Der Trend ist nicht immer your Friend

Länderspielpause, die dritte. Schön abgepackt in kleinen Portionen kämpft sich die zweite Liga durch die Saison. Und der Portionierer sind die Länderspielpausen (bisher nach dem 4., dem 9. und jetzt nach dem 13. Spieltag), die die einen in ihrem Lauf stoppen und den anderen die Chance geben, sich noch mal neu aufzustellen und Lösungen für Probleme zu finden, die man in den letzten Spielen erkannt haben mag.

Schaut man sich den Block an Spielen seit der letzten Länderspielpause an, dann hat Braunschweig derzeit die kleinsten Probleme. Drei Siege und ein Unentschieden aus den letzten vier Spielen machen sie zum aktuell erfolgreichsten Team, sodass man sich auch insgesamt wieder an die Aufstiegsränge herangepirscht hat. Der Absteiger scheint endgültig in der Liga angekommen, auch wenn alle drei Spiele sehr knapp waren und man dabei (bei allem Respekt) nicht die übermenschlichste Konkurrenz besiegte.

Die beiden Topteams der Liga sind mit Düsseldorf und Ingolstadt auch jene Mannschaften, die bisher im Saisonverlauf am konstantesten punkten. Bei Düsseldorf war maximal noch die Anfangsphase durchwachsen, seitdem zeigt man sich vor allem enorm effizient. In den letzten vier Spielen beispielsweise konnte man mit gerade mal 3:1 Toren erstaunliche acht Punkte holen. Mit nur einem Gegentor war man gleichzeitig das defensivstärkste Team der Liga. Bei Ingolstadt kommt man jetzt in der Phase an, wo man auch als Gejagter bestehen muss und vielleicht nicht mehr das leicht agierende Überraschungsteam ist.

Zu beeindrucken weiß zudem Aufsteiger Darmstadt, die auch im dritten Ligablock konstant punkteten und sich dadurch auf Platz 3 geschoben haben. Zurecht merkt man in Darmstadt an, dass es sehr schwer ist, gegen sie zu gewinnen. Hinten steht man relativ stabil, ist meist sehr aggressiv und offensiv jederzeit in der Lage, ein Tor zu schießen. Nur dreimal (in Ingolstadt, Braunschweig und gegen Düsseldorf) kassierte man mehr als ein Gegentor, nur einmal blieb man ohne eigenen Torerfolg (Braunschweig).

Ohne eigenen Torerfolg blieb RB Leipzig dagegen schon fünfmal in dieser Saison. Eine Bilanz, die bereits den Finger in die Wunde legt, denn kein Team unter den ersten 11 schießt weniger Tore. Zwar ist Leipzig zusammen mit Ingolstadt das defensivstärkste Team der Liga, aber in Sachen Offensivspiel fehlt es aktuell an Konzepten.

Vielleicht ganz interessant in dem Zusammenhang, dass RB Leipzig bisher in fünf Ligaspielen und zwei Pokalspielen in Rückstand geriet. Zweimal (in Nürnberg und Darmstadt) fand man darauf gar keine Antwort, einmal (bei Union) fand man zumindest eine zwischenzeitliche Antwort mit freundlicher Unterstützung der Gastgeber, denen ein Rückpass zum Keeper verunglückte, in den dann Poulsen hineinspritzte und viermal fand man eine Antwort, die zu einem oder drei Punkten bzw. Pokalsiegen führte (gegen Karlsruhe, Heidenheim, Paderborn, Aue), wobei alle(!) Antworten aus Standards (dreimal direkte Freistöße, einmal Ecke) resultierten.

Es ist natürlich Quatsch zu behaupten, dass es ’nur‘ Standards waren, denn diese Situationen gehören essenziell zum Spiel und definieren ja auch die Qualitäten einer Mannschaft, mit denen man punktet. Trotzdem ist auffällig, dass RB Leipzig bei Rückständen und sowieso aus dem Ballbesitz heraus, kaum in der Lage ist, Torgefahr zu produzieren und größere Torchancen herauszuspielen, geschweige denn Tore zu erzielen.

Es ist natürlich für fast alle Zweitligateams ein Problem, gegnerische Abwehrreihen knacken zu müssen, weil dafür die Defensivqualitäten (sprich die Organisation als Team) aller Mannschaften meist zu groß und die individuell-technischen Fähigkeiten der Offensiven meist zu gering sind. Trotzdem bleibt der Fakt, dass RB Leipzig aktuell zu einem Spitzenteam der Liga offensive Durchschlagskraft fehlt, wenn man aus dem Spiel gegen den Ball und durch hohe Ballgewinne nicht zum Zug kommt.

