Sachsenpokalstart

Gar nicht lange her, da wurde hier im Blog in der Vorschau auf ein weiteres Jahr Leipziger Fußball die These aufgestellt, dass es ja auch mal ganz angenehm ist, dass die verschiedenen Leipziger Mannschaften in unterschiedlichen Ligen kicken und sich so mal nur um sich selbst kümmern können und sich nicht in Duellen untereinander und dem entsprechenden Brimborium um die Spiele aufreiben. Kurz darauf wurde bereits die Bezirksliga-Partie zwischen der BSG Chemie und Lok II aus Sicherheitsgründen abgesagt und verschoben und nun auch noch die Sachsenpokal-Drittrundenpartie Lok gegen RB Leipzig ausgelost.

Ein weiteres Duell also zwischen den beiden Vereinen, die sich so unterschiedlich sehen und die im Verlauf der letzten Jahre aufgrund verschiedener Geschichten fanseitig eher noch weiter auseinander als aneinander heran gerückt sind. Ein weiteres Hochsicherheitsspiel mithin, das für tagelangen medialen Ausnahmezustand sorgen und am Spieltag selbst die nötigen Polizeieinheiten in Atem halten wird. Ein Duell, das aus genau diesen Gründen rund um das Spiel, eigentlich keiner braucht.

Wirtschaftlich gesehen, ist es zumindest aus Lok-Sicht ein gern genommenes Duell, bietet es doch die Chance, noch vor der Winterpause dringend benötigte Zusatzeinnahmen für die klamme Vereinskasse zu generieren und so zu einem gesicherten Saisonetat beizutragen. Nicht ganz unverständlich zumindest aus dieser Perspektive, dass Lok das Spiel gern im heimischen Bruno-Plache-Stadion austragen möchte, wo die Kosten nicht so hoch wären, wie bei einem Einmieten in die große und bei Lok wenig beliebte Red Bull Arena.

Ob Lok mit der von Lok-Präsidumsmitglied Rene Gruschka in der heutigen LVZ formulierten Idee auch durchkommt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Die bisherige Geschichte der Duelle zwischen Lok und RB lässt es wenig wahrscheinlich erscheinen, dass sich die Sicherheitsbehörden auf diese Variante einlassen. Und auch RB Leipzig dürfte vereinsseitig das seine dazu tun, dass man letztlich doch in der Red Bull Arena antreten kann. Andererseits fand das Sachsenpokal-Duell zwischen dem FC Sachsen und RB Leipzig im Frühjahr 2011 auch im Alfred-Kunze-Sportpark und nicht in der Red Bull Arena statt.

Abseits von allen Sicherheitsaspekten wäre wirtschaftlich letztlich die entscheidende Frage, ob in die Red Bull Arena derart deutlich mehr Menschen strömen würden, als in das zuschauerbegrenzte Bruno-Plache-Stadion, das wohl nur für 5.000 Besucher zugelassen, aber dafür ausverkauft wäre, dass dies die deutlich höheren Kosten der großen Arena aufwiegt. Denn ob das Spiel nach den letztjährigen beiden Duellen zwischen Lok und RB noch einmal eine solche Strahlkraft hat, dass deutlich über 15.000 Zuschauer dem beiwohnen wollen, ist zumindest nicht selbstverständlich. Erste Reaktionen in den Weiten des Internets lassen darauf schließen, dass zumindest auf RB-Seite der eine oder die andere eine solche Partie auch auslassen würde.

Witzig ist es letztlich schon, dass es schon wieder der ungeliebte Nachbar RB Leipzig ist, der Lok Leipzig einen finanziellen Rettungsanker wirft. Vor ziemlich genau einem Jahr war es der von RB unterstützte Heimrechttausch, der Lok als offiziellem Heimteam bei knapp 25.000 Zuschauern eine ordentliche Einnahme bescherte und wohl in letzter Konsequenz auch die Insolvenz verhinderte. In diesem Jahr, in dem man sich eigentlich aus dem Weg gehen hätte können und Lok nach eher schwachem Ligastart mit vergleichsweise geringen Zuschauerzahlen und Auseinandersetzungen mit der eigenen Fanszene zu kämpfen hat, ist es dann das Sachsenpokal-Duell, das Lok unerwartete Einnahmen beschert. Wird Zeit für einen Lok-RB-Freundschaftsschal..

