Alles außer normal

Am vergangenen Sonntag war mit der SV Elversberg jene Mannschaft in Leipzig zu Gast, die aktuell die meisten gelben Karten der ganzen Liga kassiert hat. Was mich an eine Diskussion erinnerte, die ich irgendwann Ende des vergangenen Jahres mit irgendjemandem (Kurzzeitgedächtnis olé – [Update: Anmerkung aus den Kommentaren verweist darauf, dass es die rb-fans waren.]) bei Twitter führte. In der es sinngemäß um die Frage ging, ob RB Leipzig gegen aggressive, kampfbetonte Teams besonders anfällig sei und überdurchschnittlich viele Punkte lasse.

Wenn man die Statistik der gelben Karten als Inidiz nimmt, ob der jeweilige Gegner eher eine aggressive bzw. spielzerstörend-nicklige oder eher foulfreie Spielweise pflegt, dann müssten sich deutliche Differenzen in den Ergebnissen zeigen, je nachdem ob RB gegen gelbbelastete Mannschaften spielte oder nicht.

Wenn man sich die entsprechende Statistik ansieht, dann fällt die Differenz gleich deutlich ins Auge. In 15 Spielen gegen die – neben RB Leipzig – gelbbelastetsten neun Teams (Wehen Wiesbaden, Erfurt, Chemnitz, Halle, Saarbrücken, Burghausen, Osnabrück, Duisburg, Elversberg) der dritten Liga holten die RasenBallsportler im Schnitt 1,67 Punkte. In den 12 anderen Paarungen gegen die 10 Teams, die aktuell in der Fairnesstabelle oben stehen, holte man dagegen im Schnitt 2,25 Punkte und verlor nur ein einziges Mal (gegen Rostock).

  • gegen Teams mit vielen gelben Karten: 15 Spiele – 25 Punkte, 8 Siege – 1 Unentschieden – 6 Niederlagen
  • gegen Teams mit wenigen gelben Karten: 12 Spiele – 27 Punkte, 8 Siege – 3 Unentschieden – 1 Niederlage

Schlüsselt man das ganze danach auf, wie viele gelbe Karten tatsächlich in den jeweiligen Spielen gezeigt wurden und was zum Schluss für ein Ergebnis herauskam, fällt zuerst einmal auf, dass RB Leipzig noch nie ohne gelbe Karte durch ein Spiel kam, während die Gegnerteams dies zweimal schafften. Nicht ganz uninteressanterweise gewann RB Leipzig diese beiden Partien, in denen der Gegner sehr fair agierte.

Zudem kann man feststellen, dass in Spielen in denen entweder der Gegner oder man selbst maximal eine gelbe Karte gesehen hat, RB Leipzig mit einer Bilanz von zusammengerechent (was genaugenommen nicht ganz korrekt ist, weil man so ja die Anzahl der Spiele verdoppelt) 11 Siegen bei null Unentschieden und zwei Niederlagen sehr gut dasteht. Was 2,54 Punkten und einem überdurchschnitttlichen Ergebnis pro Spiel entspricht. Wenn man dagegen alle anderen Partien zusammenrechnet, dann bleibt eine Bilanz von 21-8-12 und entsprechend eine Bilanz von 1,73 Punkten pro Spiel. Was die obige These unterstützen würde, dass RB Leipzig insbesondere in fairen Spielen punktet.

Blieben zwei Ausreißer. Die Bilanz bei drei gelben Karten für den Gegner kann man mit statistischer Anomalie erklären. Oder damit, dass RB in diesen Spielen immer mindestens genauso viele gelbe Karten sah, sprich ähnlich aggressiv war. Was auch zur besonders guten Bilanz bei vier eigenen gelben Karten passt. Die darauf hinweist, dass RB Leipzig in Spielen mit besonderer Motivation und entsprechend aggressivem Auftreten zwar häufig Foul spielt und gelbe Karten kassiert, aber auf der anderen Seite mit diesem Auftreten auch erfolgreich ist. Genauso erfolgreich zumindest, wie für den Fall, dass man ein eher faires Spiel herunterspielt.

[Glatt rote Karten werden nicht gezählt, da diese nur für außergewöhnliche Dinge wie Notbremsen und Tätlichkeiten vergeben werden, aber keine Auskunft geben, ob ein Spiel insgesamt ruppig war oder nicht, gelb-rote Karten zählen als zwei gelbe.]

