Langweilige Murmeltiergeschichte mit besonderer Note

Quasi halbjährlich grüßt das Fußballmurmeltier in Form von Testspielabsagen. Bei RB Leipzig ein ganz besonderes Thema. Gehört ja schon fast zum guten Ton, mal ein Testspiel gegen den einzig wahren RasenBallsport abgesagt zu haben. Von Union Berlin und Hessen Kassel lernen, heißt siegen lernen. Die frei erinnerte Liste führt über Offenbach, Nürnberg, 1860, Aue und Schalke nun auch zum VfB Stuttgart.

Nicht immer lagen dabei die Beweggründe offen auf der Hand. Manch ein Spiel war nie offiziell angekündigt worden vor der angeblichen Absage. So auch das Spiel gegen den VfB Stuttgart, bei dem man aber nach allen verfügbaren Berichten davon ausgehen kann, dass es bereits relativ fest vereinbart war. Wenn man der heutigen BILD glauben darf sogar auf Initiative des VfB Stuttgart, die auf diesem Wege in der Vorbereitung u.a. auf den DFB-Pokal einen Test gegen einen Zweitligisten durchführen und gleichzeitig ihre ostdeutschen Anhänger beehren wollten.

Bei RB Leipzig einen Test anfragen, ihn schon ziemlich fest vereinbart haben und dann doch absagen, das ist in dem ganzen Testspielabsagen-Klimbim dann doch noch mal eine besonders absurde Note. Kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass man in den Entscheidungsgremien eines Bundesliga-Vereins in einem solch unprofessionellem Maße arbeitet. Wobei die geneigte Leserschaft auch einwenden könnte, dass dies vielleicht bei einem Verein wie dem aktuellen VfB wiederum ganz gut passt.


Stichwort absurde Note. Die kam auch durch eine Online-Petition (grausam diese Online-Petitionen als pseudodemokratisches Denunziations- und Ideologieinstrument) ins Spiel, auf die im Zuge der Absage medialerseits gern als breiter Protest verwiesen wurde. Eine Petition, in der Anhänger eines Bundesligavereins mit durchaus nicht unwesentlicher wirtschaftlicher Potenz unterschreiben, dass man „gemeinsam gegen den Kommerz“ vorgehen wolle. Man muss wohl schon ganz schön lange im kalten Schatten des Sterns gestanden haben, um den eingefrorenen Denkansatz nachvollziehbar finden zu können.

Schwierig nachvollziehbar ist auch der Verweis auf die Quantität der Proteste in Form der Unterschriften unter der Online-Petition. Knapp 1.800 Menschen zeichneten den Dreizeiler gegen „Kommerz“ und „Produkte“. Und jetzt erzähle noch mal jemand, angesichts von mehr als 40.000 VfB-Mitgliedern und der Tatsache, dass die Petition Hinz und Kunz unterschreiben konnte und unterschrieben hat, etwas von demokratischer Vereinsstruktur, die solche Absagen begründe. Im konkreten Fall war es vor allem Lautstärke, nicht unbedingt Masse. Und schon gar nicht Vereinsmasse.

Das alles soll aber letztlich auch egal sein, weil das Spielchen der Testspielabsagen schon seit geraumer Zeit langweilig geworden ist und es letztlich mehr über den Zustand der entsprechenden Vereine verrät als über RB Leipzig. Und bei allem Respekt, der Zustand des VfB Stuttgart oder erst recht von Hessen Kassel und all den anderen ist zumindest für den hiesigen Zeilenschreiber jenseits des dortigen sportlichen zwar nicht völlig irrelevant, aber dann doch eher unteres Viertel der Interessensagenda.

In letzter Konsequenz hat RB Leipzig in den letzten Jahren dann doch immer ausreichend Testspiele spielen können (lediglich in der ersten Vorbereitung direkt nach Vereinsgründung verzichtete man fast vollständig auf Testspiele). Und auch in diesem Sommer wird es nicht anders sein. Tatsächlich interessant an den Testspielgeschichten ist ja, dass RB Leipzig im mehr oder minder regionalen Rahmen und vor allem bei vielen kleineren Vereinen Regionalliga abwärts als Vorbereitungsgegner inzwischen sehr gern genommen wird.

