Testspiel: SSV Markranstädt vs. RB Leipzig 0:2

Testspiel Nummer 4 führte RB Leipzig am gestrigen Abend exakt fünf Jahre nach dem ersten Training an selber Stelle zum Geburtshelfer SSV Markranstädt. Rund 2.500 Zuschauer (ungefähr genauso viele, wie beim ersten Pflichtspiel 2009 an selber Stelle anwesend waren) wollten sich diese Reise zu den Ursprüngen des RasenBallsports nicht entgehen lassen und sorgten zusammen mit dem Wetter und dem kleinen, feinen Stadion für ein prima Testspielambiente.

Dem stand das sportliche Geschehen vor allem in der ersten Halbzeit ein wenig nach. Wie schon im Testspiel gegen Havelse drei Tage zuvor fehlte dem Spiel von RB Leipzig in den ersten 45 Minuten das Tempo im Spiel mit dem Ball, um die Abwehrreihe des Kontrahenten ernsthaft in Verlegenheit zu bringen.

Wenn es mal über zwei, drei Stationen mit einer Berührung schnell ging, ließ sich Markranstädts Abwehrreihe zerreißen. Insgesamt war das bevorzugte Mittel aber die Flanke aus dem Halbfeld oder der lange Ball auf die Stürmer Prevljak und Frahn, die den dann sichern sollten, aber meist von der sicheren Innenverteidigung des SSV abgeräumt wurden. Folgerichtig, dass RB Leipzig lediglich zwei, drei Halbchancen verbuchen konnte.

Echte Torgefahr konnte man ausschließlich vor dem Tor von Thomas Dähne, der einen sicheren, aufmerksamen Eindruck machte (aber auch nicht allzuviel zu tun hatte) beobachten. Weil einige Ballverluste von RB Leipzig im Mittelfeld zum schnellen Gegenangriff gegen eine relativ offene Abwehr einluden. Bei Dawid Kriegers Schuss nach einer Viertelstunde stand nur noch der Pfosten im Wege. Und auch in ein, zwei anderen Situationen war der SSV vergleichsweise nah dran am Erzielen eines Tores.

In der zweiten Halbzeit spielte dann (auch das eine Parallele zum Spiel gegen Havelse) praktisch nur noch eine Mannschaft und das war RB Leipzig. Mit acht frischen Spielern auflaufend dominierte man den müder werdenden Gastgeber der Partie nun nach Belieben. Eine Markranstädter Chance war nicht mehr zu notieren, dafür kamen die RasenBallsportler ein paar Mal vor das SSV-Tor.

Chancen im Minutentakt resultierten aus den Angriffen, die meist über den sehr auffälligen Joshua Kimmich liefen, aber nicht, dafür verteidigte der Gastgeber am und im Strafraum (wie schon in Hälfte 1) zu kompakt und sicher. Dieses tiefe Verteidigen schmeckte den RasenBallsportlern nicht wirklich. Trotzdem kam man in den zweiten 45 Minuten durch ein auch durch Yussuf Poulsen etwas agileres Spiel immer wieder mal in gute Situationen am Strafraum, aber vor allem der letzte Pass vor das Tor gelang nur selten, sodass es trotz optisch riesiger Überlegenheit letztlich bei zwei Toren und einigen kleineren Gelegenheiten blieb.

Taktisch war es in beiden Halbzeiten ein gewohntes rautenartiges 4-3-1-2-System mit dem durchspielenden Sechser Rani Khedira, der manchmal (was auch an den mangelnden Anspielstationen gelegen haben mag) etwas zum Ballschleppen neigt, zwei Achtern, von denen sich (neben Kimmich) Denis Thomalla in der zweiten Halbzeit sehr auffällig und engagiert zeigte und einem Zehner, den in der ersten Halbzeit Federico Palacios Martinez als eine Art hängende Spitze spielte (und dabei wieder einmal offenbarte, dass seine Hauptbaustelle das Arbeiten an Robustheit im Zweikampf ist) und der in der zweiten Halbzeit von einem ungewohnt passunsicheren Dominik Kaiser gespielt wurde.

Erwähnenswert vielleicht noch, dass der aus dem zentralen Mittelfeld kommende Nachwuchsmann John-Patrick Strauß nach seinem Ausflug auf den Innenverteidigerposition im Spiel gegen Havelse nun als Linksverteidiger antrat. Aber vor allem aufgrund defensiver Beschäftigungslosigkeit auch unauffällig blieb. Für den 18jährigen aber sicherlich keine ganz schlechte Sache, wenn Alexander Zorniger in ihm einen flexibel einsetzbaren Spieler sieht. In so einem Fall rutscht man dann doch vielleicht mal eher aus dem Juniorenteam auf die Zweitligaersatzbank.

Apropos Zorniger. Der zeigte sich mit dem Spiel seines Teams nach der Partie zufrieden. Womit er nicht allen Zuschauern im weiten Rund aus der Seele gesprochen haben dürfte. Wie diesen hatte aber auch Zorniger die erste Halbzeit nicht gefallen, aber die defensive Null (durch die man in der aktuellen Vorbereitung in Testspielen weiterhin ohne Gegentor bleibt) stimmte ihn versöhnlich, weil es bei „unserer offensive Spielweise umso entscheidender ist, hinten sicher zu stehen und wenig zuzulassen“. Vor allem für die zweite Halbzeit hat man das tatsächlich sehr gut umgesetzt und nach Ballverlust permanent sofort den Gegner wieder zugestellt, sodass der SSV kaum noch aus der eigenen Hälfte, geschweige denn zu Chancen kam.

Letztlich war es ein Testspiel mit für diesen Zeitpunkt der lauf- und arbeitsintensiven Vorbereitung typischen Merkmalen (zumal gegen einen Gegner, der erst ins Training startet und entsprechend relativ frisch ist), nämlich eine unterdurschnittliche Laufleistung, die bei der Art und Weise, wie RB Leipzig eigentlich Fußball spielen will, doppelt und dreifach wieder auf die eigenen Füße fällt und mangelnde Abstimmung zwischen den einzelnen Spielern, weil einige neu sind und man in Formationen spielt, die so noch nie zusammengespielt haben und in der Vorbereitung auf die Zweitligasaison die spielerische Detailarbeit sowieso erst noch kommt.

Fazit: Man sah gegen Markranstädt in der zweiten Hälfte sehr gut jenes Bewegen gegen den Ball nach dem Verlust des Spielgeräts. Etwas, was die meisten Spieler inzwischen als Automatismen verinnerlicht haben. Man sah aber in der ersten Halbzeit auch, dass mit dem bloßen Hin- und Herschieben des Balles auch gegen einen Fünftligisten gar nichts zu holen ist. Alles nichts dramatisches im vierten Testspiel (das vierte gewonnene Testspiel nebenbei bemerkt) und bei noch reichlich vier Wochen bis zum ersten Pflichtspiel. Mit dem prima Ambiente konnte die Partie trotzdem nicht mithalten.

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Tore: 0:1 Sebastian (54.), 0:2 Morys (67.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Dähne – Heidinger, Hoheneder, Willers, Jung – Hierländer, Khedira, Kaiser – Palacios Martinez – Prevljak, Frahn

Aufstellung 2. Halbzeit: Bellot – Teigl, Hoheneder, Sebastian, Strauß – Thomalla, Khedira, Kimmich – Kaiser – Morys, Poulsen

Zuschauer: 2.473

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Bericht, SSV-Bericht [broken Link]

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