Alles Gute kommt von oben

Die Transferperiode ist nun schon wieder ein paar Tage her. Und damit sind auch seit ein paar Tagen die Drittligakader für den Rest der Saison komplett. Insgesamt wechselten zwischen dem 01.01. und dem 31.01. 55 Spieler zu einem oder innerhalb eines (aus dem Nachwuchs zu den Profis zum Beispiel) Drittligaverein. Weitere 11 Spieler waren schon (teils deutlich) vor der Winterpause aus der Vertragslosigkeit oder dem eigenen Nachwuchs verpflichtet worden. Von diesen 66 Spielern verantwortet Saarbrücken gleich 15. Hintenan steht Rostock, die als einziges Team der Liga, immer noch in derselben Zusammensetzung agieren wie zu Saisonbeginn.

Wie schon in der Sommerpause war RB Leipzig mit reichlich 1.000.000 Euro Transferausgaben dem Rest des Feldes in der Wintertransferperiode weit vorneweg. Laut transfermarkt.de [broken Link] zahlten lediglich Dortmund und in ganz kleinem Rahmen Darmstadt auch Ablöse. Nimmt man Sommer- und Wintertransferperiode zusammen, dann steht bei RB Leipzig ein Transferminus von ca. 2.000.000 Euro, während der Rest der Liga zusammen etwa 1.000.000 Euro Transfereinnahmen verbuchen konnte. Im Minus stehen mit kleinen Summen lediglich Chemnitz und Darmstadt und dazu die Profizweitvertretungen mit per se anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen BVB II und VfB II. In Sachen wirtschaftlicher Potenz ist RB Leipzig tatsächlich beileibe kein Drittligist.

Was wiederum für das sportliche Paket nicht viel heißen muss, denn wenn man sich anschaut, wie viel Erfahrung die Vereine in der Winterpause verpflichteten, dann wird deutlich, dass RB Leipzig im oberen Drittel mitschwimmt, aber beileibe auch nicht die Nummer 1 ist, weil man eher auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzt. Spieler mithin, die viel Talent haben, aber dieses auch erst einmal (abgesehen von Demme) im Männerbereich in Deutschland beweisen müssen. In Sachen verpflichteter Erfahrung jedenfalls liegt Saarbrücken beispielsweise deutlich vor RB Leipzig. Aber auch der sowieso schon sehr gute Kader der Duisburger wurde mit drei sehr guten Neuzugängen noch mal ordentlich gepimpt.

[Neuzugänge = Anzahl der Verpflichtungen im Zeitraum seit der Sommertransferperiode, 1.BL = Karriereeinsätze der Neuzugänge in der Bundesliga, 2.BL = Karriereeinsätze der Neuzugänge in der zweiten Bundesliga, INT = Einsätze in einer internationalen ersten Liga]

PlatzNeuzugänge1.BL2.BLINT
1.FC Heidenheim1.1000
RB Leipzig2.4068149
SV Darmstadt 983.3090
Hansa Rostock4.0000
SV Wehen Wiesbaden5.10310
VfL Osnabrück6.22390
Rot-Weiß Erfurt7.2011112
Jahn Regensburg8.1000
MSV Duisburg9.314215336
Stuttgarter Kickers10.60225
VfB Stuttgart II11.29560
Hallescher FC12.20950
SpVgg Unterhaching13.2492260
SV Elversberg14.5010105
Holstein Kiel15.50119339
Preußen Münster16.26360
BVB II17.30082
Chemnitzer FC18.2100
Wacker Burghausen19.51213
1.FC Saarbrücken20.15229568248

[Internationale Einsätze – Duisburg: Schweden; Burghausen: Belgien; Saarbrücken: Belgien, Slowakei, Frankreich, Schweiz; Erfurt: Österreich; BVB II: Finnland; Stuttgarter Kickers: Frankreich; Kiel: Dänemark, Norwegen, Finnland; Leipzig: Finnland, Österreich; Elversberg: Belgien, Tschechien, Slowakei, Zypern]

Interessant ist zudem, dass sich der Fokus der Neuverpflichtungen im Vergleich zur Sommerpause deutlich verschoben hat. Wenn man sich einmal nur jene Wechsel anschaut, die vereinsextern (also nicht aus dem eigenen Nachwuchs zu den Profis) und national stattgefunden haben, dann stellt man fest, dass im Sommer vornehmlich unterklassige Spieler verpflichtet wurden, während im Winter vor allem Profis aus den oberen Spielklassen gefragt waren.

