Nur scheinbar mausgrau

[Anmerkung: Eine Pressekonferenz und entsprechend einen Liveticker davon wird es vor der Partie von RB Leipzig bei Jahn Regensburg (29.03.2014, 14 Uhr) aufgrund der engen Zeitabstände in der englischen Woche nicht geben.]

Und weiter geht es. Gestern noch irgendwie zwischen Zufriedenheit über den Punkt und Unzufriedenheit über den verpassten Big Point im Spiel gegen Heidenheim geschwankt und heute schon wieder gedanklich auf zum nächsten Spiel von RB Leipzig. Das bereits morgen in Regensburg beim SSV Jahn angepfiffen wird.

Wenn man an Regensburg denkt, dann hat man erst einmal ein wenig das Bild von einer grauen Maus vor sich. Nie war der Verein besser als Rang 8, nie war man schlechter als Rang 17, den man aber auch nur einmal belegte. Ohne jemals heimlich nach oben schielen zu können, punktet der Zweitligaabsteiger zumindest so regelmäßig, dass man sich von den Abstiegsplätzen fernhält. Aktuell führt man entsprechend auf Platz 12 mit sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz das Feld der Mannschaften, die realistisch gesehen überhaupt noch für den direkten Abstiegskampf in Frage kommen, an.

Das mit der grauen Maus ist aber letztlich auch nur eine tabellarische Erscheinung, denn der SSV Regensburg ist mit 44 erzielten Treffern nach den drei Topteams und zusammen mit Münster und Erfurt das treffsicherste Team der Liga. Und hat an guten Tagen alle spielerischen Möglichkeiten einen sauberen und hübschen Ball zu spielen und das Tor des Gegners in Gefahr zu bringen. Wer möchte darf sich da gern an die Anfangsphase aus dem Hinspiel erinnern, als Regensburg für ungefähr 15 Minuten das deutlich bessere Team war und sich einige Torchancen herausspielte. Gelegentlich haperte es im Saisonverlauf und hapert es immer noch an der Chancenverwertung, aber den Weg zur Chance findet man in Regensburg eigentlich ganz gut.

Am anderen, dem defensiven Ende des Spielfeldes ist die Bilanz nicht ganz so gut, denn mit 45 Gegentoren hat man in dieser Bilanz den fünftschlechtesten Wert. Wobei man hier genaugenommen differenzieren muss, denn während Regensburg in Auswärtsspielen die meisten Tore aller Drittligisten kassierte, gibt es in Heimspielen nur sechs Mannschaften, die weniger oft den Ball aus dem eigenen Tor holen mussten. Keine Bilanz einer Schießbude.

Überhaupt holt sich Regensburg vor allem in seinen Heimspielen die nötigen Punkte. Bis zur Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers vor vier Spielen hatte der Jahn im heimischen Jahnstadion sieben Mal in Folge nicht verloren. Insgesamt stehen drei Heimniederlagen zu Buche, nur das Toptrio in der Tabelle hat weniger Niederlagen im heimischen Umfeld auf dem Konto. Weder Darmstadt noch Heidenheim konnten in Regensburg gewinnen oder gar nur ein Tor schießen.

Sprich, die scheinbar graue Maus aus dem dauerhaften Tabellenmittelfeld ist zu Hause gar nicht so grau, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Vielleicht auch nicht schillernd, aber ein Team mit vielen bunten Punkten und einigen Möglichkeiten in der Offensive, die durch eine bessere Defensivabsicherung als in der Fremde auch zu besseren Erfolgen führen. Ein mithin unangenehmer Gegner, der gegen RB Leipzig in aller Ruhe auf seine Chance lauern und mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf Lücken warten kann.

Spielerische Möglichkeiten auch, gegen die man im Pressing schon sehr genau spielen muss, um nicht wie gegen Heidenheim gelegentlich in der zweiten Halbzeit irgendwelchen Bällen in die freien Räume hinterherhetzen zu müssen. Wie Regensburg mit solchen Räumen umgeht, zeigten sie auch in Burghausen, wo sie einen 0:2-Rückstand in der letzten Viertelstunde noch verdient in ein Unentschieden verwandelten.

Im Spiel gegen RB Leipzig wird Coach Thomas Stratos im Tor wie gewohnt auf Bernhard Hendl, einen erst 21 Jahre alten Österreicher setzen, der nach dem Hinspiel in Leipzig in den Kasten rückte. Das bis dahin im Kasten stehende Regensburger Eigengewächs Patrick Wiegers hatte sich damals beim 0:1, einem Freistoß von Heidinger aus größerer Distanz offenbar einen Schnitzer zu viel geleistet.

