Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie 3.Liga 2013/2014

Eine Woche noch bis Weihnachten. Zeit schon mal für erste Bilanzen. Und da die Hinrunde schon vor dem Münster-Spiel beendet war, bietet es sich umso mehr an, sich einmal anzuschauen, wo die 25 Spieler von RB Leipzig aktuell stehen und wie sie die letzten knapp fünf Monate seit Saisonbeginn verbracht haben. (Anmerkung: Der Rückblick ist geordnet nach Positionen auf dem Feld und innerhalb dieser geordnet nach Einsatzzeiten. Die Zahlen in der Klammer hinter den Spielern beziehen sich ausschließlich auf Drittligaspiele bis zum 19. Spieltag plus DFB-Pokalpartie.)

Tor

Fabio Coltorti (33 Jahre, 18 Spiele, 1540 Minuten): In seinem zweiten Jahr mit RB Leipzig bleibt Coltorti der gewohnt sichere Rückhalt, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er kaum Schwächen hat und immer da ist, wenn man ihn braucht. Von seiner Persönlichkeit, Ausstrahlung und Physis her mit einer unheimlichen Präsenz im eigenen Strafraum räumt er alles ab, was sich ihm in den Weg stellt. Mit seiner Emotionalität hat er es schon auf drei gelbe Karten gebracht. Ein Innenbandriss stoppte ihn im 17.Spiel vorerst auf dem Weg zu einer für einen Keeper ungewöhnlichen Gelbsperre. Als Torwart hinter einer einer hoch agierenden und viel wegfischenden Abwehr bekommt er nicht viele Gelegenheiten, sich durch spektakuläre Taten auszuzeichnen oder durch zehn Glanzparaden am Stück, den Sieg festzuhalten. Wenn mal was auf den Kasten kommt, dann sind es oft gleich Großchancen, bei denen man als Torhüter nicht immer viel ausrichten kann. Was zu der ziemlich absurden Situation führt, dass Fabio Coltorti beim Kicker nur den achtbesten Notenschnitt aller Drittligakeeper aufweist. Das Los dessen, der kaum auffällt. Was für die Mannschaft vor dem Torhüter aber auch insgesamt ein Kompliment ist. Die brenzligen Situationen, die es zu lösen gilt, löst Coltorti aber auch meist mit viel Ruhe und Klasse (spontan fällt nur das 0:1 in Chemnitz ein, bei dem ein Coltorti-Fehler ein spielverlaufentscheidende Komponente hatte). Klare, sehr gute Nummer 1, die hoffentlich zu Rückrundenbeginn wieder voll da ist.

Immer konzentrert, immer präsent - Fabio Coltorti bei einem Abwurf | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Erik Domaschke (28 Jahre, 3 Spiele, 260 Minuten): Hat sich aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner lauteren Art im Duell mit Benjamin Bellot als Nummer 2 durchgesetzt und durfte deswegen nach Coltortis Verletzung ins Tor rücken. Insgesamt wirkt Domaschke in seinem Torwartspiel wie eine 95%-Ausgabe von Fabio Coltorti. Weil er letztlich in der selben Art und Weise als ein Keeper ohne besondere Schwäche erscheint, der ein absolut solider Rückhalt seines Teams sein kann, nur eben nicht ganz an die Klasse von Coltorti als Torwart und Persönlichkeit heranreicht. In seinen ersten beiden Einsätzen stand Domaschke, zwei-, dreimal zu weit vor seinem Kasten, hielt aber ansonsten auch einige Male stark und sein Team im Spiel. In Münster wurde ihm dann, auch wegen einer eigenen guten Leistung, der Wunsch nach einem gegentorlosen Spiel erfüllt. Erik Domaschke ist weiterhin eine prima Nummer 2, bei der man sich wenig Sorgen machen muss, wenn Coltorti eben doch mal ausfällt. Chancen auf die Numme 1 gibt es aber keine.

Benjamin Bellot (23 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): In der Hierarchie der Keeper knapp auf Platz 3 gerutscht. Sein einziger Einsatz bisher fand abseits des Ligenbetriebs im Sachsenpokal statt. Weiterhin ein eher ruhiger Keeper, der bei Flanken ein wenig hinter den anderen beiden zurück bleibt, dafür aber ein prima Fußballer ist und somit die Anforderung bei RB, quasi als zusätzliche Anspielstation zu fungieren, ganz gut erfüllen könnte. Ob es in der dritten Liga noch mal für Einsatzzeit reicht, ist aktuell eher zweifelhaft. Wenn denn nicht Domaschke und Coltort gleichzeitig ausfallen. Oder es die U23-Regel, unter die Bellot diese Saison letztmals fällt, es erfordert.

Verteidigung

Niklas Hoheneder (27 Jahre, 16 Spiele, 1401 Minuten): An Niklas Hoheneders Bilanzen erkennt man wohl am besten, dass das begleitende Element der Hinrunde der Wechsel war. Bis zum 14.Spieltag startete Hoheneder und war – bis auf Unsicherheiten zu Saisonbeginn – eine Bank. Dann musste er eine Gelbsperre absitzen und fand sich im Anschluss daran plötzlich auf der Tribüne wieder, weil das Duo Willers/Franke gesetzt blieb und Sebastian aufgrund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit für die Bank bevorzugt wurde. Für Hoheneder eine weitgehend unbekannte Situation unter Zorniger. Der Österreicher ist von den vier Innenverteidigern vielleicht der kompletteste, der die wenigsten Schwächen hat. Kopfballspiel, Zweikampfverhalten, Schnelligkeit oder Aufbauspiel, in allen Bereichen hat Hoheneder mindestens gute Qualitäten. Und wenn er die abruft, gehört er eigentlich auch ins Team. Lediglich eine Torbeteiligung gelang dem 27jährigen noch nicht, auch wenn er gelegentlich schon nah dran war.

