Eine Frage der Konstanz

Ein wichtiger Bestandteil des Baukastens der Fußballweisheiten besagt, dass es nicht relevant sei, wo man am 10., 15., 20. oder 25. Spieltag stehe, sondern nur die Tabelle nach dem letzten Spieltag zähle. Das ist natürlich gleichermaßen stimmig wie langweilig. Denn wenn man dies wirklich ernst nähme, könnten 95% der Angebote rund um den Fußball einfach dicht machen. Das Interesse am Fußball manifestiert sich geradezu darin, dass permanent über Perspektiven, Potenziale und Tendenzen debattiert werden will.

Das gilt auch für die Zeit nach dem 13.Spieltag in der dritten Liga. Immerhin also nach bereits einem Drittel der in dieser Saison zu absolvierenden Spiele. Ein Spieltag, nach dem RB Leipzig zum ersten Mal in dieser Saison einen direkten Aufstiegsplatz belegt. Zwei weitere Male belegte man noch den dritten Platz, ansonsten tummelte man sich irgendwo dahinter.

Ein gern beschworener Begriff ist in dieser Saison die Konstanz, die bei RB Leipzig laut Trainer Alexander Zorniger, aber auch laut verschiedenen Beobachtern noch fehlt. Diese sei aber in einer engen Liga wie der dritten die zentrale Komponente für sportlichen Erfolg. Wer konstant Punkte einfahre, der werde am Ende auch ganz oben mitspielen können.

Wenn man also Konstanz als Basiskomponente des Erfolgs nimmt, könnte man sich ja die Tabelle der dritten Liga mal unter diesem Gesichtspunkt anschauen. Um sich dem zu nähern, addiert man einfach mal alle Tabellenplätze, die jedes Team an den 13 Spieltagen eingenommen hat (minimal möglich: 13, maximal möglich: 260). Für RB Leipzig stünden dann insgesamt 59 Punkte zu Buche. Wenn man diese durch 13 teilt, dann käme man auf knapp 4. Was bedeutet, dass RB Leipzig im Schnitt an den 13 bisherigen Spieltagen auf Platz 4 stand.

Wenn man diese Punkte nimmt und mit dem Rest der Liga vergleicht, kann man feststellen, dass RB Leipzig insgesamt ziemlich konstant im oberen Tabellenviertel stand und in dieser Konstanzkategorie nur von Heidenheim, Wehen Wiesbaden und knapp von Osnabrück geschlagen wird. Sprich, RB Leipzig ist vom Start weg als Aufsteiger ein Team, das um die Tabellenspitze mitspielt. Was – auch wenn die sportlichen Leistungen gelegentlich schwanken – doch auch ein deutliches Zeichen für eine konstant gute Saison ist.

KonstanzAktueller PlatzLetzte 6 SpieleLivestreams
1.FC Heidenheim29126
SV Wehen Wiesbaden317154
VfL Osnabrück57457
RB Leipzig59277
FC Rot-Weiß Erfurt678108
Holstein Kiel8412196
Hansa Rostock11215208
SV Darmstadt 98116315
MSV Duisburg123101411
SpVgg Unterhaching133564
VfB Stuttgart II134641
BVB II15313121
Preußen Münster165141110
Jahn Regensburg17117168
Chemnitzer FC17816177
SV Elversberg1861133
Hallescher FC190984
1.FC Saarbrücken22220183
Stuttgarter Kickers2361892
Wacker Burghausen25619137

Das Problem bei dieser Zahl ist, dass sie bestimmte Entwicklungen in den letzten Spielen nicht wirklich berücksichtigen kann. Rostock beispielsweise stand über weite Teile der bisherigen Saison in der oberen Tabellenhälfte, stürzte aber in den letzten sechs Spielen (zwei Punkte) komplett ab. Auf niedrigerem Niveau gilt ähnliches für Wehen Wiesbaden. Was sich nur in der Platzierung der fiktiven Tabelle aus den letzten sechs Spieltagen wiederspiegelt.

Bei Halle oder Elversberg verhält es sich genau andersherum. Die Ergebnisse der letzten Wochen spiegeln sich noch nicht ausreichend positiv in der Tabelle, die so etwas wie Konstanz erfassen soll wieder.

Interessant vielleicht auch die Livestream-Statistik. Die Tabellen-Mittelklasseteams Münster und Duisburg als Teams aus dem WDR-Bereich hier aufgrund diverser bei sportschau.de gestreamter Spiele deutlich vorn. Spitzenreiter Heidenheim mit ’nur‘ sechs Live-Übertragungen der eigenen Partien im Netz. Osnabrück und RB Leipzig mit je sieben Streams gleichauf. Interessant, dass Erfurt von den Mannschaften aus dem MDR-Sendegebiet die meisten Live-Online-Übertragungen abgestaubt hat. Da wurde der überraschend gute Start der Thüringer durchaus honoriert.

Insgesamt kann man festhalten, dass 56 Liveübertragungen bei insgesamt 130 Spielen für eine Liga wie die dritte mit meist nur regionalem Interesse eine durchaus ordentliche Quote ist. Man kann da aus Sicht des Gesamtsports zwar immer die Frage stellen, warum man die dritte Liga im Fußball und nicht die erste Liga eines anderen Sports streamt, aber aus der Sicht des gemeinen und egoistischen Drittligaanhängers ist es natürlich hübsch. Und aus RB-Sicht kann man nur hoffen, dass sich die Stream-Anzahl noch deutlich erhöht, denn das würde bedeuten, dass man weiterhin konstant und erfolgreich an der Tabellenspitze mitspielt..

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