3.Liga: RB Leipzig vs. SpVgg Unterhaching 2:2

Zweimal konnte RB Leipzig zuletzt eine Auswärtsniederlage mit einem 3:1-Heimsieg kontern. Beim dritten Mal ging es gegen einen vermeintlich einfacheren Gegner schief und man musste sich mit einem leistungsgerechten 2:2 gegen spielerisch starke Gäste aus Unterhaching begnügen. Ein Ergebnis, das in diesem Fall eher Ausdruck der eigenen Schwäche war.

So richtig dominant trat RB Leipzig in der Partie gegen die Spielvereinigung Unterhaching nur in den ersten fünf Minuten auf. Nachdem der leicht modifizierte Anstoßtrick (flach und spielerisch statt hoch und weit) fast zu einem noch rekordigeren Tor als das Rekordtor kürzlich geführt hätte und der von Morys geschossene Ball bereits nach handgeschätzten fünf Sekunden im Tor hätte liegen können und nachdem Henrik Ernst den Gästekeeper nach fünf Minuten von der Strafraumkante geprüft hatte, war das Pulver der Gastgeber für die erste halbe Stunde schon verschossen.

Auf der anderen Seite tasteten sich nun die Gäste an das Tor heran. Insbesondere ein Freistoß von Welzmüller von halblinks, der nach einer knappen Viertelstunde noch leicht abgefälscht am langen Pfosten nur knapp vorbeisegelt, hätte auch für einen Rückstand sorgen können.

Nach einer halben Stunde dann die Führung fast aus dem Nichts. Anthony Jung setzt sich links mal durch, Rockenbach behauptet am Strafraum den Ball und Dominik Kaiser zielt etwas genauer als Henrik Ernst zu Beginn aus ähnlicher Position und es steht 1:0.

Doch die RasenBallsportler blieben der Logik der Saison anschließend treu und leisteten sich nur zwei Minuten später eine Unachtsamkeit im Deckungsverbund, bei der Hoheneder einen hohen Ball in die Mitte an die Strafraumgrenze klärt, aber die Mittelfeldspieler zu weit entfernt sind, um diesen Ball zu sichern, sodass ihn sich Fabian Götze schnappt und mal eben im Winkel versenkt. Sehr schickes Tor des über die gesamte Spielzeit sehr auffälligen Linksfußes mit dem bekannten Namen und Bruder.

Vor der Pause hat Daniel Frahn dann noch eine dieser 100%igen, die normal ins Tor müssen. Morys erpresst den Ball und leitet ihn sofort zum Elfmeterpunkt zum völlig blank stehenden Frahn, der den Ball aber dann mit aller Macht über das Tor Richtung Fankurve schießt, statt erneut die Führung herzustellen. Stattdessen hat RB bzw. vor allem Fabio Coltorti ein paar Minuten später Glück, dass er beim Herauslaufen den Ball tatsächlich zusammen mit Anthony Jung vor Janik Haberer klären kann. Das war in der konkreten Situation mehr Glück als Können..

Einer der wenigen uneingeschränkt positiven Aspekte des Spiels von RB Leipzig gegen die SpVgg Unterhaching: Das Debüt von Joshua Kimmich | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Insgesamt hat RB bis zur Pause ein bisschen mehr vom Spiel. Das Unentschieden geht aber von der Chancenverteilung her in Ordnung. Und es blieben ja noch 45 Minuten, um aus dem Unentschieden einen Heimsieg zu machen. Doch wer gedacht hätte, dass in den zweiten 45 Minuten nun ein Sturmlauf der Gastgeber stattfindet, sah sich schnell getäuscht, denn es waren die Gäste, die mit kompakter Verteidigung und ballsicherem Spiel nun von Minute zu Minute mehr die Kontrolle über die Partie übernahmen.

Größere Chancen resultierten daraus aber nur selten. Heidinger stört bei einem schnellen Konter der Gäste den eingewechselten Marius Duhnke noch so entscheidend, dass der freistehend vor Coltorti aus sieben Metern am Kasten vorbeischießt. Kaiser kullert auf der anderen Seite freistehend einen Ball am Tor vorbei, weil er zu überrascht davon war, überhaupt in Schussposition zu kommen.

Das 2:1 nach 75 Minuten fällt dann wie schon das 1:0 ein wenig aus dem Nichts und nach einem Eckball von Unterhaching. Der wird herausgeköpft, sodass sich Kaiser den Ball schnappen kann, ihn ungestört von Strafraum zu Strafraum schleppt, wo er rechts Kammlott bedient, der den Ball locker und als würde er nie was anderes machen als Tore schießen, mit dem Außenrist im langen Eck versenkt.

