3.Liga: 1.FC Saarbrücken vs. RB Leipzig 2:3

Es war keine leichte Geburt dieses 3:2 beim 1.FC Saarbrücken, das RB Leipzig nach zweimaligem Rückstand mit nach Hause nahm. Aber es war das mehr als verdiente Ende einer Partie, die man fast über die komplette Spielzeit in überzeugender Art und Weise spielerisch und kämpferisch dominierte. Und dabei gnadenlos die Schwäche der Gastgeber in der defensiven Gesamtorganisation aufdeckte. Es war letztlich eine Demonstration der Stärke, begünstigt durch einen weitestgehend blutleeren und emotionslosen Auftritt der Heimelf (Ausdruck dessen sicherlich auch, dass sie keine einzige gelbe Karte kassierten), nach dem man tatsächlich fürchten muss, dass der Kampf gegen den Abstieg für die Saarländer trotz aller individueller Qualität auch schief gehen kann.

Überraschung und doch auch irgendwie logische Entscheidung, dass Alexander Zorniger vor der Partie André Luge erstmals in dieser Saison überhaupt und dann gleich für die Startelf das Vertrauen schenkte und so die Sturmreihe Poulsen, Thomalla, Luge bildete, in der Thomalla zentral mal als Stürmer, dann auch wieder zurückfallend als hängender Stürmer agierte und die anderen beiden über die Außen wirbelten. Es war dies die perfekte Wahl, denn die agilen, schnellen Poulsen und Luge bekam der 1.FC Saarbrücken nie in den Griff.

Mit der ersten Minute waren die RasenBallsportler das wachere und aktivere Team auf dem Feld und setzten sofort die ersten Akzente und suchten den Weg Richtung Gastgebertor. Doch das Tor machte Saarbrücken mit der ersten Aktion ihrerseits überhaupt, als Franke einen ewig in der Luft befindlichen Ball nicht gegen den erst- und zweitligaerfahrenen Marcel Ziemer abschirmen kann und der den Fehler des Abwehrmanns kaltschnäuzig zum 1:0 nutzt. Das war einer von drei Momenten, in denen das Spiel in die falsche Richtung hätte abbiegen können.

Dass es dies nicht tat, lag daran dass sich RB Leipzig nur ganz kurz schüttelte und sofort wieder den Vorwärtsgang einlegte. Luge hat nur drei Minuten nach dem Rückstand bereits die große Chance auf den Ausgleich, lässt sie aber liegen. Und so ist es erstaunlicherweise eine Ecke, in deren Folge der Ausgleich fällt. Fabian Franke fallen dabei sichtlich diverseste Steine vom Herzen, nachdem er den Ball mit dem Kopf über die Linie drückt.

Den Rest der Halbzeit spielt eigentlich fast ausschließlich RB Leipzig. Phasenweise läuft Angriff auf Angriff Richtung Gästetor. Doch mal ist der letzte Pass im Strafraum zu ungenau, mal ist der Abschluss nicht gut genug und geht am Kasten von Timo Ochs im Saarbrücker Tor vorbei. Aber beeindruckend ist es schon mit welcher Dominanz die Gäse dieses Spiel beherrschen und vor allem im Mittelfeld fast durchgängig ohne ernste Gegenwehr schalten und walten dürfen, weswegen sie immer wieder Wege finden, die Außenbahnen und auch die Außenverteidiger offensiv ins Spiel zu bringen. Dass am Ende der 45 Minuten ein 1:1 steht, war für Saarbrücken äußerst schmeichelhaft.

Der finale Weg ins Glück - Tobias Willers mit dem 3:2 beim 1.FC Saarbrücken | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Das zweite Mal, dass das Spiel hätte in die Richtung des Gastgebers abbiegen können, war in den ersten fünf bis zehn Minuten der zweiten Halbzeit. Die mit der ganz, ganz kalten Dusche direkt nach dem Anstoß beginnt. Der lang geschlagen postwendend zurückkommt. Heidinger unterläuft den langen Ball. Ziemer bekommt ihn 25 Meter vor dem Tor schön auf den Fuß und schießt ihn dann über den (vermutlich weil er in der Situation nicht mit einem Torabschluss rechnet) etwas weit vor seinem Fünf-Meter-Raum stehenden Domaschke, der dem Ball nur noch staunend hinterherschauen kann. Marcel Ziemer mag nicht der fitteste Spieler der dritten Liga sein, aber individuell ist er überragend und aus zwei Situationen, die keine sind, macht er zwei Tore.

