Kaderrückblick RB Leipzig: 3.Liga 2013/2014 – Teil I

Langsam hält die Sommerpause tatsächlich Einzug. Die Lizenz ist da, das entsprechende Wetter kommt dann demnächst nach. Bleibt also auch Zeit für ein paar Rückblicke in die abgelaufene Drittligasaison. Heute sind Torhüter und Verteidiger dran, die im Fokus der Einzelbetrachtung stehen. (Anmerkung: Der Rückblick ist geordnet nach Positionen auf dem Feld und innerhalb dieser geordnet nach Rückrunden-Einsatzzeiten. Die Zahlen in der Klammer hinter den Spielern beziehen sich ausschließlich auf Drittligaspiele, für die Hinrunde allerdings plus DFB-Pokalpartie.)

Tor

Benjamin Bellot (23 Jahre, 11 Spiele, Hinrunde: 0 Minuten, Rückrunde: 924 Minuten): ‚Profitierte‘ davon, dass sich mit Colorti und Domaschke beide Stammkeeper verletzten. In 11 Spielen kassierte er gerade mal phänomenale vier Gegentore und hielt mit einigen Reflexen die Null und auch einige Punkte fest (Kiel, Wehen Wiesbaden fallen da zuerst ein). Andererseits sah er bei drei der vier Gegentreffer nicht ganz so gut aus (ohne sie ihm völlig aufhalsen zu wollen). Insbesondere beim Herauslaufen und bei seiner Strafraumpräsenz gäbe es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Benjamin Bellot präsentierte sich als sehr guter Backup auf der Torwartposition. Mit viel Talent und tollen Aktionen auf der Linie. Aber auch mit deutlichen Hinweisen, warum es bis zu einem Fabio Coltorti und dessen dominantem und prägenden Auftreten eben doch noch ein ganz schönes Stück ist.

Überraschend mit den meisten Einsatzzeiten im Tor - Der mit dem Fuß und auf der Linie sichere Benjamin Bellot | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Erik Domaschke (28 Jahre, 8 Spiele, Hinrunde: 260 Minuten, Rückrunde: 426 Minuten): Kam nach der Verletzung von Fabio Coltorti für insgesamt acht Spiele zum Zuge, bevor er sich beim Spiel in Erfurt selbst schwerwiegend verletzte. Wirkt immer ein wenig wie ein Fabio Coltorti in klein, also wie ein Torwart ohne größere Schwächen, nur dass er in allen Ausprägungen etwas hinter der Nummer 1 hintenansteht. Nach leichteren Problemen bei seinen ersten Auftritten, als er gelegentlich etwas zu weit vor dem Tor stand, war er danach ein sehr guter und fehlerloser Rückhalt für sein Team. Neun Gegentore in acht Spielen sind nicht gerade wenig, allerdings konnte Domaschke nur in wenigen Fällen etwas dafür. Erik Domaschke dürfte auch künftig – so er im Team bleibt – mit Bellot um die Nummer 2 kämpfen. Und genau wie für Bellot gilt auch für Domaschke, dass er ein sehr guter Backup ist, aber es für mehr auch nicht reicht.

Fabio Coltorti (33 Jahre,  22 Spiele, Hinrunde: 1540 Minuten, Rückrunde: 360 Minuten): Spielte bis zu seiner Verletzung eine sehr gute Hinrunde, in der er sicherer Rückhalt war. Anschließend fiel er fast fünf Monate aus, bevor er beim Spiel bei der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund wieder mitwirken konnte. Nach der langen Pause schien ihm zuerst die Spielpraxis zu fehlen. In den beiden enorm wichtigen Spielen gegen Darmstadt und in Rostock aber schon wieder fast der Alte. Hielt jeweils mit spektakulären Taten seinen Kasten sauber und trug damit seinen Teil zum Aufstieg bei. Hat trotz seiner Verletzung nie den Status als Nummer 1 verloren und ist dank seiner Persönlichkeit und Präsenz und aufgrund fehlender Schwächen im Torwartspiel auch für die neue Saison unumstrittener Kandidat für den Stammplatz im Tor. Falls denn nicht noch ein Neuzugang kommt.

Verteidigung

Sebastian Heidinger (28 Jahre, 31 Spiele, Hinrunde: 1046 Minuten, Rückrunde: 1621 Minuten): Wer vor der Saison gesagt hätte, dass Sebastian Heidinger sich in der dritten Liga zum meisteingesetzten Abwehrspieler entwickeln könnte, den hätte man wohl ganz schön verwundert angeschaut. Und doch verhinderte letztlich lediglich eine Gelbsperre, abzusitzen ausgerechnet im Heimspiel gegen Heidenheim, die perfekte Rückrunde ohne verpasste Spielminute. Erstaunlich an Heidinger vor allem die Konstanz mit der er inzwischen die Außenverteidigerposition besetzt. Meistens links, aber wenn es eben so gebraucht wird, dann auch rechts. Verlässlich, dynamisch, zweikampfstark. Als hätte er nie eine andere Position gespielt. Insgesamt schien Heidinger im Laufe der Rückrunde etwas nachzulassen, wobei diese Leistungsschwankung immer noch auf sehr hohem Niveau passierte. Offensiv ist sicherlich noch ein bisschen Luft, aber wenn man an den Ausgleich zum 3:3 in Dortmund denkt, dann bleibt auch hier manchmal nur ein Zungenschnalzen. Wenn Sebastian Heidinger weiterhin auf diesem Niveau konstant spielt, dann wird er auch eine Liga höher eine gute Rolle spielen.

