Perfektionierte Zeckigkeit

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig beim SV Darmstadt 98 (08.11.2014, 13.00 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Alexander Zorniger und Dominik Kaiser.]

Genau ein Jahr ist es her, dass RB Leipzig das letzte Mal beim SV Darmstadt 98 antreten musste. Damals reiste man in der dritten Liga als Tabellenzweiter mit zwei Punkten Vorsprung zum überraschenden Dritten, der in fünf Heimspielen zuvor viermal gewonnen und nicht mehr verloren hatte.

Kaum einer hätte damals gedacht, dass man sich nun eine Etage höher wieder zum Spitzenspiel Vierter gegen Dritter zusammenfindet. Und wieder hätte Darmstadt die Chance, mit einem Sieg an RB Leipzig vorbeizuziehen. Eine Chance, die angesichts der Heimbilanz Darmstadts mit fünf Siegen und nur einer Niederlage gar nicht mal so gering ist, während die fünf Pünktchen aus fünf Spielen, die RB bisher in der Fremde sammelte, nicht unbedingt beängstigend erscheinen.

Viel verändert hat sich an der Darmstädter Spielweise im Vergleich zur letzten Saison nicht. Es ist immer noch dasselbe unangenehm zu bespielende, extrem physische und zweikampfstarke Team, das man aus den beiden umkämpften Duellen der Vorsaison kennt. Man könnte sagen, dass man die zeckige Spielweise noch mal perfektioniert hat.

Im Defensivzweikampf immer mit Körperkontakt und an der Grenze des Erlaubten und wenn es mal potenziell gefährlich werden könnte auch darüber hinaus, aber eigentlich fast nie brutal. Im Offensivzweikampf neben der Möglichkeit ihn zu gewinnen, auch immer die Möglichkeit eines Standards im Hinterkopf. Sei es als Ecke oder als Freistoß. Wenn man an einen Marcel Heller denkt, dann scheint es für ihn nur zwei Alternativen zu geben. Entweder er kann seinen Gegenspieler überlaufen bzw. umdribbeln oder er liegt am Boden und hofft auf den Freistoß.

Die Art und Weise dieses Spiels ist nicht nur legitim, sondern wird auch unheimlich clever und gewinnbringend umgesetzt. Und führt über die entsprechenden Standards und die langen Kerls in der Mannschaft, von denen es einige gibt, immer wieder zum Erfolg. Und man zeigt damit auch, dass man mit dieser auf Physis setzenden Methode in Liga 2 auch gegen gut organiserte Defensiven erfolgreich sein kann.

Um nicht ungerecht zu sein, sollte man aber ergänzen, dass die Lilien es auch sehr gut verstehen, schon in vorderster Linie sehr aggressiv zu verteidigen und den Gegner dadurch kaum in den geordneten Spielaufbau kommen zu lassen. Was immer wieder auch zu Ballgewinnen im Mittelfeld führt, die man dann mit direktem Zug zum gegnerischen Tor über die bekannten Offensivoptionen Heller, Gondorf, Stroh-Engel und Neuzugang Kempe immer wieder zu eigenen Gunsten nutzen kann.

Was man in Spielen gegen Darmstadt kaum bekommt, sind Pressingsituationen gegen den geordneten Spielaufbau aus der Abwehr heraus. Denn der normale Spielaufbau beim SV Darmstadt besteht vor allem aus dem langen Ball, der dann in der gegnerischen Hälfte gesichert werden oder nach dortigem Verlust aggressv wiedererobert werden soll. Dabei lässt sich ein Stroh-Engel auch immer wieder mal tief ins Mittelfeld fallen und verteilt dort den Ball mit dem Kopf oder sichert die Kugel mit dem Körper und legt ihn dann in die Räume oder erarbeitet sich Freistöße.

Das was Darmstadt spielt, ist insgesamt gar nicht mal kompliziert. Und trotzdem nur extrem schwierig zu bespielen und zu verteidigen. Weil man von der Mischung aus Physis, Aggressivität und Zweikampfstärke auch mal schnell überrumpelt sein kann und Darmstadt für diesen Fall dann offensiv genug individuelle Klasse hat, um aufgehende Lücken für sich zu nutzen.

