Kaderschmiede RB Leipzig 2013/2014 – Update 1

Sechs Wochen sind vergangen seit hier im Blog ein erster Blick auf den möglichen Drittligakader von RB Leipzig geworfen wurde. Welche Spieler werden in die dritte Liga mitgehen, wo besteht noch Bedarf, wer muss gehen? Das waren ungefähr die zu beantwortenden Fragen. Das meiste der damaligen Prognosen hat sich bewahrheitet. Im groben wurden nur zwei Aussagen nicht von der Wirklichkeit bestätigt. Einerseits kam kein zusätzlicher Rechtsverteidiger. Dieser Posten wird künftig von Sebastian Heidinger als Backup besetzt. Und es kam kein robuster und erfahrener Mittelfeldspieler. Inwieweit letzteres im Laufe der Saison auf die Füße fallen wird, muss man sehen.

Als Neuzugänge verpflichtete RB Leipzig letztlich ganz viel Zukunft. 26, 22, 21, 20, 19, 19 und 18 Jahre sind die Neuzugänge Willers, Luge, Jung, Thomalla, Poulsen, Papadimitriou und Kimmich alt. Das Betätigungsfeld der ersten vier war in der vergangenen Saison vornehmlich die Regionalliga. Poulsen spielte in der dänischen zweiten Liga, Papadimitriou vornehmlich in einer griechischen Nachwuchsliga. Und Kimmich kommt aus der A-Jugend-Bundesliga.

Klar, RB Leipzig hat deutlich mehr als eine Millionen Euro auf dem Transfermarkt gelassen. Wer aber daraus schließt, dass man sich den sofortigen Durchmarsch eingekauft hat, guckt nur auf die Zahl und nicht auf den Typus der Neuverpflichtungen. Denn der Löwenanteil des Geldes wurde für Talente (Poulsen, Kimmich) ausgegeben, von denen man in diesem Alter nie genau weiß, ob die Entwicklung auch linear weiter nach oben geht oder nicht vielleicht auch stehen bleibt. Oder anders gesagt: Auch ein Carsten Kammlott hat kolportierte 600.000 Euro gekostet und schaffte nie den dauerhaften Durchbruch bei RB Leipzig. Eine Garantie für die Entwicklung einer großen Karriere resultiert bei Talenten aus keiner Ablösesumme der Welt.

Und so muss man angesichts der Neuverpflichtungen sehr wohl realistisch bleiben und sich der medial-öffentlichen Meinung widersetzend feststellen, dass hinter dem Funktionieren der Neuen viele Fragezeichen stehen. Alle sieben müssen sich erst an die dritte Liga, die für fast alle ein Sprung nach oben ist, gewöhnen. Alle sieben sind keine fertigen Profis und dementsprechend auch nicht per se Kandidaten für sportliche Führungsrollen in der kommenden Saison (die sie gleichwohl bei entsprechender Entwicklung übernehmen können und sollen).

Letztlich scheint hinter der Kaderplanung ein Zweijahresplan für die dritte Liga zu stecken. Für das erste Jahr hat man einige Perspektivspieler verpflichtet, die in Verein und Zornigers System erst ankommen müssen. Tun sie das schnell, dann ist eventuell schon im ersten Jahr der Aufstiegskampf drin. Tun sie das nicht schnell, dann werden sich in der Liga Teams durchsetzen, die schon länger dritte Liga spielen und mit einem entsprechend entwickelten Kader prinzipiell die besseren Chancen haben (Heidenheim, Chemnitz, Münster z.B.).

Im ersten Jahr würde man bei RB Leipzig also einen Aufstieg dankend mitnehmen, er scheint mir allerdings nicht Pflicht zu. Für das zweite Jahr, wenn man darüber heute schon sprechen darf, wäre man mit einem Nichtaufstieg dagegen wohl hochgradig unzufrieden, denn bis dahin sollten sich die aktuell jungen Spieler in ihre Drittligarollen hineingefunden haben und zu einem gehörigen Anteil die sportlichen Leistungen und das Gesicht des Vereins mitprägen. Mal ganz davon abgesehen, dass RB Leipzig die Möglichkeiten hat, in jeder Transferperiode entsprechend der Notwendigkeiten, die die sportliche Leitung siegt, Anpassungen am Kader vorzunehmen.

