2.Bundesliga: RB Leipzig vs. Eintracht Braunschweig 3:1

Das Spiel zwischen RB Leipzig und Eintracht Braunschweig versprach sportlich einiges. Gut gestarteter Aufsteiger gegen spielerisch starken, aber zuletzt strauchelnden Bundesliga-Absteiger, der sich einiges zur Wiedergutmachung vorgenommen hatte. Und die Partie hielt einige der Versprechungen, war überwiegend ein intensives, vor allem in der ersten Halbzeit auch hochklassiges Duell, in dem RB Leipzig letztlich das vor dem Tor zielstrebigere, gefährlichere und effektivere Team war. Braunschweig überzeugte dagegen vorwiegend zwischen den Strafräumen und zeigte in Ansätzen die spielerischen Potenziale, blieb aber offensiv meist harmlos und leistete sich defensiv die entscheidenden Fehler, die zur insgesamt verdienten Niederlage führten.

Weil Dominik Kaiser nach Verletzung erstmal nur auf der Bank saß und Clemens Fandrich gesperrt ausfiel, war RB Leipzig im schon vermuteten 4-3-3-System mit Matthias Morys als zusätzlichem Stürmer gestartet. Ein System, das insgesamt ganz gut passte und vor allem in Umschaltsituationen seine große Stärken entwickelte, weil man dann mit Poulsen und Morys gleich zwei schnelle Außenstürmer hatte, die mit tiefen Bällen gefüttert werden konnten und so dafür sorgten, dass viele Bälle sehr weit in der gegnerischen Hälfte gesichert werden konnten.

Auch Daniel Frahn kam diese Formation sichtbar entgegen. Erstens weil die Braunschweiger Verteidigung sich natürlich um einen zusätzlichen Stürmer kümmern musste und Daniel Frahn so vermehrt in Situationen kam, in denen er nur auf einen Gegenspieler traf. Und zweitens musste er dadurch nicht überwiegend versuchen, hohe Bälle zu sichern und als eine Art Wandspieler zu verarbeiten (was ihm zuletzt eher schwer fiel), sondern konnte stärker in seine frühere Rolle als zentraler Stoßstürmer, der Vorlagen von außen verwertet, rutschen. Eine Rolle, die ihm stärker auf den Leib geschneidert ist (vier Torschüsse gegen Braunschweig nach insgesamt acht in den vier Spielen zuvor).

Defensiv ließ sich Yussuf Poulsen immer wieder mit zurück auf Höhe der Mittelfeldkette fallen, sodass teilweise ein 4-4-2 entstand, das auch defensiv für einige Stabilität sorgte. Zudem übte man schon auf das Aufbauspiel der Verteidigungskette der Gäste Druck auf, sodass das Spiel mit dem Ball für die Eintracht deutlich erschwert war.

RB Leipzig kam stark in die Partie und setzte die Gäste aus Braunschweig von Beginn an ordentlich unter Druck. Schon in den ersten 10 Minuten hatte man drei mehr oder minder gute Gelegenheiten. Aber auch Braunschweig hatte eine mehr als ordentliche Gelegenheit als Seung-Woo Ryu im Strafraum frei zum Schuss kam, den Ball aber am langen Pfosten vorbei schlenzte.

Was folgte war eine Demonstration in Sachen RB-Umschaltspiel mit freundlicher Unterstützung durch Eintracht Braunschweig. 11 Sekunden dauerte es in der 19.Minute, um den Ball aus dem eigenen Straufraum quer über den Platz zu tragen und dann im Gästetor zu versenken. Marvin Compper hatte eine nicht ungefährliche Situation am eigenen Strafraum durch rechtzeitiges Herausrücken gestoppt und den Ball gezielt auf Joshua Kimmich gelegt. Durch diesen einen Pass lief die gesamte im Vorwärtsgang befindliche Braunschweiger Mannschaft plötzlich hinterher. Kimmich durfte deswegen den Ball über den Platz tragen. Mitte der gegnerischen Hälfte setzte er dann Poulsen ein, der mit Eintracht-Verteidiger Decarli (neu im Team) Pingpong spielte, anschließend freie Bahn hatte und den Ball über den Gäste-Keeper ins Tor hob. Ziemlich perfekt gespielter Konter gegen ein Team, das einen Angriff ohne Absicherung gespielt hatte.

