3.Liga: SC Preußen Münster vs. RB Leipzig 0:0

Wenn vor der Saison jemand aus den zwei Spielen von RB Leipzig gegen Preußen Münster zwei Punkte versprochen hätte, hätte man vermutlich zugeschlagen, weil man dies als ziemlich gut aus zwei Spielen gegen einen Topgegner empfunden hätte. Nachdem die zwei Partien gespielt wurden, muss man feststellen, dass auch 6 Punkte möglich gewesen wären, man sich also eher über zu wenige Punkte ärgern darf.

Im Heimspiel vor knapp fünf Monaten war RB Leipzig das bessere Team und spielte trotzdem 2:2. Im Auswärtsspiel in Münster waren die RasenBallsportler zumindest 60 Minuten lang dominant und konzentriert, vergaßen aber das Tore schießen und mussten am Ende mit dem einen Punkt sogar noch zufrieden sein.

Nicht mitwirken konnte in der Startelf Dominik Kaiser, der nach auskuriertem Infekt erst einmal auf der Bank Platz nahm. Clemens Fandrich durfte dafür, wie schon gegen die Stuttgarter Kickers, auflaufen und zeigte, auch wie gegen die Stuttgarter Kickers, Licht und Schatten.

Wieder mitwirken konnte dagegen Kapitän Daniel Frahn, der eine Halbzeit lang eine gute Partie spielte, in der zweiten Halbzeit aber ein wenig unterging. Heraus kam letztlich ein 4-3-3 in Form eines 4-1-2-2-1, das defensiv vor allem auch die Flügel zustellen sollte.

Der Gastgeber entschied sich derweil nicht unerwartet für ein offensiv besetztes 4-2-3-1 mit Amaury Bischoff als Sechser und Marcus Piossek als Zehner (Siegert und Grote spielten derweil auf den Außenbahnen), sodass Kapitän und defensivem Sechser Stefan Kühne nur die Bank blieb.

Interessant an der Begegnung war insbesondere das Auftreten der Gastgeber, die in Sachen Spielphilosophie nach dem Trainerwechsel von Dotchev zu Loose ein komplett anderes Bild boten. Während Dotchevs Idee darin bestand, den Gegner zu zerspielen, setzt Loose auf das Spiel gegen den Ball, Ballgewinne und das schnelle Spiel in die Spitze oder auf die Flügel.

Kampf um jeden Ball - Joshua Kimmich und Marcus Piossek demonstrieren das Spielprinzip bei Preußen Münster gegen RB Leipzig | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Dass Preußen Münster mit dieser simplen, aber effektiven Spielidee, die ja erst mitten in der Saison implementiert wurde, noch nicht zu 100% warm ist, sah man in der ersten Hälfte, als zwischen den Ketten doch einige Lücken waren und sich RB Leipzig darin einige Male austobte. Aber auch dort funktionierte die Idee zeitweise schon ganz gut, nur dass man mit den Bällen auf dem Flügel oder in der Mitte nichts wirklich torgefährliches anstellte.

Im Laufe des Spiels gelang es den Gastgebern dann immer besser – auch weil RB Leipzig in der letzten halben Stunde die Ballsicherheit im Mittelfeld verloren ging – Bälle bereits früh zu erkämpfen und daraus gefährliche Situationen zu generieren. Mit zunehmender Spielzeit hatte man dann deswegen auch das Gefühl, dass eher der Gastgeber noch zum Lucky Punch ansetzt als RB Leipzig.

Dass Münster überhaupt in diese Situation kam, noch vom Heimdreier träumen zu dürfen, hatten sich die RasenBallsportler selbst zuzuschreiben. Denn 60 Minuten kontrollierte und dominierte man den Gegner (abgesehen von den Anfangsminuten) weitestgehend und spielte sich immer wieder an und in den Strafraum. Nur dass dann dort das letzte Quentchen an Konsequenz und Abschlussgeschick fehlte, um das zeitweise durchaus ansehnliche Treiben auch in Zahlen auszudrücken.

Wobei man auch anerkennen muss, dass Preußen Münster zwar noch das eine oder andere Problem hatte, zwischen den Ketten wirklich kompakt zu agieren, aber dafür immer wieder bei gefährlichen Situationen auf die Hilfe der Nebenleute vertrauen konnte. Sprich der Abwehrverbund einen guten Job machte.