Man würde bei der zweikampfstarken Spielweise vermuten, dass die Hessen nach einer Führung unheimlich schwer zu bespielen sind. Denn wenn man eigentlich etwas nicht will, dann gegen die defensiven Kanten anzurennen. Erstaunlicherweise lag Darmstadt aber zwar in 10 der bisher 12 Ligaspiele in Front (Spitzenwert in Liga 2), gewann davon aber auch nur fünf (die aber alle zu Hause). In fünf von sechs Auswärtsspielen führte man, kassierte aber noch (gern auch kurz vor Schluss und unglücklich) den Ausgleich.

In Heimspielen allerdings gewann man immer, wenn man auch führte. Lediglich einmal verlor man. Vom Ergebnis her (1:4 gegen Düsseldorf) auch chancenlos. Aber es war ein völlig untypisches Freakspiel, in dem Darmstadt beileibe nicht komplett unterlegen war. Letztlich legte man sich in diesem Spiel die Bälle in den entscheidenden Phasen fast schon selbst ins Tor. Ein Spiel, das in der Form die Ausnahme blieb.

In den anderen fünf Heimpartien steht ein Torverhältnis von 12:0 bei makelloser Punkteausbeute. Nicht dass man alle Gegner an die Wand gespielt hätte. Aber man hat den unangenehmen Fußball durchgezogen und immer wieder kaltschnäuzig die Tore geschossen und dann gut verteidigt. Und gegen Nürnberg auch gut gekontert.

Letztlich sind einige Teams daran gescheitert, dass sie versucht haben, Darmstadt mal eben mit spielerischen Mitteln zu bezwingen. Eine Methodik, die im Normalfall an der Zweikampfführung des Aufsteigers zerschellt. Mal eben im Mittelfeld hier einen Ball annehmen und ihn in Ruhe verteilen zu wollen, ist meist ein gefundenes Fressen für das Darmstädter Mittelfeld. Weswegen man nicht so recht umhin kommt, Darmstadt auch auf ihrem ureigenen Feld der Physis und Zweikampfstärke auf Augenhöhe zu begegnen. Um nicht aufgefressen zu werden, wie es Zorniger zuletzt treffend ausdrückte.

Wenn man an das Spiel vor einem Jahr denkt, dann war das aus RB-Sicht eine völlig untypische Abwehrschlacht (auf damals zugegebenermaßen Geläuf, das nicht mehr hergab, weil der Platz so tief war, dass man teilweise nur noch die Knöchel der Spieler, aber nicht mehr deren Schuhe sah), in der man vor allem deswegen gewann, weil man den Gastgebern physisch im und am eigenen Strafraum Paroli bot (und dann irgendwann Kaiser seinen Sonntagsschuss aus 25 Metern versenkte).

Wenn man das alles zusammen nimmt, dann wird es wohl im dritten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Teams auf das hinaus laufen, was sich auch Heidenheim und Darmstadt am vergangenen Wochenende lieferten, nämlich ein Kampf um den zweiten Ball nach langer Spieleröffnung. Eine Disziplin, in der RB Leipzig gar nicht mal so schlecht ist, die aber gegen den SV Darmstadt auch noch mal eine besondere Herausforderung ist.

Letztlich schlägt man Darmstadt am besten, wenn man es schafft, den Ball an den aggressiven, vorderen Verteidigungslinien vorbeizukriegen und die Abwehrkette am besten noch mit Geschwindigkeit zu beschäftigen. Dass Darmstadt da anfällig ist und auch mal Fehler macht, hat man im bisherigen Saisonverlauf immer mal wieder gesehen. Und wenn man nicht mit Pressing in diese Situationen kommt, dann wohl am ehesten über zweite Bälle.

Im Kader vom SV Darmstadt 98 gibt es im Vergleich zum Vorjahr einige Veränderungen. Dabei hat man sich in Spitze und Breite wieder mal klug und gut vor allem mit Spielern verstärkt, die anderswo aussortiert wurden oder abgestiegen sind. Zuletzt standen fünf bis sechs Neuzugänge in der Stammformation, was allein schon für eine gute Transferpolitik spricht.