Immer in absoluter Nähe zum Gegenspieler - Niklas Hoheneder im Zweikampf mit Kingsley Onuegbu vom MSV Duisburg | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Anthony Jung (22 Jahre, 14 Spiele, 1191 Minuten): Der Neuzugang auf der Linksverteidiger-Position war bis zum 11.Spieltag gesetzt und fehlte keine einzige Spielminute. In seinen guten Momenten kann er mit seiner Dynamik, seiner feinen Technik, Tempodribblings und Torgefahr ein hervorragender Linksverteidiger sein, der es vermutlich komplett selbst in der Hand hat, ob er spielt oder nicht. Ab November kam Jung dann aber gar nicht mehr zum Zug, weil ihm offenbar die Frische fehlte und der Coach das Gefühl hatte, Jung ließe sich etwas hängen. Das Potenzial von Anthony Jung, das konnte man zu Saisonbeginn sehen, ist groß. Die Konstanz fehlt allerdings noch. Trotzdem hat er die zweitmeiste Einsatzzeit aller Abwehrspieler sammeln können.

Sebastian Heidinger (27 Jahre, 13 Spiele, 1046 Minuten): Sicherlich die größte, positive Überraschung im Abwehrbereich. Vor der Saison hatten ihn viele maximal als Notnagel auf der Rechnung. Was sich darin zu bestätigen schien, dass er erstmals Ende August überhaupt in den Kader rutschte und Anfang September die ersten Drittligaminuten sammelte. Seitdem ist er aber in jedem Spiel aufgelaufen und seit dem 9.Spieltag hat er keine Spielminute mehr verpasst. Eine erstaunliche Entwicklung, die dadurch noch erstaunlicher wird, dass er zwischen Links- und Rechtsverteidiger hin und her wechselte. Wobei er als Linksverteidiger den besseren Eindruck macht. Heidingers großer Vorteil ist die Dynamik, die es ihm immer wieder ermöglicht, in defensiven Zweikämpfen vor dem Gegner am Ball zu sein und so gefährlichen Situationen und Fouls aus dem Weg zu gehen. Offensiv bisher zweimal als Torschütze in Erscheinung getreten, gehen ihm noch ein wenig die Qualitäten eines Vorbereiters ab (eine Vorlage). Auch wenn er mit seiner Dynamik eigentlich auch immer wieder in des Gegners Hälfte mitmischt und als Anspielstation zur Verfügung steht. Insgesamt eine gute bis sehr gute Hinrunde, die kaum jemand in dieser Form erwartet hatte.

Tobias Willers (26 Jahre, 13 Spiele, 1046 Minuten): Der Neuzugang aus Lotte mit einer Hinrunde mit einigen Hochs und Tiefs. In den ersten Spielen jeweils von Beginn an im Team flog er in Burghausen vom Platz, kam nach seiner Rotsperre noch mal zurück in die Mannschaft, um dann erst mal sechs Spiele von draußen zuzugucken. Bei Willers hatte man das Gefühl, dass er ein wenig brauchen würde, bis er in Leipzig ankommt. Die Selbstverständlichkeit mit der er in Lotte die Leaderrolle ausfüllte und so vor allem ein emotionaler Faktor für sein Team war, ging ihm in Leipzig anfangs etwas ab, auch weil er hier plötzlich einer von vielen war. Seit dem 15.Spieltag wieder in der Mannschaft und deutlich integrierter. Abwehrsschlachten wie in Darmstadt kommen Willers entgegen, weil er sich in diese Spiele hineinbeißen kann. Diese Form von Spielen begegnen ihm bei RB Leipzig allerdings nicht allzu oft. Meist geht es darum, zu verhindern, dass der lauernde Kontrahent mit gelegentlichen Kontern zum Erfolg kommt. Sprich, als Abwehrspieler geht es darum, hellwach zu sein, um dann voll da zu sein, wenn die Situation es dann doch mal erfordert. Und es geht darum, den Spielaufbau mit klugem Spiel zu gestalten. Den aus Lotte bekannten Diagonalbällen, die Willers auch in Leipzig von Zeit zu Zeit einstreut, fehlte hierbei bisher in mancherlei Situation noch die Präzision.

Tim Sebastian (29 Jahre, 15 Spiele, 853 Minuten): Tim Sebastian entwickelt sich zum Vorzeigeergänzungsspieler. Lässt sich trotz seiner Rolle abseits des Stammspielers nicht hängen und ist sofort da, wenn er eingewechselt wird. Das zeigte er beim ersten Versuch als er in Burghausen in 34 Spielminuten nach Willers-Rot zu einem der besten Spieler auf dem Platz wurde. Und das zeigte er auch bei einigen anderen seiner insgesamt sieben Einwechslungen, bei denen es meist darum ging, eine Führung mit abzusichern. Typ Musterprofi, der in der aktuellen Saison bereits Innenverteidiger, Sechser und rechter Verteidiger gespielt hat. Wobei letzteres eher suboptimal ist, wie man spätestens in Elversberg sah. Sebastian bleibt weiterhin ein unheimlich wichtiger Baustein im Spiel von RB Leipzig. Auch als vornehmlicher Bankspieler.

