DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg 0:2

Fußballfesttage feiert man ja auch nicht alle Nase lang. Flutlichtspiel mit 30.000 Zuschauern. Dazu ein Pflichtspiel gegen einen Bundesligisten. In Sachen Fußball könnte es wesentlich schlechtere Konstellationen geben. Dass man dann dem Favoriten unterliegt, gehört eigentlich zu den ganz normalen Dingen, über die man nicht wirklich lamentieren muss. Und trotzdem fühlt sich das 0:2 von RB Leipzig gegen Augsburg beim dem Gastgeber zugeneigten Beobachter als das an, was es letztlich eben ist, als Niederlage. Und als unangenehm frühes Ende der DFB-Pokal-Reise.

In der Startaufstellung tauchte entsprechend der Spekulationen vor dem Spiel nicht ganz unüberraschend der Name Carsten Kammlott an der Stelle von Spielgestalter Thiago Rockenbach auf. Sodass aus dem gewohnten 4-3-1-2 irgendwas zwischen 4-3-1-2 und 4-3-3 wurde. Die Idee dahinter lag auf der Hand. Einerseits mit den drei Offensivkräften das Aufbauspiel der Augsburger über Innenverteidiger und Sechser Daniel Baier aggressiv zu stören und andererseits Optionen für das Vertikalspiel, also das schnelle Spiel in die Spitze zu haben.

Das klang auf dem Papier gut, sinnig und auf den Gegner zugeschnitten, hinterließ aber auf dem Platz dann doch einige Fragezeichen. Denn die Augsburger entzogen sich der ersten Pressinglinie, indem sich die Innenverteidiger teilweise extrem tief und bis an die eigene Strafraumgrenze fallen ließen und von dort das Spiel eröffneten. Was dazu führte dass die erste RB-Pressinglinie zwar relativ hoch in des Gegners Hälfte stand, oft aber (weil man die drei bis fünf Meter bis zum gegnerischen Sechzehner dann doch nicht mehr schloss) ohne direkten Zugriff auf die Gegenspieler zu haben. Die das dazu nutzten, einige Male relativ präzise in die notwendig großen Räume zwischen Stürmern und Mittelfeld- bzw. Verteidigungskette von RB Leipzig zu spielen.

Genau daraus resultierte auch das Gefühl, dass RB Leipzig nur selten Zugriff auf den Ballbesitz des FC Augsburg bekam. Wobei hier auch eine entscheidende Rolle spielte, dass ein Bundesligist noch mal andere Möglichkeiten hat, unter Druck auch mit spielerischen Mitteln den Ball zu behaupten. Insgesamt wirkte der FC Augsburg optisch deswegen immer als Herr im Haus, auch wenn Richtung Tor in Hälfte 1 von Gästeseite auch nicht extrem viel gefährliches auf Fabio Coltorti im RB-Kasten zurollte. Da zeigte sich dann doch, dass die Offensivabteilung des Bundesligisten auch ihre Probleme hat, aus Ballbesitz in der gegnerischen Gefahrenzone etwas zählbares mitzunehmen.

Unglücklicherweise aus Gastgebersicht konnten sie es sich aber leisten, denn schon in der fünften Spielminute hatte der Augsburger Innenverteidiger mit dem wunderbaren Namen Jan-Ingwer Callsen-Bracker die Gäste nach einer Ecke in Führung geköpft. Wieder mal ein Standard, etwas was die RasenBallsportler nun auch schon eine Weile verfolgt. Und ausgerechnet in einem Spiel, in dem gegen den Favoriten alles passen muss, wenn man eine Chance haben will. Insgesamt hatte RB Leipzig in den ersten 15-20 Minuten sogar noch Glück, denn bei drei bis vier Eckbällen in dieser Zeit war jedes Mal allerhöchste Alarmstufe. Und wenn aus diesen Ecken zwei oder drei Gegentore resultieren, muss man sich auch nicht beschweren. So blieb es bei einem Gegentor, bei dem Niklas Hoheneder, eingequetscht zwischen Christian Müller und (dem geschickt mit den Händen arbeitenden) Callsen-Bracker nicht in der Lage entscheidend in das Kopfballduell einzugreifen, etwas unglücklich aussieht.

