Testspiel: RB Leipzig vs. HB Køge 0:1

Sechstes und vorletztes Testspiel von RB Leipzig in der Vorbereitung auf die dritte Liga 2013/2014. Diesmal in Naunhof. Also wieder mal Umlandpflege, die einerseits für den Verein wichtig ist und andererseits für den geneigten Zuschauer nicht unangenehme Ausflüge als Abwechslung zum Cottaweg bedeuten.

Von ihrem Ausflug kurz hinter die Leipziger Stadtgrenze brachten die RasenBallsportler 0 Tore und eine Niederlage mit. Was eher depremierend klingt. Und trotzdem muss man mit dem Spiel, das höchst unglücklich verloren wurde, alles in allem nicht unzufrieden sein. Einerseits hatte man sich mit HB Køge einen sehr guten, weil körperlich sehr robusten und präsenten Testspielgegner gesucht, wodurch der Test auch tatsächlich Aussagekraft bekam. Und andererseits war die Grundanlage bei RB Leipzig gut, nur im Detail lauerte dann der Teufel, der letztlich auch für die 0 auf der Anzeigetafel sorgte.

Dass auf der Gegenseite eine 1 stand hatten die dänischen Gäste hingegen einem Geschenk von Dominik Kaiser zu verdanken, dem an der Strafraumgrenze ein Rückpass auf Fabio Coltorti völlig misslang, sodass Tshiembe anschließend keine Mühe hatte, Coltorti zu überwinden. Sieht man davon ab, hatte Køge in den ersten 45 Minuten noch eine Kopfballchance, die weit drüber ging und vor dem Schlusspfiff einen Konter, dessen Abschluss knapp links am Tor vorbeistrich. Man kann mit einigem Fug und Recht behaupten, dass RB Leipzig selbst für die Niederlage in diesem Testspiel gesorgt hat.

Ansosnten war es in der ersten Halbzeit vor allem im Spiel gegen den Ball alles in allem ganz gut, sodass man sich eigentlich einige Male an der Mittellinie oder in des Gegners Hälfte den Ball eroberte. Und auch die Idee, anschließend schnell und direkt in die Spitze zu spielen, setzte man eigentlich sehr gut um. Nur blieb es leider bei der Idee. Denn eine derartige Masse an ungenauen Pässen, die zu lang wurden oder nicht ganz die richtige Richtung nahmen, hat man bei einem RB-Spiel wohl auch noch nicht gesehen. Gelegentlich verpasste es auch der Angriff, direkt nach der Mittelfeld-Balleroberung in den freien Raum zu starten, sodass es so wirkte, als wären die Bälle planlos nach vorn gespielt worden (was nicht waren). Und alles andere nahm die sehr ordentliche Gästeverteidigung mit ihrer körperlichen Präsenz weg.

Abgesehen von einer riskanten Dribbeleinlage des Gästekeepers, die Luge fast zu einem Tor für RB genutzt hätte, gab es deswegen trotz optischer Überlegenheit und potenziell guten Ballgewinnen und damit verbunden hohen Ballbesitzpositionen, nur eine größere Chance, bei der Yussuf Poulsen mit einem Kopfball wiederum am Torwart scheiterte. Vorausgegangen war ein schönes Zusammenspiel von Röttger und Müller über rechts und eine schöne Flanke von letzterem eben auf den Kopf von Poulsen.

Taktisch gesehen war die erste Hälfte ein 4-3-3 mit einem Sechser und zwei flankierenden Achtern. Bzw. war es eine Art 4-3-3, denn je nach Verschiebung entstand oft auch ein 4-3-2-1 oder ein 4-1-2-2-1. Sprach man bisher bei RB Leipzig immer gern von einer Raute, wenn man auf das 4-3-1-2 setzte, dann könnte man das aktuell dazugekommene 4-3-3 in seiner 4-1-2-2-1-Form als Wabe bezeichnen. Wenn Mittelfeld und Angriff wirklich jeweils als Dreierketten agieren, was sie höchst selten tun, hat man eine flache Struktur. Wenn allerdings der Raum zwischen Sechser und Mittelstürmer größer wird, fächern sich die anderen vier Spieler der zwei Dreierketten auf, indem die Mittelfeldspieler nach vorn schieben und die Stürmer zurück, sodass eine flexible Wabenstruktur entsteht, die relativ schnell und flexibel auf die jeweilige Spielsituation reagieren kann.

Wie gesagt, das sah von der Grundstruktur und dem was man damit an Ballgewinnen erreichte eigentlich ganz gut aus. Dass man anschließend den entscheidenden Pass im Umkehrspiel in handgeschätzten 80 Prozent der Fälle verpatzte, geht an dieser Stelle als lösbares Problem der Feinabstimmung durch, das vielleicht in diesem Stadium der Vorbereitung, in dem man bei so einem Testspiel vielleicht nicht immer 100% konzentriert ist, auch normal ist.

In der zweiten Halbzeit wurde die Partie taktisch gesehen etwas wilder. Vielleicht sollte es, wie die offizielle Homepage in ihrem Spielbericht behauptet tatächlich ein 4-3-3 sein, auf dem Platz war es das definitiv nicht. Wenn ein 4-3-3 intendiert gewesen sein sollte, dann wurde es von jenem Spieler torpediert, dessen Name wohl von jedem Spieler und Betreuer mindestens einmal in den zweiten 45 Minuten gerufen wurde. „Papa“ hallte es in regelmäßgen Abständen über den Platz. Gemeint war Christos Papadimitriou, der mal tiefer, mal höher stehen sollte und schon bald den Eindruck vermittelte, dass er eigentlich nun gar nicht mehr wisse, wo er wie zu agieren habe. Sodass er im einem Moment noch so stand, dass die Verteidigung eine Fünferkette wurde und eine Minute später tatsächlich ein 4-3-3 entstand.

