Rückständige Verhaltensweisen

Rein gefühlsmäßig hätte ich nach der samstäglichen Niederlage gegen Burghausen behauptet, dass es RB Leipzig in diesem Jahr ziemlich schwer fällt, nach Rückständen noch mal ins Spiel zu finden. Indizien, die diese These stützen, würde man im Vergleich mit den letzten Jahren finden. Konnte man in der aktuellen Saison bisher in drei von neun Spielen, in denen man in Rückstand lag, noch punkten, gelang dies in den letzten drei Spielzeiten in sieben von sieben, in acht von 13 und in sieben von 13 Fällen.

  • 2013/2014 (Zorniger): 9 Spiele (in denen man in Rückstand geriet) – 2 Siege, 1 Unentschieden, 6 Niederlagen
  • 2012/2013 (Zorniger): 7 Spiele – 3 Siege, 4 Unentschieden, 0 Niederlagen
  • 2011/2012 (Pacult): 13 Spiele – 5 Siege, 3 Unentschieden, 5 Niederlagen
  • 2010/2011 (Oral): 13 Spiele – 2 Siege, 5 Unentschieden, 6 Niederlagen

Während man in der Regionalliga also immer mindestens 50 Prozent der Spiele zumindest noch soweit drehen konnte, dass man nicht verlor, ist dies in der aktuellen Saison nur noch in einem Drittel der Partien der Fall. Vergleichbar ist die Bilanz aus der aktuellen Saison noch am ehesten mit der Oral-Saison, zumindest, wenn man betrachtet, wie viele Punkte man im Schnitt in Spielen geholt hat, in denen man in Rückstand geriet:

  • 2013/2014: 0,78 Punkte/Spiel
  • 2012/2013: 1,86 Punkte/Spiel
  • 2011/2012: 1,38 Punkte/Spiel
  • 2010/2011: 0,85 Punkte/Spiel

Der Vergleich mit den letzten drei Jahren ist natürlich etwas unfair, da man die dritte Liga nur schwerlich mit der Regionalliga vergleichen kann, da in letzterer die individuelle (Defensiv-) Klasse nicht immer höheren Ansprüchen genügte und es dementsprechend einfacher (wenn auch nicht immer leicht) war, einen Rückstand noch mal in Punkte zu verwandeln. Ein Blick auf die Drittligatabelle zeigt, dass RB Leipzig in der Statistik, was die Teams noch aus Spielen herausholen, in denen sie in Rückstand geraten, durchaus oben mitspielt.

[Platz = Tabellenplatz nach dem 22.Spieltag; Team = Team; Rückstände = Anzahl der Spiele, in denen die Teams in Rückstand geraten sind; Bilanz = Endresultate in diesen Spielen, Siege – Unentschieden – Niederlagen; Prozent = Anteil der Spiele, in denen aus einem Rückstand noch mindestens ein Unentschieden gemacht wurde in Prozent; Pkt./Sp. = wie viele Punkte holten die Teams im Schnitt in Spielen, in denen sie in Rückstand gerieten.]

PlatzTeamRückständeBilanzProzentPkt./Sp
1Heidenheim51-2-2601,00
2Leipzig92-1-6330,78
3Darmstadt100-4-6400,40
4Rostock101-2-7300,50
5Erfurt90-0-9000,00
6Osnabrück133-2-8380,85
7Wiesbaden142-5-7500,79
8Unterhaching122-3-7420,75
9Stuttgart II101-0-9100,30
10Duisburg121-4-7420,58
11Münster101-3-6400,60
12Regensburg110-3-8270,27
13Dortmund II121-1-10200,33
14Elversberg110-1-10090,09
15Halle132-0-11150,46
16St. Kickers110-1-10090,09
17Chemnitz111-2-8270,45
18Kiel141-6-7500,64
19Burghausen161-3-12250,38
20Saarbrücken171-5-11350,47

Topteam in dieser Tabelle ist wie auch in der normalen Tabelle der 1.FC Heidenheim. Die nicht nur lediglich fünfmal in Rückstand gerieten, sondern zudem nur zwei dieser Spiele verloren und pro Spiel mit Rückstand immerhin noch einen Punkt holten. Womit sie mehr oder minder deutlich vor dem Rest stehen.

RB Leipzig dreht zwar nur drei von neun Spielen, was ein besserer Mittelfeldwert und sicherlich verbesserungswürdig ist, holte aber im Schnitt überdurchschnittliche 0,78 Punkte in den neun Spielen, weil sie gleich zweimal trotz Rückstand gewinnen konnten (Kiel, Saarbrücken). Trotzdem bleibt eine Bilanz, die das Eingangsgefühl, in dieser Saison würde es dem Team schwer fallen, Rückstände noch mal aufzuholen, eher leicht stützt als komplett widerlegt.