Im Tor musste man dabei notgedrungen den nach Heidenheim gegangenen Jan Zimmermann ersetzen. Der erfahrene Ex-Mainzer Christian Wetklo sollte dies erledigen, verließ Darmstadt aber schon weit vor Saisonbeginn wegen Differenzen wieder. Sodass der erst 22jährige Christian Mathenia vom FSV Mainz 05 II die neue Nummer 1 wurde. Und seine Sache ganz ordentlich macht, auch wenn er an Ausstrahlung und Klasse von Vorgänger Zimmermann natürlich (noch) nicht herankommt.

Für rechts hinten hat Darmstadt erst kürzlich den 26jährigen Ex-Hannoveraner und Ex-Düsseldorfer Leon Balogun verpflichtet. Eine in allen Belangen typische Lilien-Verpflichtung. Einer der zuletzt vereinslos war und den keiner haben wollte. Einer mit immer wiederkehrenden Verletzungsproblemen. Einer den man holt, ins Wasser schmeißt und der das Vertrauen sofort zurückzahlt (und schon beim zweiten Einsatz sein erstes Tor erzielte). Und natürlich einer, der mit seinen 1,90m noch mal ordentlich Physis und mit langen Einwürfen Standardqualitäten mitbringt. Da Balogun sich in Heidenheim verletzte, könnte er aber auch durch Sandro Sirigu ersetzt werden. Sicherlich ein Qualitätsverlust, aber vielleicht auch kein entscheidender.

Links hinten hatte sich zuletzt der von Hertha BSC ausgeliehene Fabian Holland (24, mit seinen 1,72 m quasi das Gegenmodell zu Balogun) durchgesetzt, aber mitentscheidende Fehler gegen Düsseldorf und in Heidenheim, die zu Gegentoren führten, könnten Michael Stegmeyer (29) wieder ins Team führen, der letztes Jahr in der dritten Liga noch bis auf ein Spiel, in dem er gelbgesperrt fehlte, keine einzige Spielminute seines Teams verpasste.

In der Innenverteidigung ist der unverwüstliche und kopfballstarke Kapitän Aytac Sulu (28) gesetzt. Neben ihm hat sich Romain Brégerie (28), der zuvor drei Jahre lang bei Dynamo Dresden agierte, ins Team gespielt, dem auch schon mal der eine oder andere kleinere Schnitzer in der Defensivarbeit unterläuft, aber andererseits ein ballsicherer Innenverteidiger ist. Zusammen kommen die beiden bereits auf sechs Torbeteiligungen (vier Tore und zwei Vorlagen). Dahinter steht dann noch der ebenso kopfballstarke Benjamin Gorka (30) bereit, der letzte Saison noch zum Stamm gehörte, in diesem Jahr allerdings bei neun Einsätzen siebenmal eingewechselt wurde.

Im defensiven Mittelfeld ist Fleißbiene und Ex-HSVer Hanno Behrens (24) anzutreffen. Auch einer aus der Rubrik groß und zweikampfstark. Neben ihm könnte Florian Jungwirth auflaufen, der kurz vor Schließung des Transferfensters aus Bochum kam, weil er dort nicht mehr zum Stamm gehörte. Nun steht er in Darmstadt oft auf dem Platz und in der Tabelle vor Bochum. Alles richtig gemacht, könnte man da zum etwas quirligeren, aber nicht minder bissigeren Mittelfeldtyp sagen.

Falls Darmstadt im 4-2-3-1 aufläuft, das man diese Saison schon einige Male spielte (insgesamt ist man durch die Neuzugänge taktisch flexibler geworden), dann spielt der kreative Geist Jérôme Gondorf (26), der zuletzt krank fehlte, auf der Zehn. Gondorf ist weiterhin so etwas wie das Herzstück des Teams, der viele der zweiten Bälle aufnimmt und weiterverarbeitet. Ohne ihn fehlt es im Team etwas an der Verbindung zwischen Defensive und Offensive. Wählt Darmstadt ein 4-4-2 mit Doppelsechs würde Gondorf wohl Behrens oder Jungwirth ersetzen.