Das war aus Gästesicht schon unschön, aber dass der Ball nur 20 Sekunden nach Wiederanpfiff der Partie wieder im Braunschweiger Kasten landete, war ziemlich nah dran an katastrophal. Kimmich hatte ein Kopfball-Mittelfeld-Gedaddel durch einen tiefen Ball auf die rechte Seite auf den abseitsverdächtigen Morys aufgelöst, wo die Braunschweiger Abwehr wieder nur hinterherläuft. Die gut getimte Flanke des insgesamt positiv auffälligen Stürmers versenkt dann Kapitän in altgewohnter Manier am langen Pfosten. 2:o und ungläubiges Staunen im weiten Rund, ob es wirklich so einfach gehen soll mit dem Heimsieg, wie es sich in diesem Moment andeutete.

Die beiden Tore zeigten beim Bundesliga-Absteiger erst einmal deutliche Wirkung. In den nächsten 10 bis 15 Minuten war kaum etwas produktives zu beobachten, während RB Leipzig die Partie dominierte, aber es verpasste mit mehr Konsequenz nachzuwaschen. Sodass sich der taumelnde Gast noch mal erholte. Was auch daran lag, dass Torsten Lieberknecht früh wechselte und Ryu vom Platz nahm und durch Stürmer Ademi ersetzte.

Wieder mal der Matchwinner - Yussuf Poulsen schiebt zum zu seinem zweiten Tor und zum damit zum 3:1-Endstand gegen Braunschweig ein | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Durch den Wechsel und die entsprechenden taktischen Anpassungen, die das nominelle 4-4-2 zu einem 4-3-3 bis 4-3-1-2 auflösten, gelang es Braunschweig nun tatsächlich besser, den Ball in des Gegners Hälfte zu sichern und so auch in Tornähe Gefahr auszutrahlen. Dem starken, unheimlich ballsicheren Bakenga fehlt nach knapp 40 Minuten, als er von einem Ausrutscher von Compper profitiert, einfach nur eine Anspielstation in der Mitte. Ademi bringt nur kurz danach nach einer prima Kombination durchs Mittelfeld den Ball aus relativ spitzem Winkel nicht im Tor unter. Da Daniel Frahn bei einer verheißungsvollen Chance nur den Rücken des Gegenspielers traf, blieb es zur Pause beim 2:0.

In der Pause stellte Zorniger um und brachte Hierländer für den gelb-rot-gefährdeten Compper. Da mit Sebastian nur noch ein echter Innenverteidiger im Kader übrigblieb, rückte Khedira von der Sechs zurück in die Innenverteidigung und ersetzte dort Compper.

Durch die Umstellungen und weil Braunschweig mit viel Energie aus der Pause kam, schien RB Leipzig für fünf Minuten ziemlich komplett von der Rolle. Kaum Zugriff auf die Gegenspieler, keine Entlastung durch Ballbesitz und eigene Angriffe. Die nicht unverdiente Folge war das schön herausgespielte und von Salzburg-Leihgabe Nielsen schön vollendete 1:2. Durch das aus der Partie wieder ein richtiges und heiß umkämpftes Match wurde. Ein Match, das nun auch von Minute zu Minute immer intensiver geführt wurde und einige Nickligkeiten und ausgetauschte, verbale Nettigkeiten sah.

Die großen Chancen fehlten dem nicht uninteressanten Kampf in der zweiten 45 Minuten aber weitgehend. Zwar war Braunschweig nun optisch wesentlich dominanter und gefährlicher, auch weil die RasenBallsportler viele Bälle einfach nur noch herausschlugen, anstatt Gegner und Ball auch mal zu kontrollieren, aber selbst wenn der Ball dann mal in offenen Räumen in der RB-Hälfte landete und potenziell gefährliche Situationen entstanden, war immer noch ein RB-Verteidigerbein dazwischen oder per Herauslaufen Benjamin Bellot zur Stelle. Sodass letztlich Minute um Minute verrann, ohne dass der durchaus mögliche Ausgleich fiel bzw. überhaupt eine entsprechende Ausgleichschance verzeichnet wurde.