Insgesamt verfügt RB Leipzig über einen Kader, der vom Talent und Potenzial her sicherlich zu den Top 3 der dritten Liga gehört (wenn der Kader aber auch sicherlich nicht um Längen vor den anderen steht). Ob dieses Potenzial nach dem Aufstieg und mit den vielen im höherklassigen Fußball unerfahrenen Spielern auch kurz- bis mittelfristig auf dem Rasen sichtbar wird, ist eine absolut offene Frage.

Was die Kaderbetrachtungen in der Folge nicht ganz leicht macht, sind die taktischen Fragen. Denn inzwischen setzt Alexander Zorniger mit RB Leipzig auf drei Systeme. Zum ersten das kompakte 4-4-2 mit flacher Doppelsechs (also eigentlich das 4-2-2-2). Zum zweiten das in der letzten Saison meistens angewendete 4-3-1-2. Und drittens das dem 4-3-1-2 in vielen Punkten durchaus verwandte 4-3-3 ohne klaren Zehner und mit zwei Achtern, die offensivste der Varianten. Dementsprechend sind mit Positionen im taktischen System auch unterschiedliche Aufgaben verbunden und rechts im Mittelfeld zu spielen ist im 4-3-1-2 eine komplett andere Nummer als im 4-2-2-2. Wenn möglich, werden die Auswirkungen auf den Kader in der Folge an entsprechender Stelle angedeutet.

(Die Kaderbetrachtung ist nach Positionen geordnet. Hinter jeder Position erscheinen die Spieler, die dort – ganz subjektiv bewertet – ihre Stammposition haben, in der Reihenfolge wie ich denke, dass ihre individuelle Stärke ist bzw. ihre Einsatzchancen sind. (ganz vorn steht also die jeweilige Nummer 1 auf jeder Position).)

Tor: Fabio Coltorti (32 Jahre), Erik Domaschke (27), Benjamin Bellot (22)

Die Hierarchie im Tor ist mehr als klar. Coltorti ist die als Typ und Torhüter unumstrittene Nummer 1 und wird dies – Verletzungsfreiheit vorausgesetzt – auch bleiben. Coltorti ist ein kompletter Keeper, der kaum Schwächen hat und in so ziemlich jedem Punkt vor seinen zwei Konkurrenten liegt. Dahinter steht mit Erik Domaschke eine absolut sichere Nummer 2 bereit. Sollte Domaschke mal zum Zuge kommen (müssen), muss man sich überhaupt keine Gedanken machen, denn Domaschke ist eigentlich eine Art zweiter Coltorti, nur dass alles vielleicht um zwei, drei Prozent kleiner bzw. schwächer ausgeprägt ist. Bleibt hinten dran das RB-Urgestein Benjamin Bellot, der nun schon in seine fünfte Saison mit RB geht und auch im fünften Anlauf keine Chancen auf die Nummer 1 und geringe Chancen auf Einsätze hat. Problem zudem, dass er auch für die Erfüllung der U23-Regel aufgrund der vielen jungen Neuzugänge nicht mehr gebraucht wird und demenstprechend auch nur noch selten auf der Bank sitzen dürfte. Könnte eine schwere Saison für Bellot werden, der durch ein paar Schwächen beim Herauslaufen und bei Flanken in der letzten Rückrunde auf die Nummer 3 im Tor zurückrutschte.