In der Innenverteidigung wird Gino Windmüller ziemlich sicher den gelbgesperrten Ex-Spieler des FC Sachsen Mario Neunaber ersetzen und damit an die Seite des Kapitäns Sebastian Nachreiner, der seine vierte Saison in Regensburg spielt, rücken.

Neben Ersatzkeeper Wiegers der einzige, der noch länger im Verein ist als Nachreiner, ist Rechtsverteidiger Oliver Hein, der im Hinspiel noch im Mittelfeld agierte. Links hinten ist die Sache nicht ganz so eindeutig. In Frage kommen gleich drei Spieler, von denen die defensivstärkste Variante mit Azur Verlagic wohl die besten Chancen hat. Alternativen stünden der etwas offensivere Patrick Haag oder der bisher nur sporadisch spielende Thorben Stadler zur Verfügung.

Die Doppelsechs werden der Voraussicht nach der in Nürnberg ausgebildete Jonatan Kotzke und Andreas Güntner bilden. Links davon spielt der im Winter aus Münster gekommene Zlatko Muhovic, der beim alten Verein gerade mal 14 Minuten in der ersten Halbserie verbuchte und in Regensburg bisher in jedem Spiel der Rückrunde gesetzt ist. Rechts im Mittelfeld heißt der Mann des Vertrauens Jim-Patrick Müller. Der schoss im letzten Heimspiel gegen Münster den wichtigen 1:0-Führungstreffer und ist mit 6 Toren und 5 Vorlagen der zweitbeste Torschütze und Scorer im Team.

Auf der Zehn wird nach Lage der Dinge Aias Aosman spielen. Auch er hat mit 5 Toren und 4 Vorlagen bereits neun Torbeteiligungen auf dem Konto. Vor Aosman spielt dann Abdenour Amachaibou den spiel- und dribbelstarken Stürmer. Mit 10 Toren und 6 Vorlagen ist er aktuell die Lebensversicherung des Vereins. Im letzten Heimspiel fehlte er verletzt. Unter der Woche in Burghausen saß er deswegen bis zur Pause nur auf der Bank und leitete später die Wende im Spiel ein, indem er den 1:2-Anschlusstreffer erziehlte (Endstand 2:2). Gegen Leipzig wird er mit großer Sicherheit wieder zurück in die Startformation rutschen.

Insgesamt ist der Kader von Jahn Regensburg einer der eher Namenlosen. Höherklassige Erfahrung ist ebenso selten, wie ein namhafter Ausbildungsverein. Stratos hat sich nach dem Abstieg eine Mannschaft zusammenstellen müssen, die den Neuanfang hinkriegen sollte. Nach Lage der Dinge spielt man unter den Umständen zumindest eine annehmbare Saison und hat schon wieder ein Spielergerüst, mit und auf dem sich in der Zukunft etwas aufbauen lässt.

Denn in mittlerer Zukunft soll es für den Verein wieder aufwärts gehen. Ein Stadionneubau in der 140.000-Einwohner-Stadt vermittelt zumindest die Hoffnung, auch mal wieder ans Zweitligator anklopfen zu können. 15.000 Plätze, Eröffnung im Idealfall 2015. Es ist der Klassiker des Stadionbaus in diesen Liga-Sphären, wenn man auch an Heidenheim, Halle oder das zu bauende Stadion in Chemnitz denkt. Stadien, mit denen man sich nicht übernimmt, aber vielleicht trotzdem mal den Schritt eine Liga höher gehen kann, wenn er sich denn anbietet.

Das hat mit der aktuellen Saison nur soviel zu tun, als dass ein Abstieg in die Regionalliga ein ziemlich desaströses Szenario wäre. Und den Verein wohl um Jahre zurückwerfen würde. Weswegen man aus den letzten sieben Spielen noch ein paar Pünktchen brauchen wird. Bisher hätten in der dritten Liga 40 Punkte immer zum Klassenerhalt gereicht. Darauf sollte man sich in diesem Jahr nicht verlassen. Regensburg steht aktuell bei 39 Punkten. Drei, vier Punkte sollten es schon noch sein, bis man langsam gesichert ist.