Der Anfang vom Ende - Jan-Ingwer Callsen-Bracker köpft mit viel Armeinsatz das 1:0 für den FC Augsburg gegen RB Leipzig | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Der nächste Nackenschlag war die Verletzung von Christian Müller, der im Strafraum mit Fabio Coltorti zusammengeprallt war und anschließend eine Weile über das Feld humpelte, um dann mit einer tauben Wade schon nach einer knappen Viertelstunde zu kapitulieren. Ausgerechnet der dynamische Rechtsverteidger musste Juri Judt Platz machen. Was insgesamt dann doch – gerade für das Offensivspiel – auch eine Schwächung darstellte. Auch weil Juri Judt für RB Leipzig selbst in Testspielen noch nicht oft als Rechtsverteidiger auflief.

Die erste Hälfte war in ihrem Beginn geprägt von kleinen bis großen Nackenschlägen und es brauchte 20 Minuten bis sich RB Leipzig davon ein wenig erholte. Yussuf Poulsen zerrte immer wieder an seinen Ketten und brachte ein paar gute Tempodribblings zustande. Das Mittelfeld Fandrich, Kaiser, Schulz bemühte sich darum Zugriff auf das Spiel zu kriegen und Akzente Richtung Tor zu setzen. Doch alles in allem blieb die direkte Gefahr für den Kasten des FC Augsburg eher aus. Ein Kopfball von Daniel Frahn nach Ecke, zwei vergleichsweise gefährliche Freistoßsituationen, ein Schuss von Bastian Schulz. Mohamed Amsif, sicherer Gästekeeper musste letztlich keine Wunderdinge vollbringen, um seinen Kasten sauber zu halten.

Was auch daran lag, dass RB Leipzig im Spiel mit dem Ball einen eher unterdurchschnittlichen Tag erwischt hatte. Die schnellen Vertikalpässe in vielversprechenden Situationen waren oft unpräzise oder aber in der Idee gut, aber vom Mitspieler nicht verstanden. Dazu kamen einige Ballverluste im Mittelfeld in Situationen, in denen man mit schnellem präzisen Spiel Gefahr hätte entwickeln können. Was den Augsburgern die Defensivarbeit erleichterte und ihnen zudem immer wieder Konterräume anbot, die sie insgesamt aber auch nicht konsequent genug nutzten. Und nicht zuletzt waren die Diagonalpässe oder langen Bälle aus der Innenverteidigung über 90 Minuten zu unpräzise.

Wobei man natürlich auch feststellen darf, dass sich an vielen Stellen auch die Qualitäten des Bundesligisten zeigten, der mit der Führung im Rücken kompakt verteidigte und gegen den sich RB Leipzig jeden Zentimeter Raum hart erarbeiten musste. Dass bei diesem harten Kampf oft die Präzision fehlte, machte die Sache noch schwerer, als es auch mit einer überragenden Partie im Spiel mit dem Ball gegen den FC Augsburg sowieso schon gewesen wäre.

Letztlich änderte sich in der zweiten Halbzeit an der Gesamtsituation nicht viel, außer dass die Torgefahr von RB Leipzig eher geringer als größer wurde. Alexander Zorniger hatte – eventuell auch mit Blick auf die zu großen Lücken zwischen den Ketten in Hälfte 1 – auf ein 4-4-2 mit Doppelsechs umgestellt, was den FC Augsburg nicht daran hinderte, weiter Lücken zwischen den Ketten zu finden.

Mit der Einwechslung von Timo Röttger sollte der Schalter noch einmal in Richtung stärkerer Offensivpower umgelegt werden und rein optisch kam noch einmal frischer Wind in die Aktionen (ohne freilich viel Gefahr zu produzieren). Auf der anderen Seite bekam der FC Augsburg nun auch mehr Räume zum Kontern. Nach zwei, drei guten Gelegenheiten hatte Sascha Mölders den Ball bereits ins Tor befördert, wurde aber – leicht umstritten – wegen Abseits zurückgepfiffen. Doch kurz darauf war es Halil Altintop, der das inzwischen verdiente 2:0 erzielte. Kurz nachdem das Stadion den Klassiker „Erste Liga, keiner weiß warum“ wiederaufgelegt hatte. Und nun gezeigt bekam, warum.