Rechtsverteidiger: Christian Müller (29 Jahre), Sebastian Heidinger (27), Juri Judt (26)

Klar verteilte Rollen gibt es dem Grunde nach auch auf der Rechtsverteidigerposition, wo Christian Müller das Feld potenzieller Einsatzkandidaten anführt. Als Dauerbrenner und Dauerrenner rechts hinten sieht er es aktuell als seine Aufgabe, daran zu arbeiten, offensiv effektiver zu werden. Was aber auch so ziemlich seine einzige ‚Schwäche‘ ist, die man aktuell finden kann. Mit seiner Dynamik und Erfahrung nicht aus dem Team wegzudenken. Sebastian Heidinger ist derweil von links vorn nach rechts hinten gerutscht, wo er Backup von Müller sein soll. Bzw. sogar jemand, der Druck auf Müller ausübt. Ob er daran allerdings erfolgreicher sein wird als sein Vorgänger Patrick Koronkiewicz, ist zweifelhaft, denn dazu hat der gelernte Rechtsverteidiger Müller doch zu viele Vorteile gegenüber dem ungelernten Neu-Rechtsverteidiger Heidinger. Chancen hat Heidinger, wenn die Spielsituation mehr Offensive erfordert oder Müller verletzt ausfällt. Aber für letzteren Fall stünde auch noch der bisherige Linksverteidiger Juri Judt, der mit seinem rechten Fuß auch die Seiten wechseln kann, bereit.

Innenverteidiger: Niklas Hoheneder (26 Jahre), Tobias Willers (26), Tim Sebastian (29), Fabian Franke (24)

In der Innenverteidigung hat sich im Laufe der letzten Rückrunde und in der Vorbereitung einer unentbehrlich gemacht, der nach seiner Verpflichtung durch Peter Pacult vor eineinhalb Jahre noch oft auf der Bank Platz nehmen musste. Niklas Hoheneder ist aktuell aus der Innenverteidigung nicht wegzudenken. Absolut sicher im Zweikampf, kopfballstark, ausreichend schnell und akzeptabel in der Spieleröffnung ist er derzeit der stärkste der Innenverteidiger, sodass es eigentlich nur darum geht, wer mit ihm zusammen verteidigen darf. Da könnte Tobias Willers die Nasenspitze im Moment gegenüber Tim Sebastian vorn haben. Was daran liegen dürfte, dass er einen linken Fuß hat, was ihm als linkem Innenverteidiger einen leichten Vorteil verschafft und dass er als Typ für die Mannschaft wichtig werden könnte. Mit ein paar Kutschke-Attitüden auf dem Platz bringt er ein Stückweit an Emotionalität mit, die dem nüchternen Tim Sebastian eher fehlt. Andererseits hat Sebastian in der Vorbereitung gezeigt, dass man als Innenverteidiger jederzeit auf ihn vertrauen kann und dass er auf anderem Wege als Willers auch über Leaderqualitäten verfügt. Sebastian dürfte insgesamt der etwas komplettere Innenverteidiger als Willers sein und würden sie sich um die rechte Innenverteidigerposition streiten, sähe ich eher Sebastian vorn. Fabian Franke, der bisher bei RB Leipzig gesetzt war, fällt dagegen zur Zeit etwas ab, weil er verletzt ist und weite Teile der Vorbereitung verpasste. Aus diesem Nachteil wieder zurückzukommen und sich ins Team zu kämpfen, könnte schwer werden. Zumal Franke in der Spieleröffnung hinter Willers und Sebastian leicht zurück bleibt. Trotzdem sollte man den überragenden, linksfüßigen Zweikämpfer Franke nicht abschreiben, denn zweieinhalb Jahre lange behauptete er seinen Stammplatz gegen starke Konkurrenz und wird sicherlich auch weiter um den Platz kämpfen.

Linksverteidiger: Anthony Jung (21 Jahre), Juri Judt (26), Christos Papadimitriou (19)

