Transfergerücht: Lukasz Teodorczyk

Lizenz da, Sommerpause da. Es wird in Sachen Transfergerüchte nun langsam wieder etwas heißer. Bis zum Trainingsstart am 20.06.2014 wird wohl der größere Teil der Neuzugänge fix sein. Bleiben also noch vier Wochen mit Gerüchten und Vollzugsmeldungen. Zu vergeben sind nach unterschiedlichen Schätzungen vielleicht fünf bis maximal acht Plätze.

Je höher es in den Ligen geht, desto heißer dreht dabei die öffentliche Berichterstattungsmaschinerie. Aus einer Beobachtung wird dann schon mal handfestes Interesse. Sodass viele Namen durch den Raum schwirren. Mukhtar (Hertha), Hierländer (Salzburg), Aosman (Regensburg) oder Nielsen (Braunschweig) wurden bisher unter anderem genannt (rechts in der Seitenspalte hier im Blog findet sich eine komplette Liste mit Gerüchten mit entsprechendem Link zu Presseberichten).

Aber nur ein Spieler taucht eigentlich seit Wochen regelmäßig in verschiedenen Kontexten immer wieder auf und soll nun laut heutiger BILD vor der endgültigen Verpflichtung stehen. Dabei handelt es sich um den 22jährigen Stürmer Lukasz Teodorczyk, der aktuell bei Lech Poznan in der obersten polnischen Spielklasse aktiv ist.

Der Stürmer wäre so etwas wie der erste ganz dicke Fisch in Sachen Transfers bei RB Leipzig. 3 Millionen soll Ralf Rangnick laut Medienberichten zahlen. Was für Zweitligaverhältnisse sehr ordentlich und neuer Transferrekord in Leipzig wäre (bisher ca. 600.000, auf jeden Fall nicht siebenstellig), aber auch in Rangnicks Dimensionen läge.

In der Saison 2007/2008 gab der nämlich in Hoffenheim nach dem Aufstieg in die zweite Liga (neben einigen anderen Transfers) für Carlos Eduardo, Chinedu Obasi, Demba Ba, Per Nielsson und Vedad Ibisevic insgesamt 18 Millionen Euro aus. Also etwas mehr als 3 Millionen pro Spieler. Nicht unvorstellbar, dass Rangnick den Geldgeber Mateschitz zu ähnlichen Ausgaben bewegen kann. Zumal Hoffenheim dieselben fünf Spieler für mehr als 30 Millionen Euro wieder verkaufen konnte..

Die Frage bei Lukasz Teodorczyk wäre letztlich, ob er ein entwicklungsfähiges Talent in dem Maße besitzt, dass man ihm eine Leistungssteigerung, die ihn später mal zu einer Bundesligakarriere befähigen oder einen gewinnbringenden Weiterverkauf ermöglichen würde, zutraut. Dass Teodorczyk auch Angebote vom italienischen Erstligisten FC Turin oder vom kroatischen Erstligisten Dinamo Zagreb hat, weist zumindest darauf hin, dass auch größere europäische Vereine die Talente des Polen schätzen.

Begonnen hat Teodorczyks Karriere im Männerbereich 2010 bei Polonia Warschau, wo er mit 19 Jahren die ersten Schritte in der ersten polnischen Liga und im Landespokal-Achtelfinale auch sein erstes Tor machte. Nur ein Jahr später kam er trotz langer Verletzungspause zu 11 Einsätzen und vier Toren, bevor er sich mit fünf Toren und fünf Vorlagen in der Hinrunde 2012/2013 in die Bücher von Lech Poznan schoss und letztlich im Winter dorthin wechselte.

Den großen Sprung machte Teodorczyk dann aber erst in dieser Saison, in der er in bisher 29 Erstligaspielen in Poznan 19 Treffer erzielte und sieben vorbereitete. Dazu kommen vier Scorerpunkte (drei Tore) in der Qualifikation zur Europa League, in der Poznanz nur wegen der Auswärtstore am litauischen Vertreter Zalgiris Vilnius scheiterte und zwei Scorerpunkte (ein Tor) im Landespokal. Insgesamt 23 Tore und neun Vorlagen in 35 Pflichtspielen sind eine mehr als ordentliche Bilanz, die aber auch zeigt, dass das Spiel in Poznan auf ihn als Abnehmer zugeschnitten ist.

