Führende Verhaltensweisen

Gestern an dieser Stelle die Beantwortung der Frage, wie sich denn die Mannschaften der dritten Liga nach Rückständen verhalten haben. Heute dann quasi komplementär die Daten, was denn die Mannschaften eigentlich aus Führungen machen. Kriegen sie einen Wackelfuß oder beflügelt es sie?

Fast schon nicht mehr überraschend, dass Heidenheim auch in dieser Statistik deutlich dominiert. In 18 von 22 Spielen ging der aktuelle Spitzenreiter in Führung (Ligabestwert). Keines dieser Spiele verlor man noch. Nur dreimal spielte man am Ende noch Unentschieden. Während es bei Erfurt – wie gestern gezeigt – so ist, dass sie nach einem Rückstand nicht mehr ins Spiel kommen, ist Heidenheim nicht mehr zu schlagen, wenn sie denn erst einmal einen Vorsprung herausgeschossen haben.

[Platz = Tabellenplatz nach dem 22.Spieltag; Team = Team; Führungen = Anzahl der Spiele, in denen die Mannschaften in Führung gingen; Bilanz = Endresultate in diesen Spielen, Siege – Unentschieden – Niederlagen; Prozent = Anteil der Spiele, die man nach Führung auch gewann in Prozent; Pkt./Sp.: durchschnittliche Punktausbeute aus Spielen, in denen die Mannschaften in Führung gingen]

PlatzTeamFührungenBilanzProzentPkt./Sp
1Heidenheim1815-3-0832,67
2Leipzig1512-2-1802,53
3Darmstadt1210-1-1832,58
4Rostock1410-2-2712,29
5Erfurt1310-2-1772,46
6Osnabrück139-3-1692,31
7Wiesbaden98-1-0892,78
8Unterhaching98-0-1892,67
9Stuttgart II158-5-2531,93
10Duisburg137-5-1542,00
11Münster116-3-2551,91
12Regensburg117-1-3642,00
13Dortmund II128-3-1672,25
14Elversberg108-2-0802,60
15Halle98-1-0892,78
16St. Kickers127-4-1582,08
17Chemnitz126-5-1501,92
18Kiel85-2-1632,13
19Burghausen95-3-1562,00
20Saarbrücken64-0-2672,00

Neben Heidenheim gibt es drei weitere Teams, die noch nie verloren haben, wenn sie denn erst einmal in Führung lagen. Mit Elversberg, Halle und Wehen Wiesbaden sind dies drei Teams, die man aufgrund ihrer Lage in der normalen Tabelle nicht unbedingt ganz vorn erwartet hätte. Nicht ganz überraschend sind es aber auch drei Teams (insbesondere die ersten zwei) die für potenziell gutes Defensivverhalten bekannt sind. Offenbar gelingt ihnen dies besonders gut, wenn sie das Spiel nicht machen müssen, sondern einen Vorsprung verwalten können. Allerdings muss man auch einschränken, dass alle drei Teams erst neun- bzw. zehnmal in Führung lagen.

Wie schon in der gestrigen Rückstandsstatistik ist RB Leipzig auch beim Verteidigen von Vorsprüngen ein besseres Mittelfeldteam, irgendwo auf Augenhöhe mit der oder sogar leicht besser als die direkte Aufstiegskonkurrenz aus Darmstadt, Rostock, Erfurt, Osnabrück oder woher auch immer. Nur in drei von 15 Fällen ließ RB Leipzig noch Punkte, wenn sie einmal führten (Osnabrück, Unterhaching, Münster). Mit 15 Führungen in 22 Spielen belegen sie Platz 2 in der Häufigkeit des Vorsprungs.

Am unteren Ende der Statistiktabelle sind etwas überraschend die hervorragend besetzten Teams aus Münster, Duisburg und Chemnitz zu finden, die nur etwa die Hälfte aller Spiele, in denen sie in Führung lagen, auch gewinnen konnten. Was für Teams, die einen gewissen Anspruch an ihr sportliches Abschneiden haben, natürlich viel zu wenig ist. In Münster und Chemnitz könnte dies mit Problemen in der Teamchemie und -hierarchie zu tun haben, Probleme die insbesondere in Münster der Vergangenheit angehören sollten (dafür spricht, dass Münster in den letzten sechs Partien keinen Vorsprung mehr verspielte).

In Duisburg ließe sich die deutlich negative Statistik eventuell auch mit Verweis auf die Chemie eines völlig neu zusammengestellten Teams erklären (viele gute Fußballer, die noch nicht zum Team geworden sind). Aber auch die fehlende Vorbereitung im letzten Sommer und damit verknüpft eine nicht ganz optimale Physis darf man als möglichen Hintergrund nicht vergessen.

Wenn es um negative Geschichten geht, dann muss man in diesem Jahr auch immer an Saarbrücken denken. Die in lediglich sechs der 22 Spiele mal in Führung lagen. Und letztlich auch noch zwei dieser Spiele verloren.

Fazit: Über allem steht Heidenheim, das ist die erste Grundregel der aktuellen Saison. Die sich auch in den Bilanzen der Teams nach Führungen widerspiegelt. Vielleich ein Stückweit entgegen der subjektiven Wahrnehmung ist RB Leipzig ein ganz gutes Team, wenn es um das Verwalten von Führungen geht. Was angesichts des präferierten Spiels gegen den Ball und des schnellen Umschaltspiels nicht ganz verwundern mag. Und warum Chemnitz, Münster und Duisburg ihren (Mit-)Favoritenrollen (bisher) nicht gerecht wurden, sieht man am unteren Ende der Tabelle..

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