Die meiste Zeit hätte ich das System, so wie Papadimitriou sich vorwiegend einordnete, als 4-4-2 mit einer in Teilen fluiden Mittelfeldreihe interpretiert. Papadimitriou stand links fest und Henrik Ernst spielte tendenziell einen tiefen Sechser, aber insgesamt verschoben er und vor allem Fandrich und Rockenbach permanent Positionen und machten aus dem Mittelfeld fast einen von außen so erscheinenden Flohzirkus.

Was vor allem dem Spiel mit dem Ball gut tat. Denn mit permanent beweglichen, anspielbaren und vor allem ballsicheren Spielern wie es Fandrich und Rockenbach sind, gelangen nun auch einige Kombinationen rund um den Strafraum, die verstärkt statt des direkten langen Balls nach Balleroberung gesucht wurden. Und je länger das Spiel dauerte, desto mehr Bälle kamen auch durch, sodass man letztlich in der zweiten Hälfte vor allem an der Chancenverwertung scheiterte. Aber auch in dieser Hälfte wie schon in der ersten – mal abgesehen von den Problemen auf der linken Seite resultierend aus der schwerlich zu durchschauenden taktischen Rolle von Christos Papadimitriou – insgesamt eine gute Figur machte.

Will man einzelne Spieler herausheben, dann fällt wieder mal ganz zuvorderst Niklas Hoheneder (gestern in der zweiten Halbzeit Kapitän) ein, der in der Vorbereitung bisher herausragend agiert. Auffällig wie schon zuletzt auch André Luge, der bei mir aktuell am ersten Spieltag in der Startelf stehen würde. Denis Thomalla weiß durchgehend zu überzeugen, hat es aber gegen Frahn und Poulsen trotzdem extrem schwer (von den anderen Konkurrenten und dem offenbar auch noch vor der Tür stehenden Transfer von Stürmer Nils Quaschner von Hansa Rostock mal ganz abgesehen). Auffällig gegen Køge zudem insbesondere Tim Sebastian, der mit viel Leidenschaft um den Platz neben Hoheneder kämpft, Clemens Fandrich und Christian Müller.

Fazit: Insgesamt war es kein schlechtes Testspiel gegen vermutlich typisches deutsches Drittliganiveau imitierende Gäste, das die zweite Niederlage in der Vorbereitungszeit nach sich zog. Wer immer gern das negative nimmt, der könnte (Køge und Basel zusammengenommen) feststellen, dass RB die Fähigkeit verloren hat, immer und überall noch mal zurückzukommen. Wenn man es realistisch nimmt, war es eine unglückliche Niederlage nach einem ordentlichen Testspiel. Wenn man immer gern das positive nimmt, dann fehlen nur noch Details bis zur – mindestens – Champions League. Oder so.

PS: Samstag ab 15 Uhr in Dessau gegen Hertha BSC dann die letzte Chance RB Leipzig in einem Testspiel zu bewundern, bevor es in der dritten Liga ernst wird.

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Tor: 0:1 Tshiembe (13.)

Aufstellung 1. Halbzeit: Coltorti – Müller, Hoheneder, Willers, Jung – Röttger, Kaiser, Schulz – Poulsen, Frahn, Luge

Aufstellung 2. Halbzeit: Bellot – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Judt – Fandrich, Ernst, Rockenbach, Papadimitriou – Kammlott, Thomalla

Zuschauer: 650 (in Naunhof)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RB-Fans-Bericht

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. HB Køge 0:1“

  1. Danke dir für den Spielbericht.

    Spiel- und RB-bezogene Blogeinträge ziehe ich dem letzten Seitenhieb auf die Inferno-Hysterie auch eindeutig vor. Habe deine Punkte und Überspitzungen schon nachvollzogen und verstanden, aber an der ein oder anderen Stelle (homogene Stadtbevölkerung – Umkehrschluss heterogene Landbevölkerung, die auf die Heterogenität mit Alltags-Rassismus reagiert? Fand an der Stelle die Zuspitzung ein wenig zu heftig für deinen sonstigen Stil – den ich sehr mag)

    Freue mich sehr darauf, viel von dir zu lesen rund um RB und die kommende Saison! Du hilfst dem Geneigten immer wieder über Durststrecken, wie meine jetzige bis zum DFB Pokalspiel, hinweg.

    Frage zum letzten Testspiel: Die von dir beschriebenen vielen Fehlpässe führst du auf Unkonzentriertheit zurück? Oder wurden Wege in der Spitze nicht gegangen, die man hätte gehen müssen?

  2. „Frage zum letzten Testspiel: Die von dir beschriebenen vielen Fehlpässe führst du auf Unkonzentriertheit zurück? Oder wurden Wege in der Spitze nicht gegangen, die man hätte gehen müssen?“

    Beides. Aber entscheidender oder häufiger war die erstaunlich schlechte Passqualität. Unkonzentriertheit oder irgendeine andere Kopfsache bieten sich bei der erstaunlichen Häufigkeit am ehesten als Erklärung an..

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