Was dann gleich zu der Frage führt, was die Verpflichtung eines klassischen Mittelstürmers im Wert von 3 Millionen Euro für den Kader von RB Leipzig bedeutet. Denn letztlich scheint die Verpflichtung direkt auf den bisherigen Torjäger Daniel Frahn zu zielen, wenn die Qualitäten des Lukasz Teodorczyk tatsächlich vornehmlich im Strafraum zu finden sind. Denn einen Flügelstürmer Frahn in der Art Poulsens wird es nicht geben, das liegt einfach nicht im originären Kompetenzfeld des Kapitäns.

Bliebe noch die Variante, wenn es nicht Frahn oder Teodorczyk, sondern Frahn und Teodorczyk heißen soll, dass der Pole entweder auf die Außenbahn rückt und man wieder mit einem Dreiersturm (Teodorczyk, Frahn, Poulsen) spielt. Wobei die Frage wäre, ob Teodorczyk die nötige Geschwindigkeit für diese Position hat. Eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

In der anderen Variante spielt Teodorczyk irgendwas zwischen hängender Spitze und Zehner, also die Position von Dominik Kaiser (der dann wieder zurück auf die Acht rutschen könnte). Dafür ist er insofern befähigt, dass er durchaus ein ballsicherer Stürmer mit gutem Auge für die Mitspieler ist. Entstehen würde dann ein Dreistürmersystem mit Frahn und Poulsen ganz vorn und zentral leicht dahinter Teodorczyk. Eine Variante, die man mit unterschiedlichen Besetzungen ja bei RB Leipzig auch schon in der Hinrunde 2013/2014 spielte.

Letztlich wäre Lukasz Teodorczyk, der vor einem reichlichen Jahr auch in der Nationalmannschaft debütierte, ein Spiel später gegen San Marino sein erstes Länderspieltor machte und zuletzt beim 0:0 in Hamburg gegen Deutschland 90 Minuten lang auf der Bank saß, natürlich eine Riesenverstärkung für RB Leipzig, bei der trotzdem die Frage wäre, in welche Rolle er sich auf dem Platz einfügt und was das für Daniel Frahn und auch die Mannschaftshierarchie bedeutet.

Inwiefern RB Leipzig und die zweite deutsche Liga für Teodorczyk der nächste sinnvolle Karriereschritt ist, muss er selbst beurteilen. Mit der Perspektive, darüber in die Bundesliga zu rutschen, sicherlich kein ganz schlechter Deal. Angesichts des kolportierten Angebots aus der Serie A könnte der Schritt in die deutsche Zweitklassigkeit aber sportlich suboptimal sein. Dafür wäre der Job gut und sicher entlohnt, mit im Normalfall gesicherten Einsatzzeiten versehen und gleichzeitig relativ nah an der Heimat. Vielleicht ja auch letzteres ein Argument für Leipzig.

Bei allem, was man bei einem ersten Überblick sehen kann und angesichts der Tatsache, dass der Kader von RB Leipzig im Sturm hinter Frahn und Poulsen zuletzt (qualitativ) ziemlich dünn war, macht das Gerücht um Lukasz Teodorczyk absolut Sinn. Wenn man Rangnicks Einkaufspolitik in Hoffenheim und bisher bei Red Bull sieht, macht auch die (ziemlich realistische) Ablösesumme Sinn. Ob es auch auf dem grünen Eckigen funktioniert, würde sich dann in den nächsten Monaten zeigen.

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11 Gedanken zu „Transfergerücht: Lukasz Teodorczyk“

  1. Warum ist von Poznan statt Posen die Rede? Dann müsste der Autor konsequenterweise auch von Warszawa statt Warschau schreiben, wie er es in seinem Text tut.

