Kaderschwankungen

Der bisherige Saisonverlauf von RB Leipzig als Aufsteiger in die dritte Liga ist geprägt von einigen Schwankungen. Starken Spielen folgen schwächere und dann wieder ganz starke. Und auch personell geht es immer mal wieder hin und her. Thiago Rockenbach wanderte zuletzt von der Tribüne in die Startelf und wieder zurück auf die Tribüne. Franke, der gegen Unterhaching noch nicht mal im Kader stand, startete plötzlich gegen Heidenheim. Und der bis dato gesetzte Linksverteidiger Anthony Jung fand sich am vergangenen Wochenende auf der Bank wieder.

Schaut man sich die Einsatzzeiten der RasenBallsportler an und vergleicht sie mit der letzten Saison, dann fällt auf, dass sich noch kein größerer, fester Mannschaftsstamm herausgeschält hat. Während im vergangenen Jahr (mit Kutschke) über die ganze Saison insgesamt 12 Spieler 50% und mehr der möglichen Einsatzzeiten bestritten, sind es in dieser Saison bisher nur acht.

Während in der aktuellen Saison eigentlich nur Coltorti, Hoheneder, Frahn, Kaiser und mit dem Abstrich Heidenheim Jung per se gesetzt sind, galt dies im vergangenen Jahr für Hoheneder, Coltorti, Franke, Frahn, Kaiser, Müller, Rockenbach, Kutscke und (was die Einsätze in der Startelf anging) Schulz. Insbesondere für Franke, Müller und Rockenbach, aber auch für Judt und Fandrich verlief der Start in die dritte Liga, zumindest in Bezug auf die Einsatzzeiten, eher unerfreulich, während Tim Sebastian davon profitiert, dass er als defensiv robuster und kopfballstarker Allrounder gefragter ist als in der Saison zuvor.

[Spieler = Spieler, Minuten = Einsatzminuten 2013/2014, Prozent 2013/2014 = Anteil der eigenen Spielminuten im Vergleich zur möglichen Gesamtzahl der Einsatzminuten in Prozent (maximal möglich: 1080), Prozent 2012/2013 = Anteil der eigenen Spielminuten an der möglichen Gesamtzahl der Einsatzminuten in Prozent (maximal möglich: 2880), Gelb = Alle wie viel Minuten eine gelbe Karte 2013/2014, Scorer = Alle wie viel Minuten ein Scorerpunkt (Tor oder Vorlage) 2013/2014 ; betrachtet wurden nur Ligaspiele; eine Null bedeutet entweder, dass der Spieler 2012/2013 noch nicht im Team stand oder noch keine gelbe Karte oder einen Scorerpunkt verbuchen konnte]

SpielerMinutenProzent 13/14Prozent 12/13GelbScorer
Niklas Hoheneder1080100913600
Daniel Frahn108010081360108
Fabio Coltorti10801008910801080
Dominik Kaiser10719981536179
Anthony Jung990920330330
Yussuf Poulsen861800861215
Tim Sebastian71867297180
Bastian Schulz7026565702234
Tobias Willers5064705060
Matthias Morys491465098164
Sebastian Heidinger4163934208416
Henrik Ernst4123825206412
Timo Röttger3803543127380
Carsten Kammlott3773539377189
Juri Judt30228591510
Clemens Fandrich2792652279279
Fabian Franke27025892700
Christian Müller254248100
Thiago Rockenbach21320790213
Denis Thomalla20119000
Joshua Kimmich12712000
Christos Papadimitriou262000
Benjamin Bellot00600
Erik Domaschke00600
André Luge00000

Bemerkenswert, wie sich Niklas Hohenender seit einem knappen Jahr entwickelt hat. Nicht ganz zufällig ist er der Profi, der unter Alexander Zorniger die meiste Einsatzzeit erhalten hat. Noch vor Fabio Coltorti und (wegen dessen Verletzung am Ende der letzten Saison) natürlich auch vor Daniel Frahn. Man kann das durchaus als Anerkennung verstehen.

Am anderen Ende der Skala wartet André Luge, der als einziger Feldspieler im aktuellen Kader von RB Leipzig noch keinerlei Minute in einem Ligaspiel verbuchen konnte. Wie man das verstehen soll, ist aktuell eher unklar.

