3.Liga: SV Elversberg vs. RB Leipzig 1:0

Wie das Fußballleben eben so spielt. Noch vor einer Woche hatte die SV Elversberg neben vier Niederlagen nur zwei Unentschieden verbucht und nun stehen sie mit neuem Trainer und zwei 1:0-Siegen in Folge mit fünf Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz plötzlich gut da. Dass ausgerechnet RB Leipzig den Helfer in der Not (mit)spielen musste, ist der negative Teil dieser Erfolgsgeschichte.

Es gibt sie diese Tage, an denen man an der Außenlinie versucht den Ball zu stoppen und er trotzdem permanent über die Linie rollt. Tage, an denen man permanent die falsche Entscheidung trifft. Tage, an denen selbst die guten Aktionen im Nichts verlaufen. Tage, an denen die vorhandenen Torchancen alle knapp am Kasten vorbeigehen. Und wenn du schon einen solchen Tag erwischst, ist es vielleicht nur konsequent, wenn du dich in der Nachspielzeit des Spiels, bei eigenem Standard auskontern lässt und der Gegner gleich mit zwei Spielern frei vor dem Tor steht und einer davon nur noch ins leere Tor schieben muss..

Letztlich ist dies ein weiterer Hieb in die hier schon oft zitierte Kerbe, dass den RasenBallsportlern zu einem Spitzenteam in der dritten Liga einfach noch eine Spur Abgebrühtheit und Cleverness fehlt. Offensiv wie defensiv. Und bei der SV Elversberg verlor man in Saarbrücken, weil man sich in der Rückwärtsbewegung nach einem abgewehrten Standard schlicht naiv verhalten hat. Und das ist tatsächlich eher beschreibend als vorwurfsvoll gemeint. Einmal schoss der Gastgeber zuvor in einer ähnlichen Situation in einem unfassbaren Fehlversuch statt ins leere Tor an die Unterkante der Latte. Beim zweiten Mal war das Glück der Fußballwelt dann verbraucht.

Es war 90 Minuten lang aus RB-Sicht ein höchst mühseliges Spiel, das vermutlich nur dann anders gelaufen wäre, wenn Frahn bei seiner Chance nach einer Minute, als er über rechts und anschließender Thomalla-Ablage perfekt freigespielt war, das frühe 1:0 gemacht hätte. Es lässt sich vermuten, aber natürlich nicht beweisen, dass RB Leipzig dann einen relativ entspannten Tag verbracht hätte. Aber es war aus der Hinterher-Sicht auch irgendwie typisch, dass diese sehr gute Chance nicht genutzt wurde.

In guten wie in schlechten Zeiten, 11 (bzw. 18) Freunde sollt ihr sein.. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Die Partie zwischen der SV Elversberg und RB Leipzig fühlte sich insgesamt an wie eine Regionalliga-Partie aus der vergangenen Saison. Nur mit weiterer Anreise und in einem größeren, aber trotzdem sehr alterstümlichen (und schicken) Stadion. 850 Zuschauer verloren sich letztlich im Ludwigsparkstadion zu Saarbrücken, wo die SV Elversberg, ein Saarbrücker Vorortclub aus Ermangelung eines tauglichen, eigenen Stadions ihre Heimspiele austrägt.

Und auf dem Rasen stellte sich der Gastgeber relativ tief hinten rein, lauerte auf seine Konterchance und drosch die Bälle ansonsten rustikal in irgendeine Richtung, Hauptsache weg vom eigenen Tor. Manchmal entstand dann auch ein schneller Gegenzug daraus.

RB Leipzig auf der anderen Seite versuchte sich darin, die Lücke zu finden und tat sich dabei von Minute zu Minute schwerer, weil individuelle Fehler, schlechte Anspiele, brotlose Dribblings, Sicherheitspässe und ungenaue Flanken einander im regelmäßigen Rhythmus abwechselten. Und wenn es mal eine gelungene Aktion gab, dann folgte dem mit ziemlicher Sicherheit irgendeine Aktion, die den Spielfluss störte.

Schön anzusehen war das nicht, aber RB Leipzig war dabei und trotz aller Schwächen lange und vor allem in der ersten Halbzeit Herr im Haus, weil die Gastgeber bis auf den Versuch, Fehler auszunutzen, eigentlich gar nichts zum Spiel beitrugen und 45 Minuten lang auch bis auf einen direkten Freistoß an die Lattenoberkante ungefährlich blieben. Der Lohn war trotzdem ein 0:0 zur Pause, das durchaus in Ordnung ging, aber bei ein bisschen mehr Zielstrebigkeit bei der Verwertung der eigenen Chancen auch eine Führung für RB Leipzig hätte sein können.