  • Anzahl der gelben Karten der Gegner und die Bilanz von RB in diesen Spielen (Siege-Unentschieden-Niederlagen)
    • 0: 2-0-0 (Saarbrücken A, Kiel A)
    • 1: 4-0-1 (Burghausen A, Osnabrück A, Heidenheim A, Darmstadt A, Halle A)
    • 2: 3-1-4 (Wehen Wiesbaden A, Chemnitz A, BVB II H, Rostock H, Stuttgarter Kickers H, Münster A, Duisburg A, Elversberg H)
    • 3: 4-1-0 (Erfurt H, VfB II H, Unterhaching H, Regensburg H, Wehen Wiesbaden H)
    • 4: 2-1-1 (Münster H, Elversberg A, Halle H, Erfurt A)
    • 5: 1-1-1 (Duisburg H, Kiel H, Burghausen H)
  •  Anzahl der gelben Karten für RB Leipzig und die Bilanz in diesen Spielen (Siege-Unentschieden-Niederlagen)
    • 1: 5-0-1 (Halle A, BVB II H, Rostock H, Saarbrücken A, Kiel A, Elversberg H)
    • 2: 3-1-3 (Münster H, Burghausen A, Wehen Wiesbaden A, Elversberg A, Halle H, Burghausen H, Erfurt A)
    • 3: 4-2-2 (Duisburg H, Erfurt H, Osnabrück A, Heidenheim A, Chemnitz A, Darmstadt A, Münster A, Wehen Wiesbaden H)
    • 4: 4-1-1 (Kiel H, VfB II H, Unterhaching H, Regensburg H, Stuttgarter Kickers H, Duisburg A)

Wenn man die Bilanzen mal danach ordnet, wie viele gelbe Karten in den Spielen gezeigt wurden, dann findet man einen weiteren Hinweis, dass RB Leipzig besonders dann erfolgreich spielt, wenn es sehr fair zugeht und entsprechend vermutlich auch der eine oder andere Platz zum Spielen bleibt. 2,57 Punkte holte man im Schnitt in diesen Spielen. Lediglich gegen Rostock verlor man.

Wird das Spiel besonders intensiv geführt wird (7 bis 9 gelbe Karten gelten hier als Indiz), punktet RB Leipzig mit im Schnitt 1,83 ungefähr so wie es ihrem Gesamtpunkteschnitt (1,93) entspricht. Nur in ’normalen‘ Spielen mit durchschnittlicher Intensität ist das Abschneiden unterdurchschnittlich (1,64 Punkte im Schnitt). Auffällig auch, dass alle Spiele mit sehr vielen gelben Karten Heimspiele waren (insgesamt wurden bei 14 Heimspielen von RB bereits 84 gelbe Karten gezeigt, in 13 Auswärtsspielen erst 51). Offenbar Spiele, in denen man viel Gegenwehr bekommt, aber auch selbst ganz gern austeilt.

  • 0-3 gelbe Karten im Spiel: 6-0-1
  • 4-6 gelbe Karten: 7-2-5
  • 7-9 gelbe Karten: 3-2-1 (alles Heimspiele!)

Wirft man als letztes noch einen Blick darauf, wie die Spiele ausgingen, wenn man betrachtet, welches Team mehr gelbe Karten gezeigt bekam, dann findet sich hier wiederum ein Hinweis, dass RB Leipzig tendenziell besonders dann punktet, wenn sich letztlich die größere Aggressivität auch in Karten ausdrückt. Bekommt man weniger gelbe Karten als der Gegner holt man im Schnitt nur 1,7 Punkte. Bekommt man mehr gelbe Karten als der Gegner, dann sind es immerhin 2,07 Punkte.

  • weniger gelbe Karten: 5-2-3
  • gleich viele gelbe Karten: 2-0-1
  • mehr gelbe Karten: 9-2-3

Insgesamt vermitteln die Statistiken dass Bild, dass es RB Leipzig besonders gut tut, wenn man vom Gegner nicht übermäßig unfair gestört wird. Sprich, wenn der Spielfluss durch Fouls nicht bzw. kaum gestört wird. Auf der anderen Seite kann RB Leipzig aber auch anders, nämlich auch dann viele Punkte einsammeln, wenn man selbst eine höhere Aggressivität als der Gegner auf den Platz kriegt, man einen robusten Gegner also mit Körperlichkeit und Aggressivität beeindruckt. RB Leipzig kann also lieb und böse gleichermaßen.

Nur ganz normal scheint eher schlecht zu funktionieren, wenn man sieht, dass ausgerechnet in Spielen mit durchschnittlich vielen gelben Karten die wenigsten Punkte herauskommen. Irgendeinen Flow im Sinne des fairen Spielspaßes oder erhöhter Intensität brauchen die RasenBallsportler also offenbar, um ihre Höchstleistungen abzurufen. Könnte man zumindest aus den Zahlen herausinterpretieren.

Flattr this!

2 Gedanken zu „Alles außer normal“

  1. „Was mich an eine Diskussion erinnerte, die ich irgendwann Ende des vergangenen Jahres mit irgendjemandem (Kurzzeitgedächtnis olé) bei Twitter führte. In der es sinngemäß um die Frage ging, ob RB Leipzig gegen aggressive, kampfbetonte Teams besonders anfällig sei und überdurchschnittlich viele Punkte lasse.“

    Das könnte meine Wenigkeit gewesen sein:
    Forumsbeitrag (gab auch diverse anderre, z.B. vor dem Spiel in Darmstadt): http://www.rb-fans.de/forum/viewtopic.php?f=34&t=6836&start=433
    Twitter: https://mobile.twitter.com/rb_fans/status/420496452490514432

  2. Exakt die Twitterdebatte war es, vielen Dank. Der Forumsbeitrag ist mir dann aber doch entgangen, kann ja mal passieren. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.