Fabian Franke (24 Jahre, 10 Spiele, 812 Minuten): Was sich schon in der letzten Rückrunde andeutete, dass es für Fabian Franke nicht mehr selbstverständlich zum Stammplatz reicht, setzt sich auch in dieser Saison fort. Am Anfang der Hinrunde saß er nur auf der Bank und profitierte dann von der Rot-Sperre von Willers. Nach zwei Spielen saß er aber wieder lange auf der Bank, bevor er am 12.Spieltag ins Team rutschte und nicht mehr weg ging. Pech dann, dass ihm Kickers-Spieler Soriano mit einem Tritt das Jochbein zertrümmerte und er so wieder aus dem Team geworfen wurde. Franke dürfte weiterhin der beste Zweikämpfer aller vier Innenverteidiger sein. Eine Art Robert Huth der dritten Liga. Allerdings gelegentlich auch mal mit Aussetzern in der Ballbehauptung (Erfurt, Saarbrücken), bei denen er einmal mit einem Platzverweis wegen Notbremse hätte bestraft werden können und einmal ein Gegentor verursachte. Die Schwäche bei Franke ist aber weiterhin im Bereich des Aufbauspiels zu verorten, etwas was ihm mittelfristig den Posten in der Innenverteidgung kosten könnte. Wäre schade.

Christian Müller (30 Jahre, 9 Spiele, 627 Minuten): Einer der ‚Verlierer‘ im Team. Letztes Jahr noch unumstrittene Stammkraft, muss Christian Müller in dieser Saison um seine Einsatzminuten kämpfen. Erschwerend kamen noch eine Verletzung zu Saisonbeginn und drei Spiele Sperre nach einer Tätlichkeit in Heidenheim dazu. Seit dem Ablaufen der Sperre allerdings als Rechtsverteidiger wieder gesetzt und solide. Keine Torbeteiligung und gelegentliche defensive Wackler zeigen aber auch, dass Müller die ganz große Selbstverständlichkeit der vergangenen Saison noch fehlt. Führte das Team zuletzt zweimal als Kapitän aufs Feld und ist als Persönlichkeit wichtig fürs Team. Sportlich könnte er eher kurz- als mittelfristig Konkurrenz in Form eines jungen Neuzugangs bekommen.

Juri Judt (27 Jahre, 7 Spiele, 469 Minuten): Zu Beginn der Saison lief es für Juri Judt noch ganz gut. DFB-Pokal und einige Drittligaspiele verdiente er sich auch durch einen beherzten Auftritt im Testspiel gegen Werder Bremen. Eine Verletzung in der Partie gegen Wehen Wiesbaden nahm ihn dann aus dem Spiel und er kam (bis auf einen Einsatz Anfang November) nicht mehr zurück. Schließlich bat er dann kürzlich um die sofortige Vertragsauflösung, nachdem man ihm eröffnet hatte, dass man in der Rückrunde nicht mehr so recht mit ihm plant. Letztlich wurde wohl gerade im Vergleich mit den Konkurrenten Heidinger und Jung deutlich, dass Judt für einen Außenverteidiger immer ein wenig die Dynamik und zudem für einen Linksverteidiger immer ein wenig der linke Fuß fehlte. Was man ihm direkt gar nicht vorwerfen kann. Ist wohl eher ein Fall von zur falschen Zeit (Zorniger) auf der falschen Position (Außenverteidiger).

Mittelfeld

Dominik Kaiser (25 Jahre, 19 Spiele, 1699 Minuten): Einsatztechnisch die Konstante im Mittelfeld von RB Leipzig. Dominik Kaiser spielte 19 von 20 möglichen Spielen (pausierte einmal wegen Gelbsperre) und verpasste in diesen 19 Spielen lediglich 11 Minuten. Wodurch er der deutlich meisteingesetzte Spieler bei RB Leipzig ist. Neben Frahn und Coltorti wohl der einzige Spieler, der im Normalfall in dieser Saison immer als Starter aufs Feld laufen wird. Auch Kaiser hatte in dieser Saison – gemessen an den hohen Ansprüchen, die man an ihn hat –  seine Tiefs und Auszeiten, in denen er unterging. Aber insgesamt ist er weiterhin einer der wichtigsten Posten im Dreiermittelfeld, in dem er in dieser Saison meist von der zentralen Sechs auf eine der äußeren Sechser- bzw. eher Achter-Positionen gerückt ist, er also noch ein Stück offensiver agiert, als noch in großen Teilen der vergangenen Saison. Vielleicht war der damit verbundene Anpassungsprozess zusammen mit der kurzen Sommerpause ein Grund für die schwankenden Leistungen gerade in der ersten Saisonhälfte. Mit fünf Toren und vier Vorlagen ist Dominik Kaiser auch in diesem Jahr der torgefährlichste Mittelfeldspieler. Vier Tore und drei Vorlagen gelangen dabei zwischen den Spieltagen 9 und 17. Insgesamt ein unverzichtbarer Bestandteil des Teams, von dessen Tagesform weiterhin viel abhängt.

