3.Liga: Jahn Regensburg vs. RB Leipzig 0:3

Wenn bei RB Leipzig unter Coach Alexander Zorniger in den letzten knapp zwei Jahren eine Qualität gewachsen ist, dann die, auch unter Druck erfolgreich Fußball zu spielen. Immer wenn man mal das Gefühl hatte, dass nun eventuell eine Negativserie anstehen könnte, die zurückwirft, dann hat man auch immer wieder mal mehr, mal weniger überzeugende Siege eingefahren. Das Auswärtsspiel bei der Hertha vor einem Jahr fällt da ein. Auch das Spiel in Heidenheim im letzten Herbst war ein solches Spiel.

Das Spiel in Regensburg war nach zwei Unentschieden in Folge von ähnlichem Kaliber. Vor allem weil der Kampf mit Darmstadt um Platz zwei ein ziemlich enger ist. Und entsprechend die Spiele gerade gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte fast schon mit Siegzwang versehen sind. Denn letztlich wird sich wohl jene Mannschaft den zweiten direkten Aufstiegsplatz neben Heidenheim sichern, die die wenigsten Fehler in Form von Punktverlusten macht.

In diesem Sinne war der Sieg in Regensburg am Ende einer kraftraubenden englischen Woche ein wichtiger und respektabler, weil man dem Druck standhaltend, ein nicht einfaches Auswärtsspiel zu gewinnen. Denn das klare Endergebnis täuscht ein wenig darüber hinweg, dass RB Leipzig gegen einen giftigen Gegner, der spätestens nach der Pause seine spielerischen Qualitäten mehr als nur andeutete, aber vor dem Tor zu ungenau agierte, auch viel Mühe hatte und nur phasenweise zu überzeugen wusste.

Dabei spielte die frühe Führung nach nicht einmal einer Minute durch Daniel Frahn nach Jahn-Abwehrfehler RB Leipzig enorm in die Karten. Dazu noch ein direkt verwandelter Freistoß von Anthony Jung, der dabei zum zweiten Mal nach dem Heimspiel gegen Duisburg im vergangenen Sommer seinen feinen linken Fuß zeigte und ein Kopfballtor von Niklas Hoheneder, der damit seinen Torfluch brach, nach Freistoß und fertig war der klare Sieg.

Tore aber auch, die so und wie die ersten beiden so früh nicht jede Woche fallen und mit denen sich die RasenBallsportler gnadenlos effektiv zeigten. Sprich, es war kein 3:0, bei dem RB Leipzig den Kontrahenten nach den Regeln der Fußballkunst zerlegte, sondern ein 3:0, bei dem alles für die Gäste lief. Vorn gingen die wenigen Bälle, die man hatte rein und hinten verteidigte man mit Glück und Geschick gerade in Hälfte 2, als die Gastgeber alles auf eine Karte setzten, die Null.

Klar darf man über dieses 3:0 nicht vergessen, dass man bei RB Leipzig spielerisch sicherlich schon bessere Tage gesehen hat. Und man sollte auch in den nächsten Spielen versuchen, an diese besseren Tage anzuknüpfen. Auf der anderen Seite kommt es in der Endphase der Saison vor allem darauf an, Siege mitzunehmen. Und da ist ein 3:0 in Regensburg, die über eine starke Offensive verfügen und in ihren Heimspielen gegen Heidenheim und Darmstadt insgesamt vier Punkte sammelten, sicherlich ein Resultat, das man sofort abnicken kann.

Positiv in die Karten neben dem frühen 1:0 durch Frahn spielte da sicherlich auch, dass RB Leipzig mit Kimmich, Demme und Heidinger gleich drei Spieler in die Mannschaft werfen konnte, die unter der Woche gegen Heidenheim noch ausgefallen und entsprechend auch relativ frisch waren. In einer englischen Woche, die für ein Pressingteam wie RB noch mal besonders anstrengend ist, ganz sicherlich kein unwesentlicher Vorteil.

Mit kleinen Sorgenfalten darf man diesbezüglich festhalten, dass die RasenBallsportler in Regensburg wie schon gegen Heidenheim in der zweiten Halbzeit konditionell und entsprechend läuferisch nachließen. Was bei einem System wie dem von RB Leipzig sofort bedeutet, dass man dem Ball hinterherläuft, weil man nicht in die Zweikämpfe kommt und ergo der Gegner einige Räume zum spielen bekommt. Dass die Mannschaft sechs Spieltage vor dem Ende schon ordentlich auf dem Zahnfleisch zu kriechen scheint, ist jedenfalls eher suboptimal.

