiegsrelegation einfallen ließ, die eigentlich alle sportlich Verantwortlichen, die damit in Berührung kommen, absurd finden. Ein Jahr 2014, in dem der von Peters beaufsichtigte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ein wenig Schwung in die Sache bringt, indem er die Anzahl der Regionalligen wieder reduzieren will, um zu einer Regelung zurückzukehren, bei der die Staffelsieger auch aufsteigen können und bei der das Niveau der Ligen, in denen sich die meisten der Bundesliga-U23-Teams rumtreiben erhöht wird, um auch die Nachwuchsausbildung zu verbessern.

Mal abgesehen davon, ob es für den durchschnittlichen Regionalligisten relevant ist, dass Bundesligisten ihren U23-Teams ein sportlich attraktives Umfeld bieten können, ist die grundsätzliche Idee, Meistern den Aufstieg zu garantieren, natürlich völlig vernünftig und einleuchtend. Auch wenn die vorgeschlagene Rückkehr zur alten Dreistaffellösung sicherlich diskutabel wäre. Weiterhin schiene eine zweigleise Scharnierregionalliga zwischen Profifußball und regionalem Amateursport mit drei bis vier Aufsteigern und beschränkter Zweitteamteilnahme noch am sinnigsten.

Aber das Thema der konkreten Umsetzung ist dann wieder ein ganz eigenes, denn schon die Idee überhaupt hält Peter Peters im Einklang mit dem bayerischen Erfinder der Fünfstaffligkeit mit eigener Bayernregionalliga Rainer Koch (DFB-Vizepräsident und Präsident des bayerischen Fußballverbands) für unsinnig. Statt einer Rückkehr zum normalen sportlichen Grundprinzip hätte der Schalke-Vorstand Peters gern eine Championsleagueisierung der Aufstiegsspiele und schlägt eine Verkleinerung der Regionalligen auf 16 Teilnehmer vor, mit der dann Zeit für das Ausspielen einer Runde mit drei bis vier Vierergruppen am Ende der Saison wäre, in denen in jeweils sechs Gruppenspielen die Aufsteiger ermittelt werden.

Muss man aber auch erstmal drauf kommen, dass man eine schlechte Idee dadurch verbessern will, dass man einfach mehr daran teilnehmen lässt. Denn eine Champions-League-Gruppenphase am Ende der Regionalligasaison unterscheidet sich von den jetzigen Relegationsspielen nur dadurch, dass man gegen mehr Gegner mehr entscheidende Spiele bestreitet, nachdem man zuvor Meister wurde. Oder eben nicht, weil man plötzlich auch als Zweiter aufsteigen könnte (bei drei Vierergruppen und ergo 12 Teilnehmer würde jede Regionalliga mindestens zwei Teilnehmer schicken), während der Meister scheitert. Eine absurde Situation, die man 2012/2013 schon mal erlebte, als zwar Elversberg als Zweiter der Regionalliga Südwest letztlich aufstieg, aber der Meister Kassel auf der Strecke blieb, weil er das schwerere Relegationslos gezogen hatte.

Letztlich muss man nicht erwarten, dass die seit Beginn nicht von sonderlich viel Verstand, sondern vor allem von Interessen von Proficlubs und einzelnen Landesverbänden wie den Bayern geprägten Regionalliga-Reformdebatten nun plötzlich zu einem Ort der sachgerechten Auseinandersetzung werden, aber letztlich hat Peter Peters den Schlüssel zur Lösung der Problematik schon in die Hand genommen. Er muss jetzt seine Gruppenphase nur noch ganz radikal ausweiten und die Anzahl der Gruppenteilnehmer auf etwa 18 erhöhen und fertig wäre der Lack. Er darf das dann auch gerne als Mega-Champions-Regionalleague TV-Sendern und Werbepartnern verkaufen..

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