Eingespieltheit wins Championships?

Eine nicht unplausible These lautet, dass Mannschaften, die über einen längeren Zeitraum gewachsen sind, bessere Chancen auf sportliche Erfolge haben. Vermutlich kippt diese Kurve an einem bestimmten Zeitpunkt, wenn ein Team so viele sportliche Erfolge gesammelt hat, dass sie gesättigt ist, aber für unsere Zwecke hier soll die Eingangsthese trotzdem erst einmal genügen.

Eine weitere Behauptung lautet gemeinhin, dass RB Leipzig ein Durchlauferhitzer sei, bei dem permanent die Spieler ausgetauscht werden, während anderswo die Vereine genötigt seien, mit dem zu arbeiten, was sie eh schon haben. Wobei dies in der dritten Liga auch ein wenig schwierig ist zu behaupten, da gute Spieler immer das Ziel haben werden, die Liga – mit oder ohne den aktuellen Verein – nach oben zu verlassen bzw. die Vereine immer wieder Talente aus der Regionalliga holen und dadurch per se eine gewisse Fluktuation entsteht, die es bspw. in der 1. Bundesliga in der Form nicht gibt.

Wie auch immer, die folgende Tabelle zeigt für alle Mannschaften der dritten Liga den Tabellenplatz, wie viele Spieler in jedem Team stehen, wieviele Spielzeiten sie mit der aktuellen im Schnitt für ihre Mannschaft bestreiten, welchen Marktwert die Spieler im Schnitt haben und wie effektiv die Mannschaften sind, wenn man die erreichten Punkte in Bezug setzt zum durchschnittlichen Marktwert der Spieler.

(Grundlage sind die Daten und Markwerte von transfermarkt.de, denen ich nicht zu 100% traue, die aber die komplettesten sind. Zur Vereinfachung wurden Wechsel in der Winterpause als ganzes Jahr gerechnet. Sprich, bspw. ein Niklas Hoheneder, der im Winter 2011/2012 kam, geht in sein 3. Jahr bei RB Leipzig. Die Marktwert-Geschichte ist letztlich ein ganzes Stück Spielerei, da die Marktwerte sehr subjektive Festlegungen sind und Spieler, die aus der Regionalliga kommen – wie bei den Aufsteigern – per se einen etwas geringeren Marktwert haben und Spieler, die aus der zweiten Liga herunterwechsel per se heruntergestuft werden, auch wenn sie per se nicht Leistung verlieren.)

TeamPlatzSpielerSpielzeitenMWPkt./MW
Heidenheim1273,3026018508,46
Wehen Wiesbaden2281,8622321408,96
Erfurt3261,6117115409,93
Leipzig4252,4425900006,56
Kiel5262,3814230810,54
Osnabrück6261,3522115407,12
Rostock7231,8721304306,57
Unterhaching8331,6710075815,63
VfB II9261,9220096106,47
Darmstadt10232,0019021707,10
BVB II11271,6726851905,03
Chemnitz12222,2330227203,64
Regensburg13232,0920978305,24
Duisburg14231,6124347804,52
Halle15231,7420652204,90
Elversberg16272,1114074006,39
Münster17262,1222115403,56
Kickers18282,3615000004,00
Saarbrücken19251,6819100002,62
Burghausen20271,9314166700,71

Augenfällig, dass Heidenheim über das Team verfügt, das mit deutlichem Abstand auf die Konkurrenz im Schnitt am längsten zusammenspielt. Sprich, dort hat man eine klare Teamstruktur, die man im Sommer durch Qualität noch mal ordentlich aufgehübscht hat. Dass sie Qualität im Kader haben, zeigt sich darin, dass sie in Sachen Marktwerte auf Platz 3 in der 3.Liga liegen. Dass sie mit dieser Mischung auch der Topfavorit auf Meisterschaft und Aufstieg sind und bleiben, liegt eigentlich auf der Hand und schlägt sich dann auch in Platz 1 in der Tabelle nieder.

Gleich auf Platz 2 in der Tabelle der Vereinstreue liegt dann RB Leipzig. Was zumindest die These wiederlegt, dass bei RB von Jahr zu Jahr ein neues Team aufläuft. Im Schnitt haben die Spieler alle schon unter Pacult bei RB Leipzig gespielt. (Wobei man auch erwähnen sollte, dass ein Spieler, der einen Vertrag bei RB hat, natürlich auch wenig Eigeninteresse hat, den Verein zu wechseln. Außer man heißt Kutschke und kriegt einen Vier-Jahres-Jackpot in Wolfsburg angeboten..) In Sachen Marktwerte folgt RB Leipzig dicht hinter Heidenheim auf Platz 4. Was zusammen auch erklärt, warum RB Leipzig zurecht zu den Mitfavoriten im Aufstiegskampf zählt. Wenn sie mit ihrer gewachsenen und ausgeglichen besetzten Mannschaft den Anpassungsprozess an die dritte Liga gut hinkriegen, dann haben sie tatsächlich keine schlechten Chancen auf einen der ersten drei Plätze.

Überdurchschnittlich lange zusammen sind auch die Kader der beiden anderen Aufsteiger aus Kiel und Elversberg. Das Team aus dem Norden mit sehr wenigen Neuzugängen im Sommer sogar noch länger. Beide haben auch ähnliche Marktwerte. Aus ihrem Kapital macht insbesondere Kiel sehr viel, sodass sie in der Effektivitätsrangliste aktuell auf Platz 2 stehen.

