Vergangene Defensivprobleme und eine passende Antwort

Wieder mal der Versuch einer neuen Rubrik. Mit der immer dahinter stehenden Frage, wie viel Zukunft diese haben wird oder ob sie nicht irgendwann wieder heimlich, still und leise das Zeitliche segnet. Gehen soll es in einer Art fußballtypischer, sentimentaler Verklärung um einen Blick in die jüngere Vereinsvergangenheit, der ja manchmal auch erhellend für die Gegenwart ist.

Vor einem Jahr jedenfalls führte man nach einem offensiv großartigen 4:2 bei Optik Rathenow die aktuell nicht unbekannte Debatte um die Fähigkeiten der Defensive von RB Leipzig. Wobei der Fokus dabei auf der nach nur wenigen Zorniger-Spielen noch nicht funktionierenden Aggressivität gegen den Ball lag. In den letzten Tagen stand ja in Leipzig eher das Spiel mit dem Ball und indviduelle Fehler in der letzten Abwehrreihe als Auslöser für Gegentore im Zentrum der Diskussion.

Die LVZ griff vor einem Jahr mit der eigentümlichen, weil nicht ganz stimmigen These, dass man in Halle in einer ganzen Halbserie nicht eine derartig hohe Anzahl an Gegentoren wie RB in vier Auftaktspielen kassiere, in die Debatte ein. Die Anzahl der RB-Gegentore, die da besprochen wurde: 5. Schon interessant im Nachhinein, dass man damals – fast schon analog zu heute – diese Bilanz als saisonzielgefährdend ansah..

Die Antwort auf die öffentlichen Diskussionen war ein 3:0 gegen Germania Halberstadt. Ein Spiel, in dem die Gäste kein Bein auf den Boden brachten und die RasenBallsportler nach Feuerwehrstart auch mit halber Kraft locker gewannen. Paul Schinke durfte hinten links, da wo in dieser Saison Anthony Jung einen deutlichen Qualitätssprung einbrachte, verteidigen und Sebastian Heidinger spielte noch im Mittelfeld. Ansonsten ähnelte die Startaufstellung an einigen Stellen der heutigen: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Schinke – Kaiser – Schulz, Rockenbach, Heidinger – Kutschke, Frahn.

Fast noch wichtiger für den Verein, dass man vor einem Jahr die Verpflichtung von Frieder Schrof und Thomas Ahlbeck als Leitung der Nachwuchsabteilung beschloss. Ein strategischer Zug, den ich leicht kritisch sah, der aber bisher durchaus einen positiven Einfluss auf die Entwicklungen im Nachwuchsbereich hatte.

Und auch wichtig für den Verein: Daniel Frahn verlängerte vor einem Jahr seinen Vertrag vorzeitig bis 2016 und verkündete dies per Videobotschaft vor dem Halberstadt-Spiel. Mal sehen, wo Daniel Frahn 2016 wie stehen wird. Aktuell scheint es zumindest, dass die dritte Liga für ihn noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Vor zwei Jahren so: RB Leipzig schiebt sich mit einem knappen Sieg bei Hertha BSC II unter Peter Pacult auf Platz 2 der Tabelle. Startaufstellung im typischen Pacult-4-4-2: Borel – Müller, Sebastian, Franke, Kocin – Röttger, Schulz, Geißler, Rockenbach – Kutschke, Frahn. Der Auftritt in Berlin war eher dürftig und der Sieg gegen 10 Berliner schwer erkämpft. Ein gewisser Carsten Kammlott zeigte sich in den 40 Minuten, die er nach Einwechslung bekam, zudem so unterdurchschnittlich, dass selbst Pacult nicht umhin kam, ihn öffentlich zu kritisieren. Dafür, dass Carsten Kammlott aus meiner Sicht schon damals am Scheideweg stand, hat er doch recht lange bei RB durchgehalten..