Trotzdem war das 0:0 zur Pause für die Gastgeber ein eher schmeichelhaftes Resultat, denn während ihre eigenen Bemühungen regelmäßig spätestens an der Strafraumgrenze endeten, hatte RB Leipzig durch vor allem Daniel Frahn, aber auch Tobias Willers, Denis Thomalla oder Joshua Kimmich gute Gelegenheiten und konnte in einigen anderen Situationen erst im letzten Moment gestört werden.

Bis zur Pause erinnerte von der Dominanz her viel an das Spiel von RB Leipzig in Saarbrücken, nur dass Preußens Abwehrreihe letztlich ein ganzes Stück stärker war und einige gefährliche Situationen klären konnte, in denen Saarbrücken nicht auf der Höhe gewesen wäre.

Das Bild war in der zweiten Halbzeit noch 15 Minuten lang ein ähnliches wie in Hälfte 1, auch wenn sich schon andeutete, dass sich der Gastgeber in die Partie kämpfen will und RB Leipzig die Kontrolle im Mittelfeld verliert.

Ab der 60.Minute wurde dies immer deutlicher, sodass das Spiel nun auf Augenhöhe und mit offenem Visier hin- und herwogte. RB Leipzig versuchte weiterhin offensiv Akzente zu setzen, wurde dabei aber immer ungenauer und hektischer. Und Preußen Münster zog daraus Kapital und nutzte die immer häufigeren Ballgewinne dazu, einige Male gefährlich in den Strafraum vorzudringen, ohne freilich die finale Gefahr heraufzubeschwören, weil letztlich immer irgendwie ein Verteidiger dazwischen spritzte.

Alexander Zorniger versuchte das seine, den Druck und die Kontrolle der ersten Hälfte am Leben zu erhalten. Mit Timo Röttger wechselte er früh einen Spieler ein, der offensiv in den Lücken hätte seine individuelle Klasse ausspielen sollen und dies auch einige Male tat. Nach dem Spiel bekannte er, dass durch die Auswechslung von Clemens Fandrich gleichzeitig die Kompaktheit im eigenen Spiel verloren gegangen sei, ein Gutteil der Gefährlichkeit der Preußen ab der 60. Minute also auf Kappe des Trainers geht.

Ein Baustein für das weitere Kippen des Spiels war aber auch der Wechsel Kimmich zu Kaiser. Kimmich hatte weitgehend einen guten Job gemacht, an den Kaiser in seinen 20 Minuten nicht ganz anknüpfen konnte und einige ungewohnte und unbedrängte Fehlpässe spielte, die den Preußen entgegen kamen. Die Idee mit einem frischen Spieler, die Kompaktheit im Mittelfeld wieder zu erhöhen und damit auch die Kontrolle wiederzugewinnen, ging also nicht so recht auf.

Und auch André Luge muss man in dieser Reihe sehen. Ein Spieler, der in der wilden Schlussphase hätte der Unterschiedsspieler sein können, dies aber nicht wurde, weil er in seinen 10 Minuten nicht mehr so recht ins Spiel hineinfand.

Sodass es letztlich bei einem 0:0 blieb, mit dem sich beide Trainer zufrieden zeigten. Ein 0:0, das bei misslichen äußeren Bedingungen und einem tiefen Rasen nicht für hochklassigen Fußball stand, aber unheimlich intensiv und durchgängig enorm temporeich war. Fast schon ein typisches Spiel zweier Mannschaften, die auf ähnlichem Wege gen Tor streben (wobei RB Leipzig inzwischen spielerisch ein ganzes Stück weiter scheint und nach Ballgewinn den Ball nicht mehr nur steil nach vorn spielt) und versuchen, den Gegner früh zu attackieren (wobei hier die Preußen wesentlich dosierter vorgingen).

Fazit: Nimmt man nur die ersten 60 Minuten des Spiels in Münster, dann muss man aus RB-Sicht ganz sicher um zwei verschenkte Punkte trauern. Nimmt man nur die letzten 30 Minuten, dann hätte man sich auch über eine Niederlage kurz vor Toresschluss nicht beschweren können. Sodass RB Leipzig mit der Punkteteilung letztlich leben können muss und auch leben kann.