Offensiv links (oder auch mal rechts bei Flügelwechseln) ist Marcel Heller zu finden. Einer der immer gesetzt ist und in Darmstadt immer weiter aufblüht. Insbesondere seine Effektivität vor dem Tor hat sich in dieser Saison noch mal deutlich erhöht (2 Tore, 3 Vorlagen bisher), nachdem er im vergangenen Jahr zwar meist auffällig, aber nicht immer torgefährlich agiert hatte. Heller ist schnell und insbesondere im Umkehrspiel schwer zu halten. Egal wer da bei RB außenverteidigt, derjenige wird einen unangenehmen Nachmittag verleben..

Rechts offensiv ist der in Bremen ausgebildete Tobias Kempe (25) zu finden, der wie Bregerie aus Dresden kam. Kempe ist wichtiger Standardschütze beim SV Darmstadt und auch kein ungefährlicher Konterspieler. Sicherlich nicht so auffällig wie ein Heller, aber dafür mit seiner Physis auch sehr wichtig im Spiel gegen den Ball. Und bei zwei Toren und fünf Vorlagen (weil eben Standardschütze) auch offensiv eine Waffe.

Spielt Darmstadt ein 4-4-2 dann kommt Marco Sailer (28) als zweiter Stürmer in Betracht. Einer, der mit relativ vielen Freiheiten Bälle sichert, auch mal in Dribblings geht, Flanken schlägt und unangenehm im Spiel gegen den Ball ist. Einer der den gesetzten Stürmer Dominik Stroh-Engel (28) auch sehr gut ergänzt. Mit sieben Treffern gehört Stroh-Engel schon wieder zu den Toptorjägern der Liga. Doch man würde ihm weiterhin nicht gerecht werden, würde man ihn darauf reduzieren, dass er vor dem Tor Bälle aus kurzer Entfernung einnickt.

Gerade seine Rolle als Ballverteiler im Mittelfeld ist unheimlich wichtig, um Räume zu schaffen. Aber auch sein Verhalten bei Standards ist durchaus nicht stereotyp, sondern auch von Abwechslungen geprägt. Wenn er sich zum Beispiel aus dem zentralen Kopfballpulk herausfallen lässt und irgendwo abseits davon und weiter entfernt vom Tor im Raum auf einen Abpraller lauert. Stroh-Engel ist eine coole Sau, wenn er denn den Ball mal im Strafraum auf den Kopf oder Fuß kriegt, nur sollte man nicht glauben, dass man einen Stürmer mit eindimensionalen Laufwegen und Bewegungsabläufen vor sich hat.

Egal wie man emotional zum SV Darmstadt stehen mag (und es gab in den letzten Monaten einiges Diskurstrallala aus der Stadt, die sich wohl allzu gern als Gegenmodell zum modernen Fußball inszeniert), was vor allem Dirk Schuster zusammen mit seinem Betreuerteam seit dem Sommer 2013 auf die Beine gestellt hat, ist ziemlich unglaublich. Mit einem klaren Konzept in Sachen Spielidee und einer unheimlichen Präzision bei der Zusammenstellung des Kaders hat man aus einem eigentlich schon aus der dritten Liga abgestiegenen Team eine Mannschaft geformt, die mit ihrer Physis sogar in der zweiten Liga gut mithalten kann.

Die Transferpolitik ist dabei mehr als erstaunlich, da man verstärkt Spieler verpflichtet hatte und immer noch verpflichtet, die sich anderswo vielleicht nicht entscheidend durchsetzen konnte, verletzt waren oder andere ‚Makel‘ hatten, die sie für andere uninteressant machen. Das allein ist wohl noch nicht spannend, aber dass fast alle diese Spieler in Darmstadt dann auch funktionieren, ist ziemlich erstaunlich.

Etwas was enorm für Dirk Schuster spricht, der aus den Spielern ein Team geformt hat, das füreinander einsteht (klar ist das im Erfolg einfacher, aber da scheint auch für Misserfolgszeiten Substanz drinzustecken) und letztlich jene Tugenden an Einsatz, Zweikampfstärke und Mut ins Spiel wirft, die Schuster schon als Spieler auszeichneten.

