3.Liga: RB Leipzig vs. FC Hansa Rostock 1:2

Die älteren unter uns werden sich an die letzte Heimniederlage in einem Ligaspiel noch erinnern. Es war ein depremierendes 0:1 unter Flutlicht gegen den legendären ZFC Meuselwitz (gehen die schon als Kultclub durch) mit dem unter Pacult im April 2012 die Aufstiegsträume von RB Leipzig einen heftigen Knacks bekamen, bevor sie später endgültig zerschellten. 591 Tage später war es gegen Hansa Rostock wieder so weit, dass am Ende des Spiels der Gegner von RB Leipzig mehr Tore auf der Anzeigetafel der Red Bull Arena stehen hatte. Wie damals gegen den ZFC etwas unglücklich, aber wahrlich auch nicht unverdient. Denn die Gäste beeindruckten über weite Teile des Spiels mit Aggressivität im Mittelfeld, einer starken Verteidigungskette und viel Geschwindigkeit auf den Außenbahnen.

Schon wieder mag der eine oder andere nach dem Spiel gedacht haben. Denn im vierten Jahr in Folge kann RB Leipzig in einem Spiel kurz vor der Winterpause Ende November bzw. Anfang Dezember ein Heimspiel gegen einen NOFV-Club mit großem Gästeanhang (7.000 Rostocker verteilten sich geschätzt im weiten Rund) nicht gewinnen. Und zum vierten Mal deswegen, weil man sich vom Gast viel zu lange den Schneid abkaufen ließ. Eine erstaunliche, schwarze Serie, die schwer zu erklären ist (weil es ja letztlich auch nicht so ist, dass RB Leipzig in einer Umgebung mit vielen Fans, die gegen sie sind, noch nie gewonnen hätte; ganz im Gegenteil).

RB Leipzig versuchte es im Spiel gegen Hansa Rostock mit der Formation aus dem Darmstadt-Spiel, sprich mit einem zum 4-3-1-2 bzw. 4-1-2-1-2 (also letztlich eine Raute) verschobenen 4-3-3. Wobei es in Halbzeit 1 gelegentlich fast wie ein 4-1-3-2 wirkte, da Ernst die defensive Absicherung für seine Nebenleute Kimmich und Kaiser spielte und Thomalla sich im Zurückfallen und Mitspielen übte. Gar keine schlechte Idee gegen das 4-4-2 der Gäste in der Mitte Überlegenheit herstellen zu wollen. Nur ging genau dies in der ersten Halbzeit erstaunlicherweise komplett schief, denn Hansa hatte gerade in diesem Bereich die deutliche Hoheit und dadurch auch optisch Vorteile. Auch weil das Spiel durch das Mittelfeld seitens der RasenBallsportler zu ungenau war und desöfteren die Bälle in des Gegners Beinen landeten.

Gefahr entstand für das RB-Tor, in dem Fabio Coltorti nur 11 Minuten lang stand, da er sich bei der Ballsicherung ohne Gegnereinwirkung verletzte (Domaschke kam für ihn und machte seine Sache gut) und sich vermutlich einen Innenbandriss zuzog, trotzdem nur selten. Denn Richtung RB-Tor war dank aufmerksamer Viererabwehrkette kein Durchkommen. Und so entwickelte sich in der ersten Hälfte ein Spiel auf überschaubarem Niveau zwischen den Strafräumen ohne größere Intensität. Ausdruck dessen auch, dass Bundesligaschiedsrichter Hartmann 45 Minuten lang komplett ohne Karten auskam. Das Geschehen auf den Rängen, die mit mehr als 23.000 Besuchern reichlich bestückt waren (Drittligasaisonrekord) war insgesamt deutlich imposanter als der Kick auf dem Rasen.

Dass es nicht mit einem leistungsgerechten, weil dem gegenseitigen Neutralisieren entsprechenden 0:0 in die Pause ging , war einem Geniestreich von David Blacha zu verdanken, der aus dem Mittelfeld diagonal angespielt wird, am Sechzehner nicht gestellt werden kann und dann den einmal aufspringenden Ball volley im langen Eck unterbringt. Der eine oder andere mag in der Situation einen Keeper entdeckt haben, der zu weit vor dem Tor steht. Schwierig zu beurteilen, wenn man nicht gerade Experte für das Torwartspiel ist. Fakt ist, dass Domaschke in der Situation ein Stück vor dem Kasten stehen muss, um den Winkel zu verkürzen. Letztlich war es einfach ein toller Treffer, bei dem für einen kurzen Moment der Zugriff im Mittelfeld (Ernst, Kaiser) und der Zugriff auf den Torschützen (Müller) nicht stimmte.