Am liebsten gegen Zwei - Dominik Kaiser in seiner Paraderolle als Balleroberer und Spielgestalter | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Henrik Ernst (27 Jahre, 15 Spiele, 1042 Minuten): Die unumschränkt positive Überraschung im zentralen Mittelfeld. Zu Beginn der Saison war Henrik Ernst genau der Ergänzungsspieler, der man vor der Saison vermutet hatte. Am 9.Spieltag lief er zum ersten Mal zum Beginn des Spiels mit aufs Feld und ließ sich seitdem von seiner Position nicht mehr verdrängen. Was einerseits an seinen Leistungen lag, andererseits aber auch damit zu tun hat, dass durch die Verschiebung von Kaiser auf die äußere Sechser-/Achter-Position auf der zentralen Sechs, auf der auch und vor allem defensive Qualitäten gefragt snd, die Frage nur noch Ernst oder Sebastian lautet. Und diese Frage kann Henrik Ernst mit seinem guten Stellungsspiel und Zweikampfverhalten, mit denen er unter Pacult auch als Innenverteidiger schon punkten konnte, für sich beantworten. Dazu kommt eine wachsende Sicherheit im Spiel nach vorn, die ihn zu einer guten Egänzung der Nebenleute Kaiser und Kimmich macht. Inwiefern die sportliche Leitung die weitestgehende Konkurrenzlosigkeit als kopfballstarker, defensiv denkender Sechser in kommenden Transferperioden beheben wird, muss man abwarten. Bis dahin darf man sich sehr freuen, dass der Regionalliga-Ergänzungsspieler Ernst tatsächlich zu einem ganz wichtigen Kern des Drittligateams geworden ist und solch schöne Erfahrungen wie den Sieg in Heidenheim 90 Minuten lang mitmachen durfte.

Bastian Schulz (28 Jahre, 16 Spiele, 783 Minuten): Wo ein Gewinner, da auch ein Verlierer. Und der heißt in Ansätzen Bastian Schulz, für den es quasi umgedreht wie für Henrik Ernst läuft. In der vergangenen Spielzeit noch zum Stammspieler gekämpft, wurde Schulz in der aktuellen Hinrunde in 16 Partien siebenmal eingewechselt. Sein letzter Startelfeinsatz war am achten Spieltag in Elversberg. Seitdem bleibt nur die Rolle als Einwechsler. Eine unbefriedigende Rolle, die Schulz aber nicht zu depremieren scheint. Wie er in Heidenheim seine Kollegen nach einer vereitelten Gastgeber-Chance von hinter dem Tor noch mal aufpeitscht und anfeuert, das macht man nur, wenn man voller Bestandteil der Mannschaft ist, auch wenn man gerade auf der Bank sitzt. Drei Treffer stehen auch schon wieder auf dem Konto von Bastian Schulz. Setzt man dies in Relation zu seinen nur 783 Minuten Einsatzzeit ist Schulz der zweithäufigst treffende Spieler im Team, da er all 261 Minuten trifft. Ein Wert, den außer Frahn (trifft alle 202 Minuten) kein anderer Spieler mit mindestens zwei Toren erreicht. Man muss abwarten, wie es für Bastian Schulz bei RB Leipzig weiter geht. Es geht dabei auch um die Verlängerung seines auslaufenden Vertrags. Völlig offenes Rennen.

Joshua Kimmich (18 Jahre, 9 Spiele, 675 Minuten): Auch so eine kleine Erfolgsgeschichte. Da kommt ein 18jähriger vom VfB Stuttgart, der ihm keine Einsatzzeit in der eigenen U23 einräumen, sondern nur die A-Jugend anbieten wollte, zu einem ausgeglichen besetzten Team wie RB Leipzig, weil er unbedingt seine ersten Schritte im Männerfußball machen will, ist ewig verletzt und spielt dann bei seinem ersten Startelf im Profifußball (zu dem wir die dritte Liga der Einfachheit und der Wahrheit halber einfach zählen wollen) beim überlegenen Spitzenreiter 1.FC Heidenheim mit einer Abgeklärtheit und Inspiration, dass man eigene Lobeshymnen dafür erfinden müsste. Seitdem ist Joshua Kimmich in verschiedenen Situationen auch wieder in der Realität gelandet, aber insgesamt spielt Kimmich eine unerwartet großartige Hinrunde und stellt in Sachen Ballverarbeitung unter Druck an guten Tagen sogar Dominik Kaiser in den Schatten. Zuletzt brachte er mit einem Tor und einer Vorlage auch die ersten Torbeteiligungen auf sein Konto. Mit 18 Jahren ist der Juniorennationalspieler sicherlich noch eine ganze Zeit anfällig für Schwankungen, aber falls der junge Mann verletzungsfrei bleibt und im Spiel mit und ohne Ball an die Hinrunde anknüpfen kann, dann darf man sich schon mal sehr freuen auf die verbleibenden Spiele. Und die sportlichen Chancen von RB Leipzig erhöht ein Kimmich damit natürlich auch.