Die Verteilung der Einsatzminuten in dieser Saison spricht noch für einen gewissen Grad an Unruhe und nachvollziehbarem Drittligaanpassungsprozess und damit dafür, dass in den verbleibenden zwei Saisondritteln sich noch stärker ein größerer Mannschaftskern herausbildet. Einerseits.

Andererseits sollte der in der Breite hochklassige Kader es genau ermöglichen, situativ und nach den Beobachtungen der Trainingswoche und den Erfordernissen des Spieltags Aufstellungen zu entwerfen und ohne größere Reibungsverluste auch mal zwei, drei Spieler zu wechseln oder auf Verletzungen und Sperren reagieren zu können. In der vergangenen Saison klappte das noch nicht so gut, in der aktuellen Saison sollte man auch in diesem Punkt einen Schritt machen, wenn man sich denn zu einem Drittligaspitzenteam entwickeln will.

Sportliche Konstanz muss auch dann möglich sein, wenn Kaderkonstanz gerade (aus welchen Gründen auch immer) nicht zu haben ist. Was für die Spieler durchaus eine Herausforderung ist, denn das würde erfordern, dass sie, wenn sie ins Ligawasser geworfen werden, dort auch problemlos und so schnell wie die anderen schwimmen können. Nicht jeder Fußballprofi ist dafür gleichermaßen gemacht.

Wenn man aber sieht, wie ein Bastian Schulz als nicht  eingewechselter Ersatzspieler in Heidenheim nach der Großchance der Gastgeber nach knapp 60 Minuten noch mal seine Mitspieler auf dem Rasen pusht und selbst abseits des Platzes zu 100% da ist, dann weiß man, dass da durchaus Spieler in der Mannschaft stehen, die sich auch als Auswechselspieler als vollwertiger Teil des Teams fühlen, sich auch so verhalten und dementsprechend auch sofort da wären, wenn man sie eine Woche später ins Spiel werfen würde.

Fazit: Man wird erst noch sehen müssen, ob man bei RB Leipzig eine vernünftige, für den sportlichen Output optimale Balance zwischen Kaderkonstanz und Einsetzen des breiten Kaders finden wird. Bisher haben Umstellungen im Team eher sportlichen Erfolg gebracht als verhindert (Kiel und Heidenheim fallen da zuerst ein). Ob man auf lange Sicht auch mögliche Unzufriedenheiten im Kader auffangen kann, vor allem wenn man in Sachen Verletzungen sorgenfrei bleibt, wird eine spannende Frage.

Randbemerkung 1: ‚Beeindruckende‘ Gelbstatistik, die Matthias Morys da in vergleichsweise überschaubarer Einsatzzeit hinlegt. In 491 Spielminuten gleich fünf Verwarnungen einzustecken, ist mehr als ordentlich und würde (statistisch) bedeuten, dass Matthias Morys – hätte er in allen Spielen 90 Minuten auf dem Platz gestanden – schon 10 gelbe Karten kassiert hätte und seine bereits zweite Gelbsperre absitzen würde. Das sind Werte, wie sie selbst Stefan Kutschke in seiner diesbezüglichen Vorzeigesaison 2010/2011 nicht erreichte (damals gelb alle 126 Minuten). Fast schon vorbildlich dagegen Innenverteidiger Niklas Hoheneder, der noch unter Pacult auch diverse Verwarnungen einstrich (eine gelbe Karte pro 125 Minuten), aktuell aber bei einem gelben Karton alle vier Spiele steht und damit – vor allem angesichts des hohen Verteidigens und der vielen Eins-gegen-Eins-Situationen – ganz gut leben kann und eventuell mit einer Gelbsperre durch die Saison kommt.

Randbemerkung 2: Bemerkenswert auch, dass die Innenverteidiger in zwölf Ligaspielen noch keinerlei Torbeteiligung verzeichnen konnten. Da dürfte es, gerade auch nach Standards, gern ein wenig mehr sein. Am anderen Ende steht wieder mal Daniel Frahn, der auch in dieser Saison der mit Abstand beste Scorer bei RB Leipzig und alle 108 Minuten an einem Tor direkt beteiligt ist (7 Tore, 3 Vorlagen – letzte Saison alle 75 Minuten).

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.