Anschließend stellte Zorniger mit der Einwechslung von Bastian Schulz vom 4-3-3 auf ein kompaktes 4-4-2 um und wollte die Räume für die Gäste noch enger machen. Doch die ließen sich in ihrer beeindruckenden Unbekümmertheit davon eben nicht beeindrucken und suchten weiter den spielerischen Weg zum Tor und zum Ausgleich. Und wurden schließlich in der 84. Minute auch belohnt, als Anthony Jung bei einem Einwurf nicht entscheidend eingriff und Willsch ohne Störung von der Grundlinie am Fünfmeterraum den am Elfmeterpunkt lauernden Duhnke bedienen kann, der problemlos einschiebt.

Der Rest des Spiel ist die Hoffnung darauf, dass RB Leipzig vielleicht noch einen Lucky Punch setzen kann, begleitet von der realistischen Einschätzung, dass eher Unterhaching noch das Momentum zum dritten 3:2-Auswärtssieg in Folge nutzt, als dass RB noch mal zurückschlägt.

Letztlich entsprach das 2:2 den gezeigten Leistungen auf dem Platz und den Chancenanteilen, was aus Gastgebersicht eine etwas enttäuschende Analyse sein muss. Und trotzdem hätte sich RB Leipzig bei zweimaliger Führung mit ein wenig mehr Cleverness die (glücklichen) drei Punkte sichern müssen, statt durch zwei Unaufmerksamkeiten die Führung jeweils relativ schnell wieder zu verspielen.

Aber insgesamt war das Spiel von RB Leipzig über die fast gesamte Spielzeit nicht gut. Enttäuschend vor allem das Spiel gegen den Ball, das nur in den seltensten Fällen effektiv betrieben wurde und im Normalfall komplett drucklos blieb. Mit einfachsten Mitteln und Körpertäuschungen ließ der Gast im Mittelfeld die Versuche der Balleroberung ins Leere laufen und hatte nach dem Ausspielen/ Ausdribbeln der ersten Pressingwelle plötzlich Platz. Was dann in der Konsequenz einigen Druck für die Verteidigungskette bedeutete, die immer wieder eingreifen und klären mussten.

Für den Spielfluss und den eigenen Glauben ans Spiel aber fast noch schlimmer, dass RB Leipzig fast keine Ballgewinne im Mittelfeld und schon gar nicht in des Gegners Hälfte hatte. Eigentlich etwas, wovon sie sonst sehr stark leben. Sodass die RasenBallsportler den Ball im Normalfall von ganz hinten durch eine geschickt verteidigende Unterhachinger Defensive schleppen mussten. Und dabei oft an Stockfehlern, fehlenden Anspielstationen, mangelnder Geschwindigkeit und Ungenauigkeiten scheiterten.

Sprich, aus dem Spiel gegen den Ball, das mit zu wenig Überzeugung gespielt wurde, entstand für den Gästekasten keine Gefahr und aus dem Spiel mit dem Ball, das zu ungenau war, auch nicht. Was etwas enttäuschend war, denn eigentlich war genau der Druck auf den Gegner, der immer versucht Fußball zu spielen und dann eben auch anfällig für Druck gewesen wäre (und es vor der Frahn-Großchance kurz vor der Pause auch war), das Erfolgsrezept, das man leider mit zu wenig Konsequenz umsetzte, sodass daraus eher etwas wurde, was das Selbstbewusstsein der Gäste stärkte, weil sie im Laufe des Spiels immer mehr das Wissen gewannen, das sie RB Leipzig mit spielerischen Mitteln bearbeiten und erfolgreich unter Druck setzen können.

Am uninspirierten Spiel mit dem Ball konnte auch die Rückkehr von Thiago Rockenbach in die Startelf nichts ändern. Zwar war er am 1:0 direkt beteiligt, aber ansonsten auch in vielen Situationen mit auffallend vielen Stockfehlern und Fehlpässen, die den Gegner ins Spiel brachten. Überhaupt gingen im Mittelfeld (auch bei Dominik Kaiser, der mit einem Tor und einer Vorlage trotzdem zu einer positiv spielprägenden Person wurde) einige Pässe schief, die Unterhaching immer wieder zum schnellen Spiel einluden. Daran änderte sich auch durch Joshua Kimmichs Debüt ab der 55. Minute, als er Rockenbach ablöste, nichts grundsätzliches. Auch wenn der Mittelfeldspieler mit seiner ganzen Körpersprache und seinem Auftreten durchaus ein Gewinn war.

