Transfer(gerüchte): Dähne, Mukhtar, Bredlow, Domaschke, Luge

Und weiter nimmt der Kader von RB Leipzig für die kommende Saison in der zweiten Bundesliga Formen an. Nachdem Stefan Hierländer und Rani Khedira schon vor drei bzw. zwei Wochen zum Team gestoßen sind, ist seit gestern klar, dass auch der schon gerüchteweise gehandelte Stürmer Terrence Boyd von Rapid Wien nach Leipzig wechselt, wenn er denn den Medizincheck übersteht. Nach längerem Hickhack um die Ablöse kam gestern endlich die Freigabe aus Österreich für den 23jährigen, der wohl direkte Konkurrenz für Daniel Frahn sein dürfte, da sich beide als Spielertypen sehr ähneln.

Auf Abgangsseite gibt es derweil auch Bewegung. André Luge wird nach offizieller Vereinsmeldung RB Leipzig verlassen und vorerst für ein Jahr leihweise nach Elversberg in die Regionalliga wechseln. Für André Luge, dessen Zukunftsaussichten in Leipzig gering waren, sicherlich eine gute Entscheidung zu einem ambitionierten Regionalligisten zu wechseln, bei dem er wieder Spielpraxis sammeln und noch mal die dritte Liga angreifen kann. Und auch für RB Leipzig eine gute Sache, da man den Kader an seinen Rändern etwas entzerrt. Wer neben Thiago Rockenbach, der nach seiner Rückkehr von Hertha BSC nach Leihende in Leipzig keine Rolle mehr spielt, den Verein noch verlassen könnte, ist aktuell noch unklar. Wird wohl auch von entsprechenden Neuzugängen abhängen.

Keine Veränderungen möchte man weiterhin in der Defensive vornehmen. Was angesichts der stabilen Rückrunde in der letztjährigen Drittligasaison nicht verwundern mag. Andererseits erstaunt es durchaus ein wenig, dass man den verjüngenden und qualitätssteigernden Umbruch in der Abwehrviererkette nicht jetzt schon zumindest einleiten will. Denn mit den selbstgesteckten Zielen, die einen weiteren Aufstieg innerhalb der nächsten zwei Jahre vorsehen dürften, kann man schon davon ausgehen, dass auch die Defensive perspektivisch eine Blutauffrischung braucht.

Einige Veränderungen gibt es dagegen auf der Torhüterposition. Denn dort ist Erik Domaschke, der in der vergangenen Saison noch zu acht Einsätzen als Vertreter von Fabio Coltorti kam, offenbar nicht mehr für die Profimannschaft vorgesehen. Wie es mit Domaschke wo weitergeht, ist aktuell noch unklar.

Vorerst nicht mehr weiter bei RB Leipzig geht es auch für den deutschen U19-Nationalkeeper Fabian Bredlow, der in der vergangenen Saison im Sachsenpokal für die Profis auflaufen durfte und sich dort stark und selbstbewusst präsentierte. Bredlow wird für ein Jahr nach Salzburg ausgeliehen und soll dort Nummer 3 sein und gleichzeitig beim Kooperationspartner FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga Spielpraxis sammeln, die er bei RB Leipzig wohl nur in der zweiten Mannschaft in der Oberliga bekommen hätte.

Im Gegenzug wird der deutsche U20-Nationalkeeper Thomas Dähne von Salzburg nach Leipzig wechseln. Der 20jährige unterschrieb für ein Jahr plus Option und wird bei RB Leipzig wohl erst einmal im zweiten Glied stehen und sich bei einem Coltorti-Ausfall mit Benjamin Bellot um den Platz im Tor streiten. Dähne kam letzte Saison zu 30 Einsätzen als Stammtorhüter beim Salzburger Kooperationspartner bzw. Farmteam FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga. Zudem durfte er viermal für die deutsche U20-Nationalmannschaft auflaufen.

Der im bayerischen Oberaudorf, keine 100 km von Salzburg entfernt, geborene Thomas Dähne wechselte schon 2007 nach Österreich und durchlief dort die gesamte Jugendausbildung. Der Wechsel nach Leipzig ist also der erste aus dem (im weiteren Sinne) gewohnten Umfeld heraus und in diesem Sinne vielleicht auch der Versuch, den nächsten Schritt in der Entwicklung auch als Spielerpersönlichkeit zu machen.