Im letzten Jahr war Juri Judt noch – wenn er gesund war – der gesetzte linke Verteidiger. Da er als Rechtsfuß vorher diese Position nicht als Stammposition kannte, war das nie ganz die optimale Lösung. Weswegen wohl der Neuzugang und gelernte Linksverteidiger Anthony Jung vorerst den Stammplatz hinten links bekleiden könnte. Jung ist ein robuster Zweikämpfer, der nun noch die Dynamik, die Coach Zorniger auch offensiv auf dieser Position erwartet, lernen muss. Tut er dies, hat er gute Chancen, dauerhaft zu Einsätzen zu kommen. Tut er das nicht, könnte auch Juri Judt wieder ins Spiel kommen, der in der Vorbereitung zeitweise zeigte, dass er auch gewillt ist, seinen linken Fuß als offensive Waffe bei Flanken und ähnlichem einzusetzen. Was bisher eher ein blinder Fleck im Spiel des Rechtsfußes war. Auch wenn es so scheint, dass Jung die Vorteile auf seiner Seite hat, darf er sich seiner Position nicht sicher sein, denn dann geht es schneller auf die Bank als ihm lieb sein dürfte. Außenseiterchancen könnte hier der junge Grieche Christos Papadimitriou haben, der allerdings noch eine Weile mit Anpassungsschwierigkeiten kämpfen dürfte, sodass er vorerst wohl keine ernste Option ist.

Rechtes Mittelfeld: Clemens Fandrich (22), Timo Röttger (28 Jahre), Bastian Schulz (28)

Nehmen wir mal nur die Kernspieler für diese Position, denn je nach Taktik kann man sich hier auch Spieler wie Kimmich, Kaiser oder Kammlott denken. Aber der Übersichtlichkeit halber sei hier nur auf die aktuell wahrscheinlichsten Lösungen verwiesen. Im Moment jedenfalls scheint die Wahl auf dieser Achter-Position im 4-3-1-2 oder im 4-3-3 zwischen Timo Röttger und Clemens Fandrich zu bestehen. Mit ganz leichtem Vorteil für Fandrich vielleicht, der in dieser Position mit seinen technischen Qualitäten sehr gut aufgehoben ist und auch als Teil des Pressinggesamtsystems inzwischen angekommen zu sein scheint. Timo Röttger ist im Vergleich dazu vielleicht nicht ganz der Spieler, der mit spielerischer Leichtigkeit auf einer Position ohne viel Platz seine Stärken zu 100% einbringen kann. Obwohl er von dieser Position aus, sehr viel besser in seinen gefährlichen Torabschluss kommt, als von weiter außen. Kann man letztlich auch würfeln zwischen den beiden. Wenn man es etwas defensiver und kompakter will, hat man mit Bastian Schulz noch die passende Option an der Hand. Allerdings nicht im 4-4-2 mit Doppelsechs, wo die Wahl für die rechte Seite nur zwischen Röttger und Fandrich bestehen dürfte (oder dort noch am ehesten eine Besetzung wie Kammlott vorstellbar wäre).

Zentrales Mittelfeld (defensiv): Dominik Kaiser (24 Jahre), Bastian Schulz (28), Henrik Ernst (26), Joshua Kimmich (18)

Auf der klassischen Sechserposition, von der es im 4-3-3 und im 4-3-1-2 je eine und im 4-4-2 zwei gibt, dürfte Dominik Kaiser mit seiner unbestrittenen Klasse gesetzt sein. Als Balleroberer und als einer mit dem Auge für den Pass in die Tiefe hat er seinen Konkurrenten einiges voraus. Was ihn zum unumstrittenen Stammspieler macht. Nicht unbedingt als Alternativen, sondern eher als Partner im 4-4-2 darf man die Konkurrenten dahinter ansehen. Bastian Schulz dürfte mit seiner Vielseitigkeit und seinem Auge für offensive Laufwege die erste Option sein. Henrik Ernst, das Muster an Beständigkeit, seinerseits ist der optimale Ergänzungsspieler, der eigentlich nie Anlaufzeit braucht und auch dann seine Leistung bringt, wenn er dreimal in Folge nur auf der Bank saß und plötzlich für 15 Minuten einen Vorsprung mitverteidigen soll (was nicht heißen soll, dass man ihn nur auf defensive Qualitäten reduzieren kann). Ernst ist vor allem auch dann eine Option, wenn man im Mittelfeld mehr Körpergröße braucht. Was mit Joshua Kimmich wird, kann man aktuell nicht ernsthaft prognostizieren, da er aufgrund einer Verletzung noch nicht für RB Leipzig auf dem Platz stand. Wenn er seinem Talent-Ruf, der ihm vorauseilt, gerecht wird, dann könnte er sich einen Platz an der Seite von Kaiser erkämpfen oder sogar eine Alternative zu ihm werden. Vom Spielertyp her scheint er jedenfalls eher ein Kaiser als ein Schulz oder Ernst zu sein.

