Transfergerücht: Zsolt Kalmár

Wenn Transfers vom höchsten sportlichen Verantwortlichen, also im Fall von RB Leipzig von Ralf Rangnick mehr oder weniger direkt bekanntgegeben werden, dann sollte man davon ausgehen, dass ihnen nichts mehr im Wege steht. Nicht ganz so einfach scheint es bei Zsolt Kalmár (19, Mittelfeld) zu sein, dessen Wechsel vom ungarischen Vizemeister Győri ETO FC Rangnick bereits am vergangenen Freitag im Rahmen eine Pressekonferenz zu Kadergeschichten bei Red Bull Salzburg ausgplaudert hatte. Eine Bestätigung seitens RB Leipzig fehlt aber bis heute trotzdem, genauso wie Kalmár im Reisetross der Leipziger gen Trainingslager im österrreichischen noch nicht zu finden ist.

In Ungarn galt Zsolt Kalmár in dieser Saison als Überraschung des Jahres. Nachdem er 2012/2013 sein Debüt in der höchsten ungarischen Spielklasse feiern konnte, kam er in dieser Saison zu insgesamt 21 Einsätzen in der Liga, davon 10 von Beginn an. Eine direkte Torbeteiligung alle 186 Minuten (insgesamt 5) sind dabei für einen offensiven Mittelfeldspieler ein ordentlicher, wenn auch nicht herausragender Wert. Trotzdem sprangen als Belohnung für den beeindruckenden Durchbruch im Männerbereich seit Mai drei Länderspieleeinwechslungen heraus (gegen Dänemark, Albanien, Kasachstan).

Ende Juli könnte Zsolt Kalmár so wie Joshua Kimmich noch an der U19-EM teilnehmen. Für Kalmár bei einem Turnier im eigenen Land sicherlich kein 0815-Ziel. Was aber bedeuten würde, dass Kalmár, nachdem er ja bisher noch nicht gewechselt ist und in knapp zwei Wochen die EM und in knapp vier Wochen die Zweitligasaison beginnt, praktisch gar keine Vorbereitung mit den anderen RasenBallsportlern bestreiten würde. Also demnach als möglicher Leipziger Neuzugang erst sehr viel später in der Saison, wenn der Anpassungsprozess dann irgendwann gelungen ist, eingesetzt werden würde. Das darf man letztlich durchaus als kleine Kröte in dem Transfergerücht Kalmár empfinden.

Zsolt Kalmár dürfte als Spieler vor allem für die offensiven Spielpositionen von der Acht an vorwärts zur Zehn in Frage kommen. Technische Fähigkeiten, Torgefahr, Schnelligkeit, aber auch seine Qualitäten im Passspiel und beim Einsetzen der Mitspieler machen ihn zu einem großen Talent im offensiven Mittelfeld. Für Einsätze auf der Sechs dürfte seine Spielanlage allerdings etwas zu offensiv sein.

Genau im Bereich des offensiven Mittelfelds besteht ja, wie die Kaderanalyse vom letzten Freitag gezeigt hat, noch Bedarf bei RB Leipzig. Fraglich ist jetzt nur, ob mit Zsolt Kalmár, gerade vor dem Hintergrund, dass es wohl nach der EM noch eine ganze Weile dauern würde, bis er wirklich in Leipzig ankommen würde, die Kaderplanung im offensiven Mittelfeld abgeschlossen wäre (wie im Kaderanalyse-Artikel vermutet) oder ob neben Kalmár tatsächlich noch ein Spieler der Marke Mukhtar käme, der weniger Anlaufzeit bräuchte. Zudem würde ein Kalmár-Wechsel die Frage aufwerfen, ob es mit Denis Thomalla weitergeht oder ob man ihm einen Vereinswechsel nahelegt.

Letztlich wäre Zsolt Kalmár ein typischer Rangnick-Transfer. Ein junger Spieler, der sich irgendwo in Europa beim Übergang von Junioren zu Männern auffällig präsentiert hat. Noch dazu ein schneller, torgefährlicher Offensivmann. Das zusammen passt perfekt ins Suchraster. Ob aus Kalmár dann tatsächlich auch ein großer Spieler wird, ist in seinem Stadium der Entwicklung seriös absolut nicht voraussagbar.

Aber die Möglichkeit, dass er sich über die zweite Liga zu Bundesliganiveau entwickelt, besteht zumindest. Das allein und die Aussicht auf eine entsprechende Wertsteigerung scheint Rangnick die Ablöse von handgeschätzt 1.000.000 Euro (um die laut BILD und LVZ offensichtlich noch gerungen wird) wert zu sein. Und wenn es nicht klappt mit der Entwicklung von Kalmár, gibt es im Kader von RB Leipzig sicherlich noch genügend andere Optionen, um Acht und Zehn mit Qualität zu besetzen.

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