45 Minuten war RB Leipzig drückend überlegen und nach 46 liegt man trotzdem hinten. Und in den nächsten Minuten merkte man, dass die RasenBallsportler an diesem Ereignis nagten, denn nun verloren sie im Mittelfeld kurz die Kontrolle, was in zwei, drei potentiell sehr gefährlichen Kontern mündete. Inklusive einer Zwei-gegen-Eins-Situation. Macht Saarbrücken hier das Tor, kann das Spiel endgültig kippen. Machen sie aber nicht, weil sie die Konter nicht erfolgreich zu Ende spielen und so schlägt RB Leipzig spielerisch zurück. Immer wieder über die Außen, immer wieder schnell. So auch beim 2:2, bei dem Luge links durch ist und Poulsen in der Mitte bedient, der aus drei Metern Timo Ochs anschießt. Doch Glück für die Beteiligten in der Situation, denn Joshua Kimmich findet die Chancenverwertung aus dem Spiel heraus gar nicht mehr lustig und hämmert den Nachschuss aus zehn Metern humorlos in die Maschen.

Doch die zehn Minuten nach der Pause, in denen Saarbrücken chancentechnisch mindestens auf Augenhöhe war, waren noch nicht rum. Serkan Göcer lief von halbrechts allein auf Domaschke zu, doch der Coltorti-Ersatz brachte blitzschnell seinen Fuß in den Schuss. Glück gehabt. Und auch hier gilt, ein drittes Tor hätte den Gästen trotz lange starkem Spiel vielleicht den Todesstoß versetzt.

Doch ab der 56. Minute spielte wie schon in Hälfte 1 fast nur noch RB Leipzig. Nicht mehr mit derselben direkten Torgefahr, aber immer noch gefährlich genug, um dem Tor einige Male nahe zu kommen und diverse Ecken oder Freistöße in Strafraumnähe zu holen. Und so wurde dann auch tatsächlich einer der Freistöße zum Matchwinner, denn eine Kaiser-Hereingabe (fehlt nächte Woche, weil er die fünfte gelbe Karte sah) hämmerte Tobias Willers mit ungeheurer Präzision per Dropkick unten links in die Ecke. Eine unglaubliche Befreiung bei den nur 100 Mitgereisten, beim Team und auch beim Trainer, der sich mitten in die Spielertraube schmiss, ob der Tatsache, dass das Ergebnis nun zumindest die deutliche Überlegenheit in der überwiegenden Spielzeit honorierte.

An dieser Überlegenheit änderte sich auch in der verbleibenden Spielzeit nichts mehr. RB brachte relativ sicher alle Angriffsversuche der Gastgeber, die nun mit langen Bällen ihr Glück suchten, unter Kontrolle und setzte selbst einige gefährliche Konter, ohne diese final ausspielen zu können. In ein, zwei Situationen in der Nachspielzeit agierte man dann auch nicht clever und überließ das Spielgerät dem Gastgeber zu schnell, sodass die Sekunden vor dem Ende noch zu Situation 3 im Spiel kamen, die das Spiel hätte doch noch in Richtung des Gastgebers kippen lassen können.

Denn ein Moment der Unordnung ließ Tim Knipping 20 Meter vor dem RB-Tor zum Schuss kommen, bei dem Domaschke wieder ein kleines Stückchen zu weit vor dem Tor steht, um noch eingreifen zu können. Doch neben Können und Moral kam an diesem Tag noch Glück dazu und der Ball fliegt zwar über den Keeper, aber auch noch über den Querbalken hinweg, sodass es letztlich beim völlig verdienten Sieg für RB Leipzig blieb.

Hätte man noch das 3:3 gekriegt, hätte man sich wirklich darüber ärgern dürfen, dass man aus den vielen Chancen aus dem Spiel heraus nur ein Tor machte. So bleibt die Strafraum(un)gefährlichkeit bzw. Chancenverwertung weiterhin nur ein Thema für den Hinterkopf. Zumal ein Frahn heute vielleicht seinen Jubeltag gehabt hätte, angesichts der vielen von Außen in den Strafraum hoch und flach gespielen Bälle. Daran haperte es ja zuletzt.

Fazit: Betrachtet man nur die Leistungsverhältnisse auf dem Platz und die spielerische Überlegenheit, dann war es eine beeindruckende, weil unglaublich dominante Vorstellung von RB Leipzig, das gegen zu oft passive und im Zweikampf schwache Gastgeber wie ein Heim- oder alternativ ein Topteam wirkte. Außer bei den zwei Fehlern vor den beiden Gegentoren, durch die man sich fast um den Lohn der Mühen gebracht hätte. Es wäre ein Unding und die Rückfahrt dann wohl ein Grauen gewesen. Ohne die Fehler vor den Gegentoren und mit etwas besserer Chancenverwertung wäre das Spiel jedoch ziemlich nah dran an perfekt gewesen. In jedem Fall eine Leistung, die an das Spiel in Heidenheim und 60 Minuten in Osnabrück direkt anknüpfte und dazu noch einen schwächeren Gegner, der vielleicht doch in Gedanken schon ein wenig beim Dortmund-Spiel weilte und mit einigen Ausfällen zu leben hatte, sah.