Timo Röttger (28 Jahre, 16 Spiele, 536 Minuten): Zuletzt von Zorniger als wertvollster Ergänzungsspieler geadelt. Ein Titel mit dem sich Timo Röttger, der vor Jahresfrist mit seiner Reservistenrolle noch sehr unzufrieden war, inzwischen offenbar anfreunden kann. Wenn er ins Spiel kommt, dann holt das meist die Zuschauer, die in Röttger weiterhin ihren Liebling haben, (zurück) ins Boot. Und mit seiner unverwechselbaren Straßenfußballer-Art sorgt er fast immer für Belebung und/oder Ballsicherheit. Allerdings fehlt dem ganzen im bisherigen Saisonverlauf ein wenig die Effektivität. Dafür spricht zumindest nur eine verbuchte Torbeteiligung in neun Stunden Fußball. Effektiv ist Röttger dagegen im Sammeln gelber Karten (was auch darauf verweist, dass er sich immer mit vollem Elan ins Spiel wirft. Alle 134 Minuten eine gelbe Karte, das toppt im Kader nur Matthias Morys, der alle 108 Minuten den Karton sah. Timo Röttger ist als Einwechselspieler eine gute Option, um die Ballsicherheit zu erhöhen und im Eins-gegen-Eins noch mal Gefahr und Situationen vor des Gegners Tor zu generieren. Ein eigener Torefolg wäre Röttger bei seinen Versuchen durchaus noch zu gönnen.

Clemens Fandrich (22 Jahre, 9 Spiele, 484 Minuten): Stagniert in seinem zweiten Jahr bei RB Leipzig etwas. Clemens Fandrich kam vor einem Jahr und wurde in der Regionalliga-Rückrunde nur dreimal nicht berücksichtig. In dieser Saison verpasste er bisher mehr als die Hälfte der Spiele und wurde bei vier seiner neun Einsätze nur eingewechselt. Das dürfte weniger sein, als er sich bei seinem Wechsel von Cottbus nach Leipzig und dem Wunsch den nächsten Schritt zu machen und sich zu entwickeln, erwartet hatte. Mit zwei Torvorbereitung in nur 484 Minuten Einsatzzeit ist Fandrich immerhin der effektivste Vorbereiter aller Spieler mit mehr als einer Torvobereitung. Alles 242 Minuten ein finaler Pass verweist auch ansatzweise darauf, dass Clemens Fandrich über besondere fußballerische Qualitäten verfügt. Manchmal wirkt er allerdings im Ballbesitz und im Spiel gegen den Ball gedanklich noch zu langsam. Eventuell ein Phänomen, das sich durch ein Mehr an Spielpraxis lösen ließe. Angesichts der großen Konkurrenz im Mittelfeld wird es aber mit dem Mehr an Spielpraxis schwierig. Zumindest solange Kimmich und Kaiser einsetzbar sind.

Thiago Rockenbach (28 Jahre, 4 Spiele, 213 Minuten): Der ganz große Verlierer im Team von RB Leipzig. Vom Stammspieler zum Nichtspieler binnen einer Sommerpause. Ein Verfall, der sich in überschaubaren Leistungen in der Sommer-Vorbereitung bereits andeutete, der dann aber doch enorm schnell ging. Letztlich scheitert der exzellente Torvorbereiter Rockenbach an seiner fehlenden Bereitschaft, sich auf das (Gegen-)Pressing System von RB Leipzig einzulassen. Oder vielleicht ist es ja gar nicht die Bereitschaft, sondern es fehlen einfach die Fähigkeiten, die erforderlichen Maßnahmen bei Ballverlust oder in der Defensive umzusetzen. Egal wie, für Thiago Rockenbach, der nun bereits drei Jahre in Leipzig agiert, ist es eine sehr schwere Zeit und aktuell scheint es eher unwahrscheinlich, dass der Mittelfeldmann noch einmal als gefeierter Held auf den Drittligaplatz zurückkehrt. Selbst in der jüngsten Phase mit vielen Ausfällen kam Rockenbach nicht mal als Spieler für den Kader in Frage. Das sagt letztlich alles über die sportliche Eiszeit. Ändert sich daran nichts, ist wohl spätestens im Sommer – trotz Vertrag bis 2015 – Schluss für Rockenbach in Leipzig.

André Luge (22 Jahre, 2 Spiele, 142 Minuten): Ähnlich wie Rockenbach aufgrund seiner fehlenden Einpassung in die Systemerfordernisse mit sehr wenig Einsatzzeit. Aber im Gegensatz zu Rockenbach durchaus weiterhin mit Perspektive bei RB Leipzig. Saß lange auf Bank und Tribüne, bevor er in Saarbrücken die erste Chance bekam und sie gegen die desolate Gastgeberdefensive mit Freude nutzte. Auch eine Woche später gegen die Stuttgarter Kickers von Beginn an im Team und mit dem ersten Tor. Trotzdem sieht man in einigen Situationen, in denen das Umschalten von offensiv auf defensiv nicht schnell genug geht oder die Absicherung für den Nebenmann nicht da ist, was ihm noch fehlt, um sich bei RB dauerhaft durchzusetzen. Von seiner individuellen Klasse her ist Luge sicherlich ein wertvoller Spieler. Selbst in dem Kader von RB Leipzig. Wenn er jetzt auch noch den Anpassungsprozess an das neue System weiter vorantreibt, wird man an ihm und er an sich noch viel Freude haben.

