Testspiel: RB Leipzig vs. FC Thun 1:2

Das zehntägige Trainingslager von RB Leipzig im türkischen Belek endet heute mit dem Rückflug nach Leipzig. Quasi als Abschlussübung gab es gestern noch das vierte Testspiel des Winters bzw. das dritte Testspiel im Trainingslager. In einem ausgeglichenen, teilweise guten Spiel verlor RB Leipzig letztlich etwas unglücklich mit 1:2 gegen den Schweizer Erstligisten FC Thun. Was letztlich, auch wenn es der letzte Test vor dem Start in die Pflichtspiele war, auf Ergebnisebene nicht wirklich wichtig ist.

Interessanter da schon die Personalentscheidungen von Alexander Zorniger in einem Spiel, in dem er weitestgehend auf jene Mannschaft setzen wollte, die auch gegen Burghausen auflaufen wird. Weswegen der Coach auch auf Kapitän Daniel Frahn verzichtete, der bekanntermaßen zum Auftakt gelbgesperrt fehlen wird. Dass Zorniger stattdessen in der ersten Halbzeit auf Federico Palacios-Martinez im Sturmzentrum setzte, durfte durchaus überraschen, denn bei allem Talent sind es die ersten Schritte im Männerbereich für den jungen Mann. Wenn Zorniger den 18jährigen tatsächlich als Option für die Startelf und für die Sturmmitte sieht, muss er von Unbekümmertheit und Klasse des Neuzugangs tatsächlich enorm überzeugt worden sein. In der zweiten Hälfte durfte dann der direkte Kontrahent Denis Thomalla die Position bekleiden. Dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden.

Überraschen durfte auch, dass im Tor 90 Minuten lang Benjamin Bellot spielen durfte. Angesichts des Coltorti-Ausfalls hatte man eigentlich eher mit Erik Domaschke gerechnet, der noch vor der Winterpause in den Pflichtspielen den Coltorti-Ersatz geben durfte. Ob Bellot nur im Tor stand, um den Konkurrenzkampf zwischen den Keepern noch einmal anzuheizen oder ob Bellot nun tatsächlich zur Nummer 2 aufgestiegen ist, bleibt erst einmal unklar. Fakt scheint, dass ein Domaschke-Einsatz gegen Burghausen keinesfalls sicher sein ist.

Nicht ganz so überraschend bekam Neuzugang Georg Teigl für 90 Minuten hinten rechts das Vertrauen. Was letztlich nicht bedeuten muss, dass er auch zum Pflichtspielauftakt diese Position bekleiden muss. Sondern nur heißt, dass Teigl einen Tag nach seiner Ankunft bei RB Leipzig zeigen sollte, wo er in Bezug auf die Rechtsverteidiger-Position steht. Quasi ein Leistungstest unter Spielbedingungen. Für die kommende Woche stellt sich dann die Frage, inwieweit Sebastian Heidinger von links nach rechts rutscht und Teigl verdrängt, sodass Anthony Jung auf links ins Team zurückkehren könnte oder Teigl tatsächlich aus dem Nichts in die Startelf rutscht.

Wenig Diskussionsbedarf dürfte es um die Mittelfeldpositionen geben. Joshua Kimmich ist weiterhin verletzt, sodass das Trio Kaiser, Ernst, Demme, wenn da nicht noch einer unter der Woche großen Mist baut, als sicher gelten kann. Dahinter stehen Fandrich und Röttger doch ein Stück zurück.

Eine Woche vor Punktspielstart gibt es weiter Abstimmungsbedarf - Alexander Zorniger erklärt Neuzugang Georg Teigl, was er sehen will | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Sicher im Team sollte auch Yussuf Poulsen auf der rechten Sturmposition stehen, während sich links offensiv Matthias Morys und André Luge um den verbleibenden Platz streiten könnten. Mit Vorteilen für Morys vermutlich. Eine kleine Chance besteht auch darin, dass Palacios-Martinez auf links agiert, falls Thomalla in die Sturmmitte geschickt wird.

Bliebe noch das Innenverteidiger-Duo Hoheneder-Franke, das offenbar aktuell die Nase vorn hat vor dem Duo Hoheneder-Willers. Da man Zornigers häufigen Unwillen, das Innenverteidiger-Duo zu verändern, kennt, der sich noch dadurch verstärken dürfte, dass er auf den Außenverteidiger-Positionen eh schon zu Veränderungen gezwungen ist (entweder Heidinger von links nach rechts verschieben oder Teigl neu ins Team), wird es wohl auch dabei bleiben.

Letztlich hat man ein Trainingslager hinter sich, das – so die Außenwirkung – atmosphärisch und sportlich sehr gut gewesen sein muss, aber von der üblen Müller-Verletzung aus dem Vaduz-Spiel überschattet wurde. Immer wieder kommt das Gespräch auf dieses Thema, das den Spielern offenbar ordentlich im Kopf steckt(e).

Aus den insgesamt vier Testspielen der Vorbereitung kann man nicht so viel ablesen. Das 8:0 gegen den unterklassigen 1.FC Bitterfeld-Wolfen war ein Muster ohne Wert und vor allem eine zusätzliche Kondidtionseinheit, nur eben mit Ball. Das 0:0 gegen Vaduz in nur 60 Minuten war angesichts der Müller-Verletzung sportlich auch ohne Wert. Das 3:0 gegen Velbert war angesichts des harten Trainingspensums zumindest passabel. Und das 1:2 gegen Thun war alles in allem von der Spielanlage her – so die Protagonisten – sehr gut. Allerdings kommen einem defensive Abstimmungsprobleme und offensive Ungenauigkeiten, die nach dem Spiel auch analysiert wurden, irgendwie als Ärgernisse schon aus der Hinrunde bekannt vor.

Letztlich zeigen die Trainingsspiele auch, dass sich die Mannschaft, die aktuell vier Abgänge und vier Zugänge verarbeitet, im Detail erst noch finden muss. Dominik Kaiser sprach nach dem Spiel gegen Thun exemplarisch davon, dass es für ihn bspw. darum gehen müsse, nach dem Abgang von Bastian Schulz auch die Lücke eines Führungsspielers zu besetzen. Die neue Rolle des Vizekapitäns weist darauf hin, dass er da künftig mehr Verantwortung tragen soll und auch gewillt ist zu tragen.

Abseits davon kann der Prozess der sportlichen Integration der Neuzugänge noch nicht abgeschlossen sein und wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, wie die Spieler im Alltag auftreten und wo sie letztlich ihren Platz in der Kaderhierarchie und auf dem Spielfeld finden. Das trifft Demme und die Frage Acht oder Sechs genauso wie jene nach der Position eines Palacios-Martinez im Sturm oder der Rechtsverteidiger-Qualität eines Georg Teigl. Mal ganz zu schweigen vom etwas bemitleidenswerten Mikko Sumusalo, der seit seinem Wechsel zu RB Leipzig wegen einer Verletzung noch keinerlei Einsatzminute bekam und nur wenige Male am Mannschaftstraining teilnahm.

Letztlich wird darin eine entscheidende Frage für die verbleibenden Drittliga-Spiele bestehen. Wie schnell sich die Mannschaft mit vier Neuzugängen bzw. vor allem in Sachen Teamchemie relevanten Abgängen und angesicht der relativ kurzen Vorbereitungszeit mit wenigen Testspielen finden wird.

Fazit: Ein trotz der Niederlage für RB Leipzig insgesamt guter Test gegen einen guten Gegner mit einigen Fragezeichen in Bezug auf die Besetzung der Teampositionen und auf die offensiven und defensiven Fähigkeiten des Mannschaftsverbunds. Wobei dies mit Pflichtspielbeginn eh alles Schall und Rauch ist. Abwarten was harte Arbeit und mannschaftliches Wohlfühlklima in der Vorbereitung gegen Burghausen auf dem Platz wert sein werden.

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Tore: 0:1 Krstic (54.), 1:1 Poulsen (66.), 1:2 Zuffi (81.)

Aufstellung: Bellot – Teigl, Hoheneder, Franke, Heidinger (85. Jung) – Kaiser, Ernst, Demme (70. Fandrich) – Poulsen (70. Luge), Palacios-Martinez (45. Thomalla), Morys (80.) Frahn

Zuschauer: ???

Links: RBL-Bericht, Thun-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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