Kaderschmiede RB Leipzig 2014/2015 – Update 2

Zwei Monate ist der letzte Blick über den Kader von RB Leipzig her. Nun, mit Schließung des Transferfensters kann man noch einmal final die Planung für die kommende Saison in Augenschein nehmen. Seit Anfang Juli ist dann doch noch einiges passiert. Mit Zsolt Kalmár kam wie vermutet noch ein offensiver Mittelfeldspieler. Mit Marvin Compper und Ante Rebic hat man auf Verletzungsprobleme reagiert. Und mit Lukas Klostermann hat man einen jungen Außenverteidiger als Perspektivspieler aus Bochum geholt.

Auf Abgangsseite passierte nicht mehr ganz so viel. Mit Denis Thomalla und Smail Prevljak ließen sich zwei junge Spieler noch verleihen. Thomalla ging in die erste österreichische Liga nach Ried. Prevljak landete eine Etage tiefer in Liefering. Für beide geht es nun darum, Spielpraxis zu sammeln und sich so entweder für RB Leipzig oder alternativ für andere Clubs interessant zu machen.

Zudem nutzte Tobias Willers noch die letzten Stunden vor Schließen des Transferfensters, um RB Leipzig zu verlassen. Ihn zieht es zurück zu Maik Walpurgis. Verständlich, dass ihm nach mehr Spielzeiten ist. Für RB ist es trotzdem ein Verlust, weil Willers mit seinen Emotionen ein Typ war, der der Mannschaft unheimlich gut tat. Wer jetzt seine Rolle als Einpeitscher von der Bank übernimmt, wird man abwarten müssen.


Der finale Kader von RB Leipzig ist mit 27 Spielern vergleichsweise groß. Was in letzter Konsequenz dem Verletzungspech in den letzten Wochen geschuldet ist. Zuletzt in Frankfurt fehlten gleich sieben Spieler wegen körperlicher Probleme. Dazu kommt noch, dass mögliche Wechselkandidaten, die bei RB Leipzig in der näheren Zukunft kaum eine Chance haben, trotzdem nicht nach einem neuen Verein suchten. Mikko Sumusalo oder Federico Palacios Martinez wären hier zu nennen.

Auf der anderen Seite werden Lukas Klostermann und John-Patrick Strauß vornehmlich in der U19 spielen. Wenn man die vier Spieler abzieht, dann bleiben 20 Feldspieler übrig, die im Kern die aktuelle Mannschaft bilden. Eine insgesamt mehr als vernünftige Kadergröße.

Tor: Fabio Coltorti (33), Benjamin Bellot (24), Thomas Dähne (20)

Zwischenzeitlich wurde Coltortis Verletzung genutzt, um intensiv über eine neue Nummer 2 nachzudenken. Aber Benjamin Bellot hat mit erst einem Gegentor in fünf Pflichtspielen der neuen Saison ordentlich für sich getrommelt. Das und die Tatsache, dass die Wunschlösungen für einen neuen Keeper zu teuer oder nicht verfügbar waren, hat dazu geführt, dass das ursprüngliche Torwarttrio auch bis zur Winterpause zusammenbleiben wird. Mit der alten Hierarchie. Coltorti als Nummer 1. Wenn er fit ist. Danach kommt Benjamin Bellot, der weiterhin noch nie ein Pflichtspiel mit RB Leipzig verloren hat. Und hintendran steht Thomas Dähne mit eher schlechter Perspektive.

Rechtsverteidiger: Georg Teigl (23), Sebastian Heidinger (28), Lukas Klostermann (18)

Zwei Spieler, die den Außenverteidigerposten nicht gelernt haben und ein sehr junger Nachwuchsmann. Das klingt erst einmal nicht sonderlich vertrauenserweckend. Ist es aber dann doch irgendwie. Denn Georg Teigl hat sich mit seiner enormen Schnelligkeit und großen Sprintausdauer zu einer prima Außenverteidigerlösung entwickelt. Offensiv durchaus gefährlich und defensiv immer sicherer steht er dadurch vor Sebastian Heidinger, der nach seiner tollen letzten Rückrunde etwas in ein Loch gefallen zu sein scheint. Für Lukas Klostermann geht es erstmal darum zu lernen und Anschluss an den Männerbereich zu finden.