Der zweite Gegentreffer nahm dem Spiel etwas die Würze. Was auch deswegen schade war, weil es fiel, als sich an der Seitenlinie justament Matthias Morys zur Einwechslung (für Clemens Fandrich) und zum Drehen des Spiels bereitmachte. Und sich nun in einem Spiel wiederfand, von dem man angesichts der 70 Minuten zuvor nicht mehr glauben konnte, dass es noch mal kippen könnte. Nichtsdestotrotz hatte RB Leipzig nun mit vier nominellen Stürmern geballte Offensivpower auf dem Platz und spielte in den nächsten 15 Minuten eine Art 4-1-3-2 (am Ende wurde es mit Willers als Mittelstürmer eher noch ein 3-1-3-3). Mit dem Mute der Verzweiflung sozusagen.

Man muss den RasenBallsportlern ein Kompliment dafür machen, dass sie an einem Tag, an dem sie vor allem im Mittelfeld zu viele einfache Fehler machten, trotzdem bis zum Schluss alles versuchten, um noch diesen einen Treffer, der vielleicht noch mal die zweite Luft gebracht hätte, zu erzielen. Hoheneders Kopfball nach 75 Minuten infolge einer Ecke hatten einige schon im Tor gesehen und hätte sicherlich die Spannung zurückgebracht. Es war aber auch die einzige Großchance in der zweiten Halbzeit bei der man den Torschrei auf den Lippen hatte. Ansonsten blieben viele Versuche des Anrennens, einige Ecken und Freistöße, aber letztlich fast nichts, das den FC Augsburg noch einmal ernsthaft in Verlegenheit gebracht hätte.

Vielleicht hat Alexander Zorniger mit dem, was er nach dem Spiel zu Protokoll gab, dass seinen Spielern ein wenig die Überzeugung gefehlt habe, recht. Vielleicht waren sie in diesem Spiel, in dem sie sich besonders gut präsentieren wollten, auch einfach ein wenig zu nervös. Letztlich war es auf jeden Fall so, dass in einem Spiel, in dem alles hätte zusammenpassen müssen, um den Favoriten zu besiegen, bei RB Leipzig nicht viel zusammengepasst hat. Das fing beim Verteidigen von Standards in der ersten Hälfte mit dem denkbar ungünstigen frühen Gegentor an, das ging damit weiter, dass man selten in die Zweikämpfe kam und fast durchgängig zu ungenau spielte, beinhaltete die Müller-Verletzung und endete darin, dass man die zwei, drei guten Chancen die man dann doch hatte, nicht verwertete.

Es war nun beileibe nicht so, dass auf dem Rasen ein Zweiklassenunterschied zu sehen war. Der FC Augsburg agierte meistenteils solide bis abgezockt und lauerte dank früher Führung auf seine Chance, das Spiel zu entscheiden. RB Leipzig wiederum mühte sich und zeigte auch gute Ansätze, aber schaffte es nie, in einen echten Fight und eine Art Pokalflow zu kommen. Sodass sich beim Zusehen zwangsläufig das Gefühl einstellte, dass das wesentlich reifere Team gegen viel Gastgeber-Aufwand ziemlich clever und absolut verdient den Sieg nach Hause schaukelte. Wobei auch festzuhalten ist, dass Augsburg mit einer sehr guten Leistung durchaus in Bedrängnis zu bringen gewesen wäre, wie man in einigen Situationen, in denen sie an der Mittellinie unter Druck den Ball verloren, gut sehen konnte.

Man muss da natürlich immer auch die Kirche im Dorf lassen und kann nicht erwarten, dass ein Drittligateam bayernesk aus Ballgewinnen Torchancen herauszaubert. Wenn sie das mal so eben täten, wären sie eben auch kein Drittliga- sondern ein Bundesligateam. Trotzdem darf der geneigte Zuschauer durchaus darum trauern, dass RB Leipzig einen guten, aber nicht überragenden Erstligisten, mit einer Topleistung nicht noch mehr in Bedrängnis bringen konnte. Oder wie es Alexander Zorniger (der vor allem über das Standardgegentor angefressen war) nach dem Spiel prägnant zusammenfasste: „Es war zwar insgesamt eine gute Leistung meiner Mannschaft, aber nur eine gute Leistung reicht gegen einen Bundesligisten nicht.“ So sieht es wohl aus, aber die Welt geht davon dann auch nicht unter.