  2. @kniprode

    … und es müsste dann natürlich auch heißen RB Lipsk und „rudy lemoniada blog“. Wo kommen wir denn sonst hin …

    Aber egal. Zurück zum Thema. Danke für die aufwendige Recherche. Als er nur unter Transfergerüchten stand, wars mir egal, nach deiner Vorstellung hoffe ich, er kommt. 😉

    Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass Frahn und Poulsen einfach so vertraut sind, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass mich eine Änderung auf den Positionen ernsthaft schnell überzeugen wird. Selbst wenn Teodorczyk die Gegner schwindlig spielt würde mir die „Fraaahnsinn“-Schlagzeile am nächsten morgen in der LVZ fehlen. Wobei G.S. sicher auch Teo-TOOOOR-czyk zum Kult treiben könnte. ^^

    Woran liegt das eigentlich, dass vor allem bei den Tranfergerüchten so oft polnische Vereine hier auftauchen. War doch letztes Jahr auch schon so. Hat DM seine Scouts dort so oft unterwegs? Oder ist das nur mal wieder selektive Wahrnehmung.

    LG
    Kati

    1. Teo-Tooor-czyk ist super. Da bin ich mir sicher, dass man das im Fall der Fälle in Bild oder LVZ irgendwann wiederfinden wird..

      Das mit Gerüchten aus Polen würde ich eher als selektive Wahrnehmung empfinden. Klar, es gab schon immer mal ein Gerücht aus Polen, aber nie unverhältnismäßig viele. Da finde ich, dass der Blick nach Skandinavien (vor allem in Salzburg) deutlich ausgeprägter war/ist.

    2. Plus: DM spielt beim Scouting keine Rolle. Der Mann spielt operativ keine Rolle. RR spielt eine Rolle. RR spielt beim Scouting eine Rolle. DM hat von Fußball ungefähr so viel……kann kein Mensch einschätzen, der ihn nicht kennt.

  3. Wer woanders viele Tore macht, muss bei uns noch lange nicht treffen. 😉
    Ich denke gerade an unsere ehemalige Nummer 27.
    Lassen wir uns aber überraschen. Ich mag die Gerüchte.

  4. Ich denke wir werden uns nächste Saison auch im Spielsystem weiter entwickeln und ähnlich wie RB Salzburg flexibel mit einem 4-4-2 doppel 6 oder 4-2-3-1 spielen. Hierfür benötigen wir natürlich entsprechende Spieler. Lukasz und Frahni im MS. Yussuf vergleiche ich hierbei spielerisch mit einem Kevin Kampl oder Sadio Mane (weit hergeholt, aber möglich). Somit (Spielsystem) wäre auch das Transfergerücht mit einen zusätzlichen MS gerechtfertigt. Denkt einmal darüber nach.

    Gruß Bernd

  5. Halte ich für eher unwahrscheinlich, Bernd. Im MDR-Interview mit A.Z. von gestern (Link hab ich gerade nicht, kommt hier im Presse-Bereich später) hat sich dieser klar für 4-3-1-2 ausgesprochen und das Spielsystem wird vom Trainer bestimmt, nicht vom Sport-Direktor. R.R. scheint auch vollstes Vertrauen darein zu setzen, niemand wird A.Z. vorschreiben, mit Salzburger System zu arbeiten, wenn er es nicht selbst so möchte.

  6. Andreas, du hast recht. A.Z. sprach im Interview von einem flexiblen 4-3-1-2 (Bericht: http://www.mdr.de/mdr-aktuell/video198448.html). Ich denke die Beiden (RR und AZ) sind sich einig (es besteht kein Bedarf der Einmischung). Jedoch wird man die Mannschaft weiterentwickeln. Und wenn du das Spielerpotential hast, kannst du mit dem Spielsystem flexibel umgehen. So kann man den Domme zwischen DM und OM verschieben (entsprechend der Spielsituation). Oder den Yussuf auf der Außenposition variabel einsetzen. Ebenfalls kannst du Joshua im Mittelfeld (DM / RM) flexibel einsetzen. Das zeichnet dieses flexible System aus. Man kann also im Spiel variieren und das System der Situation anpassen. Gruß Bernd

  7. Backup oder Alternative fuer Frahni.

    Viel wichtiger ist eine Alternatove fuer D. Kaiser. Bei einer Verletzung …

    1. Auch Zorniger bestätigt genau dies. Heute in der zeitung mit den 4 Buchstaben. Scheinbar schaut A.Z. hier manchmal rein … 🙂

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