Schlüsselmomente

Rund um das Spiel gegen den 1.FC Saarbrücken war eine der meistgestellten Fragen im Umfeld von RB Leipzig jene nach den Schlüsselmomenten der Saison. Also jene speziellen Augenblicke, in denen sich die Weichen Richtung Aufstieg stellten. Ein Frage, die von den Vereinsverantwortlichen im Vorfeld der vorentscheidenden Aufstiegspartie nicht beantwortet werden wollte. Eine Frage auch, die verschiedenste Anworten von jedem einzelnen Spieltag liefern könnte.

Ohne saisonbeschließenden Analysen und Rückblicken schon im Detail vorzugreifen, seien an dieser Stelle eine Handvoll Spiele benannt, dank derer die Saison in die letztlich erfolgreiche Richtung lief. Als da schon der erste Spieltag und der Ausflug nach Halle war. Als Neuling in der dritten Liga mit der entsprechenden Unsicherheit über das eigene sportliche Vermögen, wenig Sommerpause, Auswärtsspiel vor ausverkauftem, wenig freundlichem Haus. Diese Herausforderung mit einem – trotz aller Wackler und trotz in jener Saisonphase schwacher Gastgeber – 1:0-Auswärtssieg relativ souverän zu lösen, gab erstens Selbstsicherheit in Bezug auf das eigene Können und zweitens Ruhe in Bezug auf den weiteren Saisonverlauf.

Das nächste Ausrufezeichen folgte einer durchwachsenen Phase mit guten Spielen (VfB, Kiel, Osnabrück) und schlechten Spielen (Wiesbaden, Elversberg, Unterhaching). Zu einem Zeitpunkt als völlig offen war, in welche Richtung sich die Saison entwickeln würde. Acht Punkte Rückstand hatte RB Leipzig auf den überlegenen Spitzenreiter Heidenheim, bevor man am 12.Spieltag bei eben diesem antreten musste und bei einer Niederlage bis auf Platz 9 durchgereicht worden wäre. Und ausgerechnet in dieser Situation spielte man vor ziemlich vollem Haus und 400 mitgereisten Fans die bis dato beste Partie der Saison und gewann in Heidenheim mit 2:0. Brachte einerseits das Wissen, in dieser Liga gegen jeden bestehen zu können und tabellarische Ruhe.

Der nächste Big Point war die Partie beim SV Darmstadt, die bei einem Sieg am 16.Spieltag an RB hätten vorbeiziehen können. Und 90 Minuten lang alles versuchten, um die Gäste zu besiegen. Doch in einer der unter Zorniger seltenen Abwehrschlachten war es vor allem die Innenverteidigung, die entscheidend dazu beitrug, dass hinten die Null stehen blieb, sodass vorn Dominik Kaiser Mitte der zweiten Halbzeit einen phänomenalen Fernschuss zum von 350 Gästefans bejubelten Sieg setzen konnte. Ein Spiel, das wichtig für die Tabelle war, das aber auch zeigte und das Selbstvertrauen brachte, dass man Spiele auch mal untypisch und ohne 90minütige Dominanz im Spiel gegen den Ball gewinnen kann. Ein Spiel, das die letzte Gewissheit gab, dass in dieser Saison alles drinliegt.

In der Rückrunde war das vielleicht wichtigste Schlüsselspiel eines, das man verlor. Nämlich die Partie in Duisburg am 23.Spieltag, die man unglücklich in letzter Minute abgab, in der man sich aber nach einer desaströsen 0:1-Pleite gegen Burghausen eine Woche zuvor das Vertrauen zurückholte, dass man in der Rückrunde genauso gut spielen könne wie in der Hinrunde. Eine Erkenntnis, die so viel Selbstvertrauen zurück brachte, dass man in der Folge sechs Siege am Stück landete und bis heute nicht mehr verlor. Gleichzeitig wurden durch die Niederlage in Duisburg aber auch noch mal Konzentration und Sinne geschärft, sich die eigene Arbeit nicht durch Leichtsinnsfehler (wie den durch Kimmich vor dem ersten Duisburger Treffer) kaputt zu machen.

Wenn man sich aus der Restsaison noch was herauspicken will, dann sicherlich das 1:0 gegen Darmstadt, mit dem man sich eine gute Tabellenposition erkämpfte. Fast noch wichtiger allerdings das routinierte 1:0 in Rostock eine Woche später unter dem Druck, fast schon gewinnen zu müssen, weil Darmstadt am Abend zuvor auch gewonnen hatte. Ähnlich wie in Halle hat RB Leipzig aber auch hier unter nicht einfachen Rahmenbedingungen sehr viel richtig gemacht, verdient gewonnen und letztlich den Aufstieg praktisch an der Ostseeküste gesichert.

Wenn man nur bei spielbezogenen Schlüsselmomenten bleiben will (alles weitere wird sich in den nächsten Tagen und Wochen in entsprechenden Rückblicken noch finden), dann hat man (wenn man mal von einigen zum Schluss noch umgebogenen Partien absieht) mit den oben genannten sechs Spielen wohl die zentralen Eckpfeiler der Saison versammelt. Nicht von ungefähr sind fünf dieser Partien Auswärtsspiele mit jeweils durchaus großen Kulissen gewesen.

Klar, es gab auch unansehnliche Auswärtsniederlagen (Elversberg, Chemnitz), aber ingesamt setzten die RasenBallsportler ihre Big Points mit Vorliebe auswärts, also in besonderen Drucksituationen. Der Schlüssel zum Aufstieg wurde also – quasi als Belohnung für die Auswärtsfahrer – auf des Gegners Plätzen eingesammelt, aufgeschlossen wurde die Tür dann passenderweise – und damit alle was davon haben – vor mehr als 40.000 Zuschauern zu Hause.

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3 Gedanken zu „Schlüsselmomente“

  1. von dieser saison wird mir mit am meißten das geniale tor von frahn beim 1:0 in halle in erinnerung bleiben… das kann ich mir immer wieder anschauen

  2. Großartig! Der letzte Akt in diesem Schauspiel, der Vorhang fiel zuhause im eigenen Stadion. Wir müssen dem Fußballgott dafür danken, denn alle noch denkbaren Alternativen wären aus jetziger Sicht zu grausam gewesen (Aufstieg auswärts in Stuttgart, Relegation gegen Dresden…) So hat sich dieses Glücksmoment tief in Gedächtnis und Seele eingebrannt. Bei den Spielern, den Trainern, den alten und den neuen Fans, zu denen diese Saison so viele hinzugekommen sind. Ich jedenfalls bin immer noch berauscht.

  3. Es ist natürlich logisch, dass man bei der Aufzählung der „Schlüsselmomente“ einer gerade übererfolgreich abgeschlossenen Saison (ein unbedeutendes Spiel fehlt noch) zuerst an die besonders positiven Situationen denkt, die den Verein auf die schon lang ersehnte „Aufstiegsstraße“ brachten.
    Andernsseits sollten aber zur gleichen Zeit ebenso alle hier ungenannten, doch überall bekannten Spieler eine große Aufmerksamkeit erhalten, die im Training oder Wettkampf innerhalb von ganz kurzen „unglücklichen „Momenten ihren Traum des weiteren Dabeiseins plötzlich begraben mussten, weil sie durch schwere und langwierige Verletzungen ausgefallen sind.

    Völlig unbeobachtet müssen sich diese, fern von ihren Mannschaftskameraden, aber von tüchtigen Betreuern umgeben, nach und nach wieder vorsichtig „herankämpfen“.
    Sie gehören einfach genauso dazu, auch, wenn derzeitig die „Aufstiegshelden“ gefeiert werden!

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