Überraschen konnte vor dem Spiel die Formation zumindest auf einer Position, denn Sebastian Heidinger war nicht etwa für Anthony Jung an angestammte Stelle wieder zurück ins Team gekehrt, sondern rückte auf die Rechtsverteidigerposition, wo er Georg Teigl verdrängte, der deswegen sogar aus dem Kader rutschte. Was für den 23jährigen Winterneuzugang, der bisher nur einmal verletzt fehlte und ansonsten immer in der Startformation stand, sicherlich eine schwere Entscheidung war.

Andererseits war es auch direkte Folge der positiven Sicht von Zorniger auf die Form von Anthony Jung und der daraus resultierenden Entscheidung, auf Jung nicht verzichten zu wollen. Da Heidinger aufgrund guter Leistungen in den letzten Wochen auch nach seiner Gelbsperre gesetzt blieb, musste es Teigl erwischen.

Und in Sumusalo sah der Trainr offenbar den besseren, weil beidseitig einsetzbaren Backup für die Außenverteidigung als in Teigl. Was den Nebeneffekt hatte, dass der Winterneuzugang Sumusalo als Einwechsler zu seinen ersten Drittligaminuten im RB-Dress kam. Nach einer verletzungsbedingt schwere Startphase in Leipzig sicherlich ein kleiner Lichtblick für den Finnen.

Ansonsten blieben die Kaderentscheidungen im erwartbaren Rahmen. Die einzige fragliche Position, die noch übrig blieb, besetzte letztlich Tim Sebastian, der für Fabian Franke zurück in die Innenverteidigung rutschte. Inwiefern diese Entscheidungen gegen Teigl und gegen Franke dann auch nächste Woche gegen Chemnitz stehen, muss man abwarten. Angesichts der Tatsache, dass Jung gelbgesperrt ausfallen wird, wird Teigl zumindest wieder in den Kader rutschen.

Abwarten muss man auch, wie sich der Aufstiegskampf entwickelt, denn am siebtletzten Spieltag marschierten die drei Topteams im Gleichschritt, sodass Heidenheim, die sich zu einem schweren 2:1 nach Rückstand gegen Erfurt kämpften, nun nur noch sechs Spieltage hätte, um neun Punkte auf Platz drei und Darmstadt zu verspielen. Was beim besten Willen nur schwerlich denkbar ist.

Denkbarer ist es da schon, dass RB Leipzig noch die drei Punkte Vorsprung auf Darmstadt, die einen klaren 4:1-Erfolg gegen Halle und ihren Torjäger Dominik Stroh-Engel für seine Saisontore 25 und 26 (in 30 Spielen!) feierten, verspielt. In den nächsten Wochen ist in diesem Duell so einiges an Szenarien denkbar. Und vieles dürfte dabei auch am direkten Duell am 19.04. in Leipzig hängen.

Fazit: Der Sieg von RB Leipzig in Regensburg war sicherlich nicht zu 100% überzeugend und offenbarte wie schon das Spiel gegen Heidenheim ein Nachlassen in der zweiten Halbzeit aufgrund schwindender Kräfte. Trotzdem kann man zufrieden sein, wenn man mit viel Effektivität den höchsten Saisonsieg herausgeschossen, allemal auch einen verdienten Sieg errungen und den Abstand auf Platz drei gewahrt hat. Sodass man es gegenüber dem heißesten Team der Stunde, den SV Darmstadt weiterhin selbst in der Hand hat, den Aufstieg auf direktem Wege klar zu machen. Sechs solcher Schritte wie den in Regensburg braucht man noch..

Randbemerkung: Das Spiel in Regensburg war das zweite der Saison, das meinerseits in Sachen Liveverfolgung einer Familienfeier zum Opfer fiel. Und das erste, bei dem nicht einmal das Verfolgen des Livestreams möglich war. Deshalb diesmal nur die allgemeinen Betrachtungen zum Spiel wie oben. Und ab kommender Woche bis zum Saisonende gibt es nach den Spielen wieder die gewohnt detaillierte Fassung der Analyse.

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Tore: 0:1 Frahn (1.), 0:2 Jung (20.), 0:3 Hoheneder (85.)