Es war dies der zweite und letzte gefährliche Torschuss der Hanseaten in Hälfte 1. RB Leipzig hatte dem genau eine gefährliche Toraktion entgegenzusetzen, als Poulsen perfekt von Thomalla freigespielt wird, aber aus sehr spitzem Winkel an Gästekeeper Brinkies scheitert. 1:2 Torschüsse mit Torpotenzial, das drückt die erste Hälfte alles in allem ganz gut aus. Und zeigt auch, dass der Pausenrückstand für RB Leipzig ein wenig unglücklich war. Aber eben auch zu diesem Zeitpunkt schon nicht unverdient, da man selbst zu viele Fehler machte und den wachen, schnellen und aggressiven Gegner, der durch seinen Anhang sowieso schon viel Selbstvertrauen mitbrachte, damit auch sportlich immer stärker machte.

Körpersprache schlägt jede Analyse - RB Leipzig und die hängenden Köpfe nach dem 1:2 gegen Hansa Rostock | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Halbzeitpausen sind dann ja immer auch ein wenig die Möglichkeit, den Trend zu stoppen. Und zu Beginn der zweiten Halbzeit schien das Spiel tatsächlich ein wenig zu kippen. Poulsen setzte sich ein-, zweimal stark in Szene und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass RB Leipzig das Spiel an sich reißen könnte. Doch wie schon beim 1:0 kurz vor der Pause, wählte Hansa auch für das zweite Tor einen perfekten Zeitpunkt. Denn mitten in die Bemühungen der RasenBallsportler setzten die Gäste in der 52. Minute einen typischen Hansa-Angriff. Sprich, Ball raus auf den Flügel, in die Mitte flanken und dann gucken, dass dort jemand den Fuß oder den Kopf in den Ball kriegt. Plat, der nach längerer Verletzung wieder in der Drittligastartelf stand, war es der per Fuß vollstreckte.

Und damit einen Fehler bestrafte, der letztlich im Mittelfeld passierte, als zwei RB-Spieler (Thomalla und wenn es richtig in Erinnerung ist Kimmich) den ballführenden Hanseaten angreifen bzw. eben nicht angreifen bzw. angreifen, ohne den Ballführenden auch zu stören, sodass dieser den Ball auf den 90 Minuten lang defensiv und offensiv enorm starken und schnellen Rechtsverteidiger Alexandre Mendy spielen kann, der dann die Flanke in den Strafraum bringt. Ein Tor, was in dieser Form bei diesem Spielstand nicht fallen darf und das man schon wesentlich vor Innenverteidiger Willers verhindern muss.

Mit dem 0:2 hatte man aus RB-Sicht natürlich den schlimmsten denkbaren Fall, um in diesem Spiel noch etwas holen zu wollen. Gegen einen aggressiv den Spielaufbau störenden Gegner, dessen große Stärke es ist, mit Geschwindigkeit Ballgewinne über die Flügel in Gefahr umzusetzen, noch offensiver und damit offener auftreten zu müssen, ist das permanente Spiel mit dem Feuer und eine unheimlich undankbare Aufgabe. Die sich die RasenBallsportler mit einem Schuss Pech, aber vor allem einer eigenen schlechten Leistung bis zur Halbzeit selbst zugeschustert hatten. Und damit bezahlten, dass Hansa in den folgenden 40 Minuten einige Male zu Kontersitutationen kommt, in denen sie eigentlich zwingend das dritte Tor machen müssen.

Dadurch, dass Rostock dieses entscheidende Tor verpasste, entwickelte sich in der Folge des 0:2 ein rassiges, immer intensiver werdendes Spiel, das im völligen Gegensatz zur ersten Halbzeit viele spektakuläre Torsituationen und ein auf und ab wogendes Geschehen sah. Dass RB Leipzig dabei immer besser aussah, lag vor allem an Timo Röttger, der für Thomalla kam und als ballsicherer Akteur für Eins-gegen-Eins-Situationen sofort Akzente in der gegnerischen Hälfte setzen konnte.