Der Außenverteidiger und Defensivstabilisator Sebastian Heidinger, die Entdeckung der Saison | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Niklas Hoheneder (27 Jahre, 34 Spiele, Hinrunde: 1401 Minuten, Rückrunde: 1524 Minuten): Ist im Laufe der Saison der meisteingesetzte Innenverteidiger im Team geworden. Saß zwischenzeitlich wegen des engen Konkurrenzkampfs am Ende der Hinrunde sogar mal auf der Tribüne, profitierte aber in der Rückrunde von der roten Karte von Tobias Willers, dessen Platz er anschließend wieder übernahm. Und sich in der Folge nur noch wenig zu Schulden kommen ließ, wenn man mal von Missverständnissen mit Benjamin Bellot wie beim Ausgleich in Unterhaching absieht. Hoheneder ist kopfball- und zweikampfstark und in Sachen Spielaufbau zumindest ordentlich. Solange Bruder Leichtsinn nicht mitfährt ein prima Innenverteidiger, der in Regensburg nach vielen, vielen Anläufen dann doch noch sein erstes Kopfballtor in dieser Saison erzielte.

Tim Sebastian (30 Jahre, 30 Spiele, Hinrunde: 853 Minuten, Rückrunde: 1240 Minuten): Wie Sebastian Heidinger eine der Überraschungen der Saison bzw. vor allem der Rückrunde. Kam in Erfurt am 24. Spieltag früh für Henrik Ernst im zentralen Mittelfeld in die Partie, spielte aber fortan zumeist in der Innenverteidigung oder half wie in Kiel auf der Rechtsverteidigerposition aus. Sebastian ist weiterhin ein robuster und flexibler Defensivspieler, der wohl am besten auf die Innenverteidigerposition passt. Wo seine Nachteile in Sachen Dynamik nicht so zum Tragen kommen, wie rechts außen und wo man nicht ganz so viele Qualitäten im Spielaufbau braucht, wie auf der Sechs. Sebastian macht seine Sache meist nüchtern, solide und unaufgeregt. Eben ganz wie einer, der ein ziemlich kompletter Innenverteidiger und schon sehr lange im Geschäft ist. Sebastian ist definitiv einer, auf den man zumindest als Backup auch nächste Saison noch voll vertrauen kann.

Georg Teigl (23 Jahre, 13 Spiele, Hinrunde: 0 Minuten, Rückrunde: 929 Minuten): Kam in der Winterpause als Neuzugang für die Außenverteidigerposition. Offensiv, wenn sich die Räume ergeben, mit seiner Geschwindigkeit eine Waffe. Defensiv mit eben dieser Geschwindigkeit auch in der Lage, gefährliche Situationen durch Ablaufen des Balls zu lösen. Deutliche Probleme hatte Teigl defensiv in Luftduellen und in Eins-gegen-Eins-Situationen, bei denen es eigentlich fast immer einer Absicherung bedurfte. Offensiv verbesserungswürdig die Qualität der Flanken und Pässe in den Strafraum. Georg Teigl ist sicherlich ein Spieler mit viel Potenzial, bei dem sich die Frage stellt, ob das Experiment Außenverteidigung (kam ja eigentlich aus der Offensive) weitergeführt werden sollte oder nicht. Falls er in Sachen Zweikampfführung einen Sprung wie Heidinger machen könnte, dann wäre Teigl jedenfalls ein sehr guter Außenverteidiger.

Anthony Jung (22 Jahre, 25 Spiele, Hinrunde: 1191 Minuten, Rückrunde: 642 Minuten): Im Saisonverlauf ein wenig der Verlierer im Team. War zu Beginn der Spielzeit absolut gesetzt als linker Außenverteidiger und stand dann lange hinten an, bevor sich am Ende der Saison ein paar Chancen von Beginn an ergaben. Spielte dann nicht nur Außenverteidiger, sondern auch im zentralen Mittelfeld. Hat einen sehr feinen linken Fuß, wie er beim 1:0-Siegtreffer gegen Darmstadt wieder mal bewies und verfügt über viel Potenzial/ Talent. Was er einmal über längere Zeit abrufen müsste. Insgesamt die große Frage, ob er in der zweiten Liga den nächsten Schritt machen und sich durchsetzen kann. Dürfte aber schwierig sein, denn als Linksverteidiger fehlt ihm unter Umständen etwas die Dynamik und im Mittelfeld die ganz große spielerische Klasse.