Interessant im positiven Spektrum der Tabelle Wehen Wiesbaden, die 14mal in Rückstand gerieten (drittschlechtester Wert), aber die Hälfte dieser Spiele (zweitbester Wert) noch zu Punkten drehen konnte (0,79 im Schnitt – zweitbester Wert).

Auffällig auch Unterhaching, die mit einem sehr jungen Team erstaunliche 42 Prozent der Spiele mit Rückstand nicht verloren haben. Erstaunlich vor allem, wenn man es mit den ähnlich jungen Teams wie dem BVB II oder dem VfB II vergleicht, die mit 20 bzw. 10 Prozent erwartungsgemäß am unteren Ende der Tabelle zu finden sind.

Ganz unten in der Tabelle findet sich völlig entgegen der Erwartung erstaunlicherweise ein Team, das in der normalen Tabelle noch Richtung Aufstiegsplätze schielt. Rot-Weiß Erfurt hat als einziges Team der dritten Liga das Kunststück geschafft, noch keinen einzigen Punkt zu holen, nachdem man in Rückstand geriet. In neun Partien lief man einem Rückstand hinterher, neunmal verlor man am Ende. Wobei man leicht relativierend einwenden kann, dass Erfurts neun Partien mit Rückstand einen geteilten zweiten Rang in dieser Kategorie bedeuten. Sprich, Erfurt gerät vergleichsweise selten in Rückstand, aber wenn sie dies tun, dann ist für sie bisher nichts mehr zu holen.

Interessant auch noch die Statistik Saarbrückens, die in 22 Spielen gleich 17mal in Rückstand lagen (schlechtester Wert aller Mannschaften). Was viel zu viel ist, auch wenn sie in immerhin sechs dieser Partien noch punkteten und im Schnitt 0,47 Punkte holten. Im Ligavergleich ein durchaus passabler, zumindest kein schlechter Wert ist.

Fazit: RB Leipzig gerät in dieser Saison im Vergleich mit der Konkurrenz selten in Rückstand, dreht anschließend noch durchschnittlich viele dieser Partien und holt dabei überdurchschnittlich viele Punkte. Die RasenBallsportler sind in diesem Jahr sicherlich kein Meister im Umbiegen von Spielen. Was letztlich mit dem subjektiven Gefühl aus der Eingangsthese korrespondiert. Aber man ist auch, der Ligavergleich zeigt das deutlich, nicht so schlecht, dass man ein tieferliegendes Problem in Sachen Moral oder Auftreten auf dem Platz hineininterpretieren könnte. Was wiederum auch mit dem subjektiven Eindruck beim Betrachten der Spiele korrespondiert.

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6 Gedanken zu „Rückständige Verhaltensweisen“

  1. Das sind doch die schönsten Statistiken – die bestätigten, was sich man sowieso irgendwie schon gedacht hat 😉
    Vielen Dank mal wieder für die Mühe.

  2. Ich finds auch toll, diese Mühe die du dir immer machst.

    Wobei ich da an Elversberg denke, da geriet man ja in der Nachspielzeit des Spiels in „Rückstand“, das ist viel schwerer (evtl. sogar unmöglich) aufzuholen als zB ein Kiel, als sich der Rückstand in der ersten Hälfte ereignete

    gruß
    matze

  3. Das stimmt. Man könnte natürlich noch differenzieren danach, wann der Rückstand zustande kam. Allerdings ist anzunehmen, dass sich die Unterschiede zwischen den Vereinen und zwischen den Jahren da in Grenzen halten werden, sodass dies für den Ligavergleich und den Jahresvergleich letztlich keine große Rolle spielt, da es alle gleichermaßen trifft, auch mal in einem Spiel erst ganz am Ende in Rückstand zu geraten.

  4. Tim Thölke darf die Statistik gern bei nochmals vorkommenden Kutschke Rufen laut vorlesen. Von wegen fehlende Moral und so.
    Bin ich froh, wenn Samstag 0.00 Uhr gekommen ist.

  5. Ja, das wir in der Anzahl der Punkte pro Rückstand etwas besser dastehen als die breite Masse ist schön, aber die geringe Anzahl der Spiele zeigt letztlich, dass es sich doch um ein Problem der Mannschaft handelt, da dürfen die beiden Siege (die ja maßgeblich für den Schnitt verantwortlich zeichnen) nicht den Blick gänzlich verstellen. Von daher sollte man sich m.E. eher an der Prozentwertung orientieren, denn an den minimalen Unterschieden im PpS Bereich.

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