Dass der Anschlusstreffer nicht aus dem Spiel heraus fiel, war vielleicht etwas symptomatisch für das aktuelle Auftreten von RB Leipzig, das im Strafraum oft zu wenig Gefahr ausstrahlt. Ein Daniel Frahn wirkt manchmal etwas in der Luft hängend, auch wenn er gegen Rostock in Hälfte 1 einmal nur knapp im Fünfmeterraum am Ball vorbeirutscht und in Hälfte 2 kurz nach dem 0:2 den Ball mit der Sohle zwar gekonnt zu vollstrecken sucht, aber eben auch knapp am Tor vorbei zielt. Der Kapitän in diesem Spiel sehr bemüht, sich auch mal Bälle zu holen, aber insgesamt glücklos. Was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass die Innenverteidigung von Hansa sehr stabil agierte und Denis Weidlich als rechter Innenverteidiger ein überragendes Spiel machte, sprich gegen Drittligainnenverteidiger schwerer zu agieren ist als gegen Regionalligainnenverteidiger. Es bleibt bei all dem aber der Fakt, dass RB gegen Rostock, aber ja auch schon zuvor in Darmstadt zu fast keinen Strafraumaktionen kam. Man möge das für die nächsten Spiele im Hinterkopf behalten.

Wie dem auch sei, Dominik Kaiser zirkelte beim Anschlusstreffer einen Freistoß von halbrechts wie schon in Darmstadt mit rechts um die Mauer. Nur dass diesmal nicht der Pfosten im Weg stand, sondern der Ball ganz flach neben dem Pfosten einschlug. Aus Zuschauersicht ein Ball, den der Torhüter hätte haben sollen, zumal er unten in der Ecke war, als der Ball einschlug. Glück aus RB-Sicht und Pech aus Hansa-Sicht. In der Folge gab es den einen oder anderen schon erwähnten Hansa-Konter, aber auf Seiten von RB Leipzig auch einige Chancen, um das Spiel endgültig kippen zu lassen. Röttger und Poulsen hatten die besten Gelegenheiten auf Fuß und Kopf, blieben aber glücklos.

Wobei mit zunehmender Spieldauer das Gefühl eines ganz großen Sturmlaufs auch ausblieb. Immer wieder mühte RB Leipzig sich mit viel Aufwand, holte Hansa aber mit Fehlabspielen und Stockfehlern im Mittelfeld wieder zurück ins Spiel, sodass zwar immer das Gefühl blieb, dass das Spiel noch kippen könne, ohne dass es dann schließlich auch kippte. Weil letztlich eben die zwei, drei Prozent an Klasse an diesem Tag fehlten, um den starken Gegner doch noch niederzuringen.

Letztlich hat RB Leipzig das Spiel unglücklich verloren, weil man in der ersten Halbzeit zwar schlecht gespielt hat, aber trotzdem nicht in Rückstand geraten muss, denn der Gegner war offensiv nicht viel besser. Und in der zweiten Halbzeit spielt man über weite Teile mit viel Herz, rennt aber dann dem für die Spieltaktik ungünstigen Rückstand hinterher. Dass die Niederlage trotzdem verdient war, lag wiederum daran, dass Hansa taktisch unheimlich gut organisiert war und über 90 Minuten nur sehr wenig zuließ, während man offensiv in der zweiten Halbzeit einige Hochkaräter herauskombinierte. Dazu spielten die Gäste agressiv, griffen früh an und störten so lange sehr erfolgreich den Spielaufbau (Mitte der zweiten Halbzeit gab es mal eine Situation, als viermal hintereinander der Ball zum Keeper zurück gespielt wurde, weil der jeweilige RB-Spieler im Aufbau keine Anspielstationen hatte und unter Druck war) und verfügten über eine sehr starke Viererkette in der Verteidigung, aus der Mendy und Weidlich noch herausragten. Insgesamt eine sehr reife Leistung der Rostocker.

