Dauerläufer

Einer der Vorteile der zweiten Bundesliga ist, dass der Zugriff auf Spielstatistiken einfacher geworden ist. Eigentlich bieten alle größeren Sportportale Statistiken in irgendeiner Form an. Gut aufbereitet, wenn auch nicht immer sonderlich übersichtlich, sind die Spielstatistiken bei bundesliga.de, die in ihrer detailliertesten Form in einer Art Matrix abgebildet werden. Auch bei sport1.de finden sich bspw. ein paar interessante Daten für die Teams [broken Link] und die einzelnen Spieler [broken Link] bezogen auf einzelne Spieltage, aber auch auf die ganze Saison.

Als die ganze Analysewut im Fußball losging und die Journalisten plötzlich beispielsweise auf die Laufleistungen der Spieler zugreifen konnten, kam zurecht die Kritik auf, dass dadurch auch eine Art Pranger entstehe und Spieler ins Kreuzfeuer genommen werden könnten, die vielleicht aufgrund spezieller Aufgaben im Spiel nicht so eine große Laufstrecke aufweisen können wie andere, sprich Journalisten mit unzureichendem Wissen Daten interpretieren, die sie nicht wirklich interpretieren könnten. Tatsächlich liest man immer mal wieder, insbesondere in etwas zugespitzter formulierenden Machwerken davon, welches Team besonders lauffaul sei und das man darin sehe, dass die Spieler nicht mit genug Einsatz bei der Sache seien.

Was letztlich natürlich sein kann, aber sich oft gerade Laufstrecken auch aus den taktischen Ideen eines Teams ableiten. Dass der FSV Frankfurt beispielsweise im letzten Viertel der zurückgelegten Kilometer aller Zweitligateams liegt, sagt nicht, dass die Mannschaft über zu geringe konditionelle Fähigkeiten verfügt oder die Einstellung nicht stimmt, sondern ist letztlich Folge ihrer Spielidee, die etwas passiver als bei anderen Teams ist und das Pressing beispielsweise nur situativ in bestimmten Zonen und eigentlich erst beginnend an der Mittelline einsetzt.

Auch dass RB Leipzig die beste Laufleistung aller Teams hat und der Abstand zum Zweiten noch größer wäre, wenn Clemens Fandrich in der zweiten Hälfte beim FSV Frankfurt hätte auch noch km sammeln können, ist nicht verwunderlich bei einem Team, das schon in vorderster Front die Gegenspieler intensiv anläuft und dann permanent nachschiebt. Zudem kommen dann bei einem Spiel wie in Frankfurt noch die Kilometer dazu, die man ableisten muss, weil man in der zweiten Halbzeit ein wenig die Ordnung verliert und häufig hinterherrennen muss, sprich immer wieder zurück in die freien Zonen sprintet, in die der Gegner gerade hineinstößt.

Toplaufleistungen der Teams

  • RB Leipzig: 477,6 km
  • Eintracht Braunschweig: 476,4 km
  • 1.FC Heidenheim: 473,9 km

Interessant wird das nächste Heimspiel von RB Leipzig gegen Eintracht Braunschweig, wenn man auf einen Gegner trifft, dem man läuferisch nicht per se überlegen ist. Schafft man es auch gegen ein solches Team, entstehende Räume zuzulaufen oder ist Braunschweig viel mehr als die Teams zuvor, die gegen RB antraten, in der Lage, Räume auszunutzen, weil sie auch läuferisch dazu in der Lage sind, in diese zu stoßen? Dürfte vorerst eine offene Frage sein. Und auch eine, die noch von anderen Faktoren abhängt. Denn wenn Braunschweig so zurückhaltend agiert wie zuletzt beispielsweise beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern, sprich sich Laufleistung nicht mit Aktivität und Aggressivität paart, nutzt all das schöne Rennen auch bloß nichts.

Vielleicht nicht verwunderlich, dass das Team mit der größten Laufleistung auch den Dauerläufer der Liga in ihren Reihen hat, nämlich Diego Demme, der in vier Spielen (bzw. fehlen ihm sogar 16 Minuten zu kompletten vier Spielen) bereits knapp 49 km abgerissen hat, also im Schnitt  deutlich über 12 km im Spiel abspult. Was erstmal ein abstrakter Wert ist, aber auch im Vergleich mit der Bundesliga mehr als ordentlich ist.

Toplaufleistungen der Spieler

  • Diego Demme: 48,9 km (344 Minuten)
  • Marcel Titsch-Rivero: 48,7 km (353 Minuten)
  • Tobias Kempe: 48,2 km (360 Minuten)

Die Frage, die sich da stellt ist natürlich gleich, ob man dies über eine gesamte Saison durchhalten kann. Alexander Zorniger verwies zuletzt in dem Zusammenhang darauf, dass man auch letzte Saison schon mit solch einer Intensität gespielt habe und es dort auch durchgehalten hat. Was sicherlich richtig ist. Trotzdem dürfte die Gegenwehr in der zweiten Liga noch mal eine neue Qualität haben, sodass auch die Anstrengungen der RasenBallsportler größer werden dürften. Andererseits fallen natürlich im Vergleich zur Vorsaison auch ein paar Pflichtspiele weg, was es vielleicht wiederum einfacher macht.

Letztlich wird man es über die Saison beobachten müssen. Und der sehr ausgeglichene Kader von RB Leipzig sollte natürlich in der Lage sein, mögliche Schwankungen in der körperlichen Verfassung bei einzelnen Spielern durch entsprechende Wechsel auszugleichen. Sprich, der relativ ausgeglichene, breite Kader sollte in dieser Beziehung ein Vorteil sein. Ob das dann auch ein entscheidender Vorteil sein wird, bleibt abzuwarten.

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Ein Gedanke zu „Dauerläufer“

  1. Finde ich gut, dass das THema Laufleistung beleuchtet wird. Uns z.B. würde meiner Meinung nach ein Quentchen Effektivität und Effizienz auch gut tun. Was nützt mir ein ständig laufender und pressender Spieler, wenn nach Balleroberung die Kraft soweit weg ist, dass Fehlpässe entstehen oder das Tor nicht getroffen wir. Ich wünsche mir ein Tick mehr Ballkontrolle und weniger „alles sprintet, was das Zeug hält“.

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