Man muss Dirk Schuster und seine Methoden nicht durchweg gut finden. Wenn man zum Beispiel an die Vergabe eines rosa Trikots mit der Aufschrift ‚Tussi‘ für den im Training schlechtesten Spieler des Monats denkt, die mit ihrer Symbolik, dass derjenige irgendwie ein verweichlichtes Mädchen sein muss, ziemlich zweifelhaft ist. Und trotzdem muss man anerkennen, dass Schuster es schafft, aus Einzelspielern ein Team zu bauen, das mehr ist als die Einzelteile und füreinander und auch den Trainer einsteht. Sprich, Trainer und Mannschaft funktionieren ziemlich perfekt miteinander. Man kann insgesamt nur den Hut davor ziehen, mit welcher Klarheit und Zielgerichtetheit Dirk Schuster die Mannschaft zusammengestellt hat und nun auf dem Trainingsplatz erfolgreich auf die Aufgaben vorbereitet.

Gegen dieses Team wird sich ein RB-Team stemmen, das sich durchaus auf ein paar Postionen verändern könnte. Ein Stefan Hierländer könnte es eventuell aus dem Team spülen, ein Diego Demme wieder zurückkommen. Unklar noch, ob der etwas überspielte Joshua Kimmich auch aufläuft. In Bestform könnte man die Aggressivtät im Spiel gegen den Ball und Gegner von Demme und Kimmich gut gebrauchen. Als Außenverteidiger könnte Georg Teigl zurückkehren, wenn man an die Schnelligkeit eines Marcel Heller denkt. Und im Sturm würde sich die Physis eines Terrence Boyd an der Seite von Yussuf Poulsen sehr gut machen. Dass man ihm schon einen Auftritt von Beginn an zutraut, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Mögliche Aufstellungen:

  • SV Darmstadt 98: Mathenia – Balogun (Sirigu), Bregerie, Sulu, Stegmayer (Holland) – Behrens, Jungwirth – Kempe, Gondorf, Heller – Stroh-Engel
  • RB Leipzig: Coltorti – Teigl (Heidinger), Sebastian, Compper, Jung – Kimmich (Heidinger, Hierländer), Khedira, Demme – Kaiser – Frahn (Boyd), Poulsen

Fazit: Leicht gibt es gegen Darmstadt nicht. Schon gar nicht für RB Leipzig. Nach dem letztjährigen langen Kampf um den zweiten Platz in der dritten Liga, kämpft man nur erneut ein sportliches Topduell und ein wenig auch (nach vielerlei Bemerkungen aus dem Darmstädter Umfeld zu RB in den letzten Wochen und Monaten) ein ideologisch aufgeladenes Duell aus. Entsprechend hitzig dürfte es in dem Spiel zugehen. Und letztlich dürfte sich wohl der durchsetzen, der in den entscheidenden Zweikämpfen nicht zurückzieht und dort die Nase vorn behält.

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim SV Darmstadt 98 nicht vor Ort verfolgen kann und am 08.11.2014, ab 13.00 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live natürlich bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. SV Darmstadt 98

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Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel von RB Leipzig beim SV Darmstadt 98. Mit Alexander Zorniger und Dominik Kaiser.

09.43

Weiter geht es im Spielplan mit der ziemlich interessanten Partie zwischen den Aufsteigern aus Darmstadt und Leipzig, die untereinander ausspielen, wer sich weiter in der Spitzengruppe festsetzt.

09.47

Zu klären wäre durch einen psychologisch geschulten Experten, warum der SV Darmstadt die gefühlt größte Tattoo-Dichte aller Profiteams im deutschen Fußball hat. Bin für entsprechende Theorie offen. Vielleicht stimmt ja aber schon die empirische Behauptung nicht..