Fazit: Eine bittere Niederlage, vor allem auch wegen der schweren Verletzung von Fabio Coltorti. Wenn man es positiv sehen will, dann hat RB Leipzig selbst gegen einen Gegner, der ein gutes Spiel gemacht hat, nur unglücklich verloren, weil man in einer ereignisarmen ersten Hälfte in Rückstand geriet und in der Folge in der taktisch schlechteren Position war. Wenn man es negativ sehen will, dann hat man ein Spiel verloren, weil man aus dem Spiel heraus nicht die letzte große Gefahr für den Hansa-Kasten produzieren konnte, im Defensivverhalten zwei Fehler zu viel drin hatte und der Gegner über 90 Minuten gesehen mehr in die Partie investierte. RB Leipzig hat in der zweiten Halbzeit auch viel in die Partie investiert, ohne die letzte Effektivität und Kreativität an den Tag zu legen, die Hansa in einigen Situationen hatte. Und genau deswegen sind die Gäste wohl auch verdient mit drei Punkten nach Haus gefahren. Und haben deswegen die eingangs erwähnte schwarze Serie am Leben erhalten. Für RB Leipzig gibt es gegen Halle in vier Wochen die nächste Chance, die Serie zu brechen. Als Weihnachtsgeschenk dann sozusagen. Aber erstmal geht es nächste Woche nach Saarbrücken. Das reicht als Aufgabe schon.

Randbemerkung 1: Bliebe noch eine strittige Szene. Nämlich jene in der 83. Minute, als Kapitän Daniel Frahn im Strafraum fällt und dafür keinen Elfmeter bekommt. Aus Stadionperspektive (zumindest jener der Haupttribüne) war es ein klares Umstoßen von hinten und ergo Strafstoß. Zieht man die Fernsehbilder des MDR zu Rate, kommt man selbst nach mehrmaligem Ansehen der Szene zu keiner eindeutigen Meinung. Fakt ist, dass Mendys linker Unterarm von hinten an Frahns Hals/ Oberkörper drückt. Fakt ist aber auch, dass Frahn nicht wegen dieses Drückens, sondern erst später fällt und so wie er fällt eine Fußberührung dafür verantwortlich gewesen sein müsste. Und genau jene ist selbst bei mehrmaligem Ansehen der Zeitlupe nicht auszumachen. Und wenn man schon per Zeitlupe Schwierigkeiten hat, die für das Fallen entscheidende Berührung auszumachen, dann muss man dem Schiedsrichter auch zugestehen, dass er in Originalgeschwindigkeit genausowenig gesehen hatte bzw. eben nicht zu 100% überzeugt war, dass Frahn wegen eines Kontakts mit dem Gegenspieler gefallen ist. Und dann muss man eben auch zugestehen, dass die stumm bleibende Pfeife in Ordnung geht. Merkwürdig an der Szene ist letztlich nur, warum Frahn in der Situation ohne entscheidenden Gegnerkontakt gefallen sein und auf einen Pfiff spekuliert haben soll, wo er doch auf den Füßen bleibend eine sehr, sehr gute Einschusschance präsentiert bekommen hätte. Das widerspricht eigentlich so ziemlich allem, was man vom Torjäger aus seiner nun schon reichlich dreijährigen Zeit in Leipzig kennt.

Randbemerkung 2: Die Rostocker Anhänger präsentierten ein Banner, wie es die Chemnitzer bei ihrem Heimspiel in ähnlicher Form auch schon taten. Sinngemäß hieß es darin, dass es in Leipzig nur Lok und Chemie gäbe. Diese Ansicht unbenommen, fragt sich dann nur noch, warum 7.000 Rostocker nach Leipzig fahren, um sich einen Club anzuschauen, den sie eigentlich unmöglich und irgendwie nicht so richtig Fußball finden. Sollen sie doch ein Freunschaftsspiel gegen Lok oder Chemie organisieren und dort mit 7.000 Leuten auftauchen, um den wahren Leipziger Fußball zu feiern. Aber das ist dann wohl doch nicht so richtig fetzig. Denn letztlich hat das RB-Spiel und ein möglicher Sieg gegen RB als dem ausgemachten Bösen des Fußballs doch den wesentlich größeren Reiz als die Reise in den Alfred-Kunze-Sportpark. Wie ja auch die Chemnitz-Fans bewiesen, die beim RB-Spiel noch per Banner proklamierten, dass echte Derbys nur gegen Lok und Chemie stattfinden würden, um dann kurz danach zum Sachsenpokal bei der BSG Chemie in einer Anzahl zu fahren, die nicht mal ansatzweise mit der zu vergleichen ist, mit der sie in derselben Runde zu einem Spiel gegen RB gefahren wären. Wie gesagt, unbenommen, dass man die Meinung vertritt, gegen Chemie und Lok wäre geiler, aber irgendwas hakt doch in der Argumentationskette, wenn man dann mit 7.000 Leuten wie Hansa oder mit 4.000 Leuten wie Chemnitz in die Red Bull Arena zum Fußball gucken fährt.