Fazit: Der Pokal hat eben seine eigene Gesetze. Und eines davon lautet, dass RB Leipzig gegen den FC Augsburg nicht gewinnen kann. Womit die Augsburger – Achtung, nicht so ernst gemeinter Funfact – das einzige Team im deutschen Fußball mit weißer Pflichtspielweste gegen RB sind. Sozusagen der Angstgegner. Dass es ausgerechnet in diesem Spiel für RB Leipzig nicht zur stärksten Leistung reichte, ist schade, aber so ist es eben auch manchmal im Fußball. Man braucht jedenfalls nicht den Kopf hängen zu lassen. Denn wenn man der Mannschaft etwas zu Gute halten kann, dann dass sie sich bis zum Schlusspfiff um dieses Spiel mühte und bei allen Rückschlägen immer den Weg zum Ausgleich und später Anschlusstreffer suchte. An diesem einen Tag fehlten schlicht die Mittel. Aber es kommen auch wieder andere Tage.

Randbemerkung 1: 30.000 Zuschauer sind eine hübsche Sache. Aber es war beim Spiel RB Leipzig gegen den FC Augsburg auch wieder zu beobachten, dass ein Publikum in dieser Größenordnung bei RB qualitativ noch wachsen muss. Schon an der wesentlich geringeren Schal- und Trikotdichte in Sektor A als gewöhnlich merkte man, dass hier doch ein Spiel mit völlig anderem Publikum als sonst stattfinden sollte. Was völlig ok ist, denn als Drittligist wächst der Verein zuschauertechnisch immer noch und solche Highlight-Spiele sind dann doch ein guter Anlass, um sich ein wenig ins Werbeschaufenster zu stellen. Was dann aber doch ziemlich negativ auffiel, war, dass ab 10 Minuten vor dem Spielende immer mehr Leute auf den Haupttribünen das Stadion verließen. Bei einem DFB-Pokal-Spiel im Alles-oder-nichts-Modus. Das mag rational nachvollziehbar sein (ist doch entschieden, will schnell zum Auto), ist aber letztlich auch ziemlich respektlos gegenüber den Akteuren auf dem Rasen und dem Spiel an sich. Ich verstünde es (ganz, ganz vielleicht) noch bei Ligapartie XYZ, aber beim einzigen Auftritt im DFB-Pokal, wenn sich der Außenseiter bis zur 90. Minute um ein besseres Ergebnis müht, wäre es schon schön, würde man dem Team auch noch den Respekt erweisen, bis zum Schlusspfiff zu verweilen und kurz seine Hände zu einem anerkennenden Applaus zu rühren. Von diesen Bemerkungen ausgenommen sei explizit die Fankurve, die nach einem kurzen Schockmoment nach dem 0:2 das einzig richtige tat, nämlich der Mannschaft mit ihrer lautstarken Unterstützung zu signalisieren, dass man nicht nur zusammen gewinnt, sondern sowieso auch weiter an sie glaubt und schließlich auch zusammen verliert. Das war dann doch wieder einigermaßen versöhnlich. Und diejenigen auf den Hauptgeraden, die das Spiel deutlich früher bzw. verfrüht verließen (was letztlich ja aber auch nur ein kleiner Teil der Anwesenden war), lernen es vielleicht auch noch, wenn sie denn öfters kommen, als einmal im Jahr zu einem Spiel gegen einen Bundesligisten.

Randbemerkung 2: Ein Erstrundenmatch im DFB-Pokal zwischen einem Dritt- und einem Erstligisten ohne gelbe Karten. Kann sich einerseits der Schiedsrichter an die Brust heften, der ein, zwei mal die Karte stecken ließ anstatt sie berechtigterweise zu zeigen. Und zeigt vielleicht auch andererseits in Zahlen, dass das Spiel nie zu einem Fight wurde. Auf jeden Fall ist der Fakt durchaus erstaunlich.

Randbemerkung 3: Da ist sie die erste Pflichtspielniederlage im 39. Anlauf unter Coach Alexander Zorniger und die erste Pflichtspielniederlage nach 42 Spielen ohne Niederlage seit dem 21.04.2012 und dem manchem sicherlich noch erinnerlichen 0:1 bei Holstein Kiel. Eine beeindruckende Serie, die da beendet wurde und die jeden Respekt verdient. Andererseits hat man jetzt noch die Ungeschlagenserie in Ligaspielen. Die steht aktuell (wenn man die Relegationsspiele mitrechnet) bei 38. Entscheide jede(r) selbst, ober oder sie weiterzählen will.