Wenn man nach Leipzig reist sicherlich auch, weil dann die Fahrt der Neugersdorfer oder Luckenwalder mit dem einen oder anderen Euro zur Aufwandsentschädigung belohnt wird. Abgesehen davon aber wird RB Leipzig bei vielen kleinen Vereinen auch gern genommen, weil es sportlich ein interessanter Verein ist, der zudem für erhöhte Zuschauereinnahmen sorgt. Auch weil RB Leipzig bei Testspielen insbesondere im Sommer fast schon traditionell von gut ein paar eigenen Anhängern auf die kleineren Sportanlagen der Umgebung begleitet wird. Und für RB Leipzig sind diese Spiele willkommener und wichtiger Teil der Imagepflege über den direkten Leipziger Stadtkern hinaus.

Sportlich gesehen ist alles ab Regionalliga abwärts für einen Zweitligisten in der Saisonvorbereitung für ein paar Spiele und als spielerische Abwechslung zum Trainingsalltag sicherlich nett, aber darüber hinaus braucht es natürlich auch Herausforderungen. Der VfB Stuttgart wäre 10 Tage vor Saisonbeginn diesbezüglich sicherlich ein ganz gut passender Gegner gewesen. Der Premier-League-Aufsteiger Queens Park Rangers am 26. Juli wird dem aber letztlich in nichts nachstehen. Und angesichts des Spielorts Gera noch den Aspekt der Imagepflege im weiteren Einzugsbereichs Leipzigs bedienen.

Letztlich ist es egal, auf welchen gegnerischen Namen man in den Testspielen trifft. Ob es der schwer aussprechbare dänische Erstligist oder der traditionsreiche deutsche Erst- bis Drittligist ist, spielt grundsätzlich keine Rolle. Entscheidend ist letztlich die sportliche Qualität des Gegners in der jeweiligen Vorbereitungsphase, an der man sich messen und testen kann. Weswegen es künftig angesichts der Problematik der Testspielabsagen auch wahrscheinlich erscheint, dass RB Leipzig in der Vorbreitung gegen eine bunte Mischung kleinerer, vor allem regionaler inländischer und größerer ausländischer Vereine antreten wird.

Also einerseits Vereine, die RB Leipzig positiv gegenüberstehen, weil sie auf einen Leuchtturmverein hoffen oder einfach ein paar Euro mit einem Test gegen RB verdienen wollen. Und andererseits Vereine, denen das ideologische Auftrumpfen deutscher Provienz bzw. das Eingehen auf das ideologische Auftrumpfen von Fans fremd ist.

Apropos großer ausländischer Verein. Als solcher darf durchaus Paris Saint-Germain gelten, der noch inoffiziellen Berichten zufolge eine Woche vor den Queens Park Rangers bei RB Leipzig testen soll. Wenn denn die dortigen Scheichs nicht plötzlich den Kampf gegen Kommerz oder fehlende Mitgliederbestimmung ausrufen. Ein Testspiel, das hierzulande relativ euphorisch aufgenommen wurde. Natürlich nicht zuletzt wegen Zlatan Ibrahimovic.

Will man es positiv sehen, dann ist dies ein Spiel, das prima für Zuschauer ist, die gerne mal Stars aus der Nähe sehen wollen, auch den einen oder anderen (Noch-)Nicht-RB-Fan anlocken dürfte und tatsächlich zu einer erstmals bei RB Leipzig ausverkauften Red Bull Arena führen könnte. Und natürlich ist es für jeden aktiven Fußballer, für den die Champions League nur ein Fernsehwettbewerb ist, also auch für die aktuellen RasenBallsportler, ein Traum, einmal die Chance zu kriegen, gegen eine solche Mannschaft spielen zu dürfen. Auch wenn kurz nach WM-Ende eventuell ein paar Stars fehlen könnten.

Andererseits ist es für Paris Saint-Germain vermutlich ein ziemlich belangloses Testspiel bei einem deutschen Zweitligisten drei Wochen vor Saisonbeginn. Und entsprechend wohl nichts, wofür man aus dem lockeren Trab in den Dauersprint wechselt. Was ein wenig den sportlichen Wert der Partie in Frage stellt. RasenBallsportler, die zeigen wollen was sie drauf haben gegen Champions-League-Spieler, die noch im Vorbereitungsmodus sind. Das könnte im Ergebnis einen falschen Eindruck von der Leistungsfähigkeit vermitteln.

Nichts gegen eine solche Werbeaktion, aber wenn ich zwischen einer Karte für das Freundschaftsspiel und einer Karte für ein Ligaspiel z.B. gegen die Zweite vom HSV wählen könnte, würde ich wohl letztere nehmen.

