Die bunte Welt des Toreschießens in der dritten Liga

Im Rahmen der gestrigen Betrachtungen in Sachen Transferaktivitäten tauchten mit Stefan Kutschke und Federico Palacios-Martinez auch zwei Stürmer in der Liste der (möglichen) Neuzugänge auf. Was zuerst einmal den Verdacht nahe legen könnte, dass RB Leipzig ein Torproblem hat und diesbezüglich nachbessern will. Was bei 34 erzielten Treffern erst einmal ein wenig erstaunlich klingt. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Blick ins Zahlenwerk rund um das Toreschießen in der dritten Liga.

Die erste Tabelle zeigt für alle Drittligateams die Anzahl der Tore, die Anzahl der Torschützen und die Anzahl der Tore im Schnitt pro Torschützen. Da es an dieser Stelle um die individuelle Torgefährlichkeit der Teams gehen soll, wurden Eigentore aus der Rechnung genommen, sprich von den 34 RB-Toren bspw. wurde das Eigentor des Kieler Herrmanns abgezogen, sodass 33 übrigbleiben.

TeamPlatzToreTorschützenTore/Spieler
1.FC Heidenheim133113,00
RB Leipzig233132,54
SV Darmstadt 98330122,50
FC Hansa Rostock427132,08
FC Rot-Weiß Erfurt533132,54
VfL Osnabrück626102,60
SV Wehen Wiesbaden726102,60
MSV Duisburg827112,45
BVB II928112,54
SpVgg Unterhaching1028112,54
Preußen Münster1133122,75
Jahn Regensburg1229122,42
Chemnitzer FC1324102,40
VfB Stuttgart II1426122,17
Stuttgarter Kickers152592,78
SV Elversberg161762,83
Holstein Kiel172492,67
Hallescher FC182072,86
1.FC Saarbrücken192392,56
Wacker Burghausen2021102,10

RB Leipzig in dieser Statistik in der Anzahl der Tore pro Torschützen im Ligenvergleich ein Durchschnittsteam. Heidenheim erzielt dieselbe Anzahl von Toren mit nur 11 Spielern, was andersherum natürlich auch bedeuten kann, dass dort die Verantwortung auf weniger Schultern liegt als bei RB Leipzig. Denn mit 13 Spielern gehört RB Leipzig bei der Anzahl der unterschiedlichen Torschützen zu den besten Teams und zeigt, dass (fast) alle, die auf dem Platz stehen, auch Tore erzielen können.

Am unteren Ende der Skala findet man Halle und Elversberg wieder, die zwar in der Quote der Tore pro Spieler ganz gut dastehen, aber nur sieben bzw. sogar nur sechs Spieler in ihren Reihen haben, die überhaupt schon mal ins Tor trafen. Das ist nach 21 Spieltagen dann doch eine etwas bittere Bilanz.

In Sachen Breite des Kaders in Sachen Torerzielung ganz interessant die folgende Tabelle, in der für alle Teams vermerkt ist, wie viel Prozent der Tore der beste Torschütze, die Torschützen 2-5 und der Rest des Teams erzielten. Das gibt letztlich Hinweise für die Beantwortung der Frage, inwiefern Teams besondere Abhängigkeiten von einzelnen oder wenigen Personen haben.

TeamPlatzToptorschütze12-5Rest
1.FC Heidenheim1Schnatterer (7)21,2154,5424,25
RB Leipzig2Frahn (8)24,2448,4827,28
SV Darmstadt 983Stroh-Engel (15)50,0026,6723,33
FC Hansa Rostock4Blacha (7)25,9344,4429,63
FC Rot-Weiß Erfurt5Nietfeld (5)15,1545,4539,40
VfL Osnabrück6Grimaldini (8)30,7750,0019,23
SV Wehen Wiesbaden7Vunguidica (6)23,0853,8523,07
MSV Duisburg8Onuegbu (11)40,7437,0422,22
BVB II9Ducksch (9)32,1442,8625,00
SpVgg Unterhaching10Voglsammer (5)17,8653,5728,57
Preußen Münster11Taylor (6)18,1851,5130,31
Jahn Regensburg12Amachaibou (6)20,6941,3837,93
Chemnitzer FC13Fink (6)25,0050,0025,00
VfB Stuttgart II14Grüttner (7)26,9234,6238,46
Stuttgarter Kickers15Marchese (8)32,0052,0016,00
SV Elversberg16Vaccaro (7)41,1852,9405,88
Holstein Kiel17Heider (6)25,0054,1720,83
Hallescher FC18Bertram (6)30,0060,0010,00
1.FC Saarbrücken19Hoffmann (5)21,7456,5221,74
Wacker Burghausen20Bencik (4)19,0552,3828,57

Betrachtet man die Zahlen, dann ist die ’normale‘ Verteilung offenbar, dass der Toptorschütze des Team ungefähr ein Viertel aller Tore erzielt, die vier Torschützen dahinter die Hälfte aller Tore beisteuern und der Rest der Mannschaft das letzte Viertel übernimmt. Nimmt man dies als Maßstab, dann ist RB Leipzig ein mehr als stinknormales Team. Was im konkreten Fall durchaus positiv gemeint ist, denn man hat einen Toptorschützen, der in akzeptablem Rahmen trifft, ein paar Torschützen dahinter, die auch ganz gut treffen und insgesamt ein Team, das sehr ausgewogen torgefährlich ist. Angesichts von 13 Torschützen und 33 Toren ist die Torverteilung eher das positive Zeichen, das die Verantwortung für Torgefahr gut verteilt ist.

Wobei der Teufel hier wie immer im Detail steckt, denn was die Zahlen nicht ausdrücken, ist die Tatsache, dass Daniel Frahn schon seit einigen Spielen nicht mehr getroffen hat und von den vier Spielern dahinter zwar Kaiser und Poulsen noch ordentliche Werte aufweisen, aber der viertbeste Torschütze Bastian Schulz den Verein verlassen hat und danach nur noch Spieler mit maximal zwei Toren kommen. Insbesondere die Torgefahr eines Bastian Schulz könnte man nach der Winterpause auf anderen Schultern wiederbeleben. Aber jenseits dieses Jammerns auf hohem Niveau bleibt der Fakt, dass sich die Torgefahr bei RB Leipzig auf viele Schultern verteilt.

Eine im Vergleich sehr erstaunliche Zahl liefert Erfurt ab. Fast 40 Prozent aller Tore werden dort von den Torschützen 6 bis 13 erzielt. Was der höchste Wert aller Drittligamannschaften ist. Was nichts anderes bedeutet, als dass in Erfurt die Ausgeglichenheit im Team in Bezug auf Tore am höchsten ist. Was erstaunen mag, angesichts der Tatsache, dass man gerade Kadertiefe vor der Saison nicht unbedingt als herausragende Qualität in Erfurt benannt hätte. Dass sie die vielen Verletzungen und sperrenbedingten Ausfälle dermaßen gut durch den Kader ausgleichen konnten, darf durchaus erstaunen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen auch, dass den Thüringern ein echter Knipser dann eben doch noch fehlt. Vielleicht kann ja Jonas Nietfeld, der aktuell treffsicherste und effektivste Stürmer mit gleichzeitig noch geringer Einsatzzeit diese Lücke dauerhaft füllen.

Auffällig auch noch die 50% beim SV Darmstadt, die ausdrücken, dass Dominik Stroh-Engel für die Hälfte aller Tore zuständig war. Wobei die Zahl dadurch verfälscht wird, dass beim Torjäger auch sechs Elfmeter dabei sind. Schießt die Elfer jemand anders im Team, dann sieht die Zahl schon anders aus. Ähnliches gilt für die Stuttgarter Kickers. Interessant aber die leicht verschobenen Zahlen beim MSV Duisburg, die darauf hinweisen, dass der Zweitligaabsteiger zwar mit Kingsley Onuegbu einen Toptorjäger hat, aber dahinter ein wenig die Tiefe im Kader fehlt.

Interessant an der Onuegbu-Geschichte ist auch, dass er all seine Tore tatsächlich aus dem Spiel heraus herzielt hat. Wodurch er in dieser Kategorie, die in Bezug auf die individuelle Torgefahr aussagekräftiger scheint als die Statistik mit Elfmetern, der beste Torschütze der Liga ist, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Minuten pro Tor beziehen sich in dieser Tabelle auf die erzielten Tore ohne Elfmeter. Aufgenommen in die Tabelle wurden alle Spieler mit mindestens sechs Toren, die mindestens die Hälfte der maximal möglichen Spielzeit von 1890 Minuten bestritten und zusätzlich jene Spieler mit fünf Toren und mindestens der Hälfte der maximal möglichen Einsatzzeit, die weniger als 200 Minuten pro Tor benötigten.

Dadurch fallen nicht uninteressante Spieler wie Angelo Vaccaro (7 Treffer, alle 154 Minuten) aus Elversberg oder Osnabrücks Pascal Testroet (mit 123 Minuten pro Tor aktuell effektivster Stürmer) oder auch der nach langer Verletzung zu alter Stärke zurückfindende Heidenheimer Patrick Mayer (alle 127 Minuten ein Tor) oder auch der bereits genannte Jonas Nietfeld aus der Rechnung, aber es garantiert, dass tatsächlich nur Spieler betrachtet werden, die über einen längeren Zeitraum gezeigt haben, dass sie Torgefahr ausstrahlen und nicht nur zufällig mal fünf Spiele am Stück trafen.

SpielerTeamToreTore ohne ElferMinuten pro TorSc.Pkt.Min./Sc.Pkt.
Dominik Stroh-EngelDarmstadt159195,6716110,06
Kingsley OnuegbuDuisburg1111161,5413136,69
Marvin DuckschBVB II98161,3812107,58
Daniel FrahnLeipzig87242,4210169,70
Vincenzo MarcheseStuttgarter Kickers82712,005284,80
Adriano GrimaldiOsnabrück88159,5010127,60
Marc SchnattererHeidenheim75373,4013143,62
Marco GrüttnerVfB II77255,149198,44
David BlachaRostock77224,298196,25
Angelo VaccaroElversberg75153,805153,80
Dennis GroteMünster62766,009170,22
Sören BertramHalle62775,007221,43
Matthew TaylorMünster66269,1711146,82
José Pierre VunguidicaWehen Wiesbaden66282,5011154,09
Abdenour AmachaibouRegensburg66251,8311137,36
Dominik KaiserLeipzig66286,1710171,70
Tobias JänickeWehen Wiesbaden66262,679175,11
Anton FinkChemnitz65347,008216,88
Elia SorianoStuttgarter Kickers66222,339148,22
Marc HeiderKiel66204,838153,63
Pascal TestroetOsnabrück66123,006123,00
Ronny GarbuschewskiChemnitz55336,8012140,33
Florian NiederlechnerHeidenheim55189,808118,63
Yussuf PoulsenLeipzig55318,208197,63
Patrick MayerHeidenheim54126,754126,75
Jonas NietfeldErfurt55132,206110,17
Tammo HarderBVB II55160,205160,20
Smail MorabitHeidenheim55196,607140,43

In der Bilanz der erzielten Tore ohne Elfmeter folgen auf den schon genannten Onuegbu die bekannten Ligagoalgetter Stroh-Engel, Grimaldi und Ducksch. Und auch Daniel Frahn ist dicht dran an dem Quartett. Das Bild verschiebt sich etwas, wenn man die Minuten pro Tor betrachtet, denn dort haben Grimaldi, Ducksch und Onuegbu relativ dicht beieinander liegend doch eine deutliche Nasenlänge Vorsprung vor der Konkurrenz. Woraus man durchaus erstmal schließen kann (und dem eigenen Augenschein nach liegt man damit nicht falsch), dass die drei auch die besten Stürmer der dritten Liga in der Hinrunde waren.

Dominik Stroh-Engel wirkt in dieser Rubrik (wie gesagt elferbereinigt) dann doch leicht geerdet und wie ein normal guter Drittligastürmer und nicht wie ein Tormonster. Und für Daniel Frahn bleibt gar nur Rang 10 bei dieser Zählweise. Direkte Folge der Torflaute, die im Hause Frahn in den letzten sechs Spielen herrschte.

Verwiesen sei an dieser Stelle noch gesondert auf Dominik Kaiser, der in der 21 Spieler umfassenden Liste neben Vincenzo Marchese der einzige zentrale Mittelfeldspieler ist. Alle anderen sind Stürmer, hängende Spitzen oder Flügelspieler. Und Marchese taucht in dieser Liste nur wegen seiner sechs verwandelten Elfmeter auf, hat aber abgesehen davon darin nichts verloren. Weswegen man mit Fug und Recht behaupten kann, dass Dominik Kaiser der torgefährlichste, zentrale Mittelfeldspieler der dritten Liga ist und diversen Stürmern einiges voraus hat.

Fazit: Insgesamt geht es bei RB Leipzig in Bezug auf Torgefahr im positiven Sinne normal zu. Man schießt viele Tore und verteilt dies auf viele Schultern, hat aber trotzdem zwei, drei Spieler (wenn man Poulsen mitrechnet), die einen größeren Löwenanteil schultern können. Für die Zeit nach der Winterpause darf man sich natürlich wünschen, dass aus dem gesamten Mannschaftsverbund noch mehr Torgefahr kommt und dass vor allem Daniel Frahn sein Torgen wiederfindet, aber insgesamt agiert man bereits auf relativ hohem Niveau.

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