Randbemerkung 4: Man kann das Spiel auch ganz kurz in zwei Zahlen zusammenfassen. Quote erfolgreicher Pässe bei RB Leipzig 65%, beim FC Augsburg 78%. Klar, das Spiel von RB ist aufgrund des Versuchs, aus so ziemlich jeder Situation, schnell in die Spitze spielen zu wollen, anfälliger für Fehlpässe, weswegen die Passquote generell etwas niedriger sein dürfte. Aber in den Zahlen drückt sich trotzdem aus, wo der Schuh im Spiel gegen Augsburg insbesondere drückte.

Lichtblicke: Fallen nicht viele ein, da bei allem Mühen doch insgesamt an diesem Tag die Qualität fehlte und jeder so seine Probleme mit dem Spiel hatte. Yussuf Poulsen ackerte viel, ohne dass daraus aber effektiv etwas entstand (manchmal scheint da auch noch die Abstimmung mit den Nebenleuten zu fehlen). Daniel Frahn machte unheimlich viele Meter, blieb aber Richtung Tor auch eher blass. Anthony Jung hatte einige gute Aktionen, aber auch nicht durchgehend. Letztlich bliebe nur einer übrig und das wäre der Keeper:

  • Fabio Coltorti: Bei einer 0:2-Niederlage den Keeper herauszuheben, ist auch eher ein schlechtes Zeichen, aber Fabio Coltorti, der vor dem Spiel seine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2016 unter tosendem Applaus der Zuschauer via Leinwand bekanntgab, hielt mit einigen Paraden sein Team lange im Spiel und war der gewohnte Rückhalt seiner Mannschaft. Er hielt was zu halten war und holte zwei Bälle aus dem Netz bei denen er chancenlos war. Trotzdem insgesamt eine fehlerfreie Partie, die man ideell honorieren darf.

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Tore: 0:1 Callsen-Bracker (5.), 0:2 Altintop (69.)

Aufstellung: Coltorti – Müller (13. Judt), Hoheneder, Willers, Jung – Fandrich (70. Morys), Kaiser, Schulz (57. Röttger) – Poulsen, Kammlott, Frahn

Zuschauer: 30.307 (davon 400 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], Kicker-Bericht, FCA-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Kerstin Kummer

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10 Gedanken zu „DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg 0:2“

  1. Zu Randbemerkung 1 möchte ich sagen, auch mir mißfällt es, eher zu gehen, um ja schnell fort und eventuell einem Stau zu umgehen. Ein vorzeitiges Gehen würde ich (fast) nur entschuldigen, wenn die Mannschaft völlig unmotiviert und grenzenlos unter Niveau gespielt hätte.
    Jedoch muß man für das Verhalten der wenigen Leute einige Aspekte betrachten: Man erinnerte immer wieder an das Pokalwunder von 2011 und weckte einige Erinnerungen, wo so manche Erwartung auch daran geknüpft wurde. Ich meine damit z.B. das herausgerissene Zitat von Frahn, in dem er Augsburg wegbügeln wollte. Diesen Zitatfetzen haben natürlich einige Medien aufgebauscht und es entstand im Zusammenhang der Marketinggags Pokalhürde und Aussenseiterrolle bei einigen sicher der Eindruck, dass RB ebenbürtig wäre und wir tatsächlich gleiche Chancen hätten. Weiterhin waren 20.000, ich nenne sie jetzt mal Eventfans zugegen, welche einfach nur mal Fußball schauen wollten. Zusammengefaßt nochmals möchte ich dieses Verhalten nicht entschuldigen, versuchen doch damit es zu verstehen.
    Zum Spiel hast Du eigentlich schon alles gesagt, was zu sagen ist. Bei den Ecken muß deutlich zugelegt werden. Es kann echt nicht sein, dass bei gefühlt 10 gegnerischen Ecken (ich hab mir nicht genau gemerkt, wie viele es waren) 9 davon den Kopf des Gegners erreichen. Immer wieder konnte einer reinlaufen und gefährlich werden. Wir hatten Glück, dass die Verwertung so schlecht war. Bei unseren eigenen Ecken strahlen wir auch keine Gefahr aus. Der Ball auf den zweiten Pfosten geht ins Nirvana, die kurze Ecke wird uns der Ball genommen und es ensteht ein gefärlicher Konter udn die normale Ecke wird gut verteidigt, sodaß unsere kopfballstärksten Spieler abgemeldet sind.
    Gefallen hat mir die offensive Aufstellung. Man wollte nicht so niedrig wie möglich verlieren, man wollte gewinnen. Aber man merkte der Mannschaft die Nervosität an. Viele leichte Fehlpässe udn ungewohnte spielerische Fehler.
    Was man aber auch an dem Spiel gesehen hat, dass es in zwei Klassen höher bedeutend schneller im Mittelfeld zugeht. Im Mittelfeld zwei -dreimal onetouch udn ab geht es in die Tiefe.
    Was auch für die Zukunft wichtig wäre, ist ein spielender Innenverteidiger. Das hat mir an Augsburg sehr gefallen. Die erste Pressingwelle lief, man hat eben nicht nervös abgepielt, sondern ist einfach auf den pressenden zugelaufen, einen Haken udn schon hatte man Zeit und Raum bis zur Mittellinie.
    Alles in allem ein schönes, so zu erwartendes Spiel ohne Wunder/Überraschung.
    Ich möchte heute nicht derjenige sein, welcher nach Augsburg fahren und die Pokalhürden wieder zurückholen muß.
    PS: Ich hoffe, Müller hat sich nicht allzu arg verletzt. Mir fällt kein adequater Ersatz ein.