Randbemerkung 3: Optisch schicke, sicherlich ordentlich aufwändige Choreographie vor dem Spiel seitens der RB-Fans, vielleicht das einzige uneingeschränkt positive Highlight des Tages (mir persönlich ist der Messestadt-Gestus fremd, aber sei es drum). Und lange hat man sich im Fanblock auch lautstärketechnisch ganz gut gegen die Wand auf der anderen Seite behauptet. Mit zunehmender Spieldauer ging man dann aber doch zusammen mit der Mannschaft ein bisschen unter. Sodass das Publikum auch nach dem 1:2 nur selten zu einem einpeitschenden Faktor wurde. Was natürlich auch am Spiel lag, das immer wieder Hoffnung schürte, die dann aber auch immer wieder in verlorenen Bällen zerplatzte. Wie bei der Mannschaft fehlten auch auf den Rängen die letzten zwei, drei Prozent an Überzeugung, um dem Spiel vielleicht die letzte Wendung zu geben.

Lichtblicke:

  • Yussuf Poulsen: Ackerte 90 Minuten lang mit Geschwindigkeit und Körper. Hatte die meisten und besten Torszenen und war auch auf dem Flügel ein ständiger Unruheherd. Wenn er sich die Tore aus der U21-Nationalelf für das Rostock-Spiel aufgespart hätte, wäre er zum Helden des Spiels geworden. So gibt es Bonuspunkte für einen engagierten, kampfstarken Einsatz und Abzüge in Sachen Effektivität.
  • Timo Röttger: Die perfekte Einwechslung für dieses Spiel. Sofort akklimatisiert brachte er jene Kreativität und Wildheit in die Partie, die vorher gefehlt hatte. Bei vielen Aktionen im Dribbling nicht zu stoppen. Verletzte sich später und konnte so laut Alexander Zorniger nicht mehr mit 100% spielen. Was schade wäre, denn eigentlich hat sich Röttger mit seiner Leistung angesichts des dauerhaften Ausfalls von Matthias Morys als Startelfkandidat auf der Zehn angeboten. Schade, dass sein Knaller aus 25 Metern den Kasten knapp verpasste. Hätte die Krönung seiner 40 Minuten auf dem Platz sein können.

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Tore: 0:1 Blacha (37.), 0:2 Plat (52.), 1:2 Kaiser (61.)

Aufstellung: Coltorti (11. Domaschke) – Müller, Willers, Franke, Heidinger – Kimmich (81. Kammlott), Ernst, Kaiser – Poulsen, Thomalla (54. Röttger), Frahn

Zuschauer: 23.421 (davon ca. 7.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, FCH-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Liveticker

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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11 Gedanken zu „3.Liga: RB Leipzig vs. FC Hansa Rostock 1:2“

  1. Das Spiel hat mich persönlich an das Auswärtsspiel gegen Chemnitz erinnert.
    Die gestrige bittere Niederlage zeigt, was alle Realisten wissen, für einen Aufstieg im Mai 2014 reicht diese Leistung nicht aus. Und wenn man den Punkteabstand zu den unteren Plätzen ansieht, ja dann…
    Nach dem 0:2 war bei uns im Block B die Luft raus. Warum? Keine Ahnung. In Chemnitz war dies anders.
    Ich wünsche mir für die Zukunft weniger rosarote Aufstiegsbrillen zu verteilen, sondern sich mehr mit den aktuellen Schwächen zu beschäftigen. Was dann am Ende rauskommt wird man sehen.
    P.S.: Und wie schon erwähnt auf Twitter. Hansa/ Empor auf dem Platz gewonnen, doch vorm Stadion verloren. Bilanz 22 verletzte Polizisten, sind 22 verletzte Menschen zuviel.

  2. Ich bin zwar nur sehr gelegentlich hier auf diesen Seiten, aber was Du hier in Umfang und Tiefgang auf die Beine stellst, ist schon sehr beeindruckend rotebrauseblogger!

    Ich wohne seit ein paar Jahren in Leipzig und hatte mich riesig auf das gestrige Spiel gefreut. Ein Heimspiel meiner geliebten Kogge im Zentralstadion. Eine wunderbare Gelegenheit auch meinen – in Leipzig geborenen – 11 jährigen Neffen mal wieder mit einer Dosis Hansa anzufixen.

