Nicht viel passiert in der englischen Woche

Englischen Wochen wird ja manchmal nachgesagt, dass sie ordentliche Verschiebungen in der Tabelle bewirken können, weil man bei drei Spielen in kürzester Zeit entweder mit einem Lauf ganz viele Punkte auf einen Schlag einfahren oder bei Negativlauf eben verlieren kann. Wenn man sich die erste englische Woche in der diesjährigen zweiten Liga anschaut, dann ist genaugenommen nur sehr wenig passiert, weil sich die Mannschaften ganz im Duktus der extrem ausgeglichenen Liga gegenseitig die Punkte abgenommen haben und fast niemand nach oben oder unten heraussticht.

Herausnehmen muss man da vielleicht oben Erzgebirge Aue, die mit den wenigsten Gegentoren aller Teams, nämlich genau einem, die ersten sieben Punkte der Saison und damit mehr Punkte als alle anderen sichern konnten. Erzgebirge Aue an der positiven Spitze einer Tabelle, daran muss man sich auch erst mal gewöhnen nach dem unterirdischen Saisonstart.

Am unteren Ende fallen zwei Teams heraus. Einerseits der FSV Frankfurt, der bei gleich 12 Gegentoren in nur drei Spielen nur einen Punkt holen konnte. Und andererseits der VfR Aalen, der zwar nur drei Tore kassierte, aber damit als offensivschwächstes Team (ein Tor) trotzdem nur auf einen Punkt kam.

Abgesehen davon kam mehr als die Hälfte der Liga (10 Teams) auf drei oder vier Punkte und eine Handvoll an Mannschaften (5) auf fünf oder sechs Punkte. Bilanzen aus denen vielleicht noch der 1.FC Heidenheim mit seinen 10 Toren (die meisten in der englischen Woche), die zu sechs Punkten reichten, nach oben herausragt.

Für RB Leipzig hatte die englische Woche wie für die breite Masse der Liga Höhen und Tiefen. Man war zwar zweimal das bessere Team und konnte einmal zumindest 70 Minuten lang dem Spiel den Pressingstempel aufdrücken. Am Ende stehen aber trotzdem ’nur‘ vier Punkte zu Buche. Vielleicht ein bis zwei Punkte zu wenig für den Aufwand den man in den Partien betrieben hat. Vor allem die fünf Gegentore in drei Spielen nach zuvor nur einem Gegentor in fünf Spielen waren dafür verantwortlich.

  • Erzgebirge Aue: 7 Punkte, 5:1 Tore
  • 1.FC Heidenheim: 6 Punkte, 10:3 Tore
  • Eintracht Braunschweig: 6 Punkte, 4:2 Tore
  • SV Sandhausen: 6 Punkte, 3:2 Tore
  • Fortuna Düsseldorf: 5 Punkte, 6:5 Tore
  • FC Ingolstadt: 5 Punkte, 3:2 Tore
  • SV Darmstadt 98: 4 Punkte, 5:3 Tore
  • RB Leipzig: 4 Punkte, 6:5 Tore
  • TSV 1860 München: 4 Punkte, 3:2 Tore
  • Union Berlin: 4 Punkte, 3:3 Tore
  • VfL Bochum: 4 Punkte, 6:7 Tore
  • Greuther Fürth: 4 Punkte, 3:4 Tore
  • FC St. Pauli: 4 Punkte, 4:6 Tore
  • Karlsruher SC: 3 Punkte, 4:4 Tore
  • 1.FC Kaiserslautern: 3 Punkte, 4:5 Tore
  • 1.FC Nürnberg: 3 Punkte, 3:8 Tore
  • VfR Aalen: 1 Punkt, 1:3 Tore
  • FSV Frankfurt: 1 Punkt, 4:12 Tore

Letztlich zeigt sich in den Daten nur, dass die zweite Liga in dieser Saison noch nicht die absoluten Favoriten und Übermannschaften gefunden hat. Nach acht Spielen, also ungefähr einem Viertel des Gesamtprogramms ist das zwar noch nicht abschließend aussagekräftig, aber durchaus schon ein Fingerzeig. Zumal einem mit Blick auf die jeweiligen Situationen bei den Vereinen auch spontan niemand einfällt, der die Führungsrolle in der Liga kurzfristig übernehmen wird.

Dass die zweite Liga zu diesem Saisonzeitpunkt noch sehr eng ist, ist zwar nicht ungewöhnlich, trotzdem kam es in den 19 Spielzeiten seit Einführung der Dreipunktregel auch erst einmal vor, dass der Tabellenführer nach acht Spielen weniger Punkte hatte als der FC Ingolstadt aktuell mit seinen 16 Zählern. Wolfsburg hält den Minimumrekord mit 15 Punkten. Bielefeld kam 2003/2004 wie Ingolstadt heute auf 16 Punkte. Ansonsten hatte der Tabellenführer zu diesem Zeitpunkt immer mehr Zähler auf dem Konto. Dass sowohl Wolfsburg als auch Bielefeld am Ende der genannten Spielzeiten jeweils aufstiegen, sollte den Verantwortlichen in Ingolstadt Hoffung machen.

Dass die aktuelle zweite Liga nicht unnormal eng zugeht, zeigt sich auch in den Abständen in der Tabelle. Aktuell hat der 13., also Nürnberg sechs Punkte Rückstand auf Platz 3. Im Schnitt der 19 Jahre seit Einführung der Dreipunktregel lagen in der zweiten Liga die Teams knapp bis Platz 12 nach acht Spielen im Rahmen dieses Abstands auf den Relegationsplatz (bzw. früher direkten Aufstiegsplatz). In der vergangenen Saison hatte aber selbst der 16. (Cottbus) nach acht Partien nur sechs Punkte Rückstand auf Platz 3.

Interessant allerdings, dass es kaum Teams gibt, die mit einem größeren Rückstand auf Platz 3 am Ende trotzdem noch aufstiegen. Nürnberg schaffte es gleich zweimal (2008/2009, 1997/1998) nach sieben bzw. acht Punkten Rückstand auf den Dritten am Ende noch Platz 3 zu erreichen und über Relegation bzw. Direktaufstieg in die Bundesliga zu kommen. Man ist also gewissermaßen schon Experte für schwache Saisonstarts mit anschließenden Aufstiegen.

Neben Nürnberg gelang dieses Kunststück nur noch Augsburg und Bochum (2010/2011 und 1997/1998), die nach jeweils acht Punkten Rückstand auf Platz 3 nach acht Spieltagen am Ende noch direkt (als 2. bzw. 3.) aufstiegen. Sprich, wer zu diesem frühen Saisonzeitpunkt nicht zumindest im breiten Mittelfeld mitschwimmt, hat es ziemlich schwer noch mal ganz oben anzugreifen.

Macht alles zusammen: Ja, die aktuelle zweite Liga liegt enorm eng beieinander, auch weil ein, zwei der Favoriten (noch) ordentlich schwächeln, ist damit aber im Vergleich der letzten Jahre auch keine sonderlich besondere Liga (wenn man davon absieht, dass in vielen Jahre ein, zwei Teams nach acht Spielen schon voran marschierten). Wer aber in dieser engen Liga am Ende ganz oben dabei sein will, tut gut daran, sich schon jetzt zumindest im Mittelfeld festzusetzen.

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