Goldene und weniger goldene November

Die aktuelle Situation ist für RB Leipzig insgesamt zufriedenstellend. Auch wenn die letzte Niederlage gegen Rostock und die eine oder andere offensive Dürftigkeit ihre Kratzer im Lack hinterlassen haben. Nur drei Tore in drei Ligaspielen bisher im November, eins nach Torwartfehler beim Herauslaufen, eins durch einen Sonntagsschuss und eins durch einen Freistoß, den der Keeper eigentlich halten muss, legen den Finger in die derzeitige Wunde.

Vor einem Jahr noch war der November so etwas wie ein goldener Monat. 12:1 Tore und vier Siege standen damals in der Regionalliga zu Buche (ergänzt durch einen Sieg im Sachsenpokal). Darunter die emotionalen Highlights in Magdeburg mit einem Röttger on fire und in Zwickau. Quasi ein Festmonat aus RB-Sicht. Der die klare Tabellenführung in der Regionalliga mit sich brachte und die Liga fast schon vorentschied. Ein bisschen was von jener offensiven Sicherheit wünschte man sich vor dem anstehenden Spiel in Saarbrücken zurück..

Als nicht unwesentlicher Grund für die damalige Erfolgssträhne – mal abgesehen von der tieferen Liga – ließ sich eine fest eingespielte Stammformation ausmachen. Sieben bis acht Spieler waren in praktisch allen Spielen mehr oder minder durchgängig auf dem Platz. Das sieht in diesem Jahr, in dem auf einigen Positionen öfters gewechselt wird, deutlich anders aus, ist aber angesichts einer größeren Liga und wesentlich mehr Spielen auch gar nicht anders möglich. Umso erstaunlicher, dass angesichts einer gewissen Unruhe bei der Kaderbesetzung in diesem Jahr bisher Platz 2 in der dritten Liga steht.

Fernab von RB Leipzig ging es vor einem Jahr auch in ziemlich heftigem diskursivem Ausmaß um Sicherheitsfragen rund um den Fußball. In den Hauptrollen im November Union Berlin, die DFL/ der DFB und eine Initiative mit dem Namen „Ich fühl‘ mich sicher“, deren Banner auch heute noch auf der einen oder anderen Online-Präsenz verkünden, wie viele Menschen sich beim Fußball sicher fühlen. Eine Initiative, die sich in ihrem populistischem Vorgehen kaum von jenen unterschied, die sie kritisieren wollte.

Rund um RB Leipzig wurde vor einem Jahr wie auch in diesem Jahr die Zeit der Transfergerüchte eröffnet. Als erste Namen wurden Tobias Weis (hahaha), Sven Michel, Uwe Beran und Matthias Morys gehandelt. Immerhin einer der Namen wurde dann in der Winterpause ja mit Morys tatsächlich verpflichtet. Und sollte später in der Relegation eine Hauptrolle spielen.

In diesem Jahr wurden schon sieben Namen genannt (eine Übersicht über die Namen gibt es beim RBLObserver [broken Link] – dort fehlt allerdings der Name Christian Beck vom 1.FC Magdeburg, ein Gerücht, das aber auch eher absurd ist; aktuelle News zum Thema Transfers hier im Blog in den Presseupdates zu RB Leipzig oder rechts in der Twitterbox). Aufgrund der höheren Liga und der großen medialen Phantasie, wenn es um RB Leipzig geht, wird die Zeit der Transfergerüchte immer unübersichtlicher, weil Spieler schon auf der Liste landen, wenn sie nur mal jemand bei einem Spiel schief angeschaut hat. Von den aktuellen Namen könnte man Röcker (Innenverteidiger beim VfB II), Amini (Mittelfeld beim BVB II) und mit Abstrichen Sliskovic (Stürmer bei Mainz 05 II) noch am ehesten eine gewisse Wahrscheinlichkeit zuschreiben.

Auch vor zwei Jahren war der November ein goldener. Vier Siege in der Liga (dazu ein Sieg im Sachsenpokal). Darunter das wichtige 2:1 im Spitzenspiel gegen Kiel und das dramatische Spiel gegen Halberstadt, als man in den letzten 10 Minuten einen 0:2-Rückstand noch in einen Sieg verwandelte. 4.000 Zuschauer waren nach der Kammlott-Show (ja Kammlott!) völlig von den Socken (auch wenn der Gast 70 Minuten lang das bessere Team war). Nach diesen vier Siegen war im Pacult-RB-Land jedenfalls eitel Sonnenschein. Sollte anschließend nicht lange so bleiben..