09.53

Einen besonderen Touch bekommt das Aufsteiger-Topspiel auch durch vielerlei Geschichten seit der Begegnung im April in Leipzig. Die aus Darmstadt kommende Petition, die die Lizenzverweigerung durch die DFL forderte, ist ein Baustein. Die essenziell mit in Darmstadt entstandene Nein-zu-RB-Gruppe ein weiterer. Äußerungen aus dieser Woche, RB Leipzig sei nur in die zweite Liga gewunken worden, weil man aus dem Osten der Republik komme, passen da auch rein. Und auch Dirk Schuster war im Mai mit dem Vorwurf dabei, RB Leipzig würde die 3.Liga abwerten, weil man den Spielern vor dem letzten Spieltag einen Feierausflug nach Mallorca erlaubt hatte. Wohlgemerkt vor einem letzten Spiel, in dem es weder für RB noch für den Gegner, die Stuttgarter Kickers um was ging. Und nachdem die RasenBallsportler wegen fehlender Sommerpause im Jahr zuvor praktisch zwei Jahre durchgespielt hatte.

09.56

Das Duell zwischen Darmstadt, dem Verein der quasi aus dem Nichts in den Profifußball hinaufschoss und wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkt und Leipzig, dem wirtschaftlich üppig ausgestatteten modernen Vereinskonstrukt mit in allen Richtungen professioneller Infrastruktur, gibt natürlich auch einiges an sinnigem und unsinnigem her, was man da an Diskurskram anpappen kann.

09.57

Das alles gibt der Partie noch mal eine ganz eigene Würze, die die sowieso schon vorhandene große Kampfbereitschaft wohl noch erhöhen wird.

09.59

Mal sehen, was dann Dominik Kaiser und Alexander Zorniger gleich zur Konstellation zu sagen haben..

10.13

Dominik Kaiser zu den letzten Heimspielen: “Unser Ziel war drei Siege mitzunehmen. Die ersten zwei Spiele waren wir erfolgreich. Gegen Lautern ist es nicht gelungen, weil wir unsere Leistung nicht abrufen konnten. Jetzt geht es nach Darmstadt. Das waren letztes Jahr mit die emotionalsten Spiele. Das Hinspiel ein extremer Fight, das Rückspiel ein richtiges Highlight vor vollem Haus, bei dem es um alles ging. Können optimistisch nach Darmstadt fahren.”

“Trainiert haben wir diese Woche noch gar nicht. Dienstag haben wir das Lautern-Spiel aufgearbeitet und bis heute regeniert. Werden uns heute intensiv auf Darmstadt vorbereiten. Gegen Kaiserslautern waren wir viel zu passiv und dadurch konnten wir die Passsicherheit Kaiserslauterns nicht unterbinden. In der zweiten Halbzeit war es aber besser. Das haben wir aufgearbeitet und jetzt geht der Blick wieder nach vorne.”

“Gestern einen Tag frei, da konnten wir ein bisschen abschalten und jetzt sind wir heiß auf das Darmstadt-Spiel.”

Bessere Matchpläne der Gegner? “Mit Sicherheit. Gegen Aue und Lautern wurden wir vor neue Herausforderungen gestellt.” Anfangs hätten die Gegner es mit langen Bällen versucht, Aue und Kaiserslautern hätten es spielerisch versucht. “Man muss aus den Spiele so viel wie möglich mitnehmen, damit es in Zukunft besser wird.” Man müsse sich aber aufs eigene Spiel fokussieren, dann werde es für die Gegner immer schwer.

Man habe die Kaiserslautern-Partie auch untereinander diskutiert, weil man nicht zufrieden war. Jeder Spieler von der jeweiligen Position aus und der Trainer von außen habe seine Sicht auf die Dinge und darüber werde es dann aufgearbeitet.

“Darmstadt wird ein sehr umkämpftes Spiel. Letztes Jahr viele Zweikämpfe und Standardsituationen. Müssen den Fight annehmen und dann muss man sehen, wer es durch welche Aktion entscheidet.” Wenn sich die Chance ergäbe, wieder ein Weitschusstor zu erzielen, dann würde Kaiser dann gern zugreifen.

Kaiser habe den freien Tag zum Ausschlafen und späten Frühstück genutzt. “Vergangene Woche war sehr hart. Sind aber weiter auf einem körperlich sehr guten Niveau. Wenn man sich müde fühlen sollte, muss das raus aus den Köpfen und den Beinen. Sind in der Lage, gegen Darmstadt Vollgasfußball zu zeigen. Haben danach zwei Wochen zu regenerieren.”

