Wartende Crunch Time

Fast schon elogisch werden die Leistungen von RB Leipzig in den letzten Wochen in der Öffentlichkeit besprochen. Was durchaus berechtigt ist, wenn man betrachtet, dass man in den letzten fünf Wochen auf jeweils sehr souveräne Art und Weise seine Favoritenrolle auf den Rasen gebracht und jeweils verdient gewonnen hat. Und sogar noch zu Null. Als Lohn steht aktuell Tabellenplatz 2 und in der Tabelle seit der Winterpause Augenhöhe mit Heidenheim und Darmstadt.

Die Tabelle seit der Winterpause verrät neben der guten Platzierung aber auch, dass RB Leipzig in den bisherigen sieben Spielen Teams mit herausragender Form fast vollständig aus dem Weg gegangen ist. Von den Teams, gegen die RB Leipzig in 2014 schon spielte, ist die SV Elversberg aktuell das formstärkste (wenn man die gesammelten Punkte als Maßstab nimmt). Was vergleichsweise viel über die Qualität der Gegner aussagt. Man spielte bisher vor allem gegen Teams aus der Breite der Liga. Noch gar nicht von der Spitze und fast noch gar nicht aus dem Formtabellenkeller. Bis auf Halle, die man schon vor Weihnachten zum Rückrundenspiel begrüßen durfte, muss RB Leipzig noch gegen alle vier anderen Teams, die dem Rest der Liga gerade ein wenig entfleucht sind, antreten.

[Tabelle von sieben Spielen seit der Winterpause.]

PlatzTeamPunkteTore
11.FC Heidenheim1513:5
2SV Darmstadt 981512:5
3RB Leipzig1510:3
4Stuttgarter Kickers1510:6
5Hallescher FC1413:9
6VfL Osnabrück1212:6
7SV Elversberg1010:9
8MSV Duisburg96:7
9Preußen Münster95:7
10Holstein Kiel86:4
11Jahn Regensburg810:9
12VfB Stuttgart II89:9
13Wacker Burghausen87:8
14Hansa Rostock88:10
15SV Wehen Wiesbaden84:9
16Chemnitzer FC 85:11
17BVB II67:11
181.FC Saarbrücken67:14
19Rot-Weiß Erfurt44:9
20SpVgg Unterhaching49:16

Interessant auch, dass von den 20 Spielen zwischen den aktuellen Top 5 der Gesamttabelle (Heidenheim, Leipzig, Darmstadt, Osnabrück, Rostock), die sich noch mehr oder weniger gute Chancen zumindest auf den Relegationsplatz, aber vielleicht auch noch auf Platz 2 ausrechnen, nur noch sechs ausstehen. Allein vier davon werden mit Beteiligung von RB Leipzig stattfinden. Sprich, RB Leipzig muss gegen alle Topteams der Gesamttabelle noch antreten. Rostock spielt zudem am kommenden Wochenende noch gegen Darmstadt.  Und dann fehlt nur noch Osnabrück gegen Heidenheim.

Das bedeutet, dass RB Leipzig nominell das schwierigste Restprogramm hat, was sich auch an den kommenden Heimspielwochen abliest. In denen man in dieser Folge Osnabrück, Heidenheim, Chemnitz und Darmstadt begrüßen darf (Chemnitz fällt da sportlich aus der Reihe, ist aber aus lokalen Gründen brisant). Sprich, man hat es in den kommenden Heimspielwochen ein wenig selbst in der Hand, die Aufstiegsfrage vorzuentscheiden.

Damit in Zusammenhang steht aber die Frage, inwieweit RB Leipzig dafür tatsächlich schon bereit ist. Klar, die letzten fünf Spiele waren beeindruckend souverän, etwas was sich nicht klein reden lässt, weil es eben nie ein Selbstläufer ist, die Favoritenrolle tatsächlich auch auszufüllen. Gerade auch mit diversen Ausfällen und Verletzten, wie sie RB Leipzig zuletzt hatte. Und doch kommt der sportliche Test auf Herz und Nieren, die Crunch Time erst jetzt. Schon gegen Osnabrück am Wochenende wird man eine erste Idee erhalten, was die letzen Wochen wirklich Wert waren. Und das alles mit einem Konkurrenten im Nacken (Darmstadt), der als Überraschung der Saison weiter auf dem Underdog-Ticket reist und mit der entsprechenden Leichtigkeit und dem Flow ein ziemlich unangenehmer Gegner ist.

Letztlich haben es die RasenBallsportler aktuell selbst in der Hand. Nur sollte man sich immer bewusst machen, dass die bisherigen Spiele seit der Winterpause eher Aufgalopp denn ganz großer Ernst waren. Was zu dem schönen Ergebnis führt, dass in den nächsten Wochen (besonders zu Hause) großartige Spiele mit viel Publikum und viel sportlichem Wert warten, also jene Highlights, auf die eine Saison im besten Fall hinläuft. Was aber auch zu der Erkenntnis führt, dass die bisherigen Ergebnisse zwar eine schöne Ausgangsposition gesichert haben, aber ansonsten keinen bleibenden Mehrwert lieferten.

Zwei Punkte mehr als in den neun Auftaktspielen der Hinrunde brachte die Rückrunde bisher winterpausenübergreifend für RB Leipzig. Auch das zeigt, dass man in der Rückrunde sehr gute Ergebnisse herausgeholt hat, aber auch keine Übersaison spielt. Darmstadts +8 im Vergleich von Hinrunde und Rückrunde zeigen, dass da jemand ist, der aktuell (bei wesentlich schwererer Gegnerschaft) sehr viel konstanter punktet. Osnabrück und Rostock sind mit +0 und -2 bei durchwachsenen Bilanzen. Und Heidenheim verbucht glatte -5 Punkte für die ersten neun Rückrundespiele, ohne dass dadurch auch nur ansatzweise an ihren Aufstiegsambitionen gekratzt werden könnte.

Fazit: Zahlen sind immer gut und schön. Letztlich ist es wie immer, man muss sich als Fußballteam den Erfolg jede Woche neu erarbeiten. Was aber für RB Leipzig angesichts der kommenden Gegner in besonderem Maße gilt. Wird spannend, wie sich das gut organisierte Pressing und die stabile Defensive gegen die besseren Mannschaften der Liga machen. Die letzten fünf Spiele waren auch diesbezüglich beeindruckend. Angesichts der wartenden Aufgaben bleibt davon aber nur eine selbstvertrauenstärkende Randnotiz.

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