Christos Papadimitriou (19 Jahre, 1 Spiel, 26 Minuten): Ein Kurzeinsatz. Und das beim undankbaren Spiel in Elversberg. Wo ein schneller Linksfuß wie Papadimitriou aber grundsätzlich die genau richtige Idee gegen defensive Gastgeber war. So richtig nutzen konnte der junge Grieche die Situation aber nicht. Letztlich ist er anhand seiner Spielzeit nicht wirklich einzuschätzen, aber Fakt ist, dass es für ihn bei RB Leipzig schwer wird, da das taktische Grundverständnis wie es sich in den Testspielen demonstrierte (noch) nicht drittligareif ist. Im Gespräch ist deswegen ein Wechsel zum Red-Bull-Schwester-Club FC Liefering, wo man seine weitere Entwicklung beobachten und später entscheiden könnte, ob das mit Papadimitriou und dem deutschen Fußball noch was werden kann.

Sturm

Daniel Frahn (26 Jahre, 18 Spiele, 1618 Minuten): Wie kein anderer im Team wird der Kapitän über Tore definiert. Wie kein anderer im Team ist Daniel Frahn auch jemand, der vornehmlich über seine Torjägerqualitäten funktioniert. Während sich ein Yussuf Poulsen sein Selbstvertrauen auch mal über Dribblings und Zweikämpfe holen kann, sieht ein Frahn ohne Torgefahr immer ein bisschen schlecht aus. Acht Tore in den ersten 13 Drittligaspielen waren diesbezüglich eine tolle Quote und brachten diverse Punkte. Nimmt man die drei Torvorlagen dazu, ist Daniel Frahn wieder der Topscorer im Team und eigentlich über jede Kritik erhaben, denn den Anpassungsprozess an die dritte Liga könnte man als sehr gelungen bezeichnen. Allerdings folgten dem Torbeteiligungsregen vier Spiele ohne Tor oder Vorlage und damit leichte Kratzer am Selbstverständnis. Wobei dies eigentlich auch schon deutlich überinterpretiert ist, denn in genau diesen Spielen fehlte es den RasenBallsportlern generell in Ideen, den gegnerischen Strafraum in Beschlag zu nehmen. Und wenn das Spiel von RB Leipzg strafraumfern läuft, dann ist das für einen Spieler wie Daniel Frahn, der vor allem am und im gegnerischen Strafraum erst so richtig warm wird, immer schwer zu glänzen. Zumal die Gegenspieler sich besser auf ihn einstellen und insgesamt aufgrund ihrer höheren Qualität im Vergleich mit den Regionalligakollegen bessere Möglichkeiten in der Verteidigungsarbeit haben. Insgesamt ist Daniel Frahn als Kapitän, Kopf der Mannschaft und Vollstrecker weiterhin eine der wichtigsten Personalien im Team. Und steht natürlich trotzdem – wie alle anderen – vor der Aufgabe den nächsten Schritt in der Karriere zu machen, die ja in der dritten Liga noch nicht enden soll.

Trotz jüngster Torflaute ein Leader und Torgarant - Daniel Frahn in typischer Schusshaltung | GEPA Pictures - Kerstin Kummer

Yussuf Poulsen (19 Jahre, 18 Spiele, 1491 Minuten): Der Neuzugang, der in der Öffentlichkeit und bei den Gegner immer als erstes genannt wird, wenn es darum geht nachzuweisen, dass RB Leipzig über überlegene Finanzmittel verfügt, wegen derer RB sportlich nicht aufzuhalten sei. Das muss man sich immer erst mal auf der Zunge zergehen lassen, dass Yussuf Poulsen ein junger dänischer Zweitligaspieler mit einer sehr guten Saison war, der mit RB Leipzig den ersten Schritt aus der Heimat heraus machte. Klar, RB Leipzig hat viel Geld für Talent und Potenzial investiert, aber wie Poulsen einschlagen würde, konnte keiner ahnen und wie er sich entwickeln wird, also ob die Investition sich auch auszahlt, kann weiterhin keiner voraussagen. Weswegen die Ableitung sportlicher Überlegenheit aus der finanziellen Investition immer etwas konstruiert wirkt. Fakt ist, dass Poulsen sein Talent in der Hinrunde mehr als belegt hat. Als tempo- und zweikampfstarker Stürmer, der vor allem die Flügel beackert, ist er vielfach eine Augenweide und kann den Unterschied ausmachen. Aber man hat auch gesehen, dass Poulsen in Sachen Spielübersicht und Abschlussstärke noch einiges lernen muss und dass er sich manchmal in Dribblings verliert. Er hat letztlich alle Fähigkeiten, um auch oberhalb der dritten Liga Karriere zu machen, aber auch für ihn steht der Entwicklungsschritt, der ihn tatsächlich zu einem solchen Spieler reifen lässt, noch an. Mit sieben Torbeteiligungen ist er in dieser Wertung bereits jetzt Nummer 3 bei RB Leipzig. Und hat doch noch einiges an Luft zum Abschöpfen. Wenn er da weiter wächst, kann man sich sehr auf die Zukunft mit Poulsen freuen.