Hieß es hier im Blog mal in Vorausschau auf einen (tatsächlich ausgetragenen) Test gegen Schalke 04. Das ist im Grunde immer noch so. Auch wenn die Vereine inzwischen Paris Saint-Germain und SV Sandhausen heißen. Glücklicherweise muss ich ja letztlich aber nicht zwischen beiden Spielen wählen, sondern kann entspannt-zurückgelehnt den Trab des Zlatan Ibrahimovic verfolgen und mich später kribbelig auf den SV Sandhausen freuen. Denn nichts kann letztlich über einem Pflichtspiel stehen, zumal wenn man sowieso vornehmlich wegen RB Leipzig und nicht wegen des Gegners Fußballlivespiele besucht.

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3 Gedanken zu „Langweilige Murmeltiergeschichte mit besonderer Note“

  1. Naja mal sehen mit welchem Kader Paris anreisen wird. Ich denke aber mal, dass die sich nicht die Blöße eines FC Bayern im Spiel gegen Salzburg geben wollen. Also ist da schon das eine oder andere unter Berücksichtigung des Spielverlaufs zu erwarten. Ich frage mich wann es wohl endlich mal Karten gibt und vor allem ob es RB endlich mal hinvekommt ein ordentliches Ticketing System zu bieten bei dem ich von zu Hause aus bequem meinen Sitzplatz in der Arena auswählen kann. Das ständige Telefonieren bzw. Mailen mit Arenaticket nervt und man bekommt einfach nicht die Plätze die man will! Auf Nachfrage hatte man mir immerhin versichert, dass ein solches System ab dieser Saison eingeführt würde. Ich bin ja mal gespannt…

  2. Ich finde diesen Beitrag wieder sehr treffend und möchte nur meine Meinung dazu ergänzend hinzufügen.
    Grundsätzlich finde ich Online Petitionen durchaus als Instrument der persönlichen Willensbekundung als eine unverzichtbare Größe der Bürgermeinung zu gesellschaftlichen Problematiken.
    Wenn aber solche Petitionen genutzt werden, ein Testspiel zu verhindern, muss man schon die Intelligenz der Unterzeichner hinterfragen.
    Ich persönlich habe zum Profifußball und den damit verbundenen Kommerz eine persönliche Meinung und habe meine Verhaltensweise dazu bestimmt.
    Ich finde RB als den ehrlichsten Verein in Verbindung Kommerz und Fußball.
    Ich frage mich ernsthaft, ob die sogenannten Traditionalisten des VFB Stuttgart sich ernsthaft mal die Frage gestellt haben, wieviel Menschen, teilweise sogar in den Selbstmord getrieben wurden, auf der Strecke geblieben sind, nur weil ihre doch so saubere Vereinsführung die Allianz mit der Göttinger Gruppe, einen Finanzunternehmen,eingegangen sind.Ihre Existenzen wurden vernichtet.
    Ich frage mich weiter, was Traditionalisten von Schalke 04 so wissen, wenn es um ihren Hauptsponsor Gazprom geht.
    Einen Unternehmen das u.a. Arbeiter ausbeutet und unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen beschäftigt.
    Ich frage mich weiter, um auf Stuttgart zurückzukommen, was einen Bobic veranlasst, diesem Begehren der Fans nachzukommen. Gerade das magische Dreieck Bobic – Balakow – Elber, haben doch am meisten von den Arrangement der „lupenreinen“ Göttinger Gruppe , laut den damaligen Präsidenten vom VfB Mayer Vorfelder, profitiert.
    Was soll die gespielte Moral, die in Wirklichkeit doch nur eine ganz billige Pseudomoral ist.
    Leider denken die Fans darüber nicht nach.
    Unter den Bedingungen des Profifußball hier in diesem Lande ist mir der Brausehersteller jedenfalls lieber, als die Sponsoren der sogenannten Traditionsvereine.
    Denn ich brauche die Brause nicht zu trinken, aber Gas brauche ich.
    Ob aber der Horizont des vermeintlichen Fans soweit reicht, um die Zusammenhänge Kommerz und Fußball zu entscheiden, zweifle ich an.

    1. Bei so einer Rechnung muss sich dann aber RedBull erst recht die toten Extremsportler anrechnen lassen, die über RedBull finanziert ihrem Wahnsinn nachgehen konnten, teilweise direkt bei RedBull-Werbemaßnahme starben oder bei der man pietätslos ein „Hommage“ für einen bei RedBull-Werbeaufnahmen verunglückten Sportler veröffentlichte und vertrieb und diesem Film auch noch das Motto voranstellt: Du hast ein Leben. Lebe es!
      Ob „ehrlich“ hier die richtige Bezeichnung ist oder nicht doch eher „zynisch“ bleibt jedem selbst überlassen.

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