Erst sehr kurz zusammen sind dagegen die Teams aus Osnabrück, Duisburg und Erfurt, die allesamt größere Kaderumbrüche hinter sich haben. Insbesondere in Osnabrück, beim nächsten Gegner von RB Leipzig, ist im Sommer kein Stein auf dem anderen geblieben und ist fast das ganze Team neu. Was man unter diesen Umständen sportlich leistet, ist aller Ehren wert. Das gilt fast noch mehr für Erfurt, die mit einem in Teilen neuen Team und mit geringem Marktwert in der realen und in der Effektivitätstabelle auf Platz 3 liegen.

In der Marktwerttabelle deutlich führend ist der Chemnitzer FC, die gleichzeitig die wenigsten Spieler im Kader haben, demnach also das Konzept verfolgen, in der Spitze eine Topmannschaft zusammenzustellen und dafür in der Breite zu sparen. In Bezug auf die erreichten Punkte sind sie vor dem Hintergrund der Marktwerte aber noch reichlich ineffektiv. Was einerseits Folge von Ausfällen einiger Topspieler zu Beginn der Saison (wo sich dann die fehlende Breite bemerkbar macht) und andererseits Pech in den letzten Spielen geschuldet ist. Man verlor unglücklich einige Punkte, die man dem Spiel nach hätte mitnehmen müssen. Die aktuell zu konstatierende Chemnitzer Ineffektivität, hat – so ist zu vermuten – für die Zukuft jedenfalls nichts zu sagen. Mit dem CFC ist in jedem Fall noch sehr stark zu rechnen.

Interessant auch, dass der Dortmunder Nachwuchs den zweithöchsten Marktwert aufweist. Was vor allem mit einem Namen zu tun hat: Marvin Duksch. So etwas wie der Superstar der dritten Liga, der jederzeit auch in der Bundesliga bei den Profis verschwinden könnte, wie dies Rani Khedira beim VfB zuletzt tat. 1.000.000 Euro weist transfermarkt.de für Duksch aus. Ganz ordentlich für einen 19jährigen Offensivspieler in der dritten Liga..

Duisburg ist ein Beispiel, dass die Marktwerte letztlich nicht so aussagekräftig sind. Denn auch hier ist die erste 11 qualitativ sehr hochwertig bzw. noch hochwertiger als es der Schnitt des Teams ausweist. Wolze, de Wit, Feisthammel, Bajic, Dum oder Zoundi stehen für absoltues Topniveau in dieser Liga. In der Breite wurde der Kader aber beim Expressumbau nach Lizenzentzug im Sommer nur aufgefüllt, sodass Duisburg im Schnitt ’nur‘ den fünfthöchsten Marktwert ausweist. Und dafür dann aber trotzdem noch recht ineffektiv ist. Was angesichts der praktisch nicht vorhandenen Sommervorbereitung aber auch nicht sonderlich erstaunt.

Erstaunen muss dagegen komplett das Abschneiden der SpVgg Unterhaching, die mit Abstand den größten Kader, aber gleichzeitig auch den geringsten Marktwert aufweisen. Und damit das effektivste Team sind. Schlagen sie morgen im Nachholespiel noch Halle, ziehen sie in der Tabelle sogar mit den dritt- und viertplatzierten Erfurt und Leipzig gleich. Irre Leistung bisher in dieser Saison. Und das bei einem fast nicht eingespielten Kader, dessen ältester Spieler gerade mal 27 ist. Wobei die meisten Spieler zwischen 18 und 23 Jahre alt sind. Unterhaching wird sicherlich nicht ewig in der oberen Tabellenhälfte stehen, aber der Saisonstart ist angesichts der Rahmenbedingungen bei dem Team, das neben Elversberg vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer 1 gelten durfte, sehr beeindruckend.

Überraschend fand ich persönlich noch, den relativ geringen Marktwert des 1.FC Saarbrücken. Dazu noch ein relativ wenig eingespieltes Team und einige Verletzte und der aktuelle Tabellenstand (19.) ist gar nicht mehr so extrem überraschend, wie man ihn immer findet. Wobei es ein paar Punkte mehr natürlich trotzdem sein müssten.

Fazit: Letztlich ist der Zusammenhang zwischen Vereinstreue/ Eingespieltheit bzw. Marktwerten und Tabellenplatz gar nicht so sonderlich ausgeprägt, wie man es vielleicht erwarten würde. Wobei gerade die Marktwertdifferenzen in dieser Liga relativ gering sind, sprich die Mannschaften leistungsmäßig relativ nah beieinander liegen. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison geht es insgesamt aber noch ganz schön bunt durcheinander. Lediglich in Heidenheim wird man den objektiven Daten aktuell auf dem Fußballplatz vollauf gerecht. Ansonsten bleibt obige Tabelle eine nette Spielerei, die man im Saisonverlauf vielleicht noch gelegentlich (eventuell aktualisiert) heranziehen kann, um die eine oder andere Entwicklung bei den Mannschaften zu erklären und sich die Zeit zwischen den Spieltagen effektiv zu vertreiben..

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