Randbemerkung 1: Beeindruckend der Jubel nach dem 2:2, der bei einigen Spielern nicht zuerst dem Torschützen Joshua Kimmich galt (der ihn sich aufgrund seines ersten Tores im RB-Dress auch verdient hätte), sondern dem nicht ganz direkten, aber essenziellen Torvorbereiter André Luge. Auch Trainer und Betreuer herzten den Debütanten in der dritten Liga nach seiner Auswechslung nach Herzenslust. Sehr schöne Gesten, die auch zeigten, wie integriert selbst jener Feldspieler bei RB Leipzig ist, der bis dato als einziger keine Ligaminute absolvieren durfte.

Randbemerkung 2: Schlussendlich ein Spieltag wie gemalt für RB Leipzig. Man selbst gewinnt und Erfurt, Unterhaching, Wehen Wiesbaden, Darmstadt und Osnabrüch spielen Unentschieden oder verlieren. Sodass es jetzt schon vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind. Sagt noch nicht viel, ist aber ein ganz hübscher Zwischenstand. Noch viel hübscher geht es für Heidenheim zu, die belustigt zuschauen, wie sich die Kontrahenten abwechselnd gegenseitig die Punkte abnehmen. Und selber punktet man konstant weiter. Seit der Niederlage gegen RB Leipzig holte man in fünf Spielen 13 Punkte und schoss 9:1 Tore. Scheint eine heilsame Niederlage gewesen zu sein..

Randbemerkung 3: Vier Innenverteiger, null Tore. So hieß die Bilanz in 17 Ligaspielen vor dem Saarbrücken-Auftritt. Weswegen Fabian Franke in der Pressekonferenz vor dem Spiel in Saarbrücken in Bezug von sich selbst ironisch von einer „sensationellen Torquote“ witzelte. Und dann kommt das Spiel in Saarbrücken und beide Innenverteidiger bringen den Ball jeweils nach Standards über die Linie. Geschichten, die der Fußball schreibt.

Lichtblicke:

Ok, wen heben wir denn dann diesmal heraus. Zuerst einmal alle vier Außenbahnspieler, zuvorderst Yussuf Poulsen und André Luge, die Saarbrücken im Angriff dauerhaft vor unlösbare Probleme stellten. Kleine Abzüge: Poulsen hat so seine Probleme bei der Torvorlage, Luge im Torabschluss. Sebastian Heidinger und Christian Müller auf den Außenverteiderpositionen ziemlich fehlerfrei und offensiv immer wieder präsent.

Tobias Willers machte auch ein ganz starkes Spiel und war immer da, wo man ihn brauchte und machte auf hervorragende Art und Weise sogar noch ein Tor. Für Hoheneder ist es ein ganz schönes Pech, dass der Willers da gerade so durchstartet.

Die Mittelfeldreihe Dominik Kaiser, Joshua Kimmich und Henrik Ernst muss man wohl der Einfachheit halber komplett nennen, denn die drei waren absolut die Chefs im Haus und hatten das Spiel jederzeit in der Hand. Viele direkte Ballgewinne schon in des Gegners Hälfte, unheimlich viel Präsenz. Aber auch, weil sie vergleichsweise wenig Gegenwehr erfuhren.

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Tore: 1:0 Ziemer (5.), 1:1 Franke (15.), 2:1 Ziemer (46.), 2:2 Kimmich (51.) 3:2 Willers (78.)

Aufstellung: Domaschke – Müller, Willers, Hoheneder, Heidinger – Kaiser, Ernst, Kimmich (87. Schulz) – Poulsen, Thomalla (76. Röttger), Luge (81. Sebastian)

Zuschauer: 11.194 (davon 100 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], FCS-Bericht [broken Link], Kicker-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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5 Gedanken zu „3.Liga: 1.FC Saarbrücken vs. RB Leipzig 2:3“

  1. Beides gefällt. Dein Spielbericht und das Spielergebnis. Hervorzuheben ist, die Gute bis sehr gute Integration der Neuen. In der Rückrunde sehen wir hoffentlich noch unseren griechischen Papa.

  2. Danke für die Zusammenfassung. Es macht immer wieder Spass die Spieleinschätzung von deiner Seite zu lesen.
    An die PK musste ich bei beiden Innenverteidigertoren auch denken. 😉
    Bin mal gespannt was der Spinner von der PK diesmal dem Herrn Franke für eine Note im Kicker gibt… 🙂 ( wer die PK gesehen hat, weiß was ich meine)

    Rechtschreibfehler behält wie immer die Autovervollständigung…

  3. schön geschrieben vielen dank dafür aber den Domaschke sollte mal jemand sagen das er torwart und nicht Mittelfeldspieler stand bei beiden gegentoren wie auch schon beim 0:1 gegen rostock viel zu weit vor seinem Tor solange da noch 2 verteidiger rumspringen hat er da absolut nichts verloren und auch der gegner hatte sich schon darauf eingestellt

    1. hat er beim Nationaltorhüter abgekuckt. Aber dessen Verteidiger spielen nicht nach dem Prinzip „Nimm Du Ihn, ich hab ihn sicher“

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