10.24

Alexander Zorniger: „Können mit den drei Heimspielen sehr zufrieden sein. Zwei gewonnen und gegen richtig gute Mannschaft ein Unentschieden geholt. Haben in allen drei Spielen Aufgaben bekommen, die für unsere Weiterentwicklung wichtig sind. Auch die Unterstützung durch die Zuschauer war sehr positiv.“

Alle die zuletzt fit waren, sind es fürs Wochenende auch. Bei Kimmich müsse man mal gucken, wie es aussieht mit seinem Fitnessstand. “Man muss schauen, dass wir ihn nicht nur von Spiel zu Spiel fit kriege.” Hoheneder soll erst mal zur U23 gehen oder doch gleich mal bei den Profis mitfahren. Rebic sei zuletzt an der Schulter verletzt gewesen, aber heute wahrscheinlich wieder zurück.

Zu Darmstadt: “Zwei furchtbar intensive Spiele letzte Saison. Eins war das vorentscheidende um Platz 2. Darmstadt spielt den selben Fußball wie zuvor und hat sich individuell breiter aufgestellt. Schwerpunkt auf kompromisslose Defensivarbeit und dann schnelles Umschalten. Sind körperlich sehr robust. Da muss man vor allem bei Standardsituationen drauf acht geben.”

Diego Demme wird wohl in Darmstadt von Beginn an spielen. Ob Georg Teigl wieder von Beginn an aufläuft, ist noch unklar. Terrence Boyd sei eine Option für die erste Elf. Sei er aber auch schon gegen Kaiserslautern gewesen. Da habe man sich aber für einen Matchplan mit Boyd auf der Bank entschieden. Auch Morys könne immer wieder eine Option werden.

Zur Passivität gegen Kaiserslautern: Sei der Fall gewesen, weil der Gegner individuell so stark war und dann die Spieler die falsche Entscheidung getroffen hätten. Grundsätzlich sei Passivität aber kein Problem, das man habe. Man habe das Spiel gegen Kaiserlautern aufgearbeitet und die Fehler aufgezeigt und damit gut.

Zu Dirk Schuster: “Kennen uns schon relativ ewig.” Aus Duellen zwischen Stuttgarter Kickers und Großaspach und zwischen Schwäbisch Gmünd und Waldhof Mannheim.

Zu Fabio Coltorti: “Sehr, sehr stabil. Hat uns auch von der Persönlichkeit in den letzten drei Spielen geholfen. Macht sich keine Gedanken über den Gesundheitszustand.” Letztes Jahr beim Reinwerfen in Dortmund habe man über Situationen diskutieren können, diesmal nicht.

10.43

Gegen Kaiserslautern sei es ein Fuß- und Kopfproblem gewesen. “Die Mannschaft entwickelt sich in Schritten weiter, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Mit zunehmender Spielklasse kommen auch immer neue Aufgaben.” Auch letztes Jahr habe man eine Phase gehabt, in der nicht alles gut lief. Jetzt wieder eine ähnliche Phase, aber man finde immer wieder auch Lösungen für die Aufgaben. “Den Maßstab hoch ansetzen, ist kein Fehler”, aber man müsse der Mannschaft auch Entwicklungsschritte zugestehen.

Zur Stärke der Aufsteiger: “Sind drei gewachsene Mannschaften. Das Gerüst ist bei den Mannschaften mindestens aus dem letzten Jahr. Bin auch überzeugt, dass Wehen Wiesbaden oder Dresden in der zweiten Liga auch eine gute Rolle spielen könnten.” Darmstadt und Leipzig hätten sich durch ihren intensiven Zweikampf letzte Saison auch enorm weiterentwickelt, was jetzt hilft Spiele zu gewinnen. Zwischen dritter Liga und zweiter Liga sei der Unterschied nicht so groß. Heiße aber nicht, dass man als Aufsteiger per se in der zweiten Liga vorn mitspielen könne. Man müsse sehen, ob einer der drei Aufsteiger diese Saison lange vorne mitspielen kann.

Will “direkt vor dem Spiel” nichts zu möglichen Neuzugängen aus Salzburg sagen. Auch nicht dazu, wann die Wechsel passieren könnten. Ralf Rangnick habe dazu alles gesagt.

