Gegen den Trend

Mit dem SV Darmstadt stellte sich am Samstag jenes Team in Leipzig vor, das das besteingespielteste Team der Liga ist. Zumindest statistisch. Denn im Vergleich mit allen anderen Teams der Liga standen die elf meisteingesetzten Spieler der Lilien im Saisonverlauf deutlich am längsten auf dem Feld.

Während anderswo also das eine oder andere Experiment vonstatten ging, stand in Darmstadt fast für die gesamten 35 bisherigen Spieltage das gleiche Team auf dem Feld. 79 der 90 Minuten Spielzeit verbrachte das Stammteam im Schnitt pro Spiel zusammen. Das sind sieben Minuten mehr als beim zweitplatzierten Team in dieser Statistik, dem 1.FC Heidenheim.

Für beide Mannschaften gilt, dass man sich ihren Erfolg ein ganzes Stück aus klaren Kaderstrukturen und keinen größeren Verletzungen erklären kann. Was auch damit zusammenpasst, dass beide Teams im bisherigen Saisonverlauf jeweils nur 20 unterschiedliche Spieler in der Startelf stehen hatte.

Ganz anders sieht es derweil bei RB Leipzig. Hier stand die Stammelf im Schnitt lediglich 60 Minuten zusammen auf dem Feld. Also 19 Minuten weniger als bei den Hessen. Dass dies über die Saison gesehen auch ein wenig zulasten der Eingespieltheit gehen muss, scheint klar zu sein. Erklärt wird die Zahl einerseits durch langwierige Verletzungen (Coltorti, Ernst, Müller), durch einen enorm ausgeglichen besetzten Kader und auch durch einen Umbau am Kader im verganenen Sommer, aber auch im Winter.

Der Umbau des Kaders hin zu einem zweitligatauglichen erfolgt hier auf Kosten der Eingespieltheit, mit der man kurzfristig wie Darmstadt eventuell noch ein paar zusätzliche Prozente Leistungsfähigkeit herauskitzeln könnte, aber mittelfristig die Weiterentwicklung fehlen würde. Insgesamt 26 Spieler, die für RB Leipzig in dieser Saison bereits in der Startformation standen, belegen den weitergehenden Umbau und die damit verbundenen Kaderschwankungen. Positiv ausgedrückt: Jeder bekommt mal die Chance, sich zu zeigen und als wichtiger Bestandteil der Mannschaft dauerhaft zu positionieren.

[Startspieler = Anzahl der Spieler je Verein, die in 2013/2014 mindestens einmal in der Startelf standen; Torbeteiligte = Anzahl der Spieler je Verein, die in 2013/2014 an mindestens einem Tor als Schütze oder Vorbereiter beteiligt waren; Stammelf = Zeit in Minuten, die die 11 meisteingesetzten Spieler je Verein im Durchschnitt pro Spiel auf dem Feld standen.]

Aktueller PlatzTeamStartspielerTorbeteiligteStammelf
11.FC Heidenheim201772
2RB Leipzig262160
3SV Darmstadt 98201579
4SV Wehen Wiesbaden251468
5VfL Osnabrück251865
6MSV Duisburg221466
7Stuttgarter Kickers281566
8Preußen Münster221662
9Hallescher FC241465
10Hansa Rostock231567
11Rot-Weiß Erfurt251765
12Jahn Regensburg241965
13Chemnitzer FC 241766
14BVB II311764
15Holstein Kiel231567
16VfB Stuttgart II301860
17SV Elversberg301661
18SpVgg Unterhaching251865
191.FC Saarbrücken322058
20Wacker Burghausen271566

Viele Spieler einzusetzen ist bei zweiten Mannschaften nichts ungewöhnliches. Erstens, weil junge Spieler in ihrer Entwicklung schwanken und entsprechend immer mal ersetzt werden. Zweitens, weil Spieler von den Profis immer mal runterkommen, um Spielpraxis nach Verletzungen zu sammeln. Zweite Mannschaften sind per se Probebühnen, das erkennt man auch immer an der Zahl der eingesetzten Spieler. Trotzdem hat es vor allem der BVB geschaft, insoweit klare Strukturen im Kader zu haben, dass man mit der gemeinsamen Einsatzzeit der Stammelf nah am Durchschnitt der Liga dran ist.

Gar nicht nah dran am Durchschnitt ist man im Saarland. Also sowohl in Saarbrücken, als auch in Elversberg, wo man nicht nur viele, viele Spieler getestet hat, sondern noch dazu keine Stammelf als Gerüst hatte. Während in Saarbrücken Sasic mal eben den Kader komplett umkrempelte, versuchte es Hirsch in Elversberg professionell und wechselte nach Herzenslust Spieler aufgrund taktischer Erwägungen. Vergleichsweise erfolglos blieben beide mit ihren Methoden. Und sind deshalb auch schon wieder weg.

Letztlich könnte man anhand der Statistiken behaupten, dass es einen Zusammenhang zwischen Einsatzzeiten der Stammelf/ eingesetzten Spielern und tabellarischem Erfolg gibt. Wobei sich da natürlich auch die Frage stellt, was zuerst da war, der Erfolg oder die Kaderruhe. Letztlich könnte man jedoch postulieren, dass der sportliche Erfolg umso größer ist, je mehr Zeit die Stammelf zusammen auf dem Spielfeld stand und je weniger Spieler man eingesetzt hat.

Dieser These widersprechen nur Kiel und RB Leipzig erheblich. Kiel ist das einzige Team aus dem unteren Tabellendrittel, das in Sachen Eingespieltheit (den Zahlen nach) eigentlich zum oberen Tabellendrittel gehört. Woraus man lesen könnte, dass man in Kiel praktisch das Optimum aus dem Team holt und mehr halt nicht drin ist.

Bei RB Leipzig ist es genau andersherum. Kadertechnisch ist es relativ unruhig und unkonstant. Und trotzdm steht man aktuell auf Platz 2 der Tabelle. Was nur bedeuten kann, dass das Team qualitativ sehr tief besetzt ist und es in der Mannschaft nur wenig Missgunst gegenüber dem Mitspieler gibt. Denn bei der Fluktuation, die sich in den RB-Zahlen andeutet, muss man sich darauf verlassen können, dass auch Nummer 18, 19 oder 20 im Kader im Fall der Fälle funktionieren. Bisher tun sie das auch ganz gut.

Letztlich schwimmt RB Leipzig damit gegen den Strom. Im Gegensatz zu den Kämpfen mit Chemnitz und Halle, die auch jeweils gut eingespielte Teams mit einer überschaubaren Anzahl von eingesetzten Spielern hatten, als RB auch an diesen eingespielten Formationen scheiterte. Drei Spiele haben die RasenBallsportler noch, um mit zwei Siegen zu beweisen, dass man auch mit dieser Taktik gut aufsteigen kann. Und da der Umbau nach einem möglichen Zweitligaaufstieg weiter ginge, könnte man sich für die kommende Saison entsprechend schon mal auf eine weiterhin große Fluktuation einstellen. Also, wie immer, nur dass man es inzwischen auch kann..

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