Gästetrainer Lieberknecht bemängelte nach dem Spiel, dass man es zu selten spielerisch und zu oft mit der Brechstange versucht habe. Alexander Zorniger hielt dagegen und bescheinigte seinem Mittelfeld eine gewisse Form von so nicht gewollter Wildheit. An beidem ist sicherlich was dran und erklärt wohl auch, dass klare Offensivaktionen auf beiden Seiten Seltenheitswert hatten.

Für die Entscheidungs sorgte schließlich (natürlich) Yussuf Pousen auf Vorarbeit von (natürlich) Joshua Kimmich in der 84. Minute. Hierländer hatte an der Mittellinie einen Braunschweiger Angriff abgefangen. Kimmich spielte sich durch Doppelpass mit Demme frei und bediente dann ohne Gegenspieler neben sich butterweich den durchstartenden Poulsen, der noch den Gästekeeper umkurvte und dann mit links einschob. 10 Sekunden hatte es in dem Fall gedauert, bis der Ball nach dem Ballgewinn im Netz lag. Drei Tore aus der schnellen Umschaltbewegung, das nennt man dann wohl perfekte Umsetzung der eigenen Spielphilosophie.

Den Rest des Spiels tickte die Spieluhr dann mehr oder minder ohne Aufreger runter. Braunschweig war an diesem Tag für einen Konter nicht durchschlagskräftig genug. Bei RB Leipzig schwanden sichtbar die Kräfte (Poulsen). Aber es war jetzt ja aus RB-Sicht auch nicht mehr nötig, noch größere Anstrengungen in die Offensive zu stecken.

Fazit: Es war ein verdienter Sieg für RB Leipzig gegen einen in der zweiten Halbzeit zwar felddominanten, aber im Strafraum zu wenig durchschlagkräftigen Gast. Verdient vor allem durch eine starke erste Halbzeit, die durch zwei schöne Tore auch ergebnistechnisch veredelt wurde. Braunschweig präsentierte sich über weite Strecken als gefälliges Team, das mit dem Ball auch unter Druck einige gute Sachen anzustellen weiß, aber sowohl vor des Gegners Kasten, aber auch in der Verteidigung des schnellen Umschaltspiels nicht gleichermaßen gut agierte. Von daher geht das 3:1 des Aufsteigers in die zweite Liga gegen den Absteiger aus der ersten Liga auch in der Höhe durchaus in Ordnung. Die erste Prüfung im September haben die RasenBallsportler damit erfolgreich bewältigt. Mit dem Spiel bei Union folgt die zweite Prüfung in einer Woche gleich hinterher.

Randbemerkung 1: Ziemlich sauer war Gästecoach Torsten Lieberknecht, der sein Team sehr engagiert coachte, damit, dass das Leipziger Publikum seinen Torwart ab der 58. Minute auspfiff. Weil er der Meinung war, dass man niemanden auspfeift, der gerade erst aus einer Situation kommt, in der er sich hätte schwer verletzen können (Poulsen hatte den Keeper am Kopf getroffen). Etwas übertrieben die Klage, weil das Publikum erst dann zu Pfiffen griff, als klar war, dass sich Gikiewicz eben nicht schwerer verletzt hatte und der Publikumsunmut eher der Tatsache galt, dass sich der Keeper lautstark und übertrieben über den Zusammenprall beim Schiedsrichter beschwerte, obwohl dieser einem Zweikampf folgte, bei dem der Ball noch spielbar war und sich Gikiewicz eben auch selbst mit großem Risiko in das Getümmel wirft. Beide Reaktionen, die von Lieberknecht und die vom Leipziger Publikum waren wohl etwas übertrieben, aber auch nicht sonderlich tragisch. Dass Lieberknecht auf die Pfiffe mit einer abwertenden Handbewegung gen Haupttribüne reagierte, ist dabei geschenkt, zumal er sich nach dem Spiel dafür entschuldigte.