    Zum Spielbericht habe ich gar nicht viel zu ergänzen. Ich denke, es war eine ordentliche Drittligapartie, wo beide Mannschaften ihre guten und schlechteren Phasen sowie Chancen hatte und Hansa letztlich ihre Möglichkeiten einen Tick besser nutze. Richtig mulmig wurde mir immer, wenn Euer 9er auch nur in der Nähe des Balles war. Habe zu Hause erstmal nachsehen müssen. Das ist also Poulsen. Meine Fresse, ist der dynamisch und läuft klug und ist gefährlich. Das so einer in der 3. Liga rumläuft, gehört eigentlich verboten.

    Daher zu meinen Randbemerkungen. Es waren ja schlimme Szenarien in Umlauf. Gemessen daran, fand ich die Atmosphäre erstaunlich relaxt. Bei dem Marsch zum Stadion war ich nicht dabei. Von dem was ich so hörte und etwa hier (http://www.turus.net/sport/fussball/7632-fc-hansa-rostock-feiert-bei-rb-leipzig-mit-6-000-fans-eine-megaparty.html) nachlas, war es am unteren Rand des Erwartbaren, also ein paar geworfene Flaschen und Pyro. Auf wessen Kappe der Fanshop ging, weiß ich nicht. Ich wundere mich etwas, dass RB da vor dem Spiel keinen Wachdienst engagiert hat.

    Vor dem Spiel kam ich leider gleichzeitig mit dem Hansamob an. Das möchte man mit einem kleinen Neffen eigentlich vermeiden. Ein Gästeeingang wurde versucht zu überrennen. Das war aber ziemlich schnell abgewehrt und dann war alles in geordneten Bahnen. Ab hier muss ich auch anfangen Komplimente auszusprechen. So weit ich es sah, waren die Einsatzkräfte sehr entspannt. Man bekommt ja schnell ein Gefühl, ob diese selber auf Krawall und Provokation aus sind. Aber das war definitiv nicht so. Man konnte mit ihnen normal reden und bekam freundliche Antworten. Sehr deeskalierend. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber innerlich dachte ich trotzdem: Danke! Es waren auch bei weitem nicht so viele vor Ort, wie man anhand der Vorberichte vermuten konnte. Die Ordner waren auch alle sehr nett.

    Im Stadion empfand ich es als recht lässig, Materia in die Stadionmusik zu nehmen. Falls es nicht allgemein bekannt ist, Materia war in seiner Jugend ein vielversprechendes Hansa-Talent. Das war als gefühltermaßen knapp darunter die Hansa-Hymne zu spielen. Die Choreo von RB war vielleicht nicht sehr kreativ, aber durchaus gut anzusehen. Die Unterstützung aus Eurer Kurve war sicher auch in Ordnung. Bei der kurzen Geschichte und gerademal aus der Regionalliga aufgestiegen, da halte ich den Stand der Fanszene für in Ordnung. Objektiv gesehen ist der Stimmungskern, im Verhältnis zu Größe des Heimblocks noch ziemlich klein und außerhalb dessen ist die Mitmachquote halt nicht mehr so gut. Das Repertoire, so weit ich es hören konnte (also im Wesentlichen bis zur siebten Minute und danach nur noch sporadisch), wirkt noch etwas zusammengeklaut aus den Stadion der Republik. Aber das soll keine Kritik sein, nur eine Bestandsaufnahme.

    Ansonsten war es für mich natürlich ein wunderschöner Nachmittag. Heimsieg in mitten Unmengen an Auswärtsfans, zusammen mit meinem Neffen. Aber ich denke, für RB war auch einiges dabei. Ein Spiel vor schöner Kulisse im tristen November. Ein Spiel auch als Medienereignis, welches auch viele Leute erreicht hat, die noch nicht ins Stadion gehen. Ich persönlich habe noch zwiespältige Gefühle in Bezug auf das Projekt. Es fühlt sich halt tief in der romantischen Fußballseele nicht richtig an. Aber andererseits, wie soll sonst eine maßgebliche Mannschaft in Leipzig oder in Ostdeutschland entstehen? Es würde sicher helfen, wenn RB es mit einem jung & attraktiv Stil probiert. Denn schöner Fußball spricht halt auch die romantische Seele an.