Von den insgesamt 164 Wechseln im Sommer, die den genannten Kriterien entsprachen (das Kriterium national findet hier nur Beachtung, weil ansonsten Unter- und Höherklassigkeit schwer zu klassifizieren wäre), waren 80 von unten nach oben. Sprich von irgendeinem Verein Regionalliga abwärts (Absteiger aus der dritten Liga inklusive) zu einem Drittligaverein. 41 Wechsel waren ligenintern. Und 43 Spieler kamen aus dem Kader eines höherklassigen Vereins.

Im Winter nun waren vom 01. bis 31.o1. von 43 Wechseln, die den Kriterien entsprachen, immerhin 19 von oben nach unten (maßgeblich war der letzte Verein, bei dem der Spieler aktiv war). 11 Wechsel waren ligenintern, während nur noch 13 Spieler aus einer der tieferen Ligen kam. Im Sommer kamen demnach ungefähr genauso viele Spieler von unten wie aus der dritten Liga und höher. Im Winter kamen dagegen nicht mal halb so viele Spieler aus der 4.Liga und tiefer, als aus den anderen Ligen.

  • Sommertransferperiode: 43 Wechsel von höherklassigen Clubs – 41 ligeninterne Wechsel – 80 Wechsel von unterklassigen Vereinen
  • Wintertransferperiode: 19 Wechsel von höherklassigen Clubs – 11 ligeninterne Wechsel – 13 Wechsel von unterklassigen Vereinen

[Wegen der Vergleichbarkeit und der Kategoriserung wurden nur vereinsexterne Wechsel (also nicht bspw. aus der Jugend zu den Profis) in Deutschland und nur Verpflichtungen innerhalb der Transferperioden betrachtet.]

Das im Winter verstärkt auf fertige Spieler gesetzt wird, ist natürlich plausibel. Während die Vereine im Sommer noch nach Talenten spähen und Kader mit neuen Hoffnungen neu zusammengestellt werden, ist im Winter eher Panikzeit. Es gilt die Saison zu retten, nicht abzusteigen oder den Aufstieg zu sichern. Da fällt die Wahl dann eher mal auf die (scheinbar) sicherere Lösung als zu Saisonbeginn, wo auch der Oberliga-Torschützenkönig noch als vollkommene Verheißung erschien und getestet wurde. Zudem dürfte der ausgemusterte Zweitligaspieler im Normalfall billiger sein als das Talent, das in der Regionalliga für Furore sorgt.

Interessanterweise spiegelt sich dies (dass eher Spieler von oben gefragt sind) auch in den Abgängen wieder, denn kein einziger Spieler der dritten Liga schaffte im Winter den Sprung in die erste oder zweite Bundesliga (wenn man von den als Gescheiterte zurückkehrenden Leihspielern Wießmeier und Turhan absieht) bzw. an keinem Drittligaprofi bestand gesteigertes Interesse (Stolze wechselte zwar nach Wolfsburg, wird dort aber vorerst die U19 verstärken). Denn auch in der zweiten Liga schaut man eher nach Spielern von weiter oben, weil man zur Sicherung der Saisonziele eher auf Erfahrung als auf Experimente setzt. Und der Sprung in die erste Liga ist in der kurzen Winterpause einfach zu groß. Drei Wechsel in die türkische Topliga (Öztürk, Derici, Cinar) bleiben dann schon die einzigen nennenswerten (ligentechnischen) Verbesserungen einzelner Drittligaspieler.

Wenn man über alle Transferdaten drüberschaut, dann gibt es einige Teams, die sich bei schmalem Budget sinnvoll verstärkt zu haben scheinen. Halle, Darmstadt, Elversberg, Kiel, aber auch Burghausen und Unterhaching sind hier zu nennen. Das Chemnitzer Konzept in schwierigen Zeiten des Abstiegskampfs mit immer wieder kolportierter fehlender Hierarchie im Team zwei Spieler ohne Namen und Meriten zu verpflichten, klingt auf den ersten Ton nicht sonderlich schlüssig. Und das Saarbrückener Transferkonzept ist angesichts des sportlichen Outputs nach der Winterpause (drei Niederlagen in drei Spielen) schlichtweg ein Desaster. Dass nun auch noch der Trainer weg ist, der den Kader zusammenholte (Sasic), ist da nur noch das berühmte I-Tüpfelchen.

RB liegt derweil im fast schon gewohnten, statistisch besseren Mittelfeld. Vier Wechsel sind leicht über dem Schnitt von 3,3 Wechseln pro Team (wobei ohne Saarbrücken nur 2,68 Spieler pro Team seit dem Sommer eingestellt wurden). In Sachen Erfahrung liegen die Neuzgänge auch vorn dabei, aber nicht ganz vorn. Nur in Sachen Transfersummen liegt man mal wieder deutlich über dem Rest..

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