Tobias Willers (27 Jahre, 19 Spiele, Hinrunde: 1046 Minuten, Rückrunde: 449 Minuten): Wie Jung in der Rückrunde etwas abgerutscht. Wobei er das Pech hatte, im Spiel in Erfurt am 24.Spieltag eine eher umstrittene rote Karte zu sehen und anschließend nicht mehr am gesetzten Verteidiger-Duo vorbei zu kommen. Das beeindruckende an Willers ist, dass er sich trotz dieser schweren und unverschuldeten Situation nie hängen ließ und auch als Bankspieler immer präsent und anfeuernd aktiv war. Genau als Motivator von außen zeigte er seine enorme Bedeutung fürs Team, die zu seinen Fähigkeiten als Innenverteidiger, die zumindest auf Augenhöhe mit den anderen sind, noch dazu kommen. Könnte sicherlich seine Stärken im Spielaufbau noch besser auf den Platz bringen.

Fabian Franke (25 Jahre, 23 Spiele, Hinrunde: 812 Minuten, Rückrunde: 547 Minuten): Stand insgesamt im Saisonverlauf ein wenig hinter den anderen zurück. Im letzten Spiel der Hinrunde mit böser Gesichtsverletzung raus. Fiel dann am 25.Spieltag gegen Wehen Wiesbaden noch einmal verletzt aus und kam anschließend nur noch zu Teilzeiteinsätzen. Franke ist weiterhin der vermutlich beste Zweikämpfer im Team, der allerdings im Saisonverlauf auch einige individuelle Schnitzer bei der defensiven Ballverarbeitung zeigte. Problematischer allerdings weiterhin (und je höher es in den Ligen geht, umso schwieriger wird es) die technischen Probleme beim Spielaufbau, mit denen er hinter seinen Kontrahenten zurückbleibt und wegen derer Frankes Chancen, sich in der Innenverteidigung zukünftig noch einmal durchzsusetzen, nicht ganz so gut sind.

Mikko Sumusalo (24 Jahre, 2 Spiele, Hinrunde: 0 Minuten, Rückrunde 80 Minuten): In der Winterpause nach Leipzig gekommen und anschließend wegen Verletzungen erst einmal lange ausgefallen. Anschließend kämpfte er um Anschluss an System und Team, was angesichts der fehlenden Zeit in der Wintervorbereitung und in den ersten Spielen 2014 ziemlich schwierig und aussichtslos war. Kam letztlich zu zwei Einsätzen, davon einen Startelfeinsatz im letzten Saisonspiel gegen die Stuttgarter Kickers, auch ein Signal, dass man auf Sumusalo für die Zukunft setzt. Scheint alles in allem (auch sprachlich) noch nicht so gut integriert zu sein im Team. Das dürfte aber Grundvoraussetzung für hervorragende Leistungen sein.

Christian Müller (30 Jahre, 9 Spiele, Hinrunde: 627 Minuten, Rückrunde: 0 Minuten): Der große Pechvogel im Team, der sich im Trainingslager bei einem Testspiel eine Horrorknieverletzung zuzog, von der er sich bis jetzt noch nicht erholte. Ganz im Gegenteil steht laut BILD nun erstmal die zweite Kreuzband-OP an. Eine Fortsetzung der Karriere gehört jedenfalls gerade nicht zur zukunftsnahen Agenda, wenn es denn überhaupt jemals dazu kommen sollte. Für Christian Müller, der in der Hinrunde noch versuchte, um seinen Stammplatz zu kämpfen, sicherlich ganz bitter. Man kann nur hoffen, dass RB Leipzig ihm ein Angebot über die Saison hinaus macht, das ihm einen Weg in eine Zukunft mit oder ohne Sport weist.

Fazit

Wenn man mal nur die Einsatzzeiten nimmt, dann lief RB Leipzig in der Rückrunde in der defensiven Stammformation Bellot – Teigl, Hoheneder, Sebastian, Heidinger auf. Also mit drei Spielern, die man vor der Saison nicht auf der Agenda gehabt hätte und einem Neuzugang, der vorher nie Außenverteidiger spielte. Dass man mit dieser Formation im Verlauf der Rückrunde defensiv so unheimlich stabil spielte (auch wenn man den Beitrag auch der anderen Spieler nicht vergessen darf) und in 19 Spielen nur 12 Gegentore kassierte (was dem Schnitt von Heidenheim über die Saison entspricht) nach 22 in den 19 Spielen zuvor, ist sehr erstaunlich und spricht auch dafür, dass RB Leipzig im Laufe der Saison eine ansprechende Balance zwischen Offensivspiel und defensiver Sicherheit gefunden hat.

Insgesamt ist die Verteidigung ein Mannschaftsteil, in dem die von Rangnick gewünschten Kriterien jung und entwicklungsfähig nicht allzu umfassend anzutreffen sind. Der jüngste Spieler ist mit Georg Teigl schon 22. Dazu viele Spieler mit dem Erfahrungsschatz der Generation zwischen 27 und 30. Das muss gar nicht schlimm sein, es ist im Vergleich mit anderen Mannschaftsteilen nur auffällig. Und es stellt sich die Frage, ob es diesbezüglich im Sommer eine Verjüngung gibt oder ob man defensiv weiter eher mit Erfahrung statt mit enormer Jugendlichkeit arbeitet.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche, Sven Sonntag

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