Pkt 1-13Tore 1-13Pkt 10-13Tore 10-13Pkt 5-9Tore 5-9Pkt 1-4Tore 1-4Pkt 1-9Tore 1-9
Ingolstadt2721:985:3118:388:31916:6
Düsseldorf2421:1283:11112:656:51618:11
Darmstadt2320:1286:278:786:31514:10
Kaiserslautern2119:1544:497:588:61715:11
Heidenheim2024:1555:31014:555:71519:12
Karlsruhe2019:1188:145:786:31211:10
Leipzig2016:942:2810:784:01614:7
Braunschweig2020:17108:565:647:61012:12
Fürth1819:1945:1075:579:41414:9
Bochum1620:2123:868:989:41417:13
FSV1518:2278:347:1344:5811:18
Sandhausen1511:1855:694:512:7106:12
Union1414;2178:644:932:676:15
Nürnberg1414:2444:744:1166:61010:17
18601215:2135:775:525:9910:14
Aue1213:2057:575:501:1076:15
St. Pauli1213:2512:1078:843:71111:15
Aalen1010:1612:544:754:498:11

[Pkt 1-13 = Punkte in den ersten 13 Spielen, Tore 1-13 = Torverhältnis in den ersten 13 Spiele; restliche Spalten analog für die Spieltage 1-4 bzw. 5-9 bzw. 10-13.]

Im Aufwärtstrend in den letzten vier Spielen auch deutlich Karlsruhe, Frankfurt und Union, die sich dadurch entweder Luft im Abstiegskampf verschafften oder wieder Anschluss an die Tabellenspitze fanden. Auffällig, dass sich neben Leipzig mit Kaiserslautern, Fürth, Nürnberg, 1860, Bochum und St. Pauli in den letzten Spielen vor allem auch Teams in der unteren Tabellenhälfte einnisteten, die man nicht ganz unten in der Tabelle erwarten würde.

Diese Tendenz zeigt sich auch beim Blick auf die Bilanz seit Spieltag Nummer 5, also seit der ersten Länderspielpause. Sandhausen, Aue und Frankfurt hier jeweils vor Mannschaften, die mehr oder minder stark zu den Aufstiegsfavoriten zählten. Am depremierensten dabei sicherlich die Situation in Nürnberg, die in den letzten neun Spielen das zweitschlechteste Team der Liga waren und entsprechend nicht ganz unnachvollziehbar ihren Trainer Valerien Ismael von seinen Aufgaben entbunden haben (auch wenn das Problem in Nürnberg sicher nicht nur der Trainer war).

1-1310-135-91-41-95-13
Ingolstadt142212
Düsseldorf251931
Darmstadt337465
Kaiserslautern4114627
Heidenheim5931154
Karlsruhe6214498
Leipzig7126349
Braunschweig811312113
Fürth91497713
Bochum1016121815
FSV11617131611
Sandhausen1210517126
Union13716151712
Nürnberg14131881317
186015159161514
Aue1689181710
St. Pauli17188141016
Aalen181715101418

[Platzierungen der Teams jeweils in den angebenen Spieltagszeiträumen; Spieltage 1-13, 10-13, 5-9 usw.]

Bei RB Leipzig zeigt die Tendenz derweil ziemlich klar nach unten. Dritter in der Tabelle der ersten vier Spiele, Sechster in der Tabelle der Spiele 5 bis 9 und Zwölfter in der Tabelle der letzten vier Spiele. Eine Tendenz, die für einen Aufsteiger vielleicht nicht ganz ungewöhnlich ist und sich darin wohl auch ausdrückt, dass man jetzt erst die neuen Zweitligaaufgaben gestellt kriegt, auf die man Antworten finden muss, weil sich die Gegner inzwischen besser auf die Spielweise von RB eingestellt haben und die RasenBallsportler auch nicht mehr so frisch sind wie am Anfang, um ihre Kontrahenten einfach zu überrennen.

RB Leipzig wird in den nächsten Wochen und Monaten jenen Sprung machen wollen, den man in der vergangenen Saison auch vornehmlich in der Rückrunde machte, als man unheimlich routiniert auftrat, dem Gegner kaum Chancen gab und dann zur rechten Zeit und in aller Ruhe offensiv die Tore machte. Im Moment scheinen RB nach dem Wegfall der ersten Aufstiegsleichtigkeit (und das ist in einer neuen Liga überhaupt nicht außergewöhnlich) Alltagsroutine und offensives Vertrauen zu fehlen, während es defensiv bei allem Verbesserungsbedarf eigentlich ganz gut aussieht.

Macht man den Sprung nicht, wird man wohl auch perspektivisch ein Zweitligateam leicht überm Durchschnitt der Liga bleiben. Eines das überall gewinnen, aber auch jederzeit mal verlieren kann. Macht man den Sprung, der letztlich auch nicht riesig ist, weil man viele Puzzleteile und Fundamente, auf denen sich aufbauen lässt (Stichwort Defensive), schon in den eigenen Händen hält, dann kann man sicherlich auch wieder aus dem Durchschnitt herausragen. Wobei völlig offen ist, wie schnell so ein Sprung gelingen kann und ob es nicht tatsächlich wahrscheinlicher ist, dass er erst nach der Winterpause erfolgt.

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