Dass man in Regensburg dabei fest auf drei Punkte aus dem Spiel gegen RB Leipzig setzt, ist nicht anzunehmen. Was den Jahn nur noch unangenehmer macht, weil nicht sie es sind, auf denen der Druck lastet und sie völlig unbeschwert versuchen können, den hübschen Ball, den sie spielen können, aufs Grün zu bringen. Und wenn das nicht klappt, wird wohl niemand im Umfeld verzweifeln oder kritisieren.

RB Leipzig auf der anderen Seite hat da schon etwas mehr Druck, denn eine Niederlage in Regensburg könnte das Rutschen auf Platz 3 und eine eher durchwachsene Ausgangslage im Aufstiegskampf vor dem schweren Restprogramm bedeuten. Nach den zwei unterschiedlich zu bewertenden Remis unter der Woche will man am Ende der englischen Woche jedenfalls sicher den ersten Sieg mitnehmen.

Zur Verwirklichung dieses Ziels können auch wieder die gegen Heidenheim gesperrten Joshua Kimmich und Sebastian Heidinger beitragen, deren Fehlen deutlich zu spüren war. Ob auch Diego Demme nach Oberschenkelproblemen wieder zurück ins Team kehrt, bleibt dagegen vorerst abzuwarten. Bei Fabio Coltorti wird es wohl auch noch ein paar Tage dauern.

Bei der Rückkehr von Sebastian Heidinger stellt sich die Frage, ob er einfach wieder seinen Vertreter Anthony Jung, der nach dem Heidenheim-Spiel von Zorniger zwar gelobt wurde, aber auch am Ausgleich durch defensive Fehler beteiligt war, ins zweite Glied verdrängt oder eventuell sogar auf rechts rutscht und dort Georg Teigl ersetzt.

Kehren Kimmich und Demme beide zurück, gibt es im Mittelfeld keine Fragen und Dominik Kaiser geht zurück auf die Zehn und Fandrich bildet mit den beiden Erstgenannten die Dreierkette dahinter. Sprich, im Sturm müsste Luge wieder zugunsten einer Taktik mit zwei Stürmern weichen.

Kehrt nur Kimmich zurück, könnte das bedeuten, dass man weiterhin ein 4-3-3 spielt, aber Kaiser auf die Sechs rutscht und von Kimmich und Fandrich flankiert wird. Dann würde Tim Sebastian seinen Posten auf der Sechs los sein und es würde sich die Frage stellen, ob er wieder zurück in die Innenverteidigung wechselt oder ob da Fabian Franke erste Wahl bleibt.

Die Rückkehr von Kimmich allein könnte aber auch bedeuten, dass Kaiser trotzdem wieder auf die Zehn rückt, nur zwei Stürmer spielen und entweder Sebastian die Sechs besetzt oder ein Anthony Jung, sodass Heidinger in jedem Fall links spielen würde und sich dann weiter nur die Frage stellt, ob Sebastian wieder Innenverteidiger wird oder nicht.

Viele Optionen und allerlei Möglichkeiten. Wenn man die letzten Wochen als Argumentationsgrundlage heranzieht, dann wäre wohl letztlich ein System mit zwei Stürmern und vor allem einem Zehner Kaiser die beste Entscheidung, ganz egal was man dann defensiv ‚dazu‘ baut.

  • Jahn Regensburg: Hend – Hein, Windmüller, Nachreiner, Velagic (Haag, Stadler) – Kotzke, Güntner – Müller, Aosman, Muhovic – Amachaibou
  • RB Leipzig: Bellot – Teigl, Hoheneder, Franke (Sebastian), Heidinger – Fandrich, Demme (Jung, Sebastian), Kimmich – Kaiser – Poulsen, Frahn

Fazit: RB Leipzig reist sicherlich als Favorit nach Regensburg. Gegen spielerisch durchaus gute Gastgeber wird es allerdings im Fernduell um Platz 2 beileibe kein Spaziergang. Das mussten vor RB auch schon Darmstadt und Heidenheim erfahren. Trotzdem sollte die Rückkehr von Kimmich und Heidinger zu mehr Stabilität und Möglichkeiten im RB-Spiel und so dann auch zu einem erfolgreichen Abschluss der englischen Woche führen.

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim SSV Jahn Regensburg nicht vor Ort verfolgen kann und am 29.03.2014, ab 14.00 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Fanradio. Oder schaue beim BR-Livestream [broken Link] vorbei.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. SSV Jahn Regensburg

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