Sportlicherseits ist die Ausgangslage vor der dritten Runde im Sachsenpokal klar. RB Leipzig ist als Mannschaft noch einmal ein ganzes Stück besser besetzt als noch letzte Saison. Lok hat aufgrund der finanziellen Situation noch einmal deutlich an Qualität verloren. Zudem könnte Stürmer Steve Rolleder nach seiner roten Karte im Zweitrundenspiel gegen Kamenz in der Partie gegen RB gesperrt fehlen, wenn denn die fällige Sperre nicht wettbewerbsübergreifend auch auf Liga-Spiele angerechnet wird und Rolleder sie dann Mitte Oktober (gespielt wird vorraussichtlich am Wochenende 12./13.10.) schon abgesessen hat. Alles in allem wäre RB Leipzig sicherlich klarer Favorit, aber das ist nun auch nicht wirklich überraschend.

Neben Lok vs. RB, das sicherlich auf 8sport oder zumindest als Aufzeichnung in voller Länge von Leipzig Fernsehen übertragen wird, geht in der dritten Runde im Landespokal auch noch Budissa Bautzen gegen den FSV Zwickau als sportlich interessantes Duell durch. Stahl Riesa gegen den Heidenauer SV oder Bischofswerda gegen Neugersdorf ist für Freunde des lokalen Fußballs sicherlich auch nicht uninteressant.

Döbeln zieht derweil das Traumlos Chemnitzer FC. Angesichts von gleich drei Klassen Unterschied mit klarer Favoritenrolle für den Drittligisten. Genauso wie für die anderen beiden Regionalligisten (Plauen und Auerbach), die noch im Wettbewerb vertreten sind, die jeweils Siebtligisten zugelost bekamen.

Ansonsten noch diverse Duelle mit ausschließlicher Beteiligung von Landes- und Bezirksligisten. Die SG Sachsen Leipzig fährt deswegen nach Coswig. Und die BSG Chemie empfängt, falls sie im Nachholer der zweiten Runde in Bad Lausick gewinnt, mit dem Bornaer SV einen weiteren Konkurrenten aus der Bezirksliga. Für beide ein machbares Los. Nicht ganz chancenlos auch das fünfte Leipziger Team, der SV Lindenau 1848, ein klassischer Stadtteilverein aus der neunten Liga, der den Siebtligisten Germania Mittweida empfängt.

Vielleicht ergibt sich ja für den weiteren Pokalverlauf für RB Leipzig eine Art Stadtpokal. Erst Lok, dann ein Ausflug nach Lindenau, dann im Viertelfinale die SG Sachsen und im Halbfinale die BSG Chemie und zuguterletzt im Finale dann wieder der Chemnitzer FC. In der heimischen Red Bull Arena. Unter dem Motto: Stell dir vor, es ist Landespokal und du kommst aus Leipzig trotzdem nicht raus.

Fazit: Eigentlich braucht das Spiel zwischen Lok und RB angesichts des Drumherums kein Mensch. Andererseits ist es wirtschaftlich für Lok ein Glückstreffer und sportlich zugegebenermaßen in der alten Pokalkonstellation finanziell schwacher Außenseiter vs. sportlich übermächtiger Favorit nicht uninteressant. Zumal die Differenzen zwischen dritter Liga und Regionalliga zwar groß, aber auch nicht unüberbrückbar sind. Von daher fällt zwar die ungeteilte Freude über das Los schwer, zumal es für RB in einer langen und schweren Drittligasaison (im Oktober warten Heidenheim, Regensburg und Chemnitz als Gegner) noch ein zusätzlicher Belastungstest ist, aber wenn das Spiel heranrückt, wird das Kribbeln schon kommen..

Die Partien im Einzelnen (in Klammern die jeweilige Liga):

  • 1. FC Lokomotive Leipzig (4.) – RasenBallsport Leipzig (3.)
  • Döbelner SC (6.) – Chemnitzer FC (3.)
  • FSV Budissa Bautzen (5.) – FSV Zwickau (4.)
  • SG Empor Possendorf (7.) – VFC Plauen (4.)
  • FSV Motor Marienberg (7.) – VfB Auerbach (4.)
  • BSG Stahl Riesa (6.) – Heidenauer SV (5.)
  • Bischofswerdaer FV (6.) – FC Oberlausitz Neugersdorf (5.)
  • Großenhainer FV (7.) – SSV Markranstädt (5.)
  • Kickers Markkleeberg (6.) – NFV GW Görlitz (6.)
  • VfB Zwenkau (7.) – Radebeuler BC (6.)
  • FC Concordia Schneeberg (7.) – FC Eilenburg (6.)
  • SpVgg Grün-Weiß Coswig (7.) – SG Sachsen Leipzig (6.)
  • FC Bad Lausick/BSG Chemie Leipzig (jeweils 7.) – Bornaer SV (7.)
  • Königswarthaer SV (7.) – TSV Cossebaude (7.)
  • BSV Gelenau (8.) – SV Merkur Oelsnitz (7.)
  • SV Lindenau 1848 (9.) – SV Germania Mittweida (7.)