In letzter Konsequenz hat Unterhaching mit den ihnen eigenen fußballerischen Mitteln deutlich aufgezeigt, wie schlecht ein auf Balleroberung ausgerichtetes Team aussehen kann, wenn es in der Balleroberung durchaus mit viel Aufwand, aber unpräzise und inkonsequent arbeitet. Dann sieht man eben so aus wie Unterhaching, die nun sicherlich nicht die Übermannschaft der Liga sind, aber mit teilweise eindrucksvoller Leichtigkeit durch das RB-Mittelfeld zu spazieren schienen und dann oft nur durch Foul zu stoppen waren.

Fazit: Wenn man dem Spiel von RB Leipzig gegen die Spielvereinigung Unterhaching etwas gutes entnehmen will, dann sicherlich die Tatsache, dass man jeweils aus dem Nichts heraus zwei gut herausgespielte und abgeschlossene Tore erzielte. Das spricht zumindest für eine Entwicklung in Bezug auf die Abgeklärtheit. Auch das Kimmich-Debüt und das Kammlott-Tor gehören sicherlich zu den Lichtblicken der Partie. Ansonsten blieben viele Enttäuschungen zurück, die man so bisher in den Drittliga-Heimspielen von RB Leipzig noch nicht wirklich gesehen hatte, weil man es dem Gegner durch mangelhaftes Spiel gegen den Ball und Unachtsamkeiten vor den Gegentoren zu einfach machte, sich einen verdienten Punkt ins Reisegepäck zu legen.

Randbemerkung 1: Fast 14.000 Besucher verkündete der Stadionsprecher Mitte der zweiten Halbzeit als offizielle Zuschauerzahl. Was man erst einmal erstaunlich finden kann, angesichts eines mit Unterhaching nicht ganz so namhaften Gegner. Aber die Zahl wird schnell plausibel, wenn man weiß, dass zu diesem Spiel die alljährliche Freikartenaktion durchgeführt wurde und dadurch vor allem in Sektor D, aber auch in C viele Schüler und deren Begleitung in den Spielgenuss kamen. Schwer zu schätzen, aber ich würde behaupten, ohne die Aktion wäre man wohl bei schönstem Fußballwetter irgendwo um die 10.000 herausgekommen..

Randbemerkung 2: Ein bisschen merkte man dem Publikum bei Joshua Kimmichs Einwechslung an, dass sie auf ein typisches, modernes Märchen hofften. Nach langer Verletzung das Debüt des 18jährigen und mit einer spielentscheidenden Aktion hätte er die Schlagzeilen bestimmen können. Alexander Zorniger begründete Kimmichs Einwechslung nach dem Spiel damit, dass er seine Unbekümmertheit in die Partie werfen wollte. Und genau diese zeigte Kimmich, der in einem generell nicht sehr guten Team auch nicht entscheidend zu einer Kursänderung beitragen konnte, in den 35 Minuten seines Einsatzes. Besonders auffällig, dass er schon nach kurzer Zeit auch mit seiner ganzen Körpersprache voll dabei war und beispielsweise einem Dominik Kaiser nach dessen knapp verschossenen Freistoß Mitte der zweiten Halbzeit aufmunternd auf die Schulter klopfte. Also der 18jähre Debütant Kimmich dem 25jährigen zentralen Akteur im RB-Mittelfeld. Und dies ist nur ein Beispiel dafür, wie Kimmich sofort das Spiel annahm und sich dort selbstbewusst und mit dem Willen, das Spiel mitzuprägen, zeigte. Im Rahmen dessen, was die Mannschaft an diesem Tag zuließ ein vielversprechendes Debüt. Eines das die Herren Röttger, Rockenbach, Schulz und Fandrich wohl mit einigem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen haben..

Lichtblicke: Wenn ich müsste, dann würde ich am ehesten noch Joshua Kimmich hier sehen, aber bei nur 35 Minuten Einsatzzeit wäre das wohl auch zu viel des guten. Ansonsten wirkten eigentlich alle Spieler bei allem Einsatz seltsam fehleranfällig.

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Tore: 1:0 Kaiser (32.), 1:1 Götze (34.), 2:1 Kammlott (75.), 2:2 Duhnke (84.)