    tl, dr Schöner Blog, Schöner Heimsieg

  3. Ich fand das gut, wie RB jetzt versucht aus dem Gegenpressing zu befreien und nicht wie frühe die Bälle einfach auf gut Glück nach vorne zu schlagen. Auch Willers hat hier schon zum Teil gezeigt, was er kann. Schwer zu begreifen, was ein CK auf dem Platz macht. Und zum Hansa-Spruchband: Leute, DAS hat gestern in Leipzig keiner vermisst: http://youtu.be/1mEb7L9PlDM

  4. Zu Randbemerkung 2:
    Ein richtig umwerfendes Zeichen gegen den „Kommerz“ hätten die Hansa-Fans für immer setzen können, wenn sie erst in der 89. Minute ins Stadioninnere geströmt wären. Oder noch besser: Wie ein paar Fans beim Spiel Leipzig – Preußen Münster friedlich vor dem Stadion grillen. Tja, Chance leider vertan.

  5. Wieder hat man hier sehen können, dass der angepeilte Aufstieg der „Rasenjungs“ kein Selbstläufer sein kann, obwohl dieser wegen der Ausgeglichenheit der Mitbewerber scheinbar nie so günstig sein könnte, wie in dieser Saison!

    Was sich natürlich die fast 7.000 sogenannten Schlachtenbummler aus dem Norden und sonstwo her vor und nach dem Spiel leisteten, hat mit Fußball wirklich nichts mehr zu tun! Es kann auch über die gewählten Einsatzmethoden der Polizei diskutiert werden, doch stelle ich mir einfach mal vor, wenn diese unter ihrer Uniform ganz normalen Leute von der Innenstadt aus bis zum Stadion und zurück sowie an der RB-Geschäftsstelle nicht präsent gewesen wären……

    Im gut gefüllten Stadion zeigte endlich einmal auch eine Gästemannschaft, wie man auf diesem Rasen auch auswärts gut mitspielen und sogar gewinnen kann. Besonders in der zweiten Hälfte wurde diese Begegnung, ohne beiderseits ein spezielles System erkennen zu können, eine richtig spannende Angelegenheit!

    Um fair zu sein, war der in der Schlussphase nicht gegebene Elfmeter grenzwertig, doch auch gleichzeitig eine Art Gerechtigkeit gegenüber dem Dortmund II – Spiel…..

    Es bleibt weiter spannend da oben in der Tabelle, und das ist gut so!!

  6. @Crazy Doc Soll nur ungefähr bedeuten, dass ich nicht wegen und nicht für Leipzig im Stadion bin (weil ich nicht glaube, dass eine moderne Fußballmannschaft für eine Stadt stehen sollte oder kann), mir also schon der Lokalkolorit fremd ist (auch wenn ich ihn natürlich verstehe und respektiere) und ich den Begriff Messestadt heutzutage, wo Leipzig nicht mehr wirklich eine wichtige Messestadt ist, etwas schwierig finde. Aber das ist alles wirklich sehr subjektiv und das drücke ich auch niemandem aufs Auge und sowieso sah die Choreographie sehr schick aus..

    Vielen Dank an alle anderen für die Anmerkungen, insbesondere an Pekka für den Blick von ‚außen‘.

  7. „weil ich nicht glaube, dass eine moderne Fußballmannschaft für eine Stadt stehen sollte oder kann.“

    Mal abgesehen vom Spiel und der Choreo ist das ein sehr abgefahrene These. Bedeutet das weitergesponnen , dass man den Verein durchaus auch nur FC Red Bull nennen könnte und man seine Heimspiele rotierend in ganz Deutschland austragen könnte?
    Für was kann oder soll eine „moderne“ Fußballmanschaft bzw. ein moderner Verein denn stehen? Was sind denn deiner Meinung nach die gesellschaftlichen Aufgaben eines Vereins und wie können diese losgelöst von lokaler Bindung erfüllt werden?

  8. „Bedeutet das weitergesponnen , dass man den Verein durchaus auch nur FC Red Bull nennen könnte und man seine Heimspiele rotierend in ganz Deutschland austragen könnte?“

    Nein bedeutet es nicht. Es bedeutet nur, dass ein Verein für mich (und ich weiß, dass das eine nicht ganz gebräuchliche Sicht ist) zuerst einmal für sich selbst (also das Team und die Fans, die den Verein prägen) steht und ich wegen Fußball, dem Team und weil ich mich im Umfeld wohl fühle zum Verein gehe und nicht weil ich dadurch zeigen will, wie Leipzig ist oder wie ich zu Leipzig stehe.