————————————————————————————————-

Ergänzend noch die gestern geschriebene Vorschau auf die Auslosung:

Ehe man nach dem 0:1 bei der SV Elversberg in größere Depressionen verfallen kann, wartet mit dem Sachsenpokal schon ein weiterer Baustein, der letztlich entscheiden wird, ob man eine gute oder schlechte Saison gespielt hat. (Wobei der eine oder die andere wohl der Meinung sein wird, dass dieser Wettbewerb die Depression per se schon erhöht.)

Eigentlich ist der Sachsenpokal ein ganz hübscher Wettbewerb. Man hat bei jeder Auslosung die Chance, eine neue Ecke Sachsens kennenzulernen und im besten Fall, irgendwo bei dörflicher Bratwurstatmosphäre die Gegenwelt zur WM-Arena in Leipzig zu schnuppern. Wobei Sachsenpokal für RB Leipzig letztlich in der Kurzfassung entweder Ausscheiden in Zwickau oder Finalsieg gegen den Chemnitzer FC meint.

Weswegen bei der heutigen Auslosung [broken Link] der dritten Runde, die ab 19 Uhr im Leipzig Fernsehen übertragen wird, das Los FSV Zwickau unbedingt zu vermeiden ist. Die dritte Runde des Sachsenpokals ist die Runde der letzten 32 und für RB Leipzig gleichzeitig die erste des Wettbewerbs, da man als Drittligist – wie der Chemnitzer FC auch – die erste Runde auslassen durfte. Gelost kann in der dritten Runde jeder gegen jeden werden. Das unterklassige Team hat dabei immer Heimrecht. Gespielt werden soll die dritte Hauptrunde am Wochenende 12./13.10.2013.

Ein Freilos hatte in der ersten Runde auch der Nachbar aus dem Süden der Stadt Lok Leipzig. Praktisch hatten sie auch eins für die zweite Runde, denn nachdem sie eigentlich nach Kamenz hätten fahren müssen, bescherte ihnen die Gefahrenprognose (Lok-Fans auf Dynamo-Gebiet) und die nach Polizeimeinung in Kamenz nicht abzusichernde Partie einen Heimrechttausch, sodass sich Lok als Viertligist in heimischer Umgebung mit dem Sechstligisten messen durfte. Und trotzdem das Elfmeterschießen brauchte, um glücklich in die dritte Runde einzuziehen.

In der sie sich laut Präsident Heiko Spauke in der heutigen LVZ ausgerechnet RB Leipzig als Gegner wünschen. Man kann diesen Wunsch aus wirtschaftlichen Gründen verstehen, aber letztlich ist dieses Duell eigentlich auch komplett verzichtbar. Beiden Vereinen tut es ganz gut, dass man sich nicht umeinander, sondern komplett voneinander getrennt dreht. Und das darf ruhig noch eine ganze Weile so bleiben.

Aus Leipzig wartet in der dritten Runde auch die frisch umbenannte Ex-SG-Leipzig-Leutzsch, die sich nun SG Sachsen Leipzig nennt. Ein mehr oder minder ambitionierter Sechstligist, dessen Vorgänger FC Sachsen Leipzig die RasenBallsportler zuletzt im Frühling 2011 im Sachsenpokal erwischten.

Auch die BSG Chemie Leipzig wäre ein mögliches Drittrundelos für RB Leipzig. Allerdings muss sich der frisch abgestiegene Bezirksligist zuvor noch beim Ligakontrahenten Bad Lausick durchsetzen. Was sicherlich keine leichte, aber eine machbare Aufgabe wäre.

Und nicht zu vergessen, wenn es um Leipzig geht, sei der SV Lindenau, der Kreisligist aus dem Westen der Stadt. Ein Neuntligist(!), der der rangtiefste Teilnehmer an der dritten Sachsenpokal-Runde und sportlich sicherlich das dankbarste Los wäre. Insgesamt fünf Teams allein aus Leipzig lassen Stadtduelle in welcher Konstellation auch immer jedenfalls zu einer nicht unwahrscheinlichen Variante werden.

Praktisch wären aus Sicht von RB Leipzig im Sachsenpokal sicherlich Ausflüge in die Region, die man gleichzeitig mit Imagepflege verbinden kann. Die Landesligisten aus Markleeberg und Eilenburg oder die Bezirksligisten aus Zwenkau, Borna und im Fall der Fälle Bad Lausick böten sich da sicherlich an. Auch Döbeln kann man da noch dazuzählen.