Linkes Mittelfeld: Bastian Schulz (28), André Luge (22), Thiago Rockenbach (28), Christos Papadimitriou (19)

Im linken Mittelfeld in seiner Achter-Variante im 4-3-1-2 oder im 4-3-3 scheint der Platz derzeit an Bastian Schulz zu gehen, der den offensiven Ambitionen der Mannschaft durch seine Anwesenheit weiterhin die nötige Balance geben könnte. Dicht dahinter lauert allerdings André Luge auf seine Chance, der vor allem in der offensiven Außenvariante im 4-4-2 vor Schulz stehen dürfte oder sogar als Außenstürmer im 4-3-3 eingesetzt werden könnte. Luge hat jedenfalls in der Vorbereitung seine hohen Qualitäten im Eins gegen Eins und Richtung Tor unter Beweis gestellt und sich dadurch als ernsthafte Alternative angeboten. Insbesondere auf seine Auftritte darf man gespannt sein. Hinter Schulz und Luge steht auch noch Rockenbach bereit, um beispielsweise in einem System ohne Zehner wie dem 4-3-3 als Achter zum Einsatz zu kommen. Denkbar, aber im Moment scheinbar nicht die allererste Variante. Aktuell sehr weit weg von Einsätzen scheint auch Christos Papadimitriou zu sein, der mit seiner Schnelligkeit in einem 4-4-2 links außen sehr gut aufgehoben wäre, aber in Sachen spieltaktischem Verständnis noch Nachholebedarf hat.

Zentrales Mittelfeld (offensiv): Thiago Rockenbach (28 Jahre), Timo Röttger (28), Clemens Fandrich (22)

Nimmt man diese Position als Zehner, wie es sie im 4-3-1-2 gibt, dann war dort bisher Thiago Rockenbach gesetzt. Mit seinen Qualitäten als ballsicherer Vorbereiter ist er dort auch ziemlich perfekt aufgehoben. Insbesondere das Testspiel gegen Hertha BSC, in dem er als Zehner im Defensivverhalten die Aufgabe hatte, zuvorderst die Innenverteidiger und den fallenden Sechser des Gegners anzulaufen, gab aber ein paar Rätsel auf, weil Rockenbach nach 20, 25 Minuten begann seltsam passiv zu wirken. Fast als wäre er nicht zu 100% fit. Trifft diese Beobachtung zu, dann wäre dies die Chance für Timo Röttger und Clemens Fandrich auf dieser Position, wobei ich vom Spielertyp her eher zu letzterem tendieren würde. Fandrich ähnelt in vielen seiner Anlagen einem Thiago Rockenbach und wäre entsprechend auch eine gute Alternative. Der unermüdliche Timo Röttger, den der Fußballromantiker wohl einen Instinktfußballer nennen würde, wäre auch eine Option, scheint aber etwas weiter außen auf dem Feld stärker.

Nimmt man die offensive Position im Mittelfeld eher als hängende Spitze kommen auch noch andere Spieler außer den klassischen Mittelfeldtechnikern in Betracht. Vor allem ein Denis Thomalla könnte auf dieser Position mit dem Rücken zum Tor ganz gut aussehen, auch wenn ihm letztlich die Passqualitäten eines Thiago Rockenbach fehlen. Und auch Daniel Frahn wäre in einer hängenden Sturmposition, aus der er immer wieder nach vorn stößt durchaus denkbar. Insgesamt gilt aber auf dieser Position irgendwo zwischen Zehn und falscher Neun, dass Rockenbach hier gesetzt ist, solange er in Form und im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Und den Willen hat, die viele Arbeit gegen den Ball, die das Zorniger-System mit sich bringt, auch zu leisten.