  2. Zur Kartensituation…sicherlich ist der Schiri die Anlaufstelle für subjektiv empfundene Ungerechtigkeit in Spielsituationen und auch ein wenig Frustration wie nach dem frühen 0-1 mischt sich schnell dazu, aber zum wiederholten Male wirkte der Offizielle auf dem Platz nicht souverän auf mich, gerade in der 1. Halbzeit. Bleibt die bittere Erkenntnis, dass ohne einen sofort einsetzenden Zulauf von athletischen Fußballregel-Kennern in allen Altersklassen wohl die Auswahl nicht größer wird für die Verbände und damit die Qualität wohl auch nicht steigt. Schade drum.

    Jung hat mir in einigen Szenen richtig gut gefallen, aber wie auch beim Rest des Teams blieb man eher früher als später dann doch wieder an einem Augsburger Fuß hängen, von daher verstehe ich manchen 3. Versuch eines Übersteigers nicht ganz. Sieht toll aus, wenn’s klappt, sieht unkonzentriert und „too much“ aus, wenn es in der Mehrheit der Fälle schief geht.

    Last but not least, du hast ja Coltorti hervorgehoben. Wie immer eigentlich ne sichere Nummer. Was ich halt unfassbar schlecht einschätzen kann ist, ob er bei Gegentoren wie dem 2:2 gegen Münster und gestern beim 0:1 einfach wenig machen kann. Sah für mich beide Male so aus, dass die Abwehr und auch er ohne große Reaktion schauen, wo der Ball landet. Aber wie gesagt, ich habe keine Ahnung, was in so einer Situation einen richtig guten von einem guten Tormann unterscheidet.

    Super übr. mit Willers im Sturmzentrum am Ende. Made my day.

  3. @Smood: Ich glaube, ich verstehen da auch manches an Motiven rational, aber emotional werde ich es nicht begreifen, warum man bei so einem Spiel fünf bzw. mit Nachspielzeit fast 10 Minuten vor dem Ende das Stadion verlässt und sich nicht noch bis zum Schluss die Mannschaft anguckt, von der man gerade noch eine Überraschung erhoffte. Die gewinnen nicht, dann gehe ich. Ist komisch und respektlos. Aber vielleicht bin ich da auch einfach nur altmodisch sozialisiert.

    Bei den eigenen Ecken wäre ich nicht ganz so kritisch. Die zwei gefährlichsten Situationen für RB entstanden schließlich nach Ecken und Kopfbällen von Frahn und Hohenender. Was eine durchaus ordentliche Quote sein dürfte. Aber da müsste man Statistiken haben, was denn normalerweise so Quoten in dem Bereich sind.