Undankbar wären dagegen die sächsischen Oberligisten- und Regionalligisten als Gegner, da sie sportlich durchaus fordernd wären. Neben den schon erwähnten Zwickauern sind hier noch Plauen, Auerbach, Heidenau, Bautzen, Markranstädt und (noch vom letztjährigen Halbfinale bekannt) Neugersdorf zu nennen.

Neben Lok und Zwickau braucht es den Chemnitzer FC zu diesem Zeitpunkt der Sachsenliga-Saison auch nicht als Gegner. Auch wenn Chemnitz das einzige Team wäre, gegen den man eine 50:50-Chance hätte, ein Heimspiel zu kriegen. Aber der Konkurrent in der dritten Liga würde in einer späteren Runde, im besten Fall im Finale, noch völlig ausreichen.

Letztlich wäre eine Runde, in der RB Leipzig mit einer ‚B-Elf‘, also einer Mannschaft mit Spielern mit geringen Drittligaeinsatzzeiten, auflaufen kann, optimal angesichts eines dichten Liga-Programms bis zur Winterpause. Am wahrscheinlichsten wäre ein Sechs- oder Siebtligist. Also Landesliga oder Bezirksliga, die zusammen 20 der 32 Drittrundenteams im Sachsenpokal stellen. Aber letztlich hat jedes der folgenden Teams die gleiche Chance das Los RB Leipzig zu ziehen. Wähle jede/r nach individueller Präferenz aus:

Dritte Liga

  • Chemnitzer FC

Regionalliga

  • 1.FC Lokomotive Leipzig
  • FSV Zwickau
  • VfB Auerbach
  • VFC Plauen

Oberliga

  • Heidenauer SV
  • SSV Markranstädt
  • FSV Budissa Bautzen
  • FC Oberlausitz Neugersdorf

Landesliga

  • NFV Gelb‑Weiß Görlitz
  • SG Sachsen Leipzig
  • Döbelner SC
  • Kickers 94 Markkleeberg
  • Radebeuler BC
  • Bischofswerdaer FV
  • BSG Stahl Riesa
  • FC Eilenburg

Bezirksliga

  • TSV Cossebaude
  • SG Empor Possendorf
  • SpVgg Grün‑Weiß Coswig
  • Großenhainer FV
  • Königswarthaer SV
  • VfB Zwenkau
  • Bornaer SV 91
  • FSV Motor Marienberg
  • SV Merkur 06 Oelsnitz
  • SV Germania Mittweida
  • FC Concordia Schneeberg
  • FC Bad Lausick 1990/ BSG Chemie Leipzig

Kreisoberliga

  • BSV Gelenau

Kreisliga

  • SV Lindenau 1848

Flattr this!

8 Gedanken zu „Sachsenpokalstart“

  1. Diese Auslosung stinkt zum Himmel!
    Für mich und viele andere Fans ist die Auslosung nur eins:
    Betrug.
    Und da dieses Spiel mit Sicherheit im TV übertragen wird, steht für mich fest:
    Boykott.
    Ich werde den Verein 1. FC Lok Leipzig mit meinem Geld nicht erneut vor der Insolvenz retten!

  2. „Wird Zeit für einen Lok-RB-Freundschaftsschal..“

    Böse und sehr sehr viel Ironie in diesen Wort !!!!
    …ein echter RBL Fan wird sich so was nie um den Hals hängen !!!!!

  3. Damit ist es ausgesprochen, das Wort, Boykott. Was tun? Ins Plache oder in die RBA gehen und damit die Lokis unterstützen? Vielleicht können die RBFans.de dies auf ihrer Seite mal zur Abstimmung bringen.

  4. typisch Lok – da wird wiedermal das Fell des Bären verteilt, bevor er erlegt ist….
    Spiel findet in der RBA statt (mit allen Kosten) und 4500 blaugelbe verlieren sich im weiten Rund – weil keiner von uns hingeht… 😉
    Klappe zu – Kuckuck drauf – Ende vom Traditionsverein…

    1. Meine Güte, dann bekommt ihr eben im ZS den umgebauten Auswärtsblock zugewiesen 😛
      Oder wie wär’s damit das Spiel im Bruno stattfinden zu lassen? Bei gleichzeitiger Ansetzung BSG – Lok II wäre ja für manche der gewünschte mediale Pokaljackpot möglich: RB fettet Lok 2 stellig ab, wir Lokis verlassen gefrustet das Stadion zur Halbzeit während es in Leutzsch kracht.
      Ich jedenfalls gehe da ganz normal hin, werde auf ne Überraschung hoffen und die Kommentatoren in den Foren können die Szenarien für den nächsten Roland Emmerich Film entwerfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.