Sturm: Daniel Frahn (26 Jahre), Yussuf Poulsen (19), Denis Thomalla (20), Carsten Kammlott (23), Matthias Morys (26)

Trotz Stefan Kutschkes Abgang ist es im Sturm nicht einfacher geworden, ins Team zu kommen. Was daran liegt, dass Daniel Frahn als Sturmführer, Kapitän und Torschütze vom Dienst, solange er nur halbwegs seine Leistung bringt, gesetzt ist. Und dahinter der individuell extrem starke Neuzugang Yussuf Poulsen, dem noch ein wenig die Bindung zum Team fehlt, zunächst einmal gesetzt sein dürfte. Und damit zumindest in Zweistürmersystemen bereits alle Plätze besetzt wären. Denis Thomalla, der in der Vorbereitung seine Qualitäten in erfreulichem Ausmaß zeigte, fällt dabei erst einmal hinten runter und muss auf Ausfälle der Topstürmer hoffen. Mit seinen Fähigkeiten in der Ballbehauptung und mit seinem direkten Zug zum Tor kann er für RB Leipzig aber auch noch wertvoll werden. Carsten Kammlotts und Matthias Morys Chancen liegen dagegen vor allem im neuen Dreistürmersystem, in dem sie die Außenstürmerpositionen besetzen könnten. Wo sie mit ihren je ganz unterschiedlichen Qualitäten (Dribbelstärke, Schnelligkeit) für unterschiedliche Spielsituationen verschiedene Optionen darstellen. Insgesamt könnte es hinter Frahn und Poulsen für die anderen Stürmer aber auch eine etwas depremierende Saison werden. Zumindest falls Poulsen die mit ihm verbundenen Erwartungen halbwegs erfüllen kann. Ob er das kann, wird eine der interessanten Fragen dieser Saison. Nicht nur für die anderen Stürmer.

Fazit

Der Kader von RB Leipzig ist natürlich, das sollte man nicht wegdiskutieren, breit und sehr gut besetzt. Trotzdem gibt es einige Fragezeichen, was das Funktionieren der Ideen, die in der Zusammensetzung dieses Kaders stecken, anbetrifft. Wie wird die Idee, dass vornehmlich junge Spieler die alteingesessenen Spieler der vergangenen Saison herausfordern sollen, in der Praxis funktionieren? Können die Neuzugänge die Qualität der Mannschaft, die letztlich auf dem Platz steht, wirklich entscheidend erhöhen? Sei es durch eigene Anwesenheit oder durch Druck auf die anderen Spieler? Was wird aus den Kammlotts, Frankes, Judts und Co im Kader? Werden sie da sein, wenn sie gebraucht werden oder wird die Breite des Kaders, die eigentlich in einer langen Saison von Vorteil sein sollte, kein Faktor, weil die Anlaufzeit der Bankspieler zu lang ist?

Letztlich sollte ein Trumpf von RB Leipzig mit dem punktuell veränderten Kader, aber einem zusammengebliebenen Kern in der Eingespieltheit liegen. Gerade in einer ausgeglichenen Liga wie es die dritte nun mal ist, könnte dieser Faktor nicht unentscheidend sein. Wenn man die Stärken der Mannschaft aus der letzten Saison auf noch einmal höherem Niveau mitnehmen und durch zwei, drei Neuzugänge mit indivdiuell höherem Niveau aufpeppen kann, darf man mit RB rechnen. Aber das ist letzlich auch eine höchst mathematische Rechnung.

Wenn man kleinere Schwachpunkte im Kader ausmachen will, dann fehlt im Mittelfeld vielleicht noch ein robuster Spieler für Situationen wie im letzten Jahr die in Lotte (als dann Tim Sebastian in die Mittelfeldzentrale eingewechselt wurde) oder in Zwickau oder gegen Jena, als man im Mittelfeld viele Luftzweikämpfe zu bestreiten hatte und dort aufgrund körperlicher Nachteile nicht immer sicher aussah. Alexander Zorniger hat sich dagegen entschieden und wird dementsprechend einen Plan haben, wie man in der dritten Liga in solchen Spielen reagieren und agieren will.