Zweite Aufregerszene für Lieberknecht, dass RB Leipzig vor dem 3:1 nicht den Ball ins Aus spielte, als Correia im Mittelfeld verletzt liegen blieb. Mal abgesehen davon, dass dies weder Kimmich noch Poulsen als Torverantwortliche vermutlich wirklich im Blick hatten, stellt sich die grundsätzliche Frage, wie man mit liegengebliebenen Spielern umgeht. Zumal man weiß, dass dies gelegentlich auch als taktisches Mittel angewandt wird, um einen Angriff zu unterbinden. Im konkreten Fall sollte man RB Leipzig da keinen Vorwurf draus machen, weil das Umschaltspiel einfach zu schnell ging, um auf den liegenbleibenden Spieler zu reagieren. Grundsätzlich sollte das Spielen des Balles ins Seitenaus zur Behandlung eines Spielers ein Mittel sein, das eher konservativ genutzt wird (außer es handelt sich um den Torwart oder der Spieler liegt im Strafraum). Einem verletzten Spieler abseits des konkreten Spielgeschehens tut es meist nichts, wenn die Betreuer erst 30 Sekunden später aufs Feld können. Schwierig aber natürlich, zu entscheiden, wann eine schwerwiegende Verletzung vorliegt und wann nicht. Zumal eben wie gesagt Verletzungen oder zum Beispiel Wadenkrämpfe durchaus als taktisches Stilmittel eingestreut werden.

Randbemerkung 2: Torsten Lieberknecht ist sicherlich ein streitbarer Trainer, der manchmal auch über das Ziel hinausschießt, wenn man an die „Pissverein“-Geschichte aus der vergangenen Saison denkt. Mit seinem intensiven, verbal dauerhaften und in alle Richtungen gehenden Coaching hat er sich auf der Leipziger Haupttribüne auch nicht nur Freunde gemacht. Letztlich bleibt aber vom Leipzig-Besuch des Coaches, der aus einem strauchelnden Drittligisten binnen kurzer Zeit einen Bundesligisten gemacht hatte, ein insgesamt positiver Eindruck. Emotional und engagiert in seiner Coaching-Zone (aber eben auch nicht im Klopp-Ausraster-Modus) war er schon kurz nach dem Spiel in der Lage, sachlich die Niederlage zu analysieren und zu akzeptieren und seine eigenen Fehler (Geste Richtung Haupttribüne) einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen. Emotional, meinungsstark, aber auch in letzter Konsequenz nicht unsachlich, das ist eine durchaus sympathische Mischung, auch wenn es einem als Fan des jeweils anderen Vereins vielleicht mal auf den Sack gehen mag, wenn Lieberknecht permanent die Spielbeteiligten bequatscht. Aber letztlich gehört das zum Fußball auch dazu und solange sich die Beteiligten nach dem Spiel in die Augen sehen und die Hand reichen können, passt auch alles gut zusammen.

Randbemerkung 3: Die Polizei vermeldete nach dem Spiel neben anderem, dass im Innenstadtbereich eine kleine Gruppe Braunschweiger von einer Gruppe, die „vermummt“ (LVZ [broken Link]) oder „dunkel gekleidet“ (L-IZ [broken Link]) gewesen sei, angegriffen worden ist. Das Problem an dieser typischen Polizeimeldung ist wie so oft, dass ihr der Hintergrund fehlt. Also was der Anlass der Auseinandersetzung war und wo die Angreifer nun eigentlich herkamen. Womit sich wiederum trefflich spekulieren ließe, ob hier jemand, der nicht zur RB-Fanszene gehört, an Spieltagen von RB Leipzig die Chance nutzt, sich mit anderen Fangruppen zu ‚messen‘, also klassischen Hooligan-Kram zu machen. Oder ob hier gar Möchtegern-Neu-RB-Fans beteiligt waren. Oder ob es sich um einen Vorgang mit einem fußballfremden Hintergrund handelt. Egal wie, das braucht letztlich kein Mensch und man sollte wachsam bleiben, wer sich da möglicherweise im Umfeld von RB-Spielen welche Bühne sucht.

Randbemerkung 4: Benjamin ‚die Null steht‘ Bellot ist nun endgültig in der Krise angekommen. Schon das erste Gegentor im erst fünften Spiel, die Leistungskurve zeigt rapide bergab. Spaß beiseite. Dass die Null nun nicht mehr steht und der von BILD kürzlich ins Spiel gebrachte neue Zweitligarekord (Fortuna Köln blieb Anfang der 90er fünf Spiele lang torlos) nicht mehr geknacht werden kann, ist vermutlich gar nicht so schlimm. Debatten über mögliche Rekorde lenken letztlich immer auch ein wenig vom Wesentlichen ab. Und das besteht immer noch darin, Spiele zu gewinnen. Und das geht im Fall der Fälle mit einem 3:1 besser als mit einem 0:0..