Ein gewachsenes Gerüst sei für eine Mannschaft gut, sie punktuell zu verstärken, sei aber kein Problem.

Zu den Länderspielabstellungen: Wahrscheinlich werden nicht alle Eingeladenen reisen. Boyd werde wahrscheinlich hier bleiben und bei Joshua Kimmich ist es auch so, dass er wohl hier bleibt. Bei Rebic komme es darauf an, wie es mit seiner Verletzung aussehe.

Kalmár und Rebic hätten zuletzt nicht gespielt, weil sie verletzt waren. Wenn sie es nicht sind, fahren sie zur Nationalmannschaft, das sei dann auch nicht komisch, dass sie hier nicht spielen, aber bei einer Nationalmannschaft. Man brauche in Leipzig hochaggressives Spiel gegen den Ball und dafür braucht es fitte, gesunde Spieler. Grundsätzlich gebe es eine Abstellungspflicht, alles andere sind Absprachen. Terrence Boyd brauche Spielpraxis und sei noch nicht lange im Mannschaftstraining, sodass es für ihn besser ist, hier zu bleiben. Nationalmannschaftsabstellungen seien in Bezug auf die Spielphilosophie auch manchmal kontraproduktiv.

Patrick Strauß trainiere bei den Profis mit und spielt wie geplant bei den A-Junioren und ist da auch für die Nationalmannschaft eingeladen. “Entwicklung geht in die richtige Richtung.” Wäre natürlich schön, wenn man ihn über die Länderspielpause hier hätte, aber so eine Einladung könne auch pushen. Sei in Bezug auf weitere, künftige Verpflichtungen gut, wenn auf allen Nationalmannschaftsebenen im Nachwuchs Spieler von RB Leipzig aktiv sind.

10.48

Das war es schon von hier. Der Verein teilt noch mit, dass er mit 500 RB-Fans in Darmstadt rechne. Eine etwas erstaunliche Zahl, da der Vorverkauf zuletzt doch eher schleppend lief. Mal sehen, wie viele es dann letztlich wirklich sind.

10.51

Bisschen viel Talk über Kaiserslautern hier heute. Als ob das Spiel eine Katastrophe gewesen wäre, an der Selbstvertrauen und Spielphilosophie von RB Leipzig hätten zerbrechen können.

In Darmstadt wartet nun eine ordentliche Herausforderung, bei der sich die Mannschaft gerade im physischen und kämpferischen Bereich beweisen muss. Mal sehen, wie sie diese Aufgabe lösen wird. Bis dahin eine schöne Restwoche und viel Spaß mit dem Spiel am Samstag, egal wo und wie ihr es verfolgt. In diesem Sinne..

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5 Gedanken zu „Perfektionierte Zeckigkeit“

  1. Du siehst Heidi als Option? Fand ihn zuletzt grauenhaft in der Abwehr. Ein Gefahrenherd im negativen Sinne.

    1. Angesichts der müden Beine im Team wird jeder zur Option. 😉

  2. Danke für Deinen Pressekonferenz-Ticker. Wie immer sehr informativ. Ich wäre mit einem Punkt in Darmstadt zufrieden.

  3. Das wird ein Auswärtsspiel auf extrem unangenehmem Pflaster bzw. Rasen. Angefangen von der „dreckigen“ Spielweise der Darmstädter bis zu der ebenso eigentümlichen Art der dortigen Fans. Es wird ein Höllenritt. Wenn Team und Fans von RB dort ungerupft herauskommen, soll mir auch ein Unentschieden recht sein.

  4. Ja, die Tattoo-Frage. Spannend. Hat vielleicht was mit dem Sonderangebot eines Tattoo-Studios zum Aufstieg zu tun. Hier: http://www.uffbasse-darmstadt.de/?p=7122

    Ich würde ja vorschlagen, wir nutzen einen der nächsten Podcasts, um Deine Augenscheinvalidität empirisch zu überprüfen. Ich würde dann auch gerne auf Individuumsebene gehen und mit Dir die Motive und mögliche Motivationen der einzelnen Fußballer interpretieren.

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