Aufstellung: Bellot – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Jung – Fandrich (78. Sumusalo), Demme, Kimmich (68. Röttger) – Poulsen (82. Franke), Frahn

Zuschauer: 4.022 (davon 400 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], Jahn-Bericht [broken Link], Kicker-Bericht

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11 Gedanken zu „3.Liga: Jahn Regensburg vs. RB Leipzig 0:3“

  1. Schöner Text, kann man so stehen lassen. Regensburg ist in jedem Fall eine Reise wert. Schlechtes Timing deinerseits, gibt da Spiele, die man eher verpassen kann. 😉 Aber Familie geht natürlich vor.
    Wenn es auch nicht das beste Spiel der Rasenballer war, war es doch unterhaltsam.
    Super Wetter, entspannte Anreise, vorher noch ein Stadtbummel. Herz was willst du mehr.

    1. Auf den Stadtbummel hatte ich mich eigentlich auch schon gefreut vor der Saison. Naja, hat nicht sollen sein..

  2. Das, was ich in Teilen per Livestream verfolgen konnte, war in der 1.HZ gut anzusehen.
    In der 2.HZ war dann Schluss. Kraftlos brachte man den Sieg über die Runden.
    Besser als ein überzeugendes Unentschieden, ohne die Mängel unter den Tisch kehren zu wollen.
    Weiterhin gilt, wir haben selbst in der Hand. Und Glück’wird es ebenso brauchen, und davon eine ganze Menge!

  3. im livestream war zu sehen, dass in der 2. Halbzeit RB die Regensburger nicht mehr somernst nahmen. Leider war nach eigenem Ballgewinn kein Plan da, wie es weiter gehen sollte. Schon nach dem 2:0 war das Spiel gelaufen, Jahn limitiert.

  4. Also ich bin gerade bisschen erstaunt über die Spielkritik.
    Ich habe den Livestream verfolgt. Das was RB in der 2. Halbzeit da abgegeben hat war einfach nur grottenschlecht. Auch wenn man manches mit „schwindenden“ Kräften erklären könnte so kann ich das heute nicht so stehen lassen.
    Auch Regensburg hatte englische Woche. Und die vielen Fehlpässe und hoch in den Strafraum – in der 2. Halbzeit hatte RB bis auf das Tor keine einzige ernstzunehmende Chance.
    Tut mir leid, aber das ist für die Mannschaft die direkt aufsteigen will einfach zu schlecht. Schon im Hinspiel gegen Regensburg war es eine miserable Leistung. Dass Herr Zorniger in der Pressekonferenz gestern das Spiel anders gesehen und kommentiert hat irritiert mich. Hätte ich von ihm nicht gedacht. Er muss doch gemerkt haben dass RB in der 2. Halbzeit wie ein Absteiger gespielt hat. Es gab keine zwingende Torchance – jeder Ball ging verloren und wenn Regensburg Anfang der 2. Halbzeit gleich ein Tor macht – die hatten einige Chancen, dann wäre das Spiel ganz bestimmt gekippt. Es war einfach grottenschlecht was da gekickt wurde!
    Sorry, ich hoffe nur dass es für den Aufstieg reicht – die Fans, die Stadt und der Verein haben es verdient mit der Infrastruktur und der Fußballbegeisterung.
    Aber so richtig überzeugt hat mich RB in der Rückrunde wirklich noch nicht. (außer das Stuttgart II-Spiel in Stuttgart)
    Wenn RB so weiterspielt wird es ganz schwer noch Zweiter zu bleiben!

    1. Dem gibt es nichts hinzuzufügen, heute bin ich mal nicht der „Böse“ hier, das tut gut.
      Ein strukturloseres Spiel wie in der 2. HZ habe ich selten gesehen, meine Theorien dazu sind bekannt. War z. B. Röttger wirklich auf dem Platz?

    2. Wenn man wie „ein Absteiger spielend“ gegen eine der besten Heimmannschaften der Liga 3:0 gewinnt (und das nach dem brutal forderndem Spiel gegen den verdienten Spitzenreiter) ist mir nicht bange. Auch wenn einige am Ende klinisch tot wirkten.

      Regensburg ansonsten eine hübsche Stadt und herrlichstes Sommerwetter. Nach Kultur mit Walhalla und Dom in die malerische Innenstadt und dann noch ein Auswärtssieg und Ausklang im Kaffeehaus – so macht das Wochenende an Naab und Donau Spaß.