    @Matthias Münster hab ich nicht mehr genau genug im Kopf, wo Coltorti letztlich wirklich stand und ob er von da aus eingreifen kann. Beim 0:1 gestern kann er nichts machen, weil sich der Ball vom Tor wegdreht und er da nie und nimmer rankommt (Zorniger äußerte sich auf der PK ganz ähnlich). Letztlich sieht man ja im Bild oben, dass das Tor auch deswegen fällt, weil Hoheneder am Hochspringen gehindert wird. Also in letzter Konsequenz hätte man die Situation auch abpfeifen können, wenn man als Schiedsrichter diesen Blickwinkel gehabt hätte.

  4. Anthony Jung scheint vlt. die eine oder andere gute Aktion gehabt zu haben, blieb doch aber unterm Strich eher ein schwacher Punkt in der Mannschaft. Das hat m.W.n. AZ ähnlich gesehen und dessen Passivität in der Deffensive (vor allem, wenn der Gegner per Doppelpass zur Grundlinie sprintete) bemängelt. Da erwarte ich als jmd., der auf eine der umkämpfsten Positionen im Kader schielt, mehr Engagement. Sollte er weiter so farblos agieren, wird sicherlich wieder ein Judt in die 1. Reihe rücken.

    @Matthias: Das Willers am Ende in die Spitze ging, war m.E. ein logischer SChritt von AZ, der immer wieder betont, dass er gern große, kopfballstarke Spieler ins Spiel bringt, wenn man nochmal Chancen generieren muss (z.B. bei Rückständen oder in Patt-Situationen)

    Ganz allgemein: Meines Erachtens hat man das Spiel zu offensiv gestaltet. Auch wenn mich ein AZ nun als „Feigling“ bezeichnen würde, so hätte ich mir doch von Anfang an mehr Kontrolle und Substanz im Mittelfeld gewünscht. Zwar können wir aktuell nicht mehr auf einen Pekka Lagerblom zurückgreifen, doch hätte man meines Erachtens einen CK zu Gunsten eines weiteren stabilisierenden Mittelfeldspielers aufstellen sollen. Mit Poulsen und Frahn besitzt man bereits dynamische Stürmer, sodass ein weiterer m.E. nur dazu führt, dass beim gegnerischen Ballbesitz, das Mittelfeld plötzlich zu dünn fürs Gegenpressing besetzt war. Das Ende vom Lied: Ein IV rückt auf und reißt ein riesen Loch in unsere Abwehr. Konnte man m.E. oft genug beobachten.

    1. „Mit Poulsen und Frahn besitzt man bereits dynamische Stürmer, sodass ein weiterer m.E. nur dazu führt, dass beim gegnerischen Ballbesitz, das Mittelfeld plötzlich zu dünn fürs Gegenpressing besetzt war. Das Ende vom Lied: Ein IV rückt auf und reißt ein riesen Loch in unsere Abwehr. Konnte man m.E. oft genug beobachten.“

      Sehe ich genauso…
      Unser Mittelfeld ist eh schon dünn, da unsere 3er-Reihe sehr eng zusammengezogen ist, und nicht wirklich außen spielt…

  5. Zwei, drei kleine Nuancen/Ergänzungen meinerseits:
    Ich habe gestern ein paar sehr schöne Phasen gesehen während der das Team sich nicht sofort den Ball abluchsen ließ bzw. wenn es passierte wurde sofort mit Nachdruck das pressing angewendet. Die Augsburger fielen allein in der ersten Hälfte durch mind. sieben (teils forcierte) Bälle ins linke Seitenausweis und einige sehr unmotivierte Luftbälle auf.
    Aus meiner Sicht hatte RB im letzten Drittel der ersten Halbzeit klar die Oberhand – was ich lautstark zum besten geben musste („die wackeln“). Leider haben die Spieler es nicht gehört bzw. es hat wohl nicht als Motivation ausgereicht… 🙂

    Fehlpässe bei einer so schnell und aggressiv spielenden 3.-Liga Mannschaft sollte man nicht akzeptieren, verwundern mich aber keineswegs. Das System Zorniger formt sich noch immer und wie AZ selbst sagte gibt es auch noch das eine oder andere Talent, das den Umstieg noch nicht geschafft hat.