In Leipzig durfte Thomas Dähne bisher zwei Testspielhalbzeiten bestreiten. In denen er wenig zu tun bekam und entsprechend seine Talente noch nicht umfänglich zeigen konnte. Sicher ist, dass Dähne als Teil der modernen Torhütergeneration ein ziemlich kompletter Keeper ist. Also einer, der den Ball auch mit den Füßen gut verarbeiten oder mit platzierten Abwürfen das Spiel schnell machen kann. Dazu sieht er sich in einem längeren Interview vom vergangenen Jahr als „offensiven, kommunikativen“ Torwart, der noch Probleme bei Flanken habe.

Beim Herauslaufen erinnert Dähne in seiner Kompromisslosigkeit ein wenig an Fabio Coltorti. Auch Eins-gegen-Eins-Situationen scheinen eher zu seinen Stärken zu gehören. Letztlich sind diese Bewertungen über einen Torwart, den man nicht über einen längeren Zeitraum live gesehen hat, aber auch immer etwas schwierig, sodass sich erst noch zeigen muss, inwieweit Dähne sein sicherlich vorhandenes Talent in Leipzig entwickeln und inwiefern er zu einem sicheren Rückhalt wachsen kann.

Etwas überraschend ist der Wechsel schon, denn die Option, sich in der zweiten Liga zeigen zu können, ist für Dähne sicherlich eine interessante. Andererseits hängt es wohl weniger von ihm als von der Gesundheit Coltortis ab, ob diese Option realistisch ist. Da man zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen muss, dass die Chancen Dähnes gering sind, blieben für ihn nur noch Einsätze in der U23-Mannschaft in der fünften Liga. Was für Dähnes Entwicklung sicherlich suboptimal wäre. Zudem verweist der vorerst nur ein Jahr gültige Kontrakt darauf, dass ein langfristiger Aufbau hin zur Leipziger Nummer 1 nicht per se vorgesehen ist. Inwieweit der Wechsel Dähnes nach Leipzig unter diesen Voraussetzungen (möglicherweise wenig Spielpraxis auf hohem Niveau, kurzer Vertrag) für ihn selbst sinnvoll ist, muss er aber letztlich selbst bewerten.

Aus Sicht von RB Leipzig ist der Wechsel jedenfalls sehr schlüssig. Einerseits verschafft man Fabian Bredlow, mit dem man offenbar eher die mittelfristige Nachfolge von Coltorti plant, Spielpraxis. Andererseits holt man sich mit Dähne einen talentierten Keeper, der im Fall der Fälle ein guter Coltorti-Ersatz wäre und definitiv eine sehr gute Bellot-Konkurrenz ist. Schlägt Dähne ein, hat man eine Verlängerungsoption und alles richtig gemacht. Schlägt Dähne nicht ein, hat man angesichts des Einjahresvertrags zumindest nicht viel verloren.

Zuletzt häufiger genannt wurde auf Gerüchteseite auch der Herthaner Hany Mukhtar, dessen Wechselbereitschaft jüngst sicher schien, da er die ursprüngliche Bereitschaft, bei Hertha BSC zu verlängern und sich anschließend für ein bis zwei Jahre in die zweite Bundesliga verleihen zu lassen, wieder zurückzog. Sodass man angesichts eines nur bis 2015 laufenden Vertrags annehmen konnte, dass Hertha ein wenig Ablöse für das Talent generieren möchte.

Allerdings machte Hertha-Manager Michael Preetz anschließend klar, dass man Mukhtar auch unter den neuen Vorzeichen nicht abgeben möchte. Und auch Hertha-Trainer Jos Luhukay scheint nicht bereit zu sein, auf Mukhtar, der in der vergangenen Saison immerhin zu 10 Einsätzen (meist Einwechslungen) in der Bundesliga kam, dabei aber an keinem Tor beteiligt war, zu verzichten.

Fakt dürfte sein, dass Hany Mukhtar für seine weitere Entwicklung Einsatzzeiten braucht und er offenbar nicht viel Vertrauen hat, dass er diese bei Hertha BSC kriegen wird. Seine ursprüngliche Idee, sich verleihen zu lassen und seine jetzige Idee, den in einem Jahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, sprechen dafür.