Durchgehalten haben auch die Fans, die damals gerade ein paar Streitigkeiten auslebten. Inzwischen sind die offiziellen und inoffiziellen Fanclubs auch dank Fanclubdachverbands schon längst etwas näher aneinander gerutscht bzw. reden miteinander statt nur übereinander. Witzig aber die damals erstmals aufkommende Forderung, dass man Fanthemen bzw. -streitigkeiten nicht öffentlich austragen dürfe. Etwas, das sich in den letzten zwei Jahren eher noch verstärkt als abgeschwächt hat..

Auch etwas, was inzwischen schon vollständig normal geworden ist: Die Profis beginnen vor zwei Jahren am Cottaweg zu trainieren. Dass man seitdem auf den Bau der Vereinsgebäude und der Zuschauertribüne am Platz Nummer 1 wartet, ist dann eigentlich fast schon eine zu lange Zeit. Aber die öffentliche Bauplanung erfordert eben auch Opfer und für die Spieler scheinen die Übergangsräumlichkeiten ja kein Problem zu sein.

Und vor drei Jahren: RB Leipzig fährt unter Tomas Oral gegen Wilhelmshaven, jenem ersten Spiel, in dem auch die Zuschauer in der Red Bull Arena ein Faktor wurden und in Oberneuland nach den drei Auftaktunentschieden die Siege 4 und 5 in Folge ein und sichert sich nach acht Spielen Rang 2 hinter dem Chemnitzer FC. Und produziert damit erstmals ein Gefühl, dass alles gut werde (auch wenn es spielerisch mau war). Es dürfte in der Saison 2010/2011 der einzige Zeitpunkt gewesen sein, zu dem man dieses Gefühl haben durfte..

Für RB damals in der Startelf: Sven Neuhaus, Shaban Ismaili, Ingo Hertzsch, Tim Sebastian, Lars Müller, Patrick Bick, Alexander Laas, Daniel Rosin, Maximilian Watzka, Daniel Frahn, Nico Frommer. Lang, lang ist es her und für Patrick Bick, der aus irgendeinem Grund nicht mit Oral konnte, war Oberneuland der vorletzte Auftritt im RB-Trikot überhaupt. Mit Frahn und Sebastian sind heute nur noch zwei Spieler aus dieser Startelf übrig geblieben.

Und wer will, kann jetzt ein wohliges Hach aus sich herauspusten, ob so vieler, mehr oder minder guter Erinnerungen..

[PS: Wie diese Rückblickrubrik künftig aussehen wird, bleibt erst mal Work in Progress. Ich denke, dass es eher darauf hinauslaufen wird, sich einzelne Schlaglichter herauszusuchen, statt einen systematischen Rückblick zu liefern. Vielleicht wird es aber auch noch systematischer und dafür stichpunkthafter. Ob es eher ein wöchentlicher oder ein monatlicher Rhythmus wird, ist auch noch eine offene Frage. Meinungen zu all dem sind natürlich willkommen.]

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3 Gedanken zu „Vergangene Defensivprobleme und eine passende Antwort“

  1. also mir gefällt das sehr gut!
    das führt einem die rasante entwicklung um RBL noch einmal bewusst vor augen.

    könnte mir vorstellen, dass ein monatlicher rückblick vollkommen ausreicht

    1. Da werden dann schon ein wenig die Erinnerungen an diese Spiele wach…wöchentlich wäre wohl zu inflationär, aber monatlich klingt sinnhaft. ist ja wieder eine gewisse fleißarbeit 😉
      Für mich, der erst ab der 1. RL-Saison live dabei ist/war, wirkt das Ganze auch immer mal wieder sehr verwunderlich, wie sich die Dinge um RBL entwickeln…

  2. Danke für die Zeitmaschine! Unser Robrbl ist ein sehr fleißiger Blogger! Aber denkt daran, liebe Leser, Zeit ist Geld! SPENDET!!!

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