Randbemerkung 5: Schätzungsweise knapp 2.000 Braunschweiger boykottierten den Boykott einiger Fangruppen, reisten nach Leipzig und waren damit gegenüber den 500, die sich gleichzeitig in Braunschweig zum Public Viewing trafen, deutlich in der Überzahl. Vermutlich dürfte dies prototypisch für künftige Aufrufe, nicht nach Leipzig zu fahren, sein, da bei vielen die Neugier auf den neuen ‚Ground‘ in Leipzig und die Hoffnung, einem Sieg gegen RB beiwohnen zu können, größer sein dürfte als das Begehren, mit dem Stehen vor irgendeinem Bildschirm Protest auszudrücken. Mal sehen, wie das beim nächsten Heimspiel (allerdings unter der Woche) gegen Karlsruhe aussehen wird. Ob der Braunschweiger Gästeblock auch mit Boykottierern nach dem 0:2 eingeschlafen und erst nach dem 1:2 wieder aufgewacht wäre, lässt sich schwerlich beurteilen. Dass das Braunschweiger Team zusätzliche akustische Unterstützung wohl gut hätte gebrauchen können, dürfte dagegen eine plausible These sein.

Lichtblicke:

  • Yussuf Poulsen: Zwei Tore geschossen, viele Bälle gesichert, diverse Eins-gegen-Eins-Situationen gelöst, 11,5 km gelaufen, 28 Sprints genommen, 43 Zweikämpfe geführt (die meisten aller RB-Spieler), 44% Zweikämpfe gewonnen (für einen Stürmer ein hervorragender Wert). Yussuf Poulsen ist aktuell die offensive Lebensversicherung von RB Leipzig. Und war auch gegen Braunschweig optisch und statistisch schlicht überragend. In der aktuellen Form spielt er deutlich über Zweitliganiveau und steht nicht zu Unrecht auf den Zetteln einiger Bundesligisten. Über kurz oder lang muss er genau dahin (also in die Bundesliga). Am besten natürlich im Dress von RB Leipzig..
  • Tim Sebastian: Wieder einmal Kopf und Ruhepol in der Abwehr. Sehr gutes Stellungsspiel, das ihn immer wieder gegenüber den Gegenspielern bevorteilt und vor Zweikämpfen bewahrt. Dazu sehr passsicher und mit entsprechender Spielübersicht. Der 30jährige Sebastian ist weiterhin in grandioser Form. Ist angesichts der Ausfälle auf der Innenverteidigerposition ein ziemlich perfekter Zeitpunkt.
  • Benjamin Bellot: Enorm sichere Partie. Bekam wieder mal nicht so viel auf den Kasten, war aber stets zur Stelle, wenn dann mal was durchkam. Egal ob beim Herauslaufen, bei Flanken, beim Fausten oder auf der Linie. Die Spielpraxis, die Bellot in diesem Jahr in dritter und zweiter Liga genießen durfte, scheint sich auszuzahlen und ihn immer sicherer zu machen. Coltorti war als Nummer 1 bisher immer gesetzt und sollte dies eigentlich auch nach seiner Rückkehr aus Verletzung in ein paar Spielen sein. Bellot sorgt gerade dafür, dass die Entscheidung, ihn aus dem Tor zu nehmen, keine einfache sein wird (mal ganz davon abgesehen, dass die Entscheidung bei einigen Anhängern, die in Bellot ein schützenswertes Leipziger Urgestein sehen, sowieso unpopulär ist; wobei dies natürlich nicht zu den wirklich guten Argumenten pro Bellot gehört).

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Tore: 1:0 Poulsen (19.), 2:0 Frahn (20.), 2:1 Nielsen (48.), 3:1 Poulsen (84.)