Randbemerkung: Das erste Auswärtsunentschieden der Saison. Bisher gab es nur Hopp oder Topp. Zudem stand die Doppelnull in der dritten Liga bei Beteiligung von RB Leipzig noch nie am Ende einer Partie auf der Anzeigetafel. Premiere also auch diesbezüglich. Zudem war es erst das zweite Mal in dieser Saison, dass RB Leipzig in einem Spiel kein Tor schoss. Das erste Mal war in Elversberg. Man kommt also im Normalfall bei RB-Spielen auf seine (Tor-)Kosten.

Lichtblicke:

  • Erik Domaschke: Nicht unbedingt ein Spiel, in dem die Torhüter übermäßig glänzen konnten, denn allzu viel kam direkt nicht auf ihren jeweiligen Kasten. Das meiste flog dann doch vorbei. Trotzdem fiel Erik Domaschke mit einer unheimlichen Konzentration bei vielen Szenen des Herauslaufens auf und fischte ansonsten (bis auf einen Wackler) alles aus der Luft, was dann doch mal durch seinen Strafraum flog. In der ersten Halbzeit einmal von Grote böse am Kopf getroffen. Und sofort waren die Franke-Jochbeinbruch-Bilder wieder präsent. Glücklicherweise ging es weiter und der Leistung tat dies auch keinen Abbruch.
  • Henrik Ernst: Auch der zentral-defensive Sechser mit einer weitgehend sehr guten Leistung als Staubsauger und sogar auch in einigen Situationen als Spieleröffner. War lange Zeit Chef im Mittelfeldring bis dann irgendwann allgemein die Ruhe verloren ging. Gewann die Zweikämpfe, wenn nötig und griff zum Foul, wenn es keine andere Möglichkeit gab. Schon beeindruckend, wie sich Ernst zum Stammspieler im Team entwickelt hat.
  • Sebastian Heidinger: Mal stellvertretend für einige Spiele in jüngerer Vergangenheit. Heidinger ging als Backup für die Außenverteidigerpositionen in die Saison und ist nun fast schon nicht mehr wegzudenken. Wie er mit seiner Dynamik und Schnelligkeit diverse, potenziell gefährliche Situationen auf seiner Seite, meist ohne Foulspiel, löste und gleichzeitig trotzdem noch Zeit hatte für einige Offensivausflüge, das macht schon Spaß zuzugucken.

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Tore: Keine

Aufstellung: Domaschke – Müller, Hoheneder, Willers, Heidinger – Fandrich (52. Röttger) Ernst, Kimmich (72. Kaiser) – Thomalla (82. Luge), Frahn, Poulsen

Zuschauer: 6.787 (davon 150 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], SCP-Bericht, Kicker-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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4 Gedanken zu „3.Liga: SC Preußen Münster vs. RB Leipzig 0:0“

  1. Danke für Deine Analyse. 7 Punkte aus 3 Spielen. Davon 4 Punkte auf fremden Rasen. Für mich ist das Glas halb voll. Auch wenn nicht alles gut ist. Aber dann wäre es langweilig.;-)

  2. Sehr gute Analyse, ich bin mit dem Punkt vor und nach dem Spiel sehr zufrieden.
    RB Leipzig steht als Aufsteiger hervorragend da. Noch drei Punkte gegen Halle und wir können schöne Weihnachten feiern. 😉

  3. Also was Heidinger angeht, da möchte ich nur teilweise zustimmen! Sicherlich, sein defensives Zweikampfverhalten hat sich um übertrieben 100% verbessert, aber was das Passspiel nach vorn angeht, katastrophal! Da muss ich ehrlich gesagt von ihm mehr verlangen, gerade von ihm und seinen fußballerischen Qualitäten! Für mich ist und bleibt das eine Notlösung!

  4. Sagen wir so, ein Jung in Topform stünde wohl fast immer vor Heidinger. Trotzdem finde ich, dass Heidinger eine recht gute Balance aus Offensive und Defensive hat und so auch immer als Partner für denjenigen, der da noch links offensiv mit rumrennt, zur Verfügung steht. Da ginge sicherlich noch mehr, aber wenn ich aktuell links und rechts miteinander vergleiche, dann finde ich Heidinger links im positiven Sinne etwas auffälliger als Müller rechts. Und das hätte ich zu Beginn der Saison nicht in Ansätzen gedacht..

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