  5. War leider auch etwas enttäuscht vom Spiel. Alex Zorniger redet ja oft antizyklisch, daran kann man sich ja schnell gewöhnen. Wenn es richtig gut läuft, bremst er und nach so einer Leistung wie Samstag redet er sie stark. Wie die zweite HZ aussah, wurde ja schon ein paar mal beschrieben, das Spiel haben sie eher nicht aktiv gewonnen, Regensburg hat eher aktiv verloren, aber das AZ da ruhig bleibt, kann man eben auch verstehen.
    Für uns bleibt es spannend, wobei mich wie immer der Aufstieg nicht so stark interessiert wie ein schön gespielter Spielzug. Aus der Warte hoffe ich aufs nächste Spiel :-).

  6. Naja – schöne Spielzüge gab es sehr wohl…allerdings nicht in der zweiten Halbzeit. Nach der Anfangsviertelstunde die RB sowieso meist verschläft (und trotz allem das Tor macht) erwachten die Spieler so langsam und steigerten sich bis zur Pause kontinuierlich – was allerdings nach dem Pausentee passierte ist mir unerklärlich und nicht nur mit schwindenden Kräften zu erklären – kein Zuspiel, Pass, langer Ball oder überhaupt irgendetwas was auch nur im Ansatz über die Mittellinie kam fand seinen Weg in einen Entlasstungsangriff – zwei Zuspiele die überhaupt ankamen – eines davon hatte den Freistoß zum 3:0 als Folge, ich weiß nicht so recht ob man den Hut ziehen soll, ob des unterunterunterirdischen Spiels in HZ 2 hier als Sieger vom Platz zu gehen – oder ob einem eher Angst und Bange werden soll weil unserem Team im Endspurt die Luft auszugehne scheint…ich hoffe ersteres sonst wird das schon am Samstag eine ganz harte Nuss – ganz zu schweigen die kompletten nächsten 6 Spieltage…:O

  7. Spielerisch war das insgesamt leider eine Katastrophe. Gut, es gab ein paar nette Spielzüge in der ersten Halbzeit, die aber in der Regel dann nicht zum Torabschluss führten. Die zweite Hälfte war kaum zu ertragen. Nun verwundert es mich nicht, dass Trainer die Sache gern anders sehen. Ich schiebe das oft auf die ebenerdige Sicht am Spielfeldrand, die emotionale Lage und auf übergeordnete Funktionen wie z.B. als Motivator. Trotzdem hat mich erstaunt, dass Zorniger die schnellen Ballverluste eher positiv bewertete. Denn nach der Balleroberung sollte schnell in die Spitze gespielt werden. Dieses System wird gegen einen etwas effektiveren Gegner jedoch ganz böse in die Hose gehen. Vor allem wenn die Kondition in Hälfte zwei derart am Boden ist wie die bei RB.

    Apropos Effektivität: Die habe ich bei RB noch nie als Grundtugend ausgemacht. Insofern hat das 3:0 in Regensburg meines Erachtens auch mit viel Glück zu tun. Glück, dass dieser erste lange Pass so gut ankam (war ja auch fast der einzige). Glück, dass Jung einen Freistoß schießen durfte, der einfach keiner war. Glück, dass Regensburg seine trotz guter RB-Innenverteidigung vorhandenen Chancen zu kläglich vergeben hat. Klar, ist schön, auch solche Spiele mal zu gewinnen. Aber beruhigend ist das im engen Aufstiegskampf eher nicht.

  8. Nun ja Leute, seht´s mal nicht zu schwarz, eine „Katastrophe“ war das Spiel in meinen Augen nicht. Wir sind immerhin in der Dritten Liga. Hätte RB ein überragendes Spiel gezeigt aber unentschieden gespielt oder gar verloren, wäre das Gezeter auch wieder groß gewesen („Die sind gut aber kriegen den Ball nicht ins Tor!“). Dann doch lieber schlecht gespielt und 3:0 gewonnen. Es gibt halt auch diese „dreckigen“ Siege, in anderen Mannschaften läuft das ganz genau so. Selbst Heidenheim kickt nicht immer erstklassig (Heidenheim 9 Punkte / Leipzig 14 Punkte in den letzten 6 Spielen).

    Da es kaum einer erwähnt hat tu ich es mal: Der Freistoß zum 3:0 gegen Regensburg war perfekt geflankt und per Kopf verwandelt! Bitte vergesst bei aller Kritik nicht solche Lichtblicke…

    Nächste Saison empfangen wir den HSV im Zentralstadion, Ihr werdet´s sehen :-).

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