Aufstellung RB Leipzig: Bellot – Teigl, Sebastian, Compper (46. Hierländer), Jung – Demme, Khedira, Kimmich – Poulsen, Frahn (87. Kalmár), Morys (72. Kaiser); nicht eingewechselt: Dähne, Heidinger, Sumusalo, Palacios Martinez; nicht im Kader: Coltorti, Franke, Ernst, Hoheneder, Boyd, Rebic, Klostermann (alle verletzt), Fandrich (gesperrt), Strauß (U19-Einsatz)

Aufstellung Eintracht Braunschweig: Gikiewicz – Kessel, Correia, Decarli, Reichel – Bohland (75. Pfitzner), Theuerkauf, Vrancic, Ryu (35. Ademi) – Nielsen, Bakenga (80. Kruppke)

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Souveräne Spielleitung, auch als es in der zweiten Halbzeit intensiver wurde. Nahm durch gelbe Karten zur rechten Zeit grobe Härten aus dem Spiel. Wie immer kann man über ein, zwei Einzelentscheidungen diskutieren, aber insgesamt sicherer Schiedsrichter. Vor dem 2:0 stand Vorbereiter Matthias Morys wohl knapp im Abseits, aber dem Linienrichter da einen Vorwurf zu machen, wäre etwas zu viel des Guten.)

Gelbe Karten: Compper (1. gelbe Karte) – Bakenga, Theuerkauf, Correia, Pfitzner, Reichel

Zuschauer: 24.949 (davon 1.900 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], BTSV-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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Torschüsse: 13 : 10

gewonnene Zweikämpfe: 51,1 : 48,9%

Fouls: 17 : 21

Ecken: 5 : 5

Abseits: 2 : 8

Ballbesitz: 48,5 : 51,5%

Laufstrecke: 120,6 : 109,6 km

Größte Laufstrecke: Kimmich: 12,2 km – Theuerkauf: 11,1 km

Meiste Sprints: Teigl: 31 – Bakenga: 30

Höchstgeschwindigkeit: Teigl: 34,1 km/h – Vrancic: 32,9 km/h

Beste Zweikampfquote: Sebastian: 66,7% – Kessel: 68,2%

Beste Passquote: Jung: 75,9% – Decarli: 70,4%

Meiste Ballkontakte: Kimmich: 73 – Reichel: 76

Statistiken von bundesliga.de und sport1.de [broken Link]

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Saisontorschützen: Poulsen – 3, Frahn – 2, Thomalla, Morys – je 1 Treffer

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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9 Gedanken zu „2.Bundesliga: RB Leipzig vs. Eintracht Braunschweig 3:1“

  1. Ich fand die Herausnahme von Compper zur Halbzeit unnötig. Er hatte sicher viel Licht und Schatten in seinem Spiel. Aber akut gelb-rot gefährdet war er nicht. Zudem sollte ein erfahrener Spieler wie er auch mit einer gelben Karte zurecht kommen. Durch die Herausnahme musste Demme auf die 6, was in meinen Augen dazu geführt hat, dass RB im Mittelfeld an Kontrolle eingebüßt hat. Wären die Braunschweiger nach dem Anschlusstreffer zielstrebiger vorgegangen, hätte es richtig eng werden können.

    1. Durch die schnellen vertikalen Bälle aus der Abwehr heraus wurde Compper oft in 1:1 Situationen gezwungen, die sind geradezue prädestiniert eine Gelbe abzustauben, auch wenn man klar sagen muss, dass der eher langsame Khedira nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss war, aber viele Optionen gab es nun auch wieder nicht.

      Bei den Lichtblicken fehlt definitiv Kimmich. 😉

  2. Was mir bei Bellot aufgefallen ist, ist seine Körpersprache, die viel selbstbewusster und ruhiger wirkt, als noch vor ein paar Wochen. Ich denke, das ihm die Spielpraxis und das Vertrauen des Vereins, _keine_ neue No.2 zu kaufen, gut getan hat – er hat Potential, auch für die 1. BuLi. Vielleicht sollte mann ihn jetzt die Gelegenheit geben, sich in der Saison zu beweisen … längerfristige Lösung mit ihm?

    Die Saison ist zwar erst im 5. Spieltag … aber RB wird amEnde wohl in der Spitzengruppe dabei sein. Haben bis jetzt in allen Spielen gute Leistung gezeigt, zeitweise richtig stark, wie gestern in der 1.HZ. Sehe keine Favoriten für den Aufstieg. Bleibt auf jeden Fall spannend!