    Das vorzeitige Gehen ist mit nichts zu entschuldigen. Selbstverständlich spült so ein Spiel mindestens 50% Leute ins Stadion, die selten bis nie ein reguläres Ligaspiel live ansehen. Aber man ist es allen anderen Zuschauern schuldig seinen Hintern auf dem Sitz zu lassen und nicht dutzenderweise die Zwischengänge hochzulaufen und vielen die Sicht auf den Platz zu verstellen.
    In der Hinsicht unterscheiden sich Fussball-Besucher mal ausnahmsweise nicht von diversen Theater-und Opernbesuchern, die aus einer mir unverständlichen Panik unbedingt 5 min vor allem anderen in der Tram oder beim Auto sein müssen…

    Summa summarum: das Spiel hat Lust auf mehr gemacht. In seiner Gesamtheit ist das Team eben derzeit 3. Liga mit berechtigter Aspiration auf die 2., aber einen „slam dunk“ gegen einen Bundesligisten werden wir noch ein Weilchen nicht erwarten dürfen.

  6. Ich seh‘ das mit dem vorzeitigen Gehen nicht ganz so wild. Allein die Zuschauerzahlen haben uns doch gestern gezeigt, dass wir sicherlich 30-40% Zuschauer vor Ort hatten, die normalerweise eben nicht regelmäsig ein Fußballspiel besuchen. So gesehen nimmt man es da nicht so genau mit Support, Respekt usw. Ist die Heimmannschaft gerade am verlieren, denken die 5-10% eben schon ans Auto und an die Heimfahrt – sollen sie machen. Wenn man irgendwann regelmäsig eine etwas größere, fünfstellige Zuschauerzahl hat, werden solche Phänomene sicherlich geringer.

  7. @rmmdoll: Ich hatte dieses Gefühl von „die wackeln“ in der ersten Hälfte auch irgendwann einmal. Und dann war doch immer ein Fuß dazwischen, der letzte Pass zu unpräzise oder der Ball sprang statt zum eigenen Mann zum Gegner. Man war immer mal nah dran, Augsburg zum Wackeln zu kriegen und an einem sehr guten Tag, hätten sie sie wackeln lassen, aber gestern fehlte halt der Tick Klasse, den sie an anderen Tagen in der jüngeren Vergangenheit durchaus hatten, um wirklich Paroli bieten zu können. Klar als Drittligist ist das halt so, dass man weniger Klasse hat. Aber es ist trotzdem ärgerlich, weil Augsburg gestern eben lange auch nur solide agierte und deswegen auch die Chance da war, sie richtig zu ärgern. Wenn man denn einen sehr guten Tag erwischt..

  8. Mal wieder ein sehr guter Artikel zum Pokalspiel. Das erste Mal war ich bei RBL
    live im Stadium zum Spiel gegen Wolfsburg und bin seitdem mit dem RBL Virus infiziert. Habe im Freundeskreis für das Spiel geworben, habe mich in die Schlange beim Kartenvorverkauf eingereiht und musste dann selbst erleben (wir saßen übrigens im Sektor A), wie meine Leute 10 Minuten vor Schluss das Stadium verlassen haben. War mir und meinem Mann sehr unangenehm, das hätten wir auch so nicht gedacht. Wir sind natürlich bis zum Schluss geblieben und haben der kämpfenden Mannschaft Respekt gezollt. Du sprichst mir da aus dem Herzen, aber vielleicht können die Zuschauer, die nur zu diesen ganz besonderen Spielen gehen, sich auch nicht wirklich in uns Fans hineinversetzen. Bei mir gehören Emotionen auch einfach dazu.

  9. Ich sehe solche medienwirksen Spiele wie DFB-Pokal, Relegation, Sachsenpokalfinale und die sogenannten Ostderbys, als Einladung für Interessierte an. Nach 4 Jahren kann man noch keine 30.000 Fans erwarten, maximal 30-40% davon, auch wenn keine 60% bis 70% vor dem Schlusspfiff gegangen sind. Siehe Münsterspiel knapp 10′ FANS! Oder in der RL zwischen 4′ bis 6′ FANS, egal wie das Wetter war und wie der Gegner hieß.
    Für mich sind Zuschauer nicht gleich Fans! Auch wenn das vorzeitige Verlassen Diskussionstoff enthält.
    Aber wo ich gerade dabei bin, schaut Euch mal um wenn es heißt:…steht auf wenn ihr für Leipzig seit…Wer bleibt sitzen? FANS?

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