Nehmen wir angesichts dieser Voraussetzungen einfach einmal an (was natürlich schwierig ist, da die Hertha-Verantwortlichen gegenteiliges behaupten), dass es in Berlin doch eine Schmerzgrenze für einen Mukhtar-Wechel schon in diesem Sommer gibt und das Interesse von RB Leipzig tatsächlich so groß ist, wie medialerseits behauptet wird. Was durchaus nachvollziehbar wäre, denn Hany Mukhtar würde relativ perfekt in das Raster des noch gesuchten Mittelfeldspielers, der offensiv und ab der Acht nach vorn links, rechts und in der Mitte so ziemlich alles spielen können dürfte, passen.

Der 19jährige U19-Nationalspieler, der an der Seite von Joshua Kimmich kürzlich die Qualifikation für die U19-Europameisterschaft in Ungarn absolvierte und mit zwei Toren und zwei Vorlagen einer der wichtigeren Spieler im Team war, gehört sicherlich zu den interessanteren Talenten seiner Altersklasse, die bspw. mit Max Meyer und Julian Brandt auch Spieler umfasst, die in der Bundesliga bereits für Furore sorgten. Auch von dieser Warte her und dem bekannten Interesse Rangnicks und Zornigers, zukunftsfähige Talente ins Team zu holen, macht Hany Mukhtar auf dem RB-Wunschzettel Sinn.

Noch 17jährig feierte der in Berlin geborene Mukhtar in der zweiten Bundesliga sein Debüt bei Hertha BSC und konnte in der selben Saison in der Regionalliga seine ersten Tore im Männerbereich bejubeln. In der gleichen Spielzeit absolvierte er auch sein bisher einziges Pflichtspiel gegen die Profis von RB Leipzig. Das Heimspiel im April 2012 ging für Mukhtar zwar mit 1:2 verloren, trotzdem zeigte er sich enorm auffällig und war an einigen torgefährlichen Situationen direkt beteiligt. Vielleicht hat Zorniger den jungen Mann ja seitdem auf dem Zettel. Und hat den Zettel vor einem Jahr beim Testspiel in Dessau gegen Hertha, bei dem Mukhtar 45 Minuten auflief, noch mal aktualisiert.

Der von Luhukay in Berlin bisher behutsam aufgebaute und gelegentlich von Verletzungen zurückgeworfene Hany Mukhtar ist ein technisch starker, offensiv gefährlicher Mittelfeldspieler, dem (typisch für Spieler, die den Schritt aus dem Nachwuchs machen) noch ein wenig die körperliche Robustheit fehlt, der aber von seinen Anlagen her alles mitbringt, was man für eine Karriere braucht, die in die Bundesliga führen soll. Inwieweit er sich dabei im Vertragsverhandlungsgeflecht zwischen ihm, den Beratern und den Vereinen den Kopf verdrehen lässt, ist schwer zu beurteilen. Fakt ist, dass er unter der Voraussetzung, dass es in Berlin für ihn im kommenden Jahr zu weitergeht wie zuletzt, perfekt nach Leipzig passen würde, wo er den nächsten Entwicklungsschritt machen und mehr Verantwortung tragen könnte.

Und auch aus RB-Sicht wäre ein Wechsel absolut sinnvoll. Denn mit Mukhtar hätte man die qualitativ hochwertige Verstärkung für einen Bereich im Mittelfeld, der schon in der vergangenen Saison nicht sehr tief besetzt war und mit Timo Röttger ja noch einen Abgang hinnehmen musste. Der Zugang von Stefan Hierländer hat hier eine erste Lücke besetzt. Mukhtar würde als zweiter, wohl etwas offensivere Zugang die Lücke fast schon endgültig schließen, wenn man bedenkt, dass Zorniger vor dem Boyd-Transfer davon sprach, dass man noch einen Stürmer und einen Mittelfeldspieler suche. Aber letztlich hängt es in Sachen Mukhtar halt in Berlin und an den derzeit einem Wechsel ablehnend gegenüberstehenden Plänen der dortigen Verantwortlichen.

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Die aktuelle mehr oder minder realistische Gerüchteliste mit Verweis auf Pressemeldungen dazu gibt es weiterhin rechts in der Seitenspalte. Ausführlich im Blog werden nur jene angesprochen, die schon wechselten oder bei denen das Netz der Gerüchte relativ dicht ist.

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