  3. Ich würde sogar mal die These aufstellen, dass die 500 publicviewing Zuschauer nicht alle boykottieren wollten, sondern vielleicht die Chance nutzten ein publicviewing zu erleben, weil sie eh nicht gefahren wären

    1. Ich habe in den letzten Wochen täglich (ab und zu auch mehrfach täglich :-)) nach News zu RB Leipzig googelt. Manchmal konnte man fast den Eindruck gewinnen, halb Deutschland hätte sich gegen RB verbündet. Wenn aber 2.000 friedliche Braunschweiger den weiten Weg nach Leipzig antreten und (nur) 500 Fans dem Protest-Public Viewing in Braunschweig beiwohnen… dann weiß ich wieder, dass nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird. Natürlich schnappen die Medien gern Aktionen einiger Fan-Gruppen auf. Gruppen, die sich in meinen Augen für sehr viel bedeutsamer halten als sie es eigentlich sind. Letztlich bleiben das „Sensatiönchen“. Die Mehrheit der Fußballfans wird sich dem widmen, was auf dem Platz passiert.

      Bleibt zu hoffen, dass beim Rückspiel die Braunschweiger den Leipzigern ebenfalls Gastfreundschaft entgegenbringen. Für die Handvoll vermummter (oder schwarz gekleideter) Vollidioten möchte ich mich als Leipziger bei den Braunschweiger Fans in aller Form entschuldigen. Diese Hirnis und Trittbrettfahrer scheint es in jeder Großstadt zu geben. Sie repräsentieren nicht das fußballbegeisterte und friedliche Leipziger Publikum.

  4. „…Etwas übertrieben die Klage, weil das Publikum erst dann zu Pfiffen griff, als klar war, dass sich Gikiewicz eben nicht schwerer verletzt hatte und der Publikumsunmut eher der Tatsache galt, dass sich der Keeper lautstark und übertrieben über den Zusammenprall beim Schiedsrichter beschwerte,…“
    Genauso sah auch ich diese Situation. Man hatte das gesamte Spiel das Gefühl, das die Braunschweiger Mannschaft ein Trainingslager in Babelsberg abgehalten hatte. Eine Fallsucht sonders-gleichen. Die Schlimmste Szene von Vrancic in der ersten HZ. Wird berührt, Schiedsrichter pfeift nicht, so schaut er dem Geschehen kurzzeitig hinterher, entscheidet sich dann zum Schmerzen vortäuschen. In diesem Augenblick Ballbesitz von Braunschweig, schnelles Umschaltspiel und er steht auf, als wäre nix gewesen uns klinkt sich in den Angriff ein. Dies ist die Zuspitzung eines ekligen Trends, welche ich zum Speien finde. Auf der einen Seite sind Fußballer doch so harte Kerle, andererseits ist jede Berührung eine tödliche Wunde. Und diese Wunderheilung nach eins zwei Humplern unglaublich. Ich hasse diese Prozeduren. Das Schlimmste daran ist eigentlich, dass man anfangs von ernsthafter Verletzung nicht unterscheiden kann. Deswegen schreie ich auch gerne nach solch einem Theaterstück gerne mit: „Jaaa, er lebt noch“. Und die Summe aller Schwalben gestern war eben der Torwart. Ich bin nach wie vor nach zehnmaliger Wiederholung nicht überzeugt davon, dass er soo verletzt oder getroffen war. Selbst wenn es so gewesen wäre, ja woher soll ich es denn wissen:

    https://www.youtube.com/watch?v=jkwA5pz9T4c

    Ich hasse dieses Gebaren.
    Zurück zu Torsten Lieberknecht: Sicher hätte niemand auch nur ansatzweise gepfiffen, wenn er sich ernsthaft verletzt hätte, dann aber noch den Schiedsrichter anspitzen: Schau mal, der wars – Ist für mich nur noch unsportlich.

    1. Ich präzisiere: Die Vrancic-Szene war in Spielminute 10 (10:48 bei Sky-Wdh.)

  5. Für mich fehlt die Erwähnung von Georg Teigl bei deinen Lichtblicken. Er hat sich super entwickelt.

  6. @Rumpel: Klar, Kimmich würde sich natürlich auch anbieten. Aber mir waren ein, zwei Sachen im Mittelfeld ein bisschen zu wahnsinnig. In Erinnerung ist irgend ein Dribbling quer zum Spielfeld an der Mittellinie geblieben, das gleichermaßen riskant und unnötig war. Aber klar, das ist Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau. Ähnliches gilt analog @Herr Müller für Georg Teigl. Letztlich hätte man auch noch einen Anthony Jung nennen können. Sogar einen Daniel Frahn. Oder, oder..

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