Alexander Zorniger sprach nach dem Spiel davon, dass man den Gegner mit den falschen Mitteln bespielt habe. Das weiter interpretiert waren insbesondere die Wechsel eins und zwei der Versuch, diesen Fehler im Spielprinzip zu beheben. In der Halbzeitpause ersetzte mit Sebastian Heidinger einer Tim Sebastian auf der Rechtsverteidigerposition, der dort mehr Dynamik und Geschwindigkeit in der Tiefe ins Spiel bringen sollte.

Tim Sebastian war zuvor ein wenig zu bemitleiden, als er immer wieder mal mit langen Pässen tief in die rechte Ecke geschickt wurde. Bei allem was man über den Typen Sebastian positives sagen kann und bei allen Stärken, die er hat, ein Rechtsverteidiger mit Offensivgeist, der die Linie entlangsprintet und vorne dann für Gefahr sorgt, wird aus ihm eben nicht mehr. Dass Sebastian Heidinger und nicht Christian Müller die Position dann spielen durfte, darf man zumindest verwunderlich finden, denn für 45 Minuten Vollgas hätte es bei Müller sicherlich auch gereicht.

Auch der zweite Wechsel war der Versuch mehr Dynamik in die Tiefe des Spiels zu kriegen. Christos Papadimitriou durfte sein Pflichtspieldebüt feiern und sollte als fußballerisch starker und schneller Spieler als flacher Anspielpartner in der Tiefe dienen. Papadimitriou war in der Offensive sicherlich auffällig und hatte auch ein paar gute Aktionen, aber letztlich blieb es wie bei Heidinger bei der Idee, dadurch eine Veränderung im Spiel herbeizuführen.

Es war beileibe nicht so, dass RB Leipzig in der zweiten Halbzeit chancenlos blieb. Als Kammlott und Thomalla jeweils mit Zug zur Grundlinie durchbrechen und von dort zurückpassen konnten, wurde es gleich brandgefährlich und man sah, wie die Abwehr eigentlich ganz gut zu knacken gewesen wäre. Aber man suchte diesen Weg zu selten und leistete sich im Gegenzug aufbauend auf Ballverlusten im Mittelfeld, insbesondere wenn einzelne Spieler (Röttger) versuchten, Situationen mit dem Kopf durch die Wand zu lösen und dann fast schon notwendig in entsprechend vielen Gegenspielern hängen blieben, defensiv ein paar Schwächen, die den Gastgeber von Minute zu Minute (auf niedrigem Niveau) stärker zu machen schienen. Mit dem finalen Höhepunkt des spielentscheidenden Konters in der Nachspielzeit.

Man mag das bei einem Kader wie dem von RB Leipzig gar nicht sagen, aber letztlich wogen die Ausfälle von Morys (verletzt) und Poulsen (U21 mit Dänemark) zu schwer in diesem Spiel. Denn mit diesen zwei Spielern, fehlte die entscheidende Geschwindigkeit auf den Außenstürmerpositionen und die immer mal wieder nach außen rückenden Frahn und Thomalla waren da nicht mal ansatzweise ein Ersatz.

Auch mit Timo Röttger als zusätzlichem Mann im Mittelfeld, der irgendetwas um die 10 herum spielte (sodass ein 4-3-1-2 entstand, während Elversberg auf ein kompakt-unangenehmes 4-2-3-1 zurückgriff), aber eigentlich permanent mit den Mittelfeldkollegen rochierte, konnte dies nicht als Überlegenheit in der Zentrale umgesetzt werden, weil man sich oft in Einzelaktionen verhedderte und unheimlich viele Bälle dem Gegner in die Füße spielte. Was auch daran lag, dass Elversberg insbesondere im Zentrum dicht und aggressiv verteidigte. Weswegen man umso mehr Geschwindigkeit auf den Außen gebraucht hätte.

Es war – da muss man gar nicht lange herumdeuteln – ein schlechtes Spiel von RB Leipzig. Wohl auch das schlechteste der bisherigen Saison. Und trotzdem hätte man das Spiel eigentlich nicht verlieren dürfen. Einerseits weil man trotz der Ungenauigkeiten und der Wiederentdeckung der ungefährlichen Flanke aus dem Halbfeld genug eigene Chancen hatte, mindestens ein Tor zu machen. Und andererseits, weil beide Situationen, in denen Elversberg kontern und das leere Tor anvisieren kann, nicht passieren sollten. Nicht beim Stand von 0:0 und erst recht nicht wie beim zweiten Mal in der Nachspielzeit. Aber wie gesagt, es passte zum Tag und auch Sachen, die nicht passieren sollten, passieren eben manchmal.

Vielleicht besser so, dass es in einem solchen Spiel war, als in einem Spiel, in dem man hochgradig überlegen ist. Obwohl die Theorie der sinneschärfenden Niederlage wohl zu den meistüberschätzten Theorien der modernen Fußballgeschichtsschreibung gehört. Denn dieser Verlust von einem bis drei Punkten bei einem höchst bodenständig spielenden Gastgeber ist aus Sicht von RB Leipzig einfach nur ärgerlich, auch wenn sich die Gastgeber den Sieg durch sehr viel Engagement und Wachheit bis zum Schlusspfiff durchaus verdient hatten.