Wer will, könnte auch noch ein wenig enttäuscht sein, dass im Bereich der Rechts- und Innenverteidiger nicht noch ein ganz junges Talent mit in den Kader rutschte. Aber das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Zorniger nur 22 Feldspieler wollte und letztlich wohl auch das Auge von Sportdirektor Ralf Rangnick eher auf offensiven Talenten verweilt.

Alles in allem kann man festhalten, dass der Kern der Mannschaft für die ersten Saisonspiele bereits steht. Was in den verschiedenen Formationen so aussähe:

4-3-1-2: Coltorti – Müller, Hoheneder, Willers (Sebastian), Jung – Fandrich (Röttger), Kaiser, Schulz (Luge) – Rockenbach (Röttger) – Poulsen, Frahn

4-3-3: Coltorti – Müller, Hoheneder, Willers (Sebastian), Jung – Fandrich (Röttger), Kaiser, Schulz (Rockenbach) – Luge, Frahn, Poulsen

4-2-2-2: Coltorti – Müller, Hoheneder, Willers (Sebastian), Jung – Fandrich (Röttger), Kaiser, Schulz, Luge (Rockenbach) – Poulsen, Frahn

Das ganze kann in drei, vier Wochen schon wieder Makulatur sein, weil sich die wichtigen Erkenntnisse eigentlich immer erst im regulären Spielbetrieb ergeben. Aber den aktuellen Stand dürfte es insgesamt relativ genau treffen. Der Riesenleistungssprung steckt da nominell jedenfalls im Vergleich mit der Regionalliga nicht drin. Was nicht bedeuten muss, dass auf dem Rasen nicht doch ein Leistungssprung zu beobachten ist, weil sich die Systemfähigkeiten erhöht haben und die Neuzugänge schnell einschlagen. Für die mediale Sichtweise, dass sich RB Leipzig durch die Transferausgaben zum schnellen Aufstieg in diesem Jahr kaufen will, bleiben angesichts des Kaders und der vermuteten Startformation zum Saisonauftakt aber wenige Belege. Eher steckt hier das klare Ziel dahinter, nachhaltig Talente und damit eine Mannschaft zu entwickeln, die man auch nach einem weiteren Aufstieg nicht auf 11 Positionen umbauen müsste, um weiter nach oben blicken zu können. Die Namen Luge, Jung, Thomalla, Papadimitriou und vor allem Poulsen und Kimmich stehen stellvertretend dafür. Sie stehen aber auch dafür, dass damit kurzfristig sportlich auch Sachen schief gehen können.

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2 Gedanken zu „Kaderschmiede RB Leipzig 2013/2014 – Update 1“

  1. Wieder mal sehr gut analysiert und niedergeschrieben. Was mich nur an der Analyse stört ist der „Stammplatz“ von Rockenbach. Ich bin der Meinung, dass er nicht mehr optimal in das Pressingsystem von Zorniger passt. Pressing und die daraus resultierende schnelle Balleroberung im Mittelfeld scheinen für ihn mittlerweile unüberwindbare Hürden zu sein, wenn ja wenn sie nicht in seinem Defensiv-Aktionradius von 3m stattfinden. Offensiv gelingen ihm sicherlich mehr Dinge, da kommt schon mal so ein vielgeliebtes „Sahnepässchen“ (aber leider auch viel zu oft „Fehlpässchen“). Nur ob das auf lange Sicht ausreicht, wage ich zu bezweifeln. Zumal er ja, wie du richtig schreibst, dass erste „Bollwerk“ der Pressingaktion im Mittelfeld sein muss. Naja „schaumer“ mal, vielleicht platzt ja noch der vielzitierte Knoten, nur müsste das relativ schnell gehen, denn wir wissen ja…Brasilianer….Winter…..keine Freunde…

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