    Durch die Anhänger gibt es natürlich immer eine lokale Prägung und auch bei RB werden überwiegend Zuschauer sein, die (so wie ich) gern in Leipzig leben oder Leipzig in irgendeiner Form hübsch finden. Trotzdem ist Leipzig, so wie jede andere Stadt, schon im Fußball so viel vielschichtiger (sozial, politisch, kulturell), dass es mir schwer fällt, RB und mich (als kleiner Teil der Zuschauer also) quasi als städtischer Stellvertreter zu sehen. Nenn es Krümelkackerei (deswegen sprach ich in der Randbemerkung von „mir persönlich“), aber ich mag den unseligen Rucksack des gesamten Leipziger Fußball(un)glücks nicht tragen. Mein Herz schlägt für einen Fußballverein in Leipzig, der einen Teil der städtischen Kultur ausmacht. Mehr nicht (für mich zumindest nicht). Alles andere ist mir zu viel Pathos.

    „Für was kann oder soll eine “moderne” Fußballmanschaft bzw. ein moderner Verein denn stehen? Was sind denn deiner Meinung nach die gesellschaftlichen Aufgaben eines Vereins und wie können diese losgelöst von lokaler Bindung erfüllt werden?“

    Puh. Ein Verein wie RB Leipzig übernimmt natürlich im klassischen Sinne keine gesellschaftlichen Vereinsaufgaben, weil es ganz einfach kein klassischer Verein ist, sondern ein Wirtschaftsunternehmen (und somit Arbeitgeber und Steuerzahler). Was natürlich trotzdem dazu führt, dass RB sich lokal verankert und vernetzt und damit als lokale Institution agiert. Und somit natürlich auch in der Interaktion mit anderen Institutionen das Stadtbild mitprägt. Aber eben nicht mit dem Stadtbild in eins fällt.

    Ein moderner Profiverein ist letztlich tatsächlich erst einmal nur ein Unterhaltungsangebot, aus dem jeder das herauszieht und in gewählter Intensität lebt oder mit Bedeutung auflädt, was er will und der Fan im Fanclub eben noch etwas hinzufügt, indem er soziale Beziehungen herstellt, in denen sich Entscheidungsprozesse lernen und üben lassen oder durch den wiederum gesellschaftliche Aktivitäten angeleiert werden.

    RB Leipzig ist insgesamt sicherlich der Motor des Fußballs in Leipzig und der Umgebung schlechthin. Und ich weiß auch darum, dass für viele gerade der Städtewettkampf-Teil beim Fußball besonders wichtig ist. Weswegen Halle und Chemnitz auch besonders aufgeladene Spiele und Gegner sind. Mir ist dieser Städtewettkampf als logischer Folge der Messestadt-Herzschlag-Metapher aber eher fremd. Ich bin nicht für Leipzig unterwegs im Land, sondern weil ich Spaß an der Drittliga-Fußballwelt habe und ich dem RasenBallsport anhänge.

    (Wie gesagt. Alles sehr subjektiv und in dem Rahmen hier sicherlich nicht auszudiskutieren. Und nicht mal wirklich ne inhaltliche Kritik an der Choreo. Eher ein persönlicher Hinweis, dass es wie immer unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Zugängen im Stadion gibt.)

    1. …wahrscheinlich liegt es ein wenig auch daran, das es in Leipzig selbst kein klares Bild der Aussendarstellung gibt… Ich sage nur Bach / Thomaner / Völkerschlacht usw… es gibt einfach nicht DEN Identifikationsfaktor… Messestadt ist aber glaube ich der Punkt, auf den die nach 1990 geborenen am wenigsten abfahren, weil kennen….
      in sofern bin auch bei dir, Fussball ist Fussball und Stadt ist Stadt – sprach der Dortmunder und fuhr in die Veltinsarena… 🙂

  9. Und Deshalb füllen auch die BVB Fans aus Leipzig und Umgebung hier die Lücke im Stadion … 😉 Sie identifizieren sich mit dem Fußballverein aus Dortmund und sicher nicht mit der Stadt.

    Dennoch bin ich auch der Meinung, dass die Fankurve immer auch Leipzig mit nach Außen tragen soll. Lieber zuviel als zu wenig. (aus meiner Sicht.)

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