Aufstellung: Coltorti – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Jung – Kaiser, Ernst, Rockenbach (55. Kimmich) – Poulsen (77. Schulz), Frahn, Morys (64. Kammlott)

Zuschauer: 13.894 (davon 50 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], SpVgg-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Liveticker

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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7 Gedanken zu „3.Liga: RB Leipzig vs. SpVgg Unterhaching 2:2“

  1. Jenseits aller taktischen Details verstehe ich einfach nicht, wie unser Team gegen so eine junge Mannschaft – trotz zweimaliger Führung – so verkrampft, ja phasenweise ängstlich auftreten kann. Zumal die ersten 5 Minuten doch gezeigt haben, wie es geht. Dieses „mentale“ Defizit macht mich etwas sprach- und ratlos.

  2. Ich wiederhole mich, kann unsere Mannschaft eine Führung noch 15 Minuten über die Zeit bringen? Nein. Unverdiente Siege einfahren? Fehlanzeige. Ich sehe kein Ruhepol, keine ruhige Hand im Spiel, Ausnahme Fabio. Wir führen und der Fuchs/Unterhaching ist im Hühnerstall/RBL. Lob an den Sektor B für deren Support. Für alle Freikartenbesitzer und Eventzuschauer, steht auf wenn ihr für Leipzig seit. Tut es oder bleibt ZUHAUSE!

    1. …ich meinte natürlich wenn unser Sektor B darum bittet. Steht auf wenn ihr für Leipzig seit. Dies fordert der Sektor B nicht, sondern er appelliert. Hat was mit Unterstützung der Mannschaft zu tun, besonders wichtig wenn es nicht so läuft, wie gg. die Hachinger.

  3. naja – ich erinnere mich Sekunden vor dem 2:2 wie ich meinem Kumpel sagtes: Was machen die denn da – die betteln ja förmlich um den Ausgleich! Und bums wars auch schon geschehen! Also ich weiß nicth warum die Mannschaft so fehleranfällig war aber das war von Minute 10 -35 und dann eigentlich, fast die kompletten zweiten 45 Minuten das schlechteste Spiel bislang – nix zu sehen von Offensivfeuerwerk, kaum Pressing, gefühlte 95% Ballverlust nach kurzen oder langen Pässen, keine Ballsicherheit und in der Defensive wie oben erwähnt teilweise wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen…manmanman – man kann das eigentlich nicht verstehen. Vielleicht sinds ja wirklich mentale Defizite – Selbstvertrauen sieht jedenfalls anders aus – Bin gespannt wie das gegen Heidenheim ausgeht – nach dem Spiel hätt ich gesagt: das wird ne ordentliche Klatsche geben, wenn unsere Mannen dort genau so auftreten. Das überwältigenste ist einzig die Tatsache das wir nach solch einer „gefühlten Niederlage“ trotzallem noch auf Platz 5 stehen. Lichtblicke die 2 Tore die praktisch aus dem Nichts entstanden sind und einen unverdienten dreckigen Sieg hätten Möglich machen können – so muß man aber auch froh sein, das die Unterhachinger Jungspunde nur einen Punkt mitgenommen haben…

  4. Es ist das erste Heimspiel in dieser Saison, das ich leider berufsbedingt nicht live verfolgen konnte. Ja, einen Heimsieg hätte ich erwarten können, aber das Team zeigt Schwächen, die schon vom ersten Spieltag an ersichtlich waren und sich seither mehr oder minder durchziehen. Dennoch spielt RBL erstaunlich weit oben in der Tabelle mit (und das konstant), was mein Fanherz mehr als erfreut. Dass nach den letzten Auswärtspleiten nun zuhause kein 3er einzuholen war ist schade, aber nicht tragisch. Diese Liga ist verdammt eng, hier gelten keine Regionalligaverhältnisse, wo RB nun mal der Überflieger war. Und ich fände es sogar verdammt spannend, wenn am letzten Spieltag noch einer aus dem „Mittelfeld“ den Relegationsplatz erhascht. Einer meiner ersten Gedanken nach diesem Spiel war „oh Gott, auswärts in Heidenheim“… aber eigentlich ist das Ergebenis dieses Spiels doch enorme Motivation, nachdem selbst Heidenheim gegen Burghausen nur einen Punkt einfahren konnte. Ich bin sehr gespannt und freue mich wie bolle auf dieses Spiel!

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