Fazit: Eine völlig unnötige Niederlage, weil man gegen einen fußballerisch limitierten Gastgeber nicht in der Lage war, die entscheidende Gefahr zu produzieren oder die vorhandenen Chancen wenigstens zu nutzen. Auf der anderen Seite war die Niederlage auch nicht unverdient, weil RB Leipzig mit und gegen den Ball einen schlechten Tag erwischte und den Gastgeber, der bis zum Ende auf seine Chance lauerte, damit stark machte. Kein Weltuntergang, aber ärgerlich und in Bezug auf die Tabelle eine verpasste Chance, sich durch drei Punkte im Duell mit einem (auch weiterhin) Abstiegskandidaten in der Spitze festzusetzen. Vermutlich ist aber die aktuelle Tabellensituation Platz 5 auf Augenhöhe mit locker einem Dutzend Teams hinter dem Tabellenführer Heidenheim auch eine ziemlich realistische Situationsbeschreibung. Denn spielerisch ist bei RB Leipzig in einigen der letzten Partien deutlich Luft nach oben gewesen.

Randbemerkung 1: Englische Wochen sind ja immer die Zeiten, in denen man in der Tabelle viel Boden verlieren oder gewinnen kann. In diesem Sinne war die vergangene Woche eher weniger erfolgreich. Stand man nach dem fünften Spieltag noch als Dritter mit zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Wehen Wiesbaden da, ist man nach drei Punkten aus drei Spielen nun Fünfter und hat schon fünf Punkte Rückstand auf den Ligafavoriten Heidenheim, der eine perfekte englische Woche hinlegte. Die Spiele gegen Kiel und Wehen Wiesbaden glichen sich in Sachen Punkten und Glück noch aus. Elversberg war dagegen ein kleiner Tiefschlag, nach dem man erstmal durchpusten und anschließend vergessen und neu angreifen muss. Ein Tiefschlag auch, der aus einer guten englischen Woche eine deutlich suboptimale machte.

Lichtblicke: Ich täte mir schwer irgendjemanden positiv herauszuheben. Man kann nicht mal jemandem mangelndes Engagement vorwerfen, aber fußballerisch war das invidividuell und mannschaftlich trotzdem zu wenig. Und niemand zu sehen, der das Niveau in diesem niveauarmen Spiel wesentlich hätte heben können.

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Tore: 1:0 Dausend (90.)

Aufstellung: Coltorti – Sebastian (46. Heidinger), Hoheneder, Willers, Jung – Fandrich (65. Papadimitriou), Kaiser, Schulz – Röttger – Thomalla (77. Kammlott), Frahn

Zuschauer: 860 (davon 120 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], SVE-Bericht, Kicker-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „3.Liga: SV Elversberg vs. RB Leipzig 1:0“

  1. Eine Niederlage gegen Elversberg! Ist dies der Untergang? Bleiben jetzt die Zuschauer weg? Brechen jetzt die schlechten Zeiten an?
    Ich für meinen Teil sehe es locker! Wir haben 3 Jahre RL gespielt, sind nun aufgestiegen und sind jetzt in der 3ten. Bis wir singen, 3.Liga war schön, es wird Zeit zu gehen, wird es dauern.
    Also Ihr Pessimisten, Köpfe hoch, der Mannschaft zeigen, wir sind da, auch wenn es Niederlagen gibt!

  2. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Aber Elversberg scheint wohl erkannt zu haben, mit welcher Taktik die Teams, die unten stehen, doch noch verhältnismäßig viele Punkte im Laufe einer Saison ernten können.

  3. @Carsten Zumindest gegen RB hatten sie den besseren Matchplan und sich die Stärken und Schwächen des Gegners perfekt ausgeguckt. Das, was bei RB bisher gut funktionierte, nach langen Bällen die zweiten Bälle zu holen, klappte diesmal fast gar nicht, weil Elversberg die Mittelfeldzentrale komplett dicht hatte. Zudem hatten sie sich die rechte Verteidigerseite von RB (wo kein nomineller Rechtsverteidiger spielte) ein bisschen ausgeguckt und dort besondere Geschwindigkeit aufgeboten, mit der sie durchaus zu verwirren wussten (auch wenn letztlich daraus nur wenig direkte Gefahr entstand). Aus der Ferne betrachtet, spürt man da aktuell schon die Akribie des Neutrainers Hirsch. Wenn er über die Saison hält, was seine Vita verspricht, dann sehe ich Elversberg nicht mal mehr chancenlos (auch wenn ihnen im Team eigentlich die Qualität fehlt).

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