Spannend damals, dass sich das Feld der potenziellen Aufstiegskandidaten schon im November auf drei Teams dezimiert hatte (RB, Halle, Kiel). Da es in der besagten Saison wegen der am Saisonende durchzuführenden Regionalliga-Reform keine Absteiger geben sollte, waren für die meisten Teams für den Rest der Saison Pflichtfreundschaftsspiele angesetzt. Ein Umstand, den man noch heute als Nachteil für RB Leipzig interpretieren könnte, da gegen RB auch in Spielen um die goldene Ananas (fast) jedes Team überdurchschnittlich motiviert ist. Da ist die dritte Liga mit ihrer extremen Ausgeglichenheit, wo es für praktisch alle Teams in jedem Spiel um ziemlich viel geht und man sich gegenseitig die Punkte klaut, aus ganz anderem Holz geschnitzt.

Transfergerüchte waren im November 2011 noch nicht das große Thema. Thomas Paulus, Innenverteidiger bei Erzgebirge Aue wurde damals aufs Namenskarussell geworfen. Spielen tut der erfahrene Kämpe, der tatsächlich in Pacults Beuteschema gepasst hätte, aber auch heute noch in der zweiten Liga im Erzgebirge (wenn er denn nicht gerade verletzt ist).

Fankulturell spannend in jenen Tagen rund um RB Leipzig das Entwickeln einer eigenen Identität, die im Ruf „Eure Meinung ist uns scheißegal“ ihren passenden Slogan fand. Man begann die Ablehnung von außen selbsbewusst zu wenden, weil man sich über viele gemeinsame Erlebnisse versichert hatte, dass es völlig ok ist und Spaß macht, dem einzig wahren RasenBallsport anzuhängen. Dass das Selbstbewusstsein als identärer Entwurf inzwischen bei kleinen Gruppen auch gern mal übers Ziel hinaus zu einer Art „Wenn die anderen scheiße sind, sind wir eben auch scheiße“ schießt, soll hier nur als Randbemerkung stehen und vielleicht für spätere Analysen im Hinterkopf bleiben.

Sonst noch so vor zwei Jahren im November: Union-Präsident Dirk Zingler zeigt mit dem Verkauf von Stadionanteilen an seine Mitglieder „klar Kante“ gegen RB Leipzig. Und die Aktion Libero zeigt, dass man mit einer Aktion gegen Homophobie ziemlich große Teile der Bloggerszene hinter sich vereinen kann.

Vor drei Jahren war es sportlich wiederum mit einer extrem alten Mannschaft enorm durchwachsen. Vier Spiele, ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage bei 5:4 Toren war die enttäuschende November-Bilanz, an deren Ende man die Hoffnung auf den Durchmarsch durch die Regionalliga fast schon aufgeben konnte. Depremierende Höhepunkte gab es mehrere (Niederlage in Cottbus bspw.), aber den abschließenden Dämpfer gab es im ultimativen Highlightspiel gegen den Chemnitzer FC, in dem sich RB Leipzig zu einem schmeichelhaften 1:1 zitterte. Ein Punkt, der bei 11 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer Chemnitz nicht weiter half. Ein Unentschieden, bei dem Trainer Tomas Oral als einziger im Stadion seine Mannschaft als die bessere gesehen hatte..

Wesentlich spektakulärer als der ernüchternde sportliche Auftritt im November 2010 war die Ankündigung, dass RB Leipzig und Lok im Nachwuchsbereich eine Kooperation eingehen wollen. Eine Nachricht die auf allen Seiten einschlug wie eine Bombe. Und für einen kurzen Moment eine Annäherung möglich zu machen schien. Aber schon im ersten Nachdenken über die Kooperation war die entscheidende Frage, ob sich Lok mit solch einer Annäherung nicht der eigenen Identität beraubt. Letztlich entschied sich ja dann auch die Mitgliederversammlung von Lok einige Zeit später für Identität und somit gegen Pragmatik und RB Leipzig.

Blieben noch zwei Themen vor drei Jahren: Zum einen der Kämpfer gegen die Ungerechtigkeit namens Watzke, der Fernsehgelder – polemisch gesagt – nur noch jenen Clubs überlassen wollte, die er leiden kann. Und zum anderen jene unglaubliche Geschichte, bei der die Lok-Auswechselspielerin Griseldis Meißner im Zweitligaspiel bei Holstein Kiel den 2:1-Sieg sichert, indem sie von ihrem Aufwärmplatz hinter dem Tor aus aufs Spielfeld läuft und den Ball, der im Begriff ist, ins Tor zu kullern, wegschlägt. Regelentsprechend sah die gar nicht mitspielende Meißner dafür Gelb und es gab Freistoß für Holstein Kiel. Die Lok-Verantwortlichen zeigten sich zumindest mit ein bisschen Abstand entsetzt von der Aktion. Die Punkte nahmen sie trotzdem gern mit. Die Aktion schaffte es – so ich mich recht erinnere – mit etwas Verspätung sogar in die Sportbild. Muss man als Zweitligafußallerin auch erst mal schaffen..

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