Innenverteidiger: Niklas Hoheneder (28), Tim Sebastian (30), Marvin Compper (29), Fabian Franke (25)

Wenn man wie noch unter Pacult im Training jung gegen alt spielen würde, dann bestünde das ältere Team nur aus Verteidigern. Schon erstaunlich, wie stark sich die Innenverteidigung alterstechnisch vom Rest des Teams abhebt. Vielleicht auch das der Grund, dass das Zusammenspiel prima passt und die Abwehr bisher ein sehr sicherer Rückhalt ist. Klare Hierarchien gibt es in der Gruppe noch nicht wirklich. Lediglich Fabian Franke steht als Langzeitverletzter etwas zurück. Bliebe ein Trio vornedran, das aktuell die Kaderplätze unter sich ausmacht. Sehr ausgeglichen besetzter Mannschaftsteil, der angesichts von Frankes Verletzung eher dünn besetzt ist. Ursprünglich sollte die Compper-Verpflichtung hier die dünne Decke etwas andicken. Durch den Willers-Abgang war es ein Nullsummenspiel. Lukas Klostermann stünde allerdings als mögliche Alternative bereit, auch wenn er eigentlich von der Außenverteidigerposition kommt.

Linksverteidiger: Anthony Jung (22), Sebastian Heidinger (28), Mikko Sumusalo (24)

Links hinten wirkt noch so ein bisschen wie eine mögliche Winterpausenbaustelle. Anthony Jung hat sich hier mit guten Leistungen erst mal durchgesetzt, muss aber noch Konstanz nachweisen. Sebastian Heidinger schwächelt aktuell ein bisschen und muss erst noch zeigen, dass er auf gutem Zweitliganiveau mitspielen kann. Und Mikko Sumsualo ist nach acht Monaten RB Leipzig noch nie wirklich im Team angekommen. Links hinten kann es funktionieren, wenn es gut läuft. Kann aber sicherlich auch mal daneben gehen. Marvin Compper stünde hier noch als Notfalloption bereit.

Mittelfeld: Dominik Kaiser (25), Diego Demme (22), Joshua Kimmich (19), Rani Khedira (20), Clemens Fandrich (23), Zsolt Kalmár (19), Stefan Hierländer (23), Henrik Ernst (27), John-Patrick Strauß (18)

Das letztjährige Drittligamittelfeld bleibt auch in dieser Saison das Herzstück des Teams. Kaiser, Demme und Kimmich sind wenn sie fit sind zusammen mit Neuzugang Khedira jene, die ihre Gegenspieler im wahrsten Sinne des Wortes zerlaufen. Demme ragt aus den Vieren noch heraus und ist aktuell der laufstärkste Spieler der zweiten Liga. Hinter den genannten Spielern wartet dann einiges an Potenzial, das sich noch entfalten muss. Kalmár und Strauß sind hier sicherlich zuvorderst zu nennen. Clemens Fandrich und Stefan Hierländer müssen derweil den nächsten Schritt machen. Hierländer kam nach seinem Wechsel aus Salzburg bisher gar nicht zum Zuge. Fandrich muss auch noch nachweisen, dass er über einen längeren Zeitpunkt konstant seinem Team helfen kann. Henrik Ernst ist bei all dem nach seinem Kreuzbandriss im Februar weiter außen vor.

Sturm: Yussuf Poulsen (20), Terrence Boyd (23), Daniel Frahn (27), Matthias Morys (27), Ante Rebic (20), Federico Palacios Martinez (19)

Kleines Überangebot im Sturm. Zumindest, wenn alle fit und gesund sind. Yussuf Poulsen steht aktuell über allem und wird in den nächsten Wochen lernen müssen, wie er mit all den Blicken auf ihm umzugehen hat. Und dahinter gibt es ein Hauen und Stechen zwischen den anderen Stürmern, aus dem nur Palacios Martinez aktuell nach unten herausfällt. Frahn hat gegenüber der Konkurrenz ein wenig den Vorteil Kapitän zu sein und vom Trainer geschätzt zu werden. Dauerhaft kann er sich darauf aber nicht ausruhen. Gut besetzter Mannschaftsteil mit vielen unterschiedlichen Optionen.

Insgesamt hat man mit dem Kader sicherlich viele Möglichkeiten auch Ausfälle relativ gut zu ersetzen. Trotzdem lassen sich bereits die Kaderbereiche erahnen, die dann im Winter verstärkt unter die Lupe genommen werden. Die Außenverteidigerpositionen sind hier sicherlich zu nennen. Aber auch ein Stückweit die Innenverteidigung und das Tor. Im Mittelfeld muss man abwarten, was hinter den Top 4 passiert. Nur im Sturm sollte es bei der Riesenbesetzung bis runter zur Nummer 5 keine Probleme geben.

Gespielt wird bei RB Leipzig auch in der zweiten Liga nach Lage der Dinge im 4-3-1-2, das sich in konkreten Situationen in vielerlei Richtungen vom 4-3-3 über eine klare Raute bis hin zum 4-3-2-1 ausformen kann. Nimmt man mal eine Standardformation, dann würde aktuell (Verletzungen mal außen vor gelassen) eine A-Elf wohl so aussehen:

  • Coltorti – Teigl, Hoheneder, Compper, Jung – Demme, Khedira, Kimmich – Kaiser – Poulsen, Boyd

Und alternativ eine B-Elf:

  • Bellot (Dähne) – Klostermann, Sebastian, Franke, Heidinger (Sumusalo) – Kalmár, Strauß (Ernst), Hierländer – Fandrich – Rebic (Morys), Frahn (Palacios Martinez)

Im Team steckt sicherlich ziemlich viel Talent. Von dem aber auch noch unklar ist, wie dieses in der zweiten Liga dauerhaft und gegen die großen Teams einschlägt. Zusammengestellt wurde der Kader nach bestem Wissen und Gewissen. Im zentralen Mittelfeld wurde mit Khedira die letzte Saison dort etwas fehlende Größe zumindest ansatzweise kompensiert. Lediglich den nicht gewagten Umbruch in der Innenverteidigung könnte man weiterhin in Zweifel ziehen.

Von den 11 Plätzen in der Zweitligastartformation dürften etwa fünf (bei Verletzungsfreiheit) relativ permanent besetzt sein. Coltorti, Demme, Kimmich, Kaiser und Poulsen sind aktuell Korsettstangen, die schwerlich zu ersetzten sind. Auf allen anderen Positionen sind Wechselspielchen zumindest denkbar. Aber im Saisonverlauf kann natürlich auch relativ viel passieren und sich jemand im Team festspielen, an den man noch nicht denkt oder bei dem es sich schon ein wenig andeutet (Hoheneder).

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5 Gedanken zu „Kaderschmiede RB Leipzig 2014/2015 – Update 2“

  1. uuuups: “ …. Demme ragt aus den Vieren noch heraus und ist aktuell der laufstärkste Spieler der vierten Liga.“….

    ich wette, auch in der 2. läuft keiner mehr als er… 🙂

  2. Interessant, dass du Tim Sebastian nicht in der A-11 genannt hast, nachdem du ihm im Podcast noch die Form seines RB-Lebens bestätigt hast. Nun hängt das ja auch nicht zwangsläufig zusammen, aber ich denke mal, dass Compper in der A-11 nur im angekommenen und fitten Zustand steht. Meiner Meinung nach im aktuellen Zustand schwer zu bewerten. Interessant auch hier die Aussage Zornigers zum Hoheneder-Ausfall, dass er Sebastian dirigiert und dieser das trotz seines Alters braucht. Klingt für mich laut Zorniger nach Abwehrchef Hoheneder.

  3. Schade, dass Matthias Morys nicht nach Großaspach gegangen ist. AZ scheint ihn besonders zu mögen. Letzte Saison gab er ihm immer wieder Einsatzzeiten, obwohl er selten überzeugte. Über so viel Förderung durch den Trainer würden sich andere Spieler auch freuen. Und ja, Morys ist schnell, aber Ballkontrolle ist nicht so sein Ding.

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