Denis Thomalla (21 Jahre, 12 Spiele, 643 Minuten): Im Vergleich zu Poulsen geht der Sturmneuzugang naturgemäß etwas unter. Aber auch Denis Thomalla hat in der Schlussphase der Hinrunde seine Qualitäten gezeigt. Als Spielertyp ist er der eher vielseitige Stürmer, der genausogut Frahn-Ersatz wie hängende Spitze/ Zehner, Prellbock für den zweiten Ball oder im Fall der Fälle auch auf dem Flügel spielen kann. Sein Vorteil ist, dass er die Aufgaben des Systems in Sachen Spiel gegen den Ball nicht vernachlässigt und so immer eine Alternative ist, wenn es darum geht, als kompakte Formation aufzulaufen. Als Frahn-Ersatz wusste er in Saarbrücken und gegen die Stuttgarter Kickers zu überzeugen und konnte so auch sein zweites Saisontor erzielen. Denis Thomalla wird es – nach jetzigem Wissen – immer schwer haben im Kader von RB Leipzig. Letztlich ist er wie der defensive Allrounder Tim Sebastian immer ein bisschen darauf angewiesen, dass ihn taktische Erfordernisse oder Ausfälle anderer Stürmer in das Team spülen. Denn im Fall der Fälle sind die drei Stürmerpositionen mit Daniel Frahn in der Mitte und Yussuf Poulsen/ Matthias Morys auf den Flügeln mit Spielern besetzt, die auf den jeweiligen Positionen die besseren Spezialfähigkeiten mitbringen. Trotzdem kann Denis Thomalla damit zufrieden sein, dass er nach sehr wenig Spielzeit in der ersten Hälfte der Hinrunde, seine Chance genutzt hat und in den letzten Spielen nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte. Dass er aktuell deutlich vor einem Carsten Kammlott zu stehen scheint, ist Lohn dessen. Problematisch könnte werden, dass er sich selbst als Spieler beschreibt, der den berühmten Tritt in den Hintern braucht. Könnte sein, dass er ihn drei, vier Mal kriegt. Aber bei RB Leipzig brauchst du auch ein gesundes Maß Eigenmotivation, um dich im Konzert eines breiten Kaders durchzusetzen.

Carsten Kammlott (23 Jahre, 14 Spiele, 617 Minuten): Seitdem Carsten Kammlott in Leipzig ist, ploppt vor jeder Transferperiode dieselbe Frage auf. Die, wie es eigentlich mit Carsten Kammlott weitergeht und ob es nicht besser wäre, wenn er eine neue Herausforderung annimmt. Im Unterschied zu den letzten Jahren liegt allerdings keine Leihe mehr drin, da Kammlotts Vertrag in Leipzig am Saisonende ausläuft. Die Hinrunde muss für den 23jährigen jedenfalls als handfeste Enttäuschung durchgehen. Bis zum 14.Spieltag wurde er zumindest noch regelmäßig eingewechselt. Seitdem sitzt er fast nur noch auf der Bank. Und das in einer Situation, in der zwischenzeitlich mit Frahn und Morys zwei Stürmer ausfielen. Was die Chance für Luge und nicht für Kammlott wurde. Bezeichnend, dass Zorniger im Winter einen Stürmer holen will, um sich in der Offensive breiter aufzustellen. Kein gutes Signal für Kammlott, der schon immer ein Spieler zu sein schien, der längere Einsätze und Vertrauen am Stück braucht, um Topleistungen zu bringen. Kaum vorstellbar, dass er das in Leipzig noch mal finden wird. Nach aktuellem Stand stehen die Zeichen zwischen RB Leipzig und Carsten Kammlott jedenfalls eher auf Trennung denn auf Happy End.

Matthias Morys (26 Jahre, 10 Spiele, 542 Minuten): Ein bisschen der Pechvogel der Hinrunde. Hatte sich zwischenzeitlich mit seiner unbequemen und körperlichen Flügelstürmerart ins Team gespielt, wurde aber durch Verletzungen immer zurückgeworfen und ist schließlich seit Anfang November verletzt. Zwischendurch schaffte es Morys, sich in acht Einsätzen als Stürmer eine Sperre wegen der fünften gelben Karte einzuhandeln. Absolutes Rekordtempo. Letztlich fällt es aufgrund der geringen Einsatzzeiten schwer ein finales Urteil abzugeben, aber ein Morys in Topform- und mit Topmotivation ist eine unheimliche Bereicherung für das RB-Spiel und die perfekte Ergänzung von Yussuf Poulsen auf der anderen Flügelseite. Wenn er weniger verletzungsanfällig in die Rückrunde starten kann, wäre das für ihn und den Verein sicherlich optimal.

Fazit

Wenn man den bisherigen Saisonverlauf nimmt, dann fällt auf, dass lediglich neun Spieler mehr als die Hälfte der insgesamt möglichen Einsatzzeit von 1.800 Minuten absolviert haben. Und lediglich Coltorti, Frahn und Kaiser wären – wenn sie nicht aus unterschiedlichen Gründen Spiele verpasst hätten – nah an die 1.800 herangekommen. Sprich, die gesamte Breite des Kaders wurde in der Hinrunde recht umfangreich eingesetzt.

Erstaunlich dabei, dass trotzdem Platz 2 dabei heraussprang. Was in den letzten Jahren eher ein Hemmnis, denn ein Erfolgsrezept zu sein schien, nämlich in der Breite über einen qualitativ hochwertigen Kader zu verfügen, zahlt sich aktuell eher positiv aus. Denn trotz häufiger, aus der Ausfallsnot, aber auch aus sportlicher Notwendigkeit entstandener Wechsel spielt RB Leipzig mit spielerischen Ausreißern nach oben und unten eine recht konstante Saison, in der man noch keine zweimal am Stück verlor und durchgängig am oberen Ende der Tabelle zu finden war.

Letztlich bedeutet das auch, dass man praktisch alle Ausfälle kompensieren kann und gegen die Stuttgarter Kickers sogar ohne die normal gesetzte Achse Coltorti, Kaiser, Frahn gewinnen konnte. Interessanterweise gibt es nur eine Konstellation, die für RB Leipzig nicht kompensierbar scheint. Und das ist dann der Fall, wenn Matthias Morys und Yussuf Poulsen gemeinsam ausfallen. Was in Elversberg und Chemnitz der Fall war. Jene Partien, die man mit Fug und Recht als die beiden schlechtesten Partien der Hinrunde bezeichnen kann. Partien auch, in denen RB Leipzig kaum Torgefahr produzierte.

Wenn also im Sturm jene Spieler ausfallen, die für Geschwindigkeit, Physis und Torgefahr stehen, wird es selbst für RB schwierig, dies zu kompensieren. Ein Zustand, den eventuell ein an seinen Aufgaben wachsender André Luge als Alternative auffangen könnte. Ein Zustand auf jeden Fall, der zeigt, dass man die schnellen Flügelspieler braucht, um die gegnerische Abwehr zu beschäftigen und die Defensivaufmerksamkeit auf einen Poulsen beispielsweise zu lenken, damit anderswo Räume entstehen.

Die geneigte Leserin oder der geneigte Leser könnte einwenden, dass sich doch dann nichts von der Pacult-Zeit unterscheide, als man auf eine Flügelzange setzte, die mit ihrer individuellen Klasse die Lücken reißen und für Frahn und Kutschke auflegen sollte. Ganz so einfach ist es nicht, denn die aktuellen Flügelspieler verfolgen eher den Zweck das Spiel breit zu machen, um dann verschiedene Optionen und auch Räume in der Mitte (zum Beispiel für Kimmich und Kaiser) zu haben, während es in der Pacult-Ära eher auf ein statisches und ausschließliches Flügelspiel ohne Überraschungsmomente hinauslief.

Trotzdem bleibt der Fakt, dass man aktuell bei RB Leipzig die Klasse der Flügelstürmer mit und gegen den Ball zu brauchen scheint, um den Gegner eine Aufgabe zu stellen, die eine harte Nuss darstellt. Das wird in der Rückrunde vermutlich nicht anders sein.

Insgesamt verbleiben als positive Kaderüberraschungen der Hinrunde vor allem Henrik Ernst, Joshua Kimmich und Sebastian Heidinger. Auf der negativen Seite könnte man Thiago Rockenbach, Carsten Kammlott, Clemens Fandrich und mit Abstrichen Bastian Schulz und Christian Müller verbuchen, die sich in unterschiedlichem Ausmaß vielleicht mehr (Einsatzzeit und Erfolgserlebnisse) von den ersten 19 bzw. mit DFB-Pokal 20 Spielen versprochen hatten. Mal sehen, was die Rückrunde, die ja schon läuft, so alles an Überraschungen auf individueller Ebene mit sich bringen wird.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ 2 x Roger Petzsche, 1 x Sven Sonntag, 1 x Kerstin Kummer

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4 Gedanken zu „Kaderrückblick RB Leipzig: Hinserie 3.Liga 2013/2014“

  1. Ich denke zu den großen 3 in Sachen Einsatzzeit ist unbedingt noch Poulsen hinzuzuzählen. Ohne die Länderspiele unter der Woche und seinen kaputten Wecker wäre er wohl auf dem Niveau von Frahn und Kaiser, mehr Zeit als Coltorti hat er ja durch dessen Verletzung.

    Bezüglich Müller würde aktuell nicht von einem Verlierer sprechen. Nach der Verletzung bzw. der Roten gleich wieder im Team und Stammkraft. Defensiv auch eher einer der Stabilsten, wenn er nicht wegen der Grundausrichtung zu hoch steht. Bezüglich der Torbeteiligungen war er auch letzte Saison nicht so gut, ich denke das flankenärmere Spiel kommt ihm nicht so gelegen. Bisher haben sich an ihm jedenfalls schon einige die Zähne ausgebissen und gute AV sind auch recht selten.

  2. Excellent.
    Immer wieder eine Freude, Deinen Blog zu lesen. Hoffen wir, dass die Mannschaft uns den Gabentisch am Samstag richtig deckt.
    In diesem Sinne mit rot-weissen Grüßen

  3. @Rumpel: Mit Poulsen hast du sicherlich recht. Gefühlt ist er für mich noch nicht lange genug da, um mit den anderen dreien auf einer Stufe zu stehen, aber faktisch stimmt es natürlich.

    Bei Müller kann ich mich allerdings erinnern, dass er noch draußen blieb, nachdem er selber schon eine ganze Weile seine Genesung und seinen Spielwillen angezeigt hatte. Im September saß er bei vier Spielen zu Beginn auf der Bank und bekam in dieser Zeit gerade mal zwei Minuten Einsatzzeit. Das ist für einen wie Müller durchaus etwas wenig bzw. weniger als man ausgehend von der letzten Saison erwarten hätte können.

    @IT Wolle: Merci. Ja, ein Sieg am Samstag würde das Jahr 2013 ordentlich veredeln..

  4. Trotz diverser Verletzungen und Gelbsperren, war für mich die Hinrunde überraschend positiv. Wenn wir uns